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Sonntag, 12. September 2021

Mephistopheles and other bad guys (Pentatone)

 

Wenn es darum geht, Finsterlinge auf die Opernbühne zu bringen, dann entscheiden sich Komponisten oftmals für die tiefe Stimmlage. Ob der Landsknecht Caspar in Carl Maria von Webers Freischütz, ob Stadtrat Lindorf und Dapertutto aus Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach – eine Oper, in der der Teufel durch jeden Akt geistert – oder Alberich aus Richard Wagners Rheingold – auf dieser CD präsentiert Kevin Short seine ganz persönliche Auswahl an fiesen Charakteren. 

Begleitet vom Orchestre Philharmonique de Marseille unter der Leitung von Lawrence Foster, singt der Bassbariton Arien aus gut 200 Jahren Musikgeschichte, von Mozart über Beethoven, Verdi und Meyerbeer bis hin zu Stravinsky und Getty. In den Mittelpunkt stellt Short die Figur des Mepistopheles, in all ihren diversen Opernfacetten von Gounod bis Berlioz und von Boito bis Mussorgsky. 

Kevin Short, im Charakterfach herausragend, hat eine faszinierende Stimme, wandelbar und farbenreich. Vom strahlenden, warmen Baritonglanz bis hin zum unheilvollen tiefen Grollen steht dem Amerikaner ein unglaublich breites Spektrum an stimmlichem Ausdruck zur Verfügung. Phänomenal – unbedingt anhören, lohnt sich! 


Mittwoch, 26. April 2017

Aksel! Arias by Bach, Handel & Mozart (Signum Classics)

Die Jugend heutzutage singt nicht mehr? Das dies nicht grundsätzlich zutrifft, beweist das britische Label Signum Classics mit dieser CD, die einen exzellenten jungen Sänger vorstellt: Aksel Rykkvin, Jahrgang 2003, bewältigt scheinbar mühelos die schwierigsten Partien. Der Knabensopran singt in Kinderchor der norwegischen Nationaloper und im Knabenchor der Kathedrale von Oslo; er ist aber auch als Solist mittlerweile sehr gefragt. 
Das ist kein Wunder, denn er verfügt über eine schöne und sehr geübte Stimme, die zudem erstaunlich tragfähig ist. Nicht jede Koloratur liegt Aksel Rykkvin gleichermaßen, dennoch beeindruckt die Geläufigkeit, mit der er hier Werke von Bach, Händel und Mozart vorträgt. Fast noch wichtiger aber ist sein phänomenales musikalisches Empfinden. Man höre nur die Arie Jauchzet Gott in allen Landen aus der Kantate BWV 51, mit der diese CD beginnt, das bekannte Lascia ch'io pianga aus Händels Oper Rinaldo oder die beiden Arien aus Mozarts Oper Le nozze di Figaro – das könnte auch ein Erwachsener kaum besser gestalten. Begleitet wird der junge Solist vom Orchestra of the Age of Enlightenment unter Nigel Short. 

Mittwoch, 9. Dezember 2015

A Very English Christmas (Tenebrae)

Der Titel dieser CD ist durchaus wörtlich zu nehmen. Zum einen deshalb, weil Nigel Short und das von ihm geleitete Ensemble Tenebrae tief in der englischen Chortradition verwurzelt sind. Als Chorister im Gottesdienst zu singen, das heißt, ein höchst lebendiges Repertoire gründlich und über Jahre kennen- zulernen. 
Zum anderen aber ist es erstaunlich, wie wenige der englischen Carols auf dem Kontinent bekannt sind – und mit welcher Leidenschaft sie in Großbritannien gepflegt werden: „Eventually we decided there was more than enough wonderful repertoire that would provide a musical breath of fresh air come Christmas time“, so berichtet Short im Beiheft zu dieser CD, „and also gives us a chance to herald the extraordinary talents of some of the most dedicated and less well-known individuals from the world of English choral music in the 20th century, thus 'A Very English Christmas' came to be.“ 
Und so finden sich denn auf dieser CD Kompositionen von Simon Preston, John Gardner, Richard Lloyd, Richard Hickox, Peter Warlock, Christopher Robinson, Philip Ledger, Arnold Bax, Paul Edwards, Jonathan Lane, Alec Redshaw und Philip Radcliffe. Gesungen werden die alten Melodien im modernen Gewand von Tenebrae exzellent. Aber für kontinentale Ohren klingt das möglicherweise, Warnung!, alles ziemlich fremd. 

Montag, 27. April 2015

Medieval Chant and Tallis Lamentations (Tenebrae)

Das Tenebrae Consort unter Nigel Short kombiniert auf seiner Debüt-CD gregorianische Gesänge, die in der Passionzeit gesungen werden, mit den Lamentations of Jeremiah in der Vertonung von Thomas Tallis sowie einem Responsorium von John Sheppard. 
„The timeless beauty of the simple melodic and rhythmic inflections of chant captivated me even as a young chorister“, berichtet Short im Beiheft. „Its calming, reflective and almost hypnotic effect is particularly powerful heard within the context of our highly-charged lives, yet it has been sung by monks for around a thousand years in churches, cathedrals and abbeys around the world.“ 
Die ausgewählten Gesänge sind vor der Reformation in der Kathedrale von Salisbury erklungen, und zwar zur sogenannten Komplet, dem Nachtgebet der Mönche. Die vier bzw. fünf Sänger aus dem zweifelsohne exzellenten Tenebrae-Chor psalmodieren, wie es Benediktiner nicht eindrücklicher könnten. Auch Tallis' Lamentations singen sie mit Leidenschaft und Präzision. Eine gelungene, ausgesprochen suggestive, kraftvolle Auf- nahme.

Samstag, 7. September 2013

Fauré: Requiem, Bach: Partitas, Chorales & Ciaconna (LSO Live)

Diese CD verfolgt ein interessantes Konzept: Gordan Nikolitch spielt die Partita in d-Moll von Johann Sebastian Bach, und das Ensemble Tenebrae singt zwischen den einzelnen Sätzen Choräle. 
Das wäre nicht weiter erwähnens- wert, wenn nicht mittlerweile der letzte Satz der Partita genauer untersucht worden wäre – mit erstaunlichem Ergebnis. Die Chaconne stand mit ihrer Überlänge schon immer als ein Solitär am Ende des berühmten Werkes. Nun hat eine Musikwissenschaftlerin, die Professorin Helga Thoene, die Melodien beschrieben, um die die Violinstimme in der Ciaconna kreist. Es sind Choralzitate, Bruchstücke aus der lutheri- schen Begräbnisliturgie; einige Sänger des Ensembles Tenebrae machen sie hier hörbar. Und man muss sagen: Diese Aufnahme unterstreicht eindrücklich die These, die Chaconne sei ein Tombeau für Bachs 1720 verstorbene Frau Maria Barbara. 
Daran schließt sich nahtlos das Requiem von Gabriel Fauré an. Es steht ohnehin in der gleichen Tonart, und erklingt auf dieser CD in der Fassung von 1893. In dieser Version setzt die Orchestrierung auf die tiefen Instrumente – neben einer einzigen Violine sind nur Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe, zwei Hörner, Harfe und Orgel besetzt. Dies ermöglicht spannende Klangeffekte, und so erscheint diese Version weit ausdrucksstärker als die spätere Variante für konventionelles Orchester. Das Ensemble Tenebrae singt diese sanfteste aller Toten- messen gemeinsam mit den Solisten Grace Davidson und William Gaunt sowie dem London Symphony Orchestra Chamber Ensemble unter Nigel Short. Diese Einspielung ist wirklich wundervoll, Kompliment an alle Beteiligten. 

Sonntag, 14. April 2013

Gesualdo / Victoria: Responsories and Lamentations für Holy Saturday (Deutsche Grammophon)

Gegensätze ziehen sich an - mit diesen Worten könnte man das Konzept dieser CD umschreiben. Das Ensemble Tenebrae unter Nigel Short kombiniert ein Miserere sowie Vertonungen der Tenebrae-Responsorien für die Karwoche, die der italienische Komponist Carlo Gesualdo 1611 veröffentlicht hat, mit Lamenta- tiones für den Karsamstag, die Tomas Luis de Victoria 1585  ge- schrieben hat. 
Während Gesualdo sich um Kon- ventionen wenig kümmert, und die liturgischen Texte konsequent mit musikalischen Mitteln ausdeutet - bis an die Grenzen der damals gülti- gen Regeln, das klingt selbst für uns heute mitunter noch kühn und wild -, glänzen die Klagegesänge seines Zeitgenossen in Schönheit und Ausgewogenheit: Makellose Melodien, ausgewogene Proportionen, perfekter Kontrapunkt. Das Ensemble Tenebrae singt ebenfalls makel- los, perfekt und ausgewogen. Das macht diese Aufnahme zu einem Hörgenuss, vom ersten bis zum letzten Ton.