Man glaubt es kaum, aber Apollo et Hyacinthus hat Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) kompo- niert, als er elf Jahre alt war. Es war seine erste Oper. In Auftrag gegeben hatte das Werk das der Benediktiner-Universität Salzburg zugehörige Gymnasium. Dort war es Brauch, einmal in Jahr ein Schauspiel in lateinischer Sprache aufzuführen.
1767 hieß dieses Stück Clementia Croesi, und stammte aus der Feder des Syntax-Professors Rufinus Widl. Um die Milde des Königs Krösus noch stärker herauszustellen, wurde in diese Tragödie zusätzlich ein kurzes musikalisches Stück eingefügt - ebenfalls auf Latein, das Libretto schrieb erneut Pater Widl. Und damit die Zöglinge nicht auf dumme Gedanken kommen, verbog der fromme Mann den Ovid ein bisschen - Hauptsache war schließlich die Moral. Ist ursprünglich Apollo in den Hyazinth verliebt, der dann unglücklicherweise vom Diskus des Gottes tödlich getroffen wird, so liebt er in dieser Oper eine Dame namens Melia, und der Intrigant Zephyrus sorgt für die Verwir- rung. Er ist auch für den Tod des Königssohnes Hyacinthus verant- wortlich. Zur Strafe verwandelt ihn der Gott in einen Wind. Auch hier lässt Apollo die Leiche Hyazinths zu einem Blumenmeer werden - und heiratet dann brav seine Melia, die man bei Ovid vergebens suchen wird.
Im Original wurden die Partien dieser Oper von Knaben gesungen. Für den König Oebalus, Tenor, kam ein Student zum Einsatz, und die beiden Priester, tiefe Männerstimmen, sangen zwei Schüler, die den Stimmbruch schon hinter sich hatten. Diese Besetzung vollzog vor Jahren eine Einspielung mit Mitgliedern des Tölzer Knabenchores nach.
Auf den vorliegenden zwei CD sind durchweg ausgebildete Sänger zu hören. Andrew Kennedy singt den König Oebalus, Klara Ek und Sophie Bevan, Sopran, sind als Melia und Hyacinthus zu hören. Die Partien des Apollo und des Zephyrus sind mit den Countertenören Lawrence Zazzo und Christopher Ainslie besetzt, die Priester im Ein- gangschor mit Marcus Farnsworth und David Shipley. Es musiziert The Orchestra of Classical Opera unter Leitung von Ian Page.
Page beginnt mit dieser Aufnahme eine Gesamteinspielung der Mozart-Opern für Linn. Er nimmt Mozarts Jugendwerk ernst - was dieses auch verdient hat, denn es ist in der Tat eine richtige Oper im Stile der Zeit und bereits in einer Qualität, die manch erwachsener Kollege damals so nicht erreicht hat. Page lässt das Werk ziemlich flott spielen, schwungvoll und rhythmusbetont. Das Ensemble hat Stärken und Schwächen, und so hat auch die Aufnahme berührende Stellen und weniger schöne, aber davon nur wenige. Insofern darf man sich über diese Rarität freuen, und auf die nächsten Mozart-Opern aus diesem Zyklus auch.
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Samstag, 21. Juli 2012
Samstag, 31. Juli 2010
Händel: Berenice, Regina d'Egitto (Virgin Classics)
Der Earl of Shaftesbury berichtete, er habe am 12. Mai 1737 einer Probe von Händels Oper Berenice beobachtet, und "ein unsägliches Vergnügen empfunden": "Der erste Akt ist durchweg in einem gefälli- gen Stil gehalten, voller vorzügli- cher eleganter Arien und recht neu. Der zweite Akt ist mehr dem großen Geschmack verpflichtet und kann (...) zu Recht erhaben genannt werden. (...) Der dritte beginnt mit einem kurzen, aber guten Vorspiel, und dieser Akt ist eine Mischung aus dem großen und dem gefälligen Stil." Händel gehe es besser, so der Earl, "aber nicht gut genug, um das Cembalo selber zu spielen, der junge Smith soll das für ihn übernehmen." Was war geschehen?
1737 war nicht das Glückjahr das Komponisten. Zwar hatte die Opera of the Nobility zwei ihrer Stars, den Kastraten Senesino und die Cuzzoni, sowie ihren musikalischen Leiter Porpora verloren. Händel trat mit einem gewagten Programm an, um den Konkurrenten vom Markt zu fegen - doch am Ende dieser musikalischen Fehde waren beide Operngesellschaften pleite. Und im April hatte der Komponist obendrein einen Schlaganfall erlitten, der wohl vorübergehend seinen rechten Arm lähmte.
Man glaubt es kaum, aber Berenice wurde nach ihrer Uraufführung am 18. Mai 1737 noch zwei- oder dreimal wiederholt - und verschwand dann fast vollkommen aus dem Repertoire. Dabei ist das Werk wirklich hörenswert. Die Musik ist erstaunlich heiter, wenn man das Sujet bedenkt, ideenreich und schwungvoll. Die Handlung freilich beschränkt sich auf kuriose Verwicklungen, wie sie entstehen, wenn Menschen nicht miteinander, sondern ausschließlich übereinander oder gar nicht reden. So dauert es fast drei Stunden, bis sich die beiden Paare endlich sortiert haben: Berenice verzichtet auf Demetrio zugunsten ihrer Schwester Selene, die dieser ohnehin liebt, und beugt sich der Staatsraison. Denn Rom fordert ihre Verheiratung mit dem eigenen Heiratskandidaten Alessandro.
Händels Musik freilich erzählt, das dies keine glückliche Entscheidung gewesen sein kann. Und in der Tat - die historische Berenike wurde wenige Tage nach der Hochzeit von ihrem Mann ermordet, der wiederum dafür vom erzürnten ägyptischen Volk gelyncht wurde. Dem Publikum jener Zeit dürfte das bekannt gewesen sein.
Die vorliegende Aufnahme entstand anlässlich einer konzertanten Aufführung der Oper im November 2009 am Théatre des Champs Elysées in Paris. Es singen Klara Ek (Berenice), Ingela Bohlin (Alessandro), Franco Fagioli (Demetrio), Romina Basso (Selene), Mary-Ellen Nesi (Arsace), Vito Priante (Aristobolo) und Anicio Zorzi Giustiniani (Fabio); es spielt Il Complesso Barocco unter Alan Curtis. Dieses Ensemble ist durchweg ausgewogen besetzt; wer Händel liebt, dem sei an dieser Stelle ein ungetrübtes Hörvergnügen angekündigt.
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