Das Silvesterkonzert des ZDF wurde in diesem Jahr erstmals nicht aus Berlin, sondern aus der Dresdner Semperoper übertragen. Christian Thielemann startet in sein Engagement bei der Dresdner Staatskapelle mit Auszügen aus Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe. Damit folgt er übrigens seinem Mentor Herbert von Karajan, der für die leichte Muse durchaus auch ein Faible hatte.
Die lustige Witwe gehört, dieser Kalauer sei gestattet, eher zu den Schwergewichten des Genres. Nummern wie Da geh ich zu Maxim, Ja, das Studium der Weiber ist schwer, das Vilja- Lied oder Lippen schweigen sind keineswegs leichte Kost; für die Partie der vermögen- den Witwe Hanna Glawari wurde in diesem Falle Renée Fleming angeheuert, und den Grafen Danilo singt Christopher Maltman. Um diese Weltstars herum agieren stimmstark die hauseigenen Kräfte aus dem Solistenensemble der Semperoper sowie der Staatsopernchor Dresden.
Die Staatskapelle erweist sich erneut als ein erstklassiges Opern-Orchester, das auch einmal Vergnügen am Wiener Walzer findet. Zwar bleibt der typisch sächsisch-gedeckte Orchesterklang prägend, und zum Wiener Überschwang sind die Dresdner nicht zu verführen. Aber bei den Zugaben stellt man erstaunt fest, dass Bernstein der Staats- kapelle durchaus liegt. Und zum Abschluss erklingt mit An der Elbe sogar ein Walzer von Johann Strauss Sohn - ein Gruß an die Stadt der Neujahrskonzerte.
Die Silvesterkonzerte dürften in Dresden umgehend zu einer Tradition werden. Diese Innovation Thielemanns wird das konservative Dresdner Publikum vermutlich nicht überfordern. Und die Gäste der sächsischen Landeshauptstadt werden sich an den Stars ebenfalls erfreuen, bevor sie in die Hotels entschwinden, um festlich zu dinieren und ins neue Jahr hinüberzufeiern. Alle sind glücklich - was will man mehr.
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Samstag, 22. Januar 2011
Freitag, 30. Juli 2010
Lehár: Die lustige Witwe / Das Land des Lächelns (EMI Classics)
Die Operette gilt gemeinhin als die kleine, etwas alberne Schwester der großen, gewichtigen Oper - doch oftmals erweist sich gerade die "leichte Muse" für die Musiker als eine schwierige Aufgabe.
Franz Lehár komponierte etliche Operetten, und er war damit nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil er sie mit einem Augenzwinkern schrieb. Das Land des Lächelns beispielsweise holte einst das ferne China ins Stadttheater. Lehár lieferte den perfekten Soundtrack zum Traum des Bürgers von exotischen, fremden Welten - heute würde er wahrscheinlich Filmmusik schreiben. Und was bei dieser Operette die ironischen Zitate zur Chinoiserie, das ist bei der Lustigen Witwe der Tanz, der alle und alles überwältigt. Die Komödie um die schwer- reiche Hanna Glawari, die unbedingt einen Landsmann heiraten soll, damit ihr Vermögen im - ansonsten von der Pleite bedrohten - Lande bleibt, reiht Hit an Hit. Und bei der Orchestrierung bediente Lehár sich fröhlich bei den Innovationen, die zeitgleich im Konzertsaal und auf der "ernsthaften" Opernbühne ausprobiert wurden.
Wenn solche Perlen des Repertoires dann noch mit einer erstklassi- gen Besetzung aufwarten, dann kann Operette durchaus zum Musik- erlebnis werden. So auch im Falle der vorliegenden CD-Box, die gleich zwei Höhepunkte des Genres zusammenfasst - in Einspielungen aus dem Jahre 1953, man mag es beim flüchtigen Hören kaum glauben, so frisch klingt nicht zuletzt das Philharmonia Orchestra unter Otto Ackermann.
Und selbst die Sänger leisten sich kaum Manierismen, wie man sie heutzutage mitunter noch auf der Bühne erleben muss. Das wird nicht verwundern, denn das Ensemble ist wirklich erstklassig. Es singen Elisabeth Schwarzkopf (Lisa/Hanna Glawari), Nicolai Gedda (Prinz Sou-Chong/Camille de Rossilon), Erich Kunz (Gustl/Graf Danilo- witsch) und Emmy Loose (Mi/Valencienne) sowie Otakar Kraus, Anton Niessner und Josef Schmidinger. Das alles macht die Ein- spielung zum Ereignis. Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern, die beiden Operetten schon einmal in besseren Aufnahmen gehört zu haben.
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