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Mittwoch, 20. Dezember 2017

Imagine Christmas (Sono Luminus)

„Imagine a Christmas in which every carol is this inspired“, schreibt der Violist und Musikpublizist Doyle Armbrust, gleichsam als Motto, als letzten Satz unter seinen Begleittext für dieses Album. Und die Klänge, die Sono Luminus auf dieser CD versammelt hat, lassen in der Tat aufhorchen. Denn es sind, zum ersten, exzellente Musiker, die hier zu hören sind, und sie spielen auch überragend. Für jede Melodie, die jeweils ausgewählt wurde, haben sie zudem eine sehr individuelle Version entwickelt – das Label nennt dies „reimagined“ – und so sind die einzelnen Titel so unterschiedlich wie die Beteiligten. Und auch die Aufnahmen sind technisch selbstverständlich hervorragend. Wer sich ein Weihnachten gänzlich abseits aller Klischees wünscht, der sollte unbedingt dieses Album dazu auflegen – es lohnt sich! 

Mittwoch, 8. Februar 2017

An Italian in Vienna (Sono Luminus)

Als Mauro Giuliani (1781 bis 1829), ein italienischer Gitarrenvirtuose, erkannte, dass in seiner opernverrück- ten Heimat das Publikum nicht für sein Instrument zu begeistern ist, ging er uns Ausland: 1806 ließ er sich in Wien nieder, wo er mit großem Erfolg Konzerte gab, und bald auch als Gitarrenlehrer und als Komponist sehr gefragt war. Giuliani war mit vielen Musikerkollegen befreundet; aller- dings musste er 1819 Wien Hals über Kopf verlassen. Er hinterließ einen Haufen Schulden, und kehrte zurück nach Italien. 
Doch weder in Venedig noch in Rom fand er dieselbe Beachtung wie in Wien. Schließlich orientierte er sich nach Neapel, wo die Bourbonen residierten (und wo er sich um seinen schwer erkrankten Vater kümmern musste). Dort starb er, viel zu früh.  Er schuf etwa 150 Werke, überwiegend für die Gitarre, darunter drei Gitarrenkonzerte. 
Seine Musik kombiniert Wiener Klassik und mediterrane Anmut. Wie stark ihn seine Wahlheimat inspiriert hat, das zeigen Louise Schulman und Bill Zito auf der vorliegenden CD. Zu hören sind das Grand Duo Concertante in A-Dur, op. 85, die Serenade in G-Dur, op. 127, die Grande Sérénade in D-Dur, op. 82 und das Gran Duetto Concertante in A-Dur, op. 52. Diese Werke sind eigentlich für Flöte und Gitarre entstanden. Sie werden hier auf Bratsche und Gitarre vorgetragen, wobei mir diese Variante am besten dort gefällt, wo Louise Schulman nicht versucht, eine Violine zu imitieren, sondern ganz bewusst den tieferen und sonoren Klang ihres Instrumentes einsetzt. Wirklich reizvoll! 

Samstag, 10. Dezember 2016

Surrounded by Angels (Sono Luminus)

Ein wenig blass und kitschig sieht es aus, das Cover dieser CD. Fast hätte ich sie übersehen – wenn sie nicht bei Sono Luminus erschienen wäre. Dieses Label ist immer wieder für Überraschungen gut; noch nie hatte ich eine Neuerscheinung von Sono Luminus, die nicht überzeugen konnte. Und nur aus diesem Grunde habe ich mir Surrounded by Angels angehört. 
Und was soll ich sagen – es hat sich gelohnt! Das Ensemble Galilei hat, im Mai 2013, ein abwechslungs- reiches und erfreulich unpathetisches Programm mit weihnachtlicher Musik vorwiegend aus Westeuropa eingespielt. Wer die Melodien nicht kennt, der wird sich an den geschickt arrangierten Klängen erfreuen, die man vielleicht am ehesten als Folk-Music bezeichnen könnte. Handwerklich perfekt gemacht, mit einem breiten Spektrum an Instrumenten – von diversen Flöten über den irischen Dudelsack und die Schalmei, gleich zwei virtuos gespielte Fiddles, Banjo und Gambe bis hin zur Harfe. Nur gesungen wird auf dieser CD nicht. Sehr hörenswert!

Montag, 31. März 2014

Hasse: Marc'Antonio e Cleopatra (Sono Luminus)

Im Jahre 1721 reiste ein junger deutscher Tenor nach Italien. Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) entstammte einer Organi- stendynastie aus Bergedorf, heute ein Teil von Hamburg. Er hatte am Hamburger Opernhaus am Gänse- markt und in Braunschweig im Opernhaus am Hagenmarkt gesun- gen, seine erste Oper komponiert, und fand, dass es nun Zeit war, bei den wirklichen Stars seiner Zeit in die Lehre zu gehen. 
Damit hatte er Erfolg, berichtet ein anderer Musiker, der ebenfalls in den Süden gegangen war, um seine Ausbildung zu vervollkommnen. „Herr Hasse nöthigte mich bey ihm zu wohnen: Wir wurden gute Freunde“, schreibt der Flötist Johann Joachim Quantz. „Er hatte bis dahin noch keine öffentliche Musik in Wälschland aufgeführet. Ein vornehmer neapolitanischer Bankier aber, ließ von ihm eine Serenate für zwo Personen in Musik bringen, welches er auch Zeit meiner Anwesenheit bewerkstelligte. Farinello und die Tesi sungen darinn. Durch diese Serenate erwarb sich Herr Hasse so vielen Beyfall, daß ihm gleich darauf die Musik, der im May dieses Jahres, auf dem königlichen Theater vorzustellenden Oper, zu verfertigen anvertrautet wurde. Und diese Oper hat ihm den Weg zu seinem künftigen Glücke gebahnet.“ 
Die „Serenata“ – eine damals sehr beliebte Gattung zwischen Solo- kantate und Oper – aus dem Jahre 1725 erzählt eine Geschichte, die damals jedem gebildeten Menschen bekannt war: Cleopatra und Marcus Antonius begegnen sich nach der verlorenen Schlacht von Actium. Die ägyptische Königin und der römische Feldherr wissen darum, dass ihre Situation ausweglos ist – was eine gute Gelegenheit ist, Gefühlen von Liebe und Leidenschaft bis hin zu Niedergeschlagen- heit, ja Verzweiflung in Duetten und Arien Ausdruck zu verleihen. 
Bei der Uraufführung wurde die Rolle des Marcus Antonius durch die Altistin Vittoria Tesi gesungen, die Cleopatra von dem Kastraten Carlo Broschi, bekannter unter dem Namen Farinelli. Entsprechend anspruchvoll sind die Partien – eine schwierige Aufgabe für die Sängerinnen Jamie Barton und Ava Pine, die Hasses Werk nun gemeinsam mit dem Ensemble Ars Lyrica Houston wieder aufgeführt haben. Matthew Dirst dirigierte die Konzerte vom Cembalo aus. Ein Mitschnitt ist als Weltersteinspielung bei Sono luminis erschienen. 

Freitag, 24. Mai 2013

Americana - Modern Mandolin Quartet (Sono Luminus)

„Americana“, nennt das Modern Mandolin Quartet schlicht seine neue CD. Doch wer unter dieser Überschrift Folk und Pop erwartet, der irrt. Wenn Paul Binkley, Matt Flinner, Dana Rath und Adam Roskiewicz tatsächlich einmal ein Traditional in ihr Programm ein- bauen, dann in einem Arrange- ment, das es in sich hat. So erklingt Shenandoah in einer Version des Jazzpianisten Keith Jarrett. Ein Medley bringt Melodien von Bill Monroe, dem Vater des Bluegrass. Und ein weiterer Folk Song wurde von Aaron Copland 1942 in einem Ballett verwendet.
Auch sonst zieht es das Modern Mandolin Quartet eher zur Klassik: „This music attracted us because of the wonderful way it sounds on our instruments“, erklären die Vier lässig im Beiheft zu dieser CD. „Since the musical character of the pieces is based on various forms of American music, it lends itself extremly well to the mandolin. While many selections for piano and string music rely on idioms and techniques that may not transpose well to the mandolin, the pieces included in this disc were chosen for their vitality and the way they jumped right off the page and came to life (though some took a bit of work).“ 
Und so erklingt neben einer Bearbeitung von Cool aus Leonard Bernsteins Westside Story auf dieser CD ein Streichquartett – „The American“ – von Antonin Dvorák. Der böhmische Komponist wäre fast selbst Amerikaner geworden. „He had been brought to New York to help foster a national style in American music, because of his reputation for writing in a nationalistic style in Prague“, berichtet das Beiheft. Drei Jahre lang wirkte der Komponist als Direktor des National Conservatory in New York; er kehrte nach Europa zurück, weil der Bankrott eines Mäzens es dem Konservatorium unmöglich machte, ihm das vereinbarte Gehalt zu zahlen.
Es ist faszinierend, wie gut Dvoráks Streichquartett klingt, wenn das Mondern Mandolin Quartet es auf Mandolinen und Gitarre vorträgt. Und auch die Three Piano Preludes von George Gershwin lassen sich auf diesen Instrumenten, die man gemeinhin eher in anderen musikalischen Sphären verorten würde, erstaunlich gut spielen. Das gilt sogar für ein Streichquartett, in dem Phillip Glas Musik zu dem Film Mishima zusammengestellt hat. Das CD-Paket enthält übringens eine "normale" sowie eine Blu-ray surround sound audio disc. Groß- artig!

Freitag, 10. Mai 2013

Zelenka: The Capriccios (Sono Luminus)

Als der sächsische Kronprinz Friedrich August II. nach Wien auszog, um dort um die Hand der Erzherzogin Maria Josepha von Österreich anzuhalten, begleiteten ihn auch etliche Musiker. Unter ihnen war Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745), der während des Aufenthaltes in Wien - er dauerte immerhin vom Oktober 1717 bis zum März 1719 - auch durch den kaiserlichen Kapellmeister Johann Joseph Fux unterrichtet wurde. 
Die Abrechnungen jener Reise zeigen, dass der Kronprinz standesgemäß Hof hielt, so wie es von ihm erwartet wurde. Und seine Musiker spielten ihm auf - auch zu Parfor- cejagden, einem beliebten Vergnügen des Adels. Eigens dafür kom- ponierte Zelenka offenbar seine Capricci - höfische Unterhaltungs- musik, die sich durch anspruchsvolle Partien für Horn auszeichnet. 
Man darf darüber spekulieren, ob dies wirklich das Waldhorn meint, das Cor de chasse, wie es am Hof in Versaille gespielt wurde - oder aber das Corno da caccia. Dieses Instrument war am sächsischen Hof sehr beliebt, und wurde dort virtuos geblasen. In jedem Falle müssen es exzellente Solisten gewesen sein, die diese extrem schwierigen Partien gespielt haben. Unter den Musikern, die mit dem Kronprinzen nach Wien gereist waren, befanden sich mit Tobias Butz und Johannes Josef Götzel allerdings zwei herausragende Hornisten aus Böhmen. Ihre Kunst wird man in Wien sehr bewundert haben. 
Das Ensemble The Bach Sinfonia, geleitet von Daniel Abraham, hat Zelenkas Werke nun erstmals so vorgestellt, wie sie damals in Wien vermutlich gespielt worden sind - mit Naturhörnern. R. J. Kelley und Alexandra Cook bewältigen diese Herausforderung bewundernswert. Und die klangschönen Stücke lohnen die Wiederentdeckung. 


Samstag, 24. November 2012

The Complete Harpsichord Works of Rameau (Sono Luminus)

Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764) war der Sohn eines Orga- nisten. Seine Ausbildung begann er bei seinem Vater, und seine musi- kalische Laufbahn begann er als Orchestergeiger und Organist. Und obwohl er mit seinen musiktheore- tischen Schriften gewichtige Bei- träge insbesondere zur Harmonie- lehre leistete, sah es zunächst ganz danach aus, als würde Rameau bis an das Ende seines Musikerlebens in wechselnden Kirchen die Orgel spielen. 
Der Komponist war schon 50 Jahre alt, als er Hippolyte et Aricie, seine erste tragédie en musique, vorstellte - was ihn über Nacht berühmt machte. Die Werke für die Bühne bescherten ihm Wohlstand und Ansehen. Ludwig XV. erhob Rameau in den Adelsstand, ernannte ihn 1845 zum Compositeur de la Musique du Cabinet du Roi, und gewährte ihm eine großzügige Pension. Dabei hatte Rameau nach 1706 - da erschien sein Premier Livre de Pièces de Clavecin - bereits gut 50 Stücke für Cembalo veröffentlicht, die ihm aber lang nicht so viel Aufmerksamkeit einbrachten.
Wieso eigentlich nicht? Das fragt man sich heute. Jory Vinikour hat sämtliche Cembalo-Werke Rameaus für Sono Luminus eingespielt - und die beiden CD enthalten so manche Überraschung. Denn etliche dieser kleinen Stücke, die zumeist ziemlich kurz sind, erweisen sich als kühne musikalische Experimente. Da findet sich mitten in einer Suite, zwischen den üblichen Tänzen, auf einmal ein Satz mit dem Namen Le Rappel des Oiseaux, und zu hören ist in der Tat, wie sie herumfliegen, hüpfen und Körnchen picken. Sind es Anfangs nur einzelne Bilder, die der Komponist einbindet, bestehen seine Suiten später fast ausschließlich aus derartigen Miniaturen. 
Vinikour spielt diese musikalischen Charakterstückchen mit Hingabe. Er setzt, in bester französischer Tradition, auf Ausdruck und Eleganz. Dazu passt auch das Instrument, auf dem er musiziert, ganz ausge- zeichnet. Es handelt sich um ein klangstarkes zweimanualiges Cembalo, das Thomas und Barbara Wolf, The Plains, Virginia/USA, 2005 nach einem Vorbild von Nicolas Dumant aus dem Jahre 1707 angefertigt haben. Der französische Hof besaß einige seiner Instru- mente. Dieses hier zeichnet sich durch die kontrastreichen Klang- farben aus, die aufgrund der beiden Manuale zur Verfügung stehen. Vinikour reizt diese Möglichkeiten aus - und das Ergebnis ist faszi- nierend. Unbedingt anhören! 

Samstag, 13. Oktober 2012

Two Lutes (Sono Luminus)

Lautenmusik aus Englands Goldenem Zeitalter präsentiert Dorian/Sono Luminus auf dieser CD. Gespielt wird diese phantasti- sche Musik von Ronn McFarlane und William Simms. Eine bessere Besetzung ist für Lautenduette kaum denkbar.
McFarlane startete als Autodidakt auf einer "cranky sixteen-dollar steel-string guitar". Er spielte Blues und Rockmusik, doch zugleich studierte er "klassische" Gitarre - bis er die Laute für sich entdeckte. Simms gehört zu den etablierten Early Music-Spezialisten; er spielt Laute ebenso wie Theorbe und Gitarre, und hat, insbesondere auch im Continuo, an zahlreichen Projekten im Bereich der "Alten" Musik mitgewirkt.
Die Werke, die auf dieser CD erklingen, charakterisiert McFarlane wie folgt: "Elizabethan lute duets yield the most companionable and friendly kind of music-making for the players. In equal duets each lutenist plays nearly the same music, alternating playing the melody and the harmonic accompaniment. It feels like a conversation, with each lutenist posing musical questions and answers throughout. Each player is free to improvise upon the written part, so the con- versation can be very individual and spontaneous! On the other hand, in the treble-ground style of lute duet, one lutenist plays a single line melodic part (usually including some virtuosic passages) while the second lutenist plays a chordal accompaniment. Some- times the chordal accompaniment is very simple and repetitive, and it is likely that a skilled player would vary his part to make a more musically satisfying accompaniment. In this recording, the continuo background and improvising skills of William Simms come to the fore, as two- and three-cord accompaniments become highly ima- ginative counterparts to the single-line melody." 
Besser könnte das auch der Kritiker nicht beschreiben. Zu ergänzen bleibt, dass es sich hier nicht nur um faszinierende Musik, sondern darüber hinaus auch um eine wundervolle Einspielung handelt. Die beiden Lautenisten harmonieren exzellent miteinander, und ihre Musizierlust spürt selbst der Zuhörer. Kein Zweifel: Dies ist eine der besten Lauten-CD des Jahres 2012! 

Sonntag, 2. Oktober 2011

The Lviv Lute (Sono Luminus)

Die Krakower Lauten-Tabulatur, entstanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, gilt als das früheste und zugleich bedeutend- ste Zeugnis polnischer Lauten- musik aus der Zeit der Renaissan- ce. Die Sammlung enthält Werke der verschiedensten Genres aus ganz Europa - aber auch polnische Lieder, die sonst nirgends über- liefert sind. Der russisch-amerika- nische Lautenist Oleg Timofejew hat einige dieser Stücke gemein- sam mit dem Ensemble Sarmatica eingespielt. Diese Gruppe von Musikern hat Timofejew 2009 um sich versammelt, als er nach Kiew ging, um dort als Fulbright Scholar zu unterrichten - auf den Hörer aus der westlichen Hemisphäre wartet da so manche Überraschung. 

Montag, 12. September 2011

A Meeting Place - Medieval & Renaissance Music for Lute & Ud (Sono Luminus)

Ob es die Kreuzritter waren, die das Instrument aus dem Orient mitbrachten, oder ob die Mauren es in Spanien spielten - wie die Ud nach Europa kam, wird sich ab- schließend wohl nicht mehr erklä- ren lassen. Fakt ist aber, dass das Instrument im 13. Jahrhundert an vielen Höfen erklungen ist, und zu den Lieblingen des europäischen Adels gehörte. Anders als Al-Ud, wurde die Laute, die sich daraus entwickelte, jedoch schon bald nicht mehr mit einem Plektrum, sondern mit den Fingern gespielt. 
Auf dieser CD sind Ud und Laute im Dialog zu vernehmen. Der türki- sche Virtuose Münir Nurettin Beken stellt die Ud vor, August Den- hard eine Knickhalslaute. Die beiden Musiker spielen überwiegend gemeinsam Werke sowohl aus der arabisch-osmanischen wie auch aus der europäischen Musiktradition. Dabei werden die Klangunterschie- de der beiden Instrumente deutlich; mit ihrem jeweiligen Klangbild und gewissen spieltechnischen Besonderheiten bringen sie zusätzlich Farbe in das abwechslungsreiche Programm. 

Donnerstag, 11. August 2011

The Art of Vivaldis Lute (Sono Luminus)

Das Washingtoner Originalklang-Ensemble The Bach Sinfonia, geleitet von Daniel Abraham, hat sich in mehreren Programmen mit der Musik Antonio Vivaldis (1678 bis 1741) auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt dieser Einspielung steht die Laute, hörenswert ge- spielt von Ronn McFarlane. 
Den Rahmen bilden zwei Ripieno-Konzerte, die Sinfonie in d-Moll
RV 127 und die Sinfonia in g-Moll RV 157 - Konzerte ohne Solisten; das andere formale Extrem folgt sofort: Das Konzert für zwei Violinen und Laute in D-Dur RV 93 er- fordert nur Solisten, und kein Orchester. 

Zwei Trios für Violine und Laute, RV 85 und 82, geleiten die Motette In turbato mare irato RV 627, die aber leider unerträglich schlecht gesungen wird. Als vorletzes Stück erklingt schließlich ein "normales" Konzert für Viola d'Amore, Laute, Streicher und Basso continuo in
d-Moll
RV 540. 

Es ist durchaus spannend, Vivaldis Experimente mit der Form "Kon- zert" zu beobachten. Der Komponist sorgte mit seinem Schaffen, das zahlreiche Musiker aus ganz Europa zum Vorbild nahmen, für eine weite Verbreitung und starke Dominanz des Konzertes in seiner drei- sätzigen Form. Leider gehörte die Laute eher nicht zu seinen Lieb- lingsinstrumenten, so dass das Repertoire ziemlich beschränkt ist. 

Freitag, 3. Juni 2011

The Kingdoms of Castille (Sono Luminus)

Das heutige Spanien war im Mittelalter, wie wohl sonst keine andere Region Europas, ein Viel- völkerstaat mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen. In der Musik auf der iberischen Halbinsel klingen noch heute Einflüsse der arabischen und der jüdischen Be- völkerung mit - und der Zigeuner; man denke nur an den Flamenco, der hierzulande wahrscheinlich als der spanischste aller Tänze gilt. 
Zu Zeiten der Habsburger und der Bourbonen aber war nicht der Flamenco, sondern die Ciaconna für Europas Musiker der Inbegriff des Spanischen. Zu dem Reich, in dem die Sonne niemals unterging, gehörten neben zahllosen Kolonien in Übersee zeitweise auch euro- päische Gebiete wie Teile der Niederlande oder Italiens. So ist es wenig verwunderlich, dass insbesondere italienische und spanische Musiker voneinander lernten und Ideen austauschten. 
Der Klang der Gitarre inspirierte, so wird man beim Anhören dieser CD erstaunt feststellen, selbst Georg Friedrich Händel zu einer Canta- ta a voce solo con chitarra Espagnola. Zu finden sind weiter Werke von Domenico Scarlatti, Domenico Mazzochi, Franceso Manelli, Andrea Falconiero und Domenico Zipoli, aber auch das berühmte Coracon que en prisión von José Marín, sowie Musik von Juan Hidal- go, Rafael Castellanos, Juan Aranes und José de Orejón y Aparicio. Damit zeichnet das Ensemble El Mundo unter seinem Leiter Richard Savino ein ausgesprochen buntes, facettenreiches Bild der Musik am spanischen Hof im 17. und 18. Jahrhundert. Die geschickte Auswahl sorgt zudem für Abwechslung. Die Instrumentalisten sind exzellent, was man von den Vokalisten, insbesondere den Sängerinnen, leider nicht durchweg sagen kann. Dennoch ist The Kingdoms of Castille ein spannendes Konzeptalbum, das man gern anhört. 

Montag, 28. März 2011

Biber: Mystery Sonatas (Sono Luminus)

"I first discovered Biber's Mystery Sonatas when I was a graduate student at Indiana University, and hearing them inspired me to be- come a baroque violinist", erklärt Julia Wedmann. Die kanadische Geigerin hat bereits etliche CD vor- gelegt; jetzt gab ihr das Label Sono Luminus die Möglichkeit, Bibers bedeutendes Werk einzuspielen. 
Die Rosenkranz-Sonaten, wie sie auch genannt werden, vollziehen in insgesamt 15 Sonaten die fünf freudenreichen, fünf schmerzhaf- ten und fünf glorreichen Geheimnisse der Gottesmutter Maria nach. Die abschließende Passacaglia hingegen schildert die Begleitung des gläubigen Menschen durch seinen Schutzengel. 
Eines muss man Wedmann lassen: Ihre Version der Mysteriensonaten ist sehr gut fundiert, ja, geradezu basslastig. Das Continuo ist mit Felix Deak, Violoncello und Viola da gamba, Lucas Harris, Theorbe und Erzlaute, Charlotte Nediger, Orgel und Cembalo, sowie Julia Seager Scott, Harfe, überaus opulent ausgestattet. In der Art und Weise, wie diese Instrumente jeweils eingesetzt werden, vermag ich aber kein System zu erkennen. 
Auch sonst wird nicht ersichtlich, dass der Inhalt des Geheimnisses sich in irgendeiner Art und Weise auf die Interpretation auswirkt. Sorry, aber für diese Pseudo-Barockmusik, die kein bisschen rheto- risch, dafür aber sehr breiig-gefühlig gespielt wird, kann ich mich nicht begeistern. Wer hören will, wie dieser Zyklus klingen kann, wenn er mit Verstand vorgetragen wird, dem sei beispielsweise die Aufnahme mit Reinhard Goebel und Musica Antiqua Köln empfohlen.