Eine berühmte Sammlung, und vier Instrumente – Frédéric Desenclos spielt Bachs Wohltemperirtes Clavier auf der Orgel. Dazu hat er höchst unterschiedliche Instrumente ausgewählt: Die Orgel der Oud Katholieke Kerk La Haye wurde 1726 von Rudolph Garrel gebaut, einem Lehrling von Arp Schnitger. Das Instrument wurde in den 90er Jahren durch die Firma Flentrop rekonstru- iert. Es steht in Kirnberger III-Stimmung. Eine andere Stimmung, Neidhart, hat die Orgel der Grote of Sint-Maartenskerk Zaltbommel. Sie wurde in den Jahren 1783 bis 1786 von Andries Wolfferts errichtet, wobei Pfeifen eines älteren Instrumentes von Matthias Verhofstadt mit verwendet wurden. Diese Orgel ist im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut worden; in den 80er Jahren wurde sie durch den Orgelbauer Blank restauriert.
In der Kirche Notre Dame Saint-Vincent von Lyon befindet sich eine moderne Orgel aus dem Jahre 1994, von Bernard Aubertin und Richard Freytag. Sie wurde nach norddeutschem Vorbild konzipiert und gilt als ideales Instrument, um die Musik Bachs zu spielen. Von süddeutschen Orgeln inspiriert hingegen ist das Instrument, das Rémy Mahler 1999 für die Kirche Saint-Etienne im baskischen Baigorry gebaut hat. Sie ist 1/6 Komma mitteltönig gestimmt.
Desenclos spielt Bachs 48 Präludien und Fugen an diesen vier Orgeln – und gibt dabei eine Lehrstunde in Klangcharakteristika wie in Hörge- wohnheiten. Nicht auf jedem Instrument kommen Bachs berühmte Stücke gleichermaßen zur Geltung. Es ist erstaunlich, wie sehr doch winzige Unterschiede in der Intonation den Gesamtklang beeinflussen. Ob man dazu allerdings eine solche Box veröffentlichen muss, das erscheint mir fraglich.
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Dienstag, 16. Februar 2016
Montag, 13. Januar 2014
Deux siècles d'orgue (Alpha)
Die Orgel in der Chapelle Royale, der königlichen Kapelle im Schloss von Versailles, befindet sich direkt über den Hochaltar. Der Organist, der dort Dienst tut, sitzt mit dem Rücken zum Altar und zur Ge- meinde, inmitten von reichem Schnitzwerk in edlem Weiß und reichlich Blattgold. Über ihm an der Decke befindet sich das Gemälde Die Auferstehung Christi von Charles de La Fosse. Was für ein Arbeitsplatz! Auch das Instru- ment selbst ist angemessen prächtig. Die Orgel hat vier Manuale und Pedal sowie 38 Register. Sie wurde von Robert Clicquot und Julien Tribuot 1710 erbaut, zur Orgelweihe 1711 musizierte Francois Couperin.
Die französische Revolution überlebte das Instrument, allerdings derangiert, so dass zwischen 1871 und 1873 der berühmte Orgel- bauer Aristide Cavaillé-Coll mit der Rekonstruktion beauftragt wurde. Er installierte eine neue, romantische Orgel, dem Zeitgeschmack entsprechend. Sie gefiel aber schon 1938 nicht mehr, und wurde durch einen Neubau von Victor Gonzalez ersetzt. Als in den 90er Jahren die Kapelle restauriert wurde, entschied man sich dafür, die ursprüngliche Clicquot-Orgel wieder herzustellen. Jean-Loup Boisseau und Bertrand Cattiaux übernahmen diese Aufgabe. Dabei konnten sie den alten Spieltisch nutzen, der noch vorhanden war. Erhalten war auch ein geringer Teil des originalen Pfeifenwerks. Als Vorbild diente zudem die Clicqout-Orgel in Houdan, die ohne wesent- liche Eingriffe und Umbauten über die Jahrhunderte gekommen war. Daran konnten sich Boisseau und Cattiaux orientieren; der Klang der beiden Instrumente ist in der Tat sehr ähnlich. Somit steht heute in der Chapelle Royale wieder eine „echte“ französische Barockorgel zur Verfügung.
Als Organisten wirken dort derzeit Michel Bouvard, Professor für Orgel am Pariser Konservatorium und Organist an der Cavaillé-Coll-Orgel der Basilika Saint-Sernin in Toulouse, Frédéric Desenclos, Pro- fessor für Orgel am Konservatorium in Orléans, Francois Espinasse, Professor für Orgel am Konservatorium Lyon und Organist der Kirche Saint-Severin in Paris, sowie Jean-Baptiste Robin, Professor für Orgel am Konservatorium von Versailles und Ehrenorganist an der Francois-Henri Clicqout-Orgel der Kathedrale von Poitiers. Sie teilen sich auch in die Aufnahmen auf der vorliegenden Doppel-CD, die ein klingendes Porträt der Orgel in der Chapelle Royale ist – und zugleich an die Organisten erinnert, die dieses Instrument früher gespielt und dafür Musik komponiert haben.
So präsentieren sie zwei Jahrhunderte französische Orgelmusik, wie sie unter den Königen Ludwig XIV. bis XVI. die höfische Liturgie begleitet hat. Und die Clicquot-Orgel klingt in der Tat berückend. Zu hören ist Musik von Nicolas Lebègue, Jacques-Denis Thomelin, Guillaume-Gabriel Nivers, Francois Couperin, Louis Marchand, Jean-Francois Dandrieu, Claude Bénigne Balbastre und Louis Claude Daquin. Ein prachtvolles Beiheft mit zahlreichen Bildern und ausführ- lichen Einführungstexten – leider unverkürzt nur in französischer Sprache, etwas knapper auch auf Englisch – vermittelt zusätzliche Eindrücke und Informationen.
Die französische Revolution überlebte das Instrument, allerdings derangiert, so dass zwischen 1871 und 1873 der berühmte Orgel- bauer Aristide Cavaillé-Coll mit der Rekonstruktion beauftragt wurde. Er installierte eine neue, romantische Orgel, dem Zeitgeschmack entsprechend. Sie gefiel aber schon 1938 nicht mehr, und wurde durch einen Neubau von Victor Gonzalez ersetzt. Als in den 90er Jahren die Kapelle restauriert wurde, entschied man sich dafür, die ursprüngliche Clicquot-Orgel wieder herzustellen. Jean-Loup Boisseau und Bertrand Cattiaux übernahmen diese Aufgabe. Dabei konnten sie den alten Spieltisch nutzen, der noch vorhanden war. Erhalten war auch ein geringer Teil des originalen Pfeifenwerks. Als Vorbild diente zudem die Clicqout-Orgel in Houdan, die ohne wesent- liche Eingriffe und Umbauten über die Jahrhunderte gekommen war. Daran konnten sich Boisseau und Cattiaux orientieren; der Klang der beiden Instrumente ist in der Tat sehr ähnlich. Somit steht heute in der Chapelle Royale wieder eine „echte“ französische Barockorgel zur Verfügung.
Als Organisten wirken dort derzeit Michel Bouvard, Professor für Orgel am Pariser Konservatorium und Organist an der Cavaillé-Coll-Orgel der Basilika Saint-Sernin in Toulouse, Frédéric Desenclos, Pro- fessor für Orgel am Konservatorium in Orléans, Francois Espinasse, Professor für Orgel am Konservatorium Lyon und Organist der Kirche Saint-Severin in Paris, sowie Jean-Baptiste Robin, Professor für Orgel am Konservatorium von Versailles und Ehrenorganist an der Francois-Henri Clicqout-Orgel der Kathedrale von Poitiers. Sie teilen sich auch in die Aufnahmen auf der vorliegenden Doppel-CD, die ein klingendes Porträt der Orgel in der Chapelle Royale ist – und zugleich an die Organisten erinnert, die dieses Instrument früher gespielt und dafür Musik komponiert haben.
So präsentieren sie zwei Jahrhunderte französische Orgelmusik, wie sie unter den Königen Ludwig XIV. bis XVI. die höfische Liturgie begleitet hat. Und die Clicquot-Orgel klingt in der Tat berückend. Zu hören ist Musik von Nicolas Lebègue, Jacques-Denis Thomelin, Guillaume-Gabriel Nivers, Francois Couperin, Louis Marchand, Jean-Francois Dandrieu, Claude Bénigne Balbastre und Louis Claude Daquin. Ein prachtvolles Beiheft mit zahlreichen Bildern und ausführ- lichen Einführungstexten – leider unverkürzt nur in französischer Sprache, etwas knapper auch auf Englisch – vermittelt zusätzliche Eindrücke und Informationen.
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