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Samstag, 12. November 2016

With Proper Graces... - Sonatas For Oboe And B.c. by William Babell (Musicaphon)

William Babell (um 1690 bis 1723) war ohne Zweifel ein begabter Musiker. Seine Ausbildung begann er bei seinem Vater, der in London am Theatre Royal als Fagottist wirkte. In späteren Jahren gehörte Johann Christoph Pepusch zu seinen Lehr- meistern, und möglicherweise auch Georg Friedrich Händel. Babell spielte Geige in der King's Band, dem privaten Orchester des Königs Georg I. Außerdem musizierte er als Cemba- list gemeinsam mit bedeutenden Musikerkollegen, wie den Geigern William Corbett und Matthew Dubourg oder dem Blockflötisten Jacques Paisible. Ab 1718 war er zudem als Organist an einer Kirche tätig. 
Babell arrangierte Arien aus populären Opern seiner Zeit für Tasteninstru- mente. Diese Bearbeitungen waren auch auf dem Kontinent gefragt und wurden nicht nur in England, sondern auch in den Niederlanden und in Deutschland veröffentlicht. Leider blieb dem Musiker nicht viel Zeit, davon zu profitieren, da er schon sehr früh verstorben ist, aufgrund, urteilten Zeitgenossen, „intemperate habits“. 
Auf dieser CD erklingen seine zwölf Sonaten für Oboe und Basso continuo, wiederentdeckt durch das Ensemble Concert Royal Köln. Sie klingen ein wenig nach Händel, und geben mit den durch Babell ausgezierten Adagio-Sätzen einen interessanten Einblick in die Musizierpraxis jener Zeit; Karla Schröter, die Oboistin des Concert Royal Köln, vermutet in ihrem Kommentar im Beiheft sogar, es könnte sich um „ein kleines Lehrwerk des Komponisten“ handeln. Dem Ensemble, dass sich sehr für vergessene Bläsermusik des 18. Jahrhunderts engagiert und auf Instrumenten der jeweiligen Zeit und Region musiziert, ist mit dieser Ersteinspielung einmal mehr ein Coup gelungen. 

Samstag, 28. Mai 2011

Bläserkammermusik der Brüder Graun (Musicaphon)

Ihre Manuskripte signierten sie Graun, ihre Musikstücke können nicht einmal Experten in jedem Falle sicher einem der Brüder zuordnen, und auch sonst waren ihre Lebenswege erstaunlich eng verflochten: Johann Gottlieb (1698 bis 1771) und Carl Heinrich Graun (1703 bis 1757) besuchten beide die Kreuzschule in Dresden. Johann Gottlieb erhielt Violin- unterricht bei Johann  Georg Pisendel; er ging später als Konzertmeister nach Merseburg, wo übrigens zu seinen Violinschülern auch Wilhelm Friedemann Bach gehörte, und wechselte dann in den Dienst des Prinzen Waldeck nach Arolsen. 
Carl Heinrich konnte schon in Dresden von seiner schönen Stimme profitieren. 1725 wurde er als Tenorist nach Braunschweig engagiert, wo er bald darauf Vizekapellmeister wurde, und seine ersten Opern komponierte - unter anderem für die Hochzeitsfeierlichkeiten des preußischen Kronprinzen Friedrich. Der war davon so angetan, dass er die Gebrüder Graun in seine Hofkapelle aufnahm. 
Das Ensemble Concert Royal aus Köln hat auf dieser CD Bläser-Kammermusik der Graun-Brüder eingespielt, die mit teilweise sehr kuriosen Besetzungen überrascht. Da finden sich unter anderem Trios für Oboe d'amore, Horn und Fagott, zwei Concerti für konzertieren- des Horn, Oboe d'amore und Basso continuo, sowie ein Concerto à 4 für zwei Oboen, Trompete und Fagott. Karla Schröter und Eric Douchy, Oboe d'amore, Anette Sichelschmidt, Barockvioline, Rafael Vosseler, Barockhorn, Friedemann Immer, Barocktrompete, Trudy von der Wulp, Barockfagott und Roman Giefer, Cembalo, sind zweifellos durchweg exzellente Instrumentalisten. Aber diese CD erfüllt nicht ganz die hohen Erwartungen, mit der man sie gestartet hatte. Diese Werke zwischen Spätbarock und galantem Stil hätte man sich eleganter, farbiger und mit mehr Esprit vorgetragen gewünscht.