Eine kleine Nachtmusik von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) – nunmehr eingespielt von den Berliner Barock Solisten. Gibt es neue Erkenntnisse, oder hatte das renommierte Ensemble einfach Lust darauf, das zu spielen, was alle spielen?
Sonntag, 9. Januar 2022
Mozart: Serenades (Hänssler Classic)
Eine kleine Nachtmusik von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) – nunmehr eingespielt von den Berliner Barock Solisten. Gibt es neue Erkenntnisse, oder hatte das renommierte Ensemble einfach Lust darauf, das zu spielen, was alle spielen?
Donnerstag, 12. August 2021
Salieri: Prima la musica; Mozart: Der Schauspieldirektor (Belvedere)
Kann man eine Oper auch in deutscher Sprache schreiben? Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, veranstaltete Kaiser Joseph II. einst einen musikalischen Wettbewerb: Er ließ zwei der berühmtesten Komponisten seiner Zeit kommen, und beauftragte sie, ein entsprechendes Werk zu schaffen und bei Hofe aufzuführen.
Diese Wettbewerbssituation hat Nikolaus Harnoncourt im Jahr 2002 für die Salzburger Mozartwochen nachvollzogen. Mit seinem Concentus Musicus Wien sowie den Solisten Eva Mei, Patricia Petibon, Melba Ramos, Manfred Hemm, Oliver Widmer, Markus Schäfer und Werner Schneyder führte er die beiden Stücke nacheinander an einem Abend auf, so wie es auch 1786 im Rahmen eines prächtigen Festes in Schönbrunn geschehen ist.
Damals beauftragte der Kaiser Antonio Salieri, Musikdirektor der Hofoper, damit, die Partei der italienischen Oper zu vertreten – und Wolfgang Amadeus Mozart unterbrach seine Arbeit an der Oper Le nozze di Figaro, um für diesen Anlass ein deutsches Singspiel zu Papier zu bringen.
Die beiden befreundeten Komponisten unterhielten die Gäste aufs allerbeste. Dabei sparten sie auch nicht an Spott für die Theaterpraxis der damaligen Zeit. In Prima la musica e poi le parole machte sich Salieri gemeinsam mit seinem Textdichter Giambattista Casti darüber lustig, wie schnell künstlerische Ansprüche dahinschwinden, wenn der Fürst darauf besteht, dass die neue Oper in vier Tagen fertig zu sein hat – und wenn obendrein hundert Zechinen als Belohnung dafür locken, dass eine bestimmte Sängerin Gelegenheit erhält, sich dem durchlauchtigen Publikum zu präsentieren.
Salieris „Divertimento teatrale“ in der Art der italienischen Oper parodierte obendrein eine hochdramatische Opera seria, die in Wien in der Saison zuvor sehr erfolgreich gewesen war, und an deren Melodien sowie an die Art und Weise, in der der Starkastrat Luigi Lodovico Marchesi die Titelrolle gesungen hat, sich ganz sicher jedermann noch gut erinnern konnte.
Etwas weniger subtil ist Mozarts Mini-Singspiel Der Schauspieldirektor. Und weil die Komödie mit Musik in einem Aufzug ohnehin wenig Musik, aber so manchen Scherz bietet, hat Werner Schneyder den Text von Johann Gottlieb Stephanie dem Jüngeren ein wenig modernisiert und darin so manche Anspielung auf das moderne Theaterleben untergebracht.
Launig startet auch das Doppelalbum – der Maestro lässt es sich nämlich nicht nehmen, eine Einführung zu geben, die er ebenso kenntnisreich wie pointiert gestaltet. Sie ist ebenfalls Bestandteil des vorliegenden Live-Mitschnitts. So dürfte auch das moderne Publikum viel Vergnügen an diesem musikalischen Wettkampf gehabt haben. Die musikalische Qualität des Revivals jedenfalls war exzellent.
Sonntag, 8. August 2021
Mozart & Flute in Paris (Warner Classics)
„Die Stücke auf diesem Album repräsentieren verschiedene goldene Zeitalter der Flöte“, sagt Emmanuel Pahud. Auch wenn die moderne Flöte eine deutsche Erfindung war – aber gespielt wurde das Instrument wohl nirgendwo so schön wie in Frankreich.
Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart führt die zweite CD. Sie beginnt mit Dreamtime von Philippe Hersant (*1948), 2014 von Pahud und dem Orchestre de Chambre de Paris uraufgeführt. Auch die anderen Werke sind in Paris entstanden, und zeigen die besondere Beziehung der französischen Musik zur Flöte: Komponisten wie Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), Gabriel Fauré (1845 bis 1924), Cécile Chaminade (1857 bis 1944) und Francis Poulenc (1899 bis 1963) haben für das Instrument großartige Stücke geschaffen, und Emmanuel Pahud präsentiert sie mit Eleganz, Leichtigkeit, technischer Brillanz und herrlichem Flötenton. Der Flötist musiziert gemeinsam mit dem Klarinettisten Paul Meyer sowie dem Orchestre de Chambre de Paris unter Leitung von Francois Leleux.
Samstag, 10. Juli 2021
Serenades (Deutsche Grammophon)
Das Zürcher Kammerorchester aus Anlass seines 75jährigen Bestehens eine Auswahl von beliebten Meisterwerken für kleine Orchesterbesetzung zusammengestellt. Hervorgegangen ist es aus einer losen Formation von Musikfreunden um den Musikstudenten Edmond de Stoutz, die sich in den 40er Jahren trafen, um gemeinsam ihrer Leidenschaft für Kammermusik zu frönen.
Schließlich wurde daraus ein Kammerorchester, das 1945 in Zürich sein erstes öffentliches Konzert gab. Seit 2016 leitet Daniel Hope das Orchester. Seitdem spielen die Musiker zumeist ohne Dirigenten; Hope leitet das Ensemble, als primus inter pares, quasi vom Konzertmeisterpult aus.
Das kollegiale Musizieren prägt auch diese Aufnahme mit drei weltberühmten Streicherserenaden: Die Serenade für Streicher C-Dur von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, die Serenade für Streicher e-Moll von Edward Elgar, und Mozarts berühmte Kleine Nachtmusik sind ein schönes Geschenk an das Publikum zum Orchesterjubiläum.
Sonntag, 4. Juli 2021
Mozart - Albrecht Mayer (Deutsche Grammophon)
Albrecht Mayer spielt Mozart – und mit dieser CD erfüllt er sich einen Herzenswunsch, der ihn schon etliche Jahre begleitet. Dennoch hat er sich mit dieser Aufnahme ganz bewusst Zeit gelassen, berichtet der Oboist: „Obwohl ich die meisten der Stücke auf diesem Album schon seit meiner frühen Jugend in mir trage, fühle ich mich doch erst jetzt wirklich reif für ihre absolute Gefühlstiefe.“
Aus dem großen Schatz der Melodien des Komponisten hat Mayer seine Favoriten mit Sorgfalt ausgewählt, und präsentiert auf dieser CD nun sechs Arrangements für Oboe, Oboe d’amore oder Englischhorn sowie eine eigens in Auftrag gegebene vervollständigte Version des Oboenkonzerts in F-Dur KV 293.
An dieses Experiment wagte er sich gemeinsam mit dem befreundeten Schweizer Komponisten Gotthard Odermatt, der das im Original lediglich 61 Takte umfassende Fragment – 50 Takte Orchester, und elf Takte Solostimme – ergänzt und so ein gut elfminütiges Konzertstück im Stile Mozarts sensibel nachempfunden hat.
Auch Matthias Spindler hat mit seinen Bearbeitungen dazu beigetragen, das Oboen-Repertoire kreativ zu erweitern. So sind neben dem bekannten Ave verum corpus KV 618 und der Solo-Motette Exsultate, jubilate KV 165 auch zwei Konzertarien Mozarts in neuen Arrangements zu hören. Das Konzert für Flöte und Harfe in C-Dur KV 299 wurde zu einem Konzert für Oboe und Cembalo in B-Dur, und das Rondo in C-Dur KV 373, ursprünglich für Violine und Orchester, komplettiert das Programm, das Albrecht Mayer gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Vital Julian Frey, Cembalo/Orgel/Hammerflügel, eingespielt hat.
Einmal mehr begeistert der Oboist durch musikalisches Feingefühl, technische Perfektion, enormes Ausdrucksvermögen und durch einen herrlichen, beseelten Ton. Er gestaltet wunderbare Melodiebögen, und findet nicht nur in den Kadenzen Gelegenheit, auch seine Virtuosität unter Beweis zu stellen. Bravi!
Sonntag, 4. Oktober 2020
Staatskapelle Berlin - Legendary Eterna Recordings (Berlin Classics)
Die Staatskapelle Berlin feiert 450jähriges Bestehen – und Berlin Classics gratuliert mit einer 5-CD-Box zu diesem Jubiläum. Das Label hat dafür legendäre Aufnahmen des Orchesters mit Otmar Suitner und Günther Herbig herausgesucht. Sie wurden seinerzeit in der Christus-Kirche Berlin-Schöneweide aufgenommen, und bei Eterna als Schallplatte veröffentlicht.
Für die Neuedition wurden diese Einspielungen nun neu von den Originalbändern remastert. Otmar Suitner leitete die Staatskapelle Berlin von 1964 bis 1990. Freuen darf man sich auf feinsinnige Interpretationen der Mozart-Ouvertüren ebenso wie auf Musik von Richard Strauss und Paul Dessau, die Suitner allesamt besonders schätzte.
Neben Strauss‘ Symphonischer Phantasie aus Die Frau ohne Schatten wurde für diese Kollektion auch Penthesilea von Hugo Wolf sowie die Musik zu Kleists Das Käthchen von Heilbronn op. 17 von Hans Pfitzner ausgewählt; für beides hatte sich Suitner besonders eingesetzt. Zu hören sind zudem Bruckners Siebente und Mahlers Zweite; Günther Herbig, der in den 70er Jahren viele Konzerte mit der Staatskapelle dirigierte, wird ebenfalls mit einer CD geehrt. Darauf erklingen Mendelssohns Sommernachtstraum sowie die Orchestermusik Nr. 4 von Paul Dessau.
Mittwoch, 16. September 2020
Grigory Sokolov. Beethoven - Brahms - Mozart. (Deutsche Grammophon)
Viele Jahre lang hat Sokolov keinerlei Aufnahmen erlaubt. Es ist ein großer Gewinn, dass er nun zumindest ausgewählte Live-Mitschnitte für eine Veröffentlichung freigibt.
Denn seine Konzentration auf die Musik, seine brillante Technik und seine bewundernswerte Autonomie ermöglichen ihm Interpretationen von enormer Tiefe und Klarheit. Sokolov musiziert mit höchster Präzision; seine Artikulation ist atemberaubend, Nuancen- und Farbenreichtum seines Spiels sind faszinierend. Das ist Klavierkunst auf allerhöchstem Niveau, wie aus einer anderen Welt.
Diese Box enthält die Sonate in C-Dur op. 2 Nr. 3 sowie die Bagatellen op. 119 von Ludwig van Beethoven, sowie die Klavierstücke op. 118 und 119 von Johannes Brahms und sieben wunderbare Zugaben. Diese wählt Sokolov stets mit derselben Sorgfalt aus wie die „großen“ Stücke.
Zu hören sind in diesem Falle das Impromptu in As-Dur D 935/2 von Franz Schubert, Les Sauvages von Jean-Philippe Rameau, das Intermezzo in b-Moll op. 117/2 von Johannes Brahms, Le Rappel des Óiseaux, ebenfalls von Rameau, das Prelude in gis-Moll op. 32/12 von Sergej Rachmaninoff, Schuberts Allegretto in c-Moll D 915 und Des pas sur la neige aus den Préludes von Claude Debussy. Als Zugabe gibt es außerdem eine DVD, mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.
Sonntag, 12. Juli 2020
Mozart: Requiem (Gramola)
Das Streichquartett setzt dabei auf ein Arrangement von Peter Lichtenthal (1778 bis 1853). Der österreichische Arzt und Musikfreund hatte 1810 seinen Wohnsitz von Wien nach Mailand verlegt. Er wollte Mozarts Musik in Italien bekannt machen, und bearbeitete daher einige Werke des Hochverehrten für eine kleine Besetzung.
Das war seinerzeit absolut gebräuchlich; mitunter brachten sogar die Komponisten selbst kurz nach der Erstaufführung die „Hits“ aus Oper und Konzertsaal in eine reduzierte Form, die sich zum häuslichen Musizieren eignete. Musikverleger waren gern bereit, solche Noten zu drucken, denn sie waren sehr gefragt. Kein Wunder – auch wenn man sich das heute, im Streaming-Zeitalter, kaum noch vorstellen kann, aber noch vor gut hundert Jahren musste man Musik selber machen, wenn man welche hören wollte.
Mozarts Requiem, in der von seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr komplettierten Version, „übersetzte“ Lichtenthal ziemlich genau für die reduzierte Besetzung. Lichtenthal ist das Kunststück oftmals kongenial gelungen, mit nur vier Instrumenten alle wesentlichen Details der Vorlage hörbar zu machen. Das Pandolfis Consort zeigt, mit welch erstaunlichem Sinn für Klangeffekte er die Streicher dabei eingesetzt hat. Eine hochinteressante CD, und exzellent musiziert wird obendrein. Bravi!
Sonntag, 28. Juni 2020
Mozart: Piano Concertos K. 413 - 415 (Avi-Music)
Schimpf hat die Klavierkonzerte KV 413, 414 und 415 dafür ausgewählt, aus der Werkgruppe der sogenannten frühen Wiener Konzerte, entstanden im Winterhalbjahr 1782/83. Er hat sich zudem dafür entschieden, auf Bläser zu verzichten, und musiziert zusammen mit 13 Streichern der Bayerischen Kammerphilharmonie, die von Konzertmeister Gabriel Adorján geleitet wird.
Diese Besetzung ist zwar klein genug, um kammermusikalisch intensives Zusammenspiel zu ermöglichen; dennoch ermöglicht sie eine orchestrale Gesamtwirkung.
Auch auf einen Dirigenten wurde verzichtet; die Musiker erarbeiteten die Interpretation im demokratischen Miteinander, berichtet der Pianist im Beiheft: „Es ist gerade dieser intensive Austausch im Moment des Spielens, der Geist einer Gemeinsamkeit im Musizieren, der die Aufnahme innerlich motiviert und beseelt hat“, schreibt Alexander Schimpf, „und ich bin jeder und jedem einzelnen der hervorragenden Musikerinnen und Musiker der Bayerischen Kammerphilharmonie für diese Erfahrung und die großartige Zusammenarbeit zutiefst dankbar.“
Musiziert wird lebhaft, bewegt, und bis ins kleinste Detail ausdifferenziert. Die Interpretation ist wunderbar ausbalanciert. Dazu trägt übrigens auch der Blüthner Konzertflügel, der hier verwendet wird, mit seinem unverwechselbaren Ton mit bei. Es ist eine hohe Kunst, Mozart so leicht, beschwingt und fein abgestimmt zu spielen. Und die Kadenzen, die Alexander Schimpf selbst aus Mozarts musikalischem Material heraus „erfunden“ hat, wie es nennt, runden diese sehr gelungene Interpretation zusätzlich ab. Bravi!
Dienstag, 31. März 2020
Mozart: Early String Quartets (MDG)
Damit komplettierte das Ensemble seine zu Recht hochgelobte Gesamt- aufnahme der Streichquartette des Komponisten. Parallel dazu arbeitet das Leipziger Streichquartett noch an einem weiteren bedeutenden Projekt zur Wiener Klassik – die Musiker aus der Messestadt spielen bei MDG auch alle Streichquartette von Joseph Haydn ein.
Als der junge Mozart 1770 sein erstes „Quatro“ schrieb, war die Gattung noch jung und erstaunlich flexibel. Besetzung, Satzfolge, formale Anlage – die Abgrenzung zu ähnlichen Werken, wie Serenaden und Divertimenti, beschäftigte wohl mehr die Musikwissenschaft in späteren Jahrhunderten als jene Komponisten, die das Quartett damals erprobten und weiterentwickelten.
Salzburg freilich scheint für solche Experimente nicht gerade eine Quelle der Inspiration gewesen zu sein: Entstanden sind Mozarts frühe Streichquartette durchweg auf Reisen. Bei seiner ersten Italienreise schrieb der 14jährige KV 80. Die Quartette KV 155 bis 160, von der zweiten Italienreise 1772/73, sind heute als „Mailänder Quartette“ bekannt. Und die Quartette KV 168 bis 173 schrieb Mozart während eines Aufenthaltes von Juni bis September 1773 in Wien.
Das Leipziger Streichquartett zeigt mit dieser Einspielung, mit welcher Innovationsfreude Mozart das neue Genre und seine Möglichkeiten erkundete. Und auch wenn diese Stücke ein wenig im Schatten der berühmten „großen“ Quartette stehen, zeigen sich hier doch bereits der enorme Einfallsreichtum und die herrlichen Melodien, mit denen sich der Komponist auf Dauer einen Platz im musikalischen Olymp gesichert hat.
Das grandiose Leipziger Streichquartett musiziert perfekt aufeinander abgestimmt. Das wird besonders dort deutlich, wo sich die Stimmen Motive wie Bälle zuwerfen, wo ein Spieler die Phrase eines anderen aufnimmt und fortsetzt. Alles wirkt sehr sorgfältig durchgearbeitet, sehr kultiviert – und der warme, harmonische Streicherklang der Leipziger ist ebenfalls ein Ereignis. Überwältigend.
Montag, 23. März 2020
Mozart: Flute Quartets (Tudor)
Glücklicherweise hat sich dies auf die Qualität der Musik nicht ausgewirkt. Mozarts Flötenquartette KV 285, 285 a und 285b gehören bis heute zu den Perlen des Repertoires – das Adagio aus dem D-Dur-Quartett gilt sogar als „vielleicht das schönste begleitete Solo, das je für Flöte geschrieben worden ist“, so urteilte einst der Musikkritiker und Mozart-Kenner Alfred Einstein.
Auf dieser CD erklingen sie sowie das später in Wien komponierte Flötenquartett KV 298 in Weltklasse-Besetzung. Den Flötenpart übernahm Aurèle Nicolet, ein Solist von Weltrang, einstmals Soloflötist der Berliner Philharmoniker, und ein ebenso legendärer Musikpädagoge. Der Musiker, der aus Neuchâtel in der Schweiz stammte, ist 2016 kurz nach seinem 90. Geburtstag gestorben.
Bei dieser Aufnahme aus dem Jahre 1978 musizierte er gemeinsam mit dem Münchner Streichtrio, in dem damals die junge Ana Chumachenko die Violine spielte, Oscar Lysy die Viola und Walter Nothas das Violoncello.
Donnerstag, 19. März 2020
Ensemble Midtvest (Naxos)
MidtVest ist ein ganz erstaunliches kammermusikalisches Chamäleon, und für sein Debütalbum bei Naxos hat das dänische Ensemble spezielle Arrangements von zwei berühmten Serenaden ausgewählt. Die Gran Partita KV 361 von Wolfgang Amadeus Mozart erklingt in einer zeitgenössischen Bearbeitung von Christian Friedrich Gottlieb Schwencke (1767 bis 1822) für Oboenquintett. Mozarts Musik inspirierte auch Antonín Dvořák zu seiner wunderschönen Serenade op. 44, hier in einer Version für fünf Bläser und vier Streicher, von dem tschechischen Kontrabassisten František Hertl.
Dieses Programm ist Geschmackssache; aber musiziert wird grandios. MidtVest spielt ohne Frage in der Ausnahmeklasse. Das macht die CD zum Ereignis.
Dienstag, 18. Februar 2020
Mozart: Piano Concertos Nos. 8 and 23 (Naxos)
Komplettiert wird das Programm durch Melodien aus Mozarts Oper Die Zauberflöte, arrangiert für Streichquartett und Kontrabass – wer diese reizvolle Bearbeitung angefertigt hat, das ist unbekannt. „Il est véritablement le résult d’une recontre musicale extraordinaire“, so schreibt Didier Castell-Jacomin im Beiheft. „Je suis fier et honoré de vous livrer le résultat, car c’est également le tout premier enregistrement du quintette, et pour moi un tournant à l’aube de mes 50 ans. Je liens à preciser également que le concerto K.246 est un enregistrement en première mondiale.“
Montag, 16. Dezember 2019
Cantate Domino (MDG)
Damit schafft das Ensemble zugleich die Verbindung von Salzburg nach Leipzig. Denn Mozart kam 1789 auf einer Reise in die Messestadt. Dort hörte er eine Probe der Thomaner, und fragte nach, von wem denn diese unglaubliche Musik sei. Daraufhin legte man ihm die Noten der Bach-Motette vor. Was Mozart dann von Bach gelernt hat, das zeigt sein Rätselkanon. Er ist immerhin neunstimmig (!) – und wird auf dieser CD ganz in Bachs Sinn interpretiert.
Auch sonst zeigt sich das Ensemble BachWerkVokal rundum versiert; staunend stellt man beim Blick ins Beiheft fest, wie schlank und flexibel besetzt die jungen Musiker agieren. Jeder ist hier ein Solist. Und die Sängerinnen und Sänger formieren sich je nach Bedarf zu Chören. Auch die Instrumentalisten sind exzellent.
Sie lassen Harfe, Trompeten und Posaunen ertönen, das Meer brausen und die Wasserströme frohlocken. Gordon Safari versteht sich bestens darauf, sein Ensemble sprechend-vital und farbenreich musizieren zu lassen. Ganz erstaunlich, wie lebendig doch „Alte“ Musik sein kann! Unbedingt anhören, das ist eine der schönsten CD des Jahres.
Montag, 28. Oktober 2019
Freimaurermusik (Berlin Classics)
Mireille Mathieu - Mes Classiques (Sony)
Wer also schon immer einmal hören wollte, wie Mireille Mathieu, mit ihrer charakteristischen Stimme, das Thema aus Tschaikowskis erstem Klavierkonzert, César Francks Panis Angelicus oder aber Händels berühmte Arie Lascia ch'io pianga anstimmt, dem sei dieses Album empfohlen. Wir lauschen respektvoll (gesungen wird immerhin in sieben verschiedenen Sprachen!) und freuen uns über das Beiheft mit vielen Fotos, die die Sängerin in großer Robe in der Prager Burg zeigen.
Dienstag, 22. Oktober 2019
Mozart : Salieri - Rivalry? (Sony)
Antonio Salieri (1750 bis 1825) war in Wien als Hofkapellmeister bereits etabliert, als Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) dort antrat, um sich als freischaffender Musiker zu behaupten. Fakt ist: Salieri ließ Mozarts Werke aufführen; er selbst dirigierte 1791 die Uraufführung von Mozarts g-Moll-Sinfonie KV 550, und nach Mozarts Tod übernahm er die Ausbildung seines jüngsten Sohnes Franz Xaver Wolfgang.
Das Interesse an neuer Musik beim Publikum in Wien und auch Prag jedenfalls dürfte groß genug gewesen sein, um Musikerpersönlichkeiten Raum zu bieten, wenn sie nur Qualität hatten. Und Salieri wird von all seinen Zeitgenossen übereinstimmend als äußerst liebenswürdig und kollegial geschildert. Alles andere ist wohl ins Reich der Legende zu verweisen.
Auf dieser Doppel-CD hat das Prague Sinfonia Orchestra unter der Leitung von Christian Benda eine Auswahl aus dem Werk beider Komponisten so geschickt zusammengestellt, dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede klar erkennbar werden.
Besonders spannend ist in diesem Zusammenhang die Kantate Per la ricuperata salute di Ofelia aus dem Jahre 1785, Sie entstand als eine Gemeinschaftskomposition von Salieri, Mozart und einem weiteren Musiker, der sich hinter dem Pseudonym „Cornetti“ verbarg und bis zum heutigen Tag nicht sicher identifiziert werden konnte, auf einen Text von Lorenzo da Ponte. Die Existenz des Werkes war nur durch zeitgenössische Zeitungsannoncen belegt, in denen das Werk vom Wiener Verlag Artaria beworben wurde. Sowohl der Text als auch die Musik galten als ver- schollen. Doch dem Musikwissenschaftler Timo Jouko Herrmann gelang es im Dezember 2015, in den Beständen der Prager Nationalbibliothek eine bei Joseph von Kurzböck gedruckte Ausgabe aufzuspüren.
Das ursprünglich für Sopran und Tasteninstrument geschriebene Werk erklingt nun also in Weltersteinspielung, und zwar in einer von Christian Benda erstellten Orchesterversion. Es singt Dagmar Williams vom Philharmonischen Chor Prag.
Die mitreißend musizierte Aufnahme gibt jedem Zuhörer die Möglichkeit, selbst zu vergleichen. Und man wird sehr bald feststellen, was seinerzeit die übliche Praxis war – und wie krass Mozart oftmals davon abwich.
Montag, 21. Oktober 2019
When Breath Becomes Sound (Genuin)
Mit seinem CD-Debüt bei Genuin kann das Quartett gleich mehrfach überraschen. Denn die Flötenklänge kommen daher wie federleichte Schönwetterwölkchen. Das e-Moll-Flötenquartett von Friedrich Kuhlau beispielsweise habe ich noch nie so virtuos und so grandios locker gehört. Und die Deux Esquizzes von Eugéne Bozza wirken so ätherisch wie manch ein impressionistisches Gemälde. Verblüffend geht es weiter, bis zum dem abschließenden, ebenfalls erstklassig musizierten Andante für ein Walze in eine kleine Orgel von Wolfgang Amadeus Mozart. Eine rundum gelungene Einspielung. Auf die kommenden Programme dieses Ensembles darf man sich freuen.
Mozart: Piano Concertos Nos. 23 and 24 (Naxos)
Mit gehöriger Neugier lauscht man also dieser Einspielung. Und mit großer Neugier hat auch der Solist die Bearbeitungen studiert: „Mozart's piano concertos are like miniature operas“, meint Alon Goldstein. „The pianist who is responsible for multiple characters – Don Giovanni or Figaro, Susanna or Donna Anna, the Count, or even Antonio the gardener – is conversing with the strings or the woodwinds, each of whom represents a character in the story. When playing with full orchestra, the pianist's dialogue with the woodwinds is done while sitting at some distance from one another while they are all looking at the conductor. Having such a close arrangement as we had making this recording, makes the storytelling, the conversation between the characters / instruments much more intimate and intense.“
Lachners geniales Arrangement gibt Mozarts Klavierkonzert eine Klarheit und Direktheit, die begeistert – zumal dann, wenn erstklassige Kammermusiker die Partner des Pianisten sind. Das elegante Klavierspiel Alon Goldsteins wird durch das sensibel musizierende Fine Arts Quartet, zum Quintett komplettiert durch den Kontrabassisten Alexander Bickard, bestens ergänzt. Mozarts Musik erklingt hier in einer Klarheit und Transparenz, die begeistert. Großartig!
Samstag, 6. Juli 2019
Mozart: Piano Quartets K. 493 & K. 478 (Challenge)
Subtil, perfekt aufeinander abgestimmt und mit wunderbarer Kantilene interpretiert das Kuijken-Quartett die Klavierquartette KV 493 und 478 von Wolfgang Amadeus Mozart. „Die beiden Klavierquartette, entstanden 1785 und 1786, sind allumfassend; sie verbinden den Reiz eines Miniatur-Klavierkonzertes einerseits und das Geheimnis und die Intimität der himmlischsten Kammermusik andererseits. Mozart schuf diese Gattung praktisch neu“, schreibt Veronika Kuijken im Beiheft der CD. „Seine Behandlung dieser vier Instrumente als gleichwertige Partner hatte es in der Tat zu seiner Zeit so noch nicht gegeben. Die Stille, (..) die ich im langsamen Satz des zweiten Klavierquartetts erfahre, ist wie Balsam, während mich die intensive Ausdruckskraft der beiden ersten Sätze sprachlos macht.“ Auch der Zuhörer erfreut sich an dem sensiblen Spiel der vier Musiker – das Album bietet Mozart so recht zum Genießen.


















