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Samstag, 1. Januar 2022

Johann Strauss II: Waldmeister (Naxos)

 

Zum neuen Jahr diesmal im Blog eine Operette: Waldmeister von Johann Strauss II ist im Dezember 1895 zum ersten Mal aufgeführt worden. Dass das Opus, anders als Strauss‘ Zigeunerbaron oder Die Fledermaus, heutzutage auf der Bühne keine Bedeutung mehr hat, liegt ohne Zweifel am Libretto. 

Die vorliegende Einspielung mit einem soliden Sängerensemble, dem Sofia Philharmonic Chorus und dem Sofia Philharmonic Orchestra unter Dario Salvi zeigt, dass das Werk hier und da seine Längen und insgesamt auch ein wenig Staub angesetzt hat. Doch wenn man die Texte nicht gar so ernst nimmt, dann ist diese Verwechslungskomödie eigentlich ganz amüsant. 

Turbulenzen nämlich bietet die Handlung zur Genüge. Auf einer Landpartie retten sich junge Leute vor einem Gewitter in eine Waldmühle. Die Damen gehören zum Freundeskreis der Dresdner Sängerin Pauline; die Herren studieren an der örtlichen Forstakademie. Außerdem flüchtet sich dorthin der Plauener Botanikprofessor Erasmus Müller. Vom Müllersknecht werden die Herrschaften, da sie alle durchnässt sind, mit trockenen Sachen ausstaffiert – stilecht natürlich, mit Berufsbekleidung. 

Und während der „richtige“ Müller irgendwo einen Rausch ausschläft, beginnt die Komödie. Denn nun halten alle Müller für den Müller. Diesen Irrtum zu korrigieren, bleibt keine Zeit – mittlerweile ist Paulines Freundin Jeanne in der Mühle eingetroffen, und sie bringt schlechte Nachrichten mit: Der Direktor der Forstakademie werde in wenigen Augenblicken vorfahren, durchaus erzürnt, denn er habe von einem unerlaubten Jagdausflug seiner Zöglinge Kenntnis erlangt. 

In dieser Situation hilft nur, sich zu verstecken – während Pauline, noch immer als Müllerin verkleidet, den Herrn Oberforstrat empfängt. Dieser, obwohl eigentlich ziemlich gestreng, verfällt umgehend dem Charme der vermeintlichen Müllerin. Beim ersten Kuss freilich wird das Paar vom Botaniker photographiert, und auch die jungen Leute sind auf einmal wieder zugegen. Wer glaubt, dass sich dieses Durcheinander nicht mehr steigern lässt, der hat allerdings noch das Finale des ersten sowie zwei weitere Akte vor sich. 

Am Ende allerdings wird alles gut, und es haben sich sogar drei glückliche Paare gefunden – wenn auch nicht ganz so, wie ursprünglich vorgesehen. Aber bis dahin gibt es noch etliche witzige Szenen; dem Botaniker gelingt es, die Herkunft des extrem raren schwarzen Waldmeisters aufzuklären, und kalter Lindenblütentee verwandelt sich verblüffenderweise in eine leckere Waldmeisterbowle. 

Dazu gibt es Strauss‘ wunderbare, temperamentvolle Musik. Nicht umsonst sind etliche Stücke später zu Schlagern geworden, wie die Klipp-Klapp-Polka, die Waldmeister-Quadrille oder der Walzer Trau, schau, wem. Hinreißend! 


Samstag, 7. September 2013

Fauré: Requiem, Bach: Partitas, Chorales & Ciaconna (LSO Live)

Diese CD verfolgt ein interessantes Konzept: Gordan Nikolitch spielt die Partita in d-Moll von Johann Sebastian Bach, und das Ensemble Tenebrae singt zwischen den einzelnen Sätzen Choräle. 
Das wäre nicht weiter erwähnens- wert, wenn nicht mittlerweile der letzte Satz der Partita genauer untersucht worden wäre – mit erstaunlichem Ergebnis. Die Chaconne stand mit ihrer Überlänge schon immer als ein Solitär am Ende des berühmten Werkes. Nun hat eine Musikwissenschaftlerin, die Professorin Helga Thoene, die Melodien beschrieben, um die die Violinstimme in der Ciaconna kreist. Es sind Choralzitate, Bruchstücke aus der lutheri- schen Begräbnisliturgie; einige Sänger des Ensembles Tenebrae machen sie hier hörbar. Und man muss sagen: Diese Aufnahme unterstreicht eindrücklich die These, die Chaconne sei ein Tombeau für Bachs 1720 verstorbene Frau Maria Barbara. 
Daran schließt sich nahtlos das Requiem von Gabriel Fauré an. Es steht ohnehin in der gleichen Tonart, und erklingt auf dieser CD in der Fassung von 1893. In dieser Version setzt die Orchestrierung auf die tiefen Instrumente – neben einer einzigen Violine sind nur Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe, zwei Hörner, Harfe und Orgel besetzt. Dies ermöglicht spannende Klangeffekte, und so erscheint diese Version weit ausdrucksstärker als die spätere Variante für konventionelles Orchester. Das Ensemble Tenebrae singt diese sanfteste aller Toten- messen gemeinsam mit den Solisten Grace Davidson und William Gaunt sowie dem London Symphony Orchestra Chamber Ensemble unter Nigel Short. Diese Einspielung ist wirklich wundervoll, Kompliment an alle Beteiligten.