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Montag, 7. Oktober 2019

Kur-Concert in Meran (Fra Bernardo)

Diese CD entführt uns in die gute alte Zeit: Um 1900 trafen sich in dem idyllisch gelegenen Meran die Reichen und der Adel. Sie reisten zur Kur oder einfach zur Erholung nach Südtirol, und die Stadt bemühte sich natürlich, diese Gäste auch gut zu unterhalten. Das „Curorchester“ in Meran war, nach dem in Karlsbad, eines der ältesten in Europa. 
Es spielte auch im Theater, wo vor allem Operetten aufgeführt wurden – und zwar stets die aktuellen Stücke, kurz nach der Uraufführung in Wien. Und so kamen auch Komponisten wie Franz Léhar oder Leo Fall nach Meran, um ihre Werke zu dirigieren. 
Heute gibt es in Meran längst kein Kurorchester mehr. Aus Kurgästen, die mehrere Wochen blieben und neben ihren Behandlungen gern auch Konzert und Theater genossen, sind Touristen geworden – Instagram statt High Society. 
Das Notenarchiv des Kurorchesters aber ist noch vorhanden. Auf dieser CD zeigt Philipp von Steinaecker mit seiner Musica Saeculorum, welches Repertoire von diesem Ensemble um die Jahrhundertwende gespielt worden ist. Neben allerlei Tänzen, vor allem der Familie Strauss, erklingen beispielsweise auch zwei Fantasien mit Melodien aus Richard Strauss' Opern Ariadne auf Naxos und Elektra oder der Karfreitagszauber aus Richard Wagners Parsifal. Sopranistin Laura Giordano singt zudem eine Arie der Musetta aus Giacomo Puccinis Oper La Bohème
Wer ein solches Programm bewältigt – und bei mehr als 400 Auftritten pro Jahr war seinerzeit ganz sicher wenig Zeit für Proben – der muss ohne Zweifel ein exzellenter Musiker sein. Entsprechend hoch muss die Qualität des Kurorchesters einst gewesen sein. Das Ensemble Musica Saeculorum tritt da also in große Fußstapfen, und es musiziert ebenfalls höchst hörenswert. 
Für diese Einspielung wurde das originale Stimmenmaterial der Kurmusik Meran verwendet. Und es ist erstaunlich, was für Klangfarben so ein Salonorchester mit einer Handvoll Streichern, Flöte, Oboe, Klarinette, Posaune und Schlagwerk sowie Harmonium und Klavier als Fundament erzeugen kann. Ungewohnt, aber vom ersten bis zum letzten Ton faszinierend. 

Donnerstag, 3. März 2011

Salon de Vienne (Gramola)

Wer eine CD mit "schöner" Violin- musik sucht, die man auch der Groß- oder der Schwiegermutter schenken kann, der sollte sich Salon de Vienne vormerken. Dass es Thomas Albertus Irnberger, Violine, und Jörg Demus, Klavier, allerdings keineswegs nur um schmissige Salonstücke geht, wird schon beim ersten Blick auf die ausgewählten Werke deutlich. 
Die CD bietet neben "Klassikern" wie Schön Rosmarin, Liebesleid und Liebesfreud sowie einem Unga- rischen Tanz von Johannes Brahms und der Frasquita-Serenade von Franz Léhar in Transkriptionen von Fritz Kreisler oder dem Ischler Walzer in A-Dur von Johann Strauß Sohn durchaus auch weniger bekanntes, wie die Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók, die Romantischen Stücke op. 75 von Antonín Dvorak oder die Romanze für Violine und Klavier op. 51 von Carl Goldmark. Zugleich bemühen sich die beiden Musiker, in ihrer Auswahl einen Blick auf das überaus facettenreiche musikalische Leben im Wien der Jahrhundertwende zu ermöglichen. 
Darin sind sie sehr erfolgreich, und sie überzeugen nicht nur durch die geschickte Zusammenstellung von Werken von Brahms bis Mahler, sondern auch durch ihre Musizierkultur, die wirklich Freude macht. 

Samstag, 22. Januar 2011

New Year's Eve Concert 2010 (Deutsche Grammophon)

Das Silvesterkonzert des ZDF wurde in diesem Jahr erstmals nicht aus Berlin, sondern aus der Dresdner Semperoper übertragen. Christian Thielemann startet in sein Engagement bei der Dresdner Staatskapelle mit Auszügen aus Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe. Damit folgt er übrigens seinem Mentor Herbert von Karajan, der für die leichte Muse durchaus auch ein Faible hatte. 
Die lustige Witwe gehört, dieser Kalauer sei gestattet, eher zu den Schwergewichten des Genres. Nummern wie Da geh ich zu Maxim, Ja, das Studium der Weiber ist schwer, das Vilja- Lied oder Lippen schweigen sind keineswegs leichte Kost; für die Partie der vermögen- den Witwe Hanna Glawari wurde in diesem Falle Renée Fleming angeheuert, und den Grafen Danilo singt Christopher Maltman. Um diese Weltstars herum agieren stimmstark die hauseigenen Kräfte aus dem Solistenensemble der Semperoper sowie der Staatsopernchor Dresden. 
Die Staatskapelle erweist sich erneut als ein erstklassiges Opern-Orchester, das auch einmal Vergnügen am Wiener Walzer findet. Zwar bleibt der typisch sächsisch-gedeckte Orchesterklang prägend, und zum Wiener Überschwang sind die Dresdner nicht zu verführen. Aber bei den Zugaben stellt man erstaunt fest, dass Bernstein der Staats- kapelle durchaus liegt. Und zum Abschluss erklingt mit An der Elbe sogar ein Walzer von Johann Strauss Sohn - ein Gruß an die Stadt der Neujahrskonzerte. 
Die Silvesterkonzerte dürften in Dresden umgehend zu einer Tradition werden. Diese Innovation Thielemanns wird das konservative Dresdner Publikum vermutlich nicht überfordern. Und die Gäste der sächsischen Landeshauptstadt werden sich an den Stars ebenfalls erfreuen, bevor sie in die Hotels entschwinden, um festlich zu dinieren und ins neue Jahr hinüberzufeiern. Alle sind glücklich - was will man mehr. 

Donnerstag, 16. September 2010

Franz Lehár: Der Zarewitsch (cpo)

Zarewitsch Aljoscha soll heiraten. Doch von "Weibern" hält der russi- sche Thronfolger gar nichts. Damit er seine Meinung ändert, schiebt ihm der Hof eine Tänzerin unter, die ihn in gewissen Dingen unter- weisen soll. 
Dummerweise verlieben sich die beiden ineinander, und statt brav und standesgemäß zum Altar zu schreiten, flüchtet der Erbe mit der Freundin nach Italien. Erst der Verweis auf die Staatsraison bringt ihn zur Vernunft - und auch die Tänzerin Sonja zum Verzicht auf eine sangestrunkene Liebe. 
Franz Lehár, unter den Komponisten unangefochten der König im Reich der Operette, hat die Partie des Zarewitsch seinerzeit dem Tenor Richard Tauber auf den Leib geschneidert. Wer sich also an dieses farbenreiche, musikalisch sehr anspruchsvolle, aber ansonsten nicht übermäßig spannende Stück heranwagt, der weiß, worauf er sich einlässt. 
In dieser Einspielung sind die vier wesentlichen Partien durchweg mit jungen Sängern besetzt, die sämtlich durch ein angenehmes Timbre und sichere Intonation gefallen. Alexandra Reinprecht singt die Sonja, Matthias Klink den Zarewitsch, Christina Landshamer die Mascha und Andreas Winkler den Leibdiener Iwan. Alle anderen Partien sind Sprechrollen. Es singt zudem der Chor des Bayerischen Rundfunks, und es spielt das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer. Eine solide Einspielung, die man gut anhören kann.

Freitag, 30. Juli 2010

Lehár: Die lustige Witwe / Das Land des Lächelns (EMI Classics)

Die Operette gilt gemeinhin als die kleine, etwas alberne Schwester der großen, gewichtigen Oper - doch oftmals erweist sich gerade die "leichte Muse" für die Musiker als eine schwierige Aufgabe.
Franz Lehár komponierte etliche Operetten, und er war damit nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil er sie mit einem Augenzwinkern schrieb. Das Land des Lächelns beispielsweise holte einst das ferne China ins Stadttheater. Lehár lieferte den perfekten Soundtrack zum Traum des Bürgers von exotischen, fremden Welten - heute würde er wahrscheinlich Filmmusik schreiben. Und was bei dieser Operette die ironischen Zitate zur Chinoiserie, das ist bei der Lustigen Witwe der Tanz, der alle und alles überwältigt. Die Komödie um die schwer- reiche Hanna Glawari, die unbedingt einen Landsmann heiraten soll, damit ihr Vermögen im - ansonsten von der Pleite bedrohten - Lande bleibt, reiht Hit an Hit. Und bei der Orchestrierung bediente Lehár sich fröhlich bei den Innovationen, die zeitgleich im Konzertsaal und auf der "ernsthaften" Opernbühne ausprobiert wurden. 
Wenn solche Perlen des Repertoires dann noch mit einer erstklassi- gen Besetzung aufwarten, dann kann Operette durchaus zum Musik- erlebnis werden. So auch im Falle der vorliegenden CD-Box, die gleich zwei Höhepunkte des Genres zusammenfasst - in Einspielungen aus dem Jahre 1953, man mag es beim flüchtigen Hören kaum glauben, so frisch klingt nicht zuletzt das Philharmonia Orchestra unter Otto Ackermann. 
Und selbst die Sänger leisten sich kaum Manierismen, wie man sie heutzutage mitunter noch auf der Bühne erleben muss. Das wird nicht verwundern, denn das Ensemble ist wirklich erstklassig. Es singen Elisabeth Schwarzkopf (Lisa/Hanna Glawari), Nicolai Gedda (Prinz Sou-Chong/Camille de Rossilon), Erich Kunz (Gustl/Graf Danilo- witsch) und Emmy Loose (Mi/Valencienne) sowie Otakar Kraus, Anton Niessner und Josef Schmidinger. Das alles macht die Ein- spielung zum Ereignis. Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern, die beiden Operetten schon einmal in besseren Aufnahmen gehört zu haben.