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Freitag, 3. Juni 2011

The Kingdoms of Castille (Sono Luminus)

Das heutige Spanien war im Mittelalter, wie wohl sonst keine andere Region Europas, ein Viel- völkerstaat mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen. In der Musik auf der iberischen Halbinsel klingen noch heute Einflüsse der arabischen und der jüdischen Be- völkerung mit - und der Zigeuner; man denke nur an den Flamenco, der hierzulande wahrscheinlich als der spanischste aller Tänze gilt. 
Zu Zeiten der Habsburger und der Bourbonen aber war nicht der Flamenco, sondern die Ciaconna für Europas Musiker der Inbegriff des Spanischen. Zu dem Reich, in dem die Sonne niemals unterging, gehörten neben zahllosen Kolonien in Übersee zeitweise auch euro- päische Gebiete wie Teile der Niederlande oder Italiens. So ist es wenig verwunderlich, dass insbesondere italienische und spanische Musiker voneinander lernten und Ideen austauschten. 
Der Klang der Gitarre inspirierte, so wird man beim Anhören dieser CD erstaunt feststellen, selbst Georg Friedrich Händel zu einer Canta- ta a voce solo con chitarra Espagnola. Zu finden sind weiter Werke von Domenico Scarlatti, Domenico Mazzochi, Franceso Manelli, Andrea Falconiero und Domenico Zipoli, aber auch das berühmte Coracon que en prisión von José Marín, sowie Musik von Juan Hidal- go, Rafael Castellanos, Juan Aranes und José de Orejón y Aparicio. Damit zeichnet das Ensemble El Mundo unter seinem Leiter Richard Savino ein ausgesprochen buntes, facettenreiches Bild der Musik am spanischen Hof im 17. und 18. Jahrhundert. Die geschickte Auswahl sorgt zudem für Abwechslung. Die Instrumentalisten sind exzellent, was man von den Vokalisten, insbesondere den Sängerinnen, leider nicht durchweg sagen kann. Dennoch ist The Kingdoms of Castille ein spannendes Konzeptalbum, das man gern anhört. 

Donnerstag, 3. Juni 2010

Durón: Salir el Amor del Mundo (Dorian)

Spanische und italienische Musik- tradition verschmolz Sebastián Durón (1660 - 1716) zu einem Stück voll Charme und Witz:
"Salir el Amor del Mundo" be- richtet davon, wie der kecke Cupido mit seinen Liebespfeilen und dem Bogen einst im Wald der jungfräulichen Jägerin Diana erwischt wurde. Die fand den Streich gar nicht komisch, und diese Zarzuela verrät, wie sie sich rächte.
Hofmusikus Durón erfand dafür eine Musik, die Formen der italieni- schen Oper mit althergebrachten spanischen Bräuchen kombinierte. Das Ergebnis ist ziemlich überraschend, und einzigartig. Die CD wird komplettiert durch eine Reihe von Werken einiger Zeitgenossen des Komponisten - José Nebra, Juan Hidalgo, José Marin, und Santiago de Murcia. 
Das Ensemble El Mundo zelebriert diese Musik unter Leitung von Richard Savino mit Genuss und mit einem hörbaren Sinn für Theatralik. Das Solistenensemble agiert gut aufeinander abgestimmt; die einzelnen Stimmen haben Wiedererkennungswert, die Besetzung ist  sehr ordentlich, aber nicht herausragend.