Posts mit dem Label Enders werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Enders werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 31. Dezember 2020
Strauss: Tondichtungen (Oehms Classics)
Mit dieser Box, die sämtliche sinfonischen Dichtungen von Richard Strauss (1864 bis 1949) zusammenfasst, ist dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Leitung von Sebastian Weigle ein großer Wurf geglückt. Das Orchester, mehrfach vom Fachmagazin Opernwelt als „Orchester des Jahres“ ausgezeichnet, findet unter Leitung seines Generalmusikdirektors für jedes dieser sehr unterschiedlichen Werke einen überzeugenden Zugang. Von Ein Heldenleben op. 40 bis zu Don Quixote op. 35 (mit Isang Enders, Violoncello, und Thomas Rössel, Viola) – die Aufnahmen erfreuen, denn sie verbinden Präzision, Differenziertheit und Durchhörbarkeit mit Spielfreude und Klangschönheit. Welch ein Erlebnis!
Montag, 29. April 2019
Schreck: Christus, der Auferstandene (Rondeau)
„Daß ich für Chor schreiben und die Stimmen zu behandeln verstehe, darf ich wohl sagen. Genannte Herren, sowie das Directorium des Kgl. Conservatoriums, an welchem Institut ich seit 5½ Jahr als Theorie- und Compositionslehrer thätig bin, können auch Auskunft geben über meine Bedeutung als Contrapunktist und als praktischer, einer conser- vativen Richtung angehörender, Musiker. Indem ich mich einem hochverehrten Rath empfehle, unterzeichne ich mit größter Ehr- erbietung ergebenst Leipzig, dem 9. Juni 1892. Gustav Schreck, Lehrer am Kgl. Conservatorium der Musik“. So endet das Schreiben, mit dem sich Gustav Schreck (1849 bis 1918) einst beim Rat der Stadt Leipzig um die nach dem Tode von Wilhelm Rust vakante Stelle des Thomaskantors bewarb.
Der Komponist, geboren im thüringischen Städtchen Zeulenroda, begann seine musikalische Ausbildung beim dortigen Kantor, und besuchte dann Lyceum und Lehrerseminar in Greiz. 1868 ging Schreck zum Musik- studium nach Leipzig; er musste aber feststellen, dass seine Stimme für eine Sängerkarriere nicht stabil genug war. So folgte er 1870 seinem Bruder nach Wyborg in Finnland, wo er als Musiklehrer am deutschen Gymnasium unterrichtete. 1873 kehrte Schreck nach Leipzig zurück, zunächst als freischaffender Musiker und Komponist. 1887 wurde er als Lehrer für Theorie und Komposition an das Konservatorium berufen; 1898 wurde er dann zum Professor.
Außerdem wurde Schreck 1893 zum Thomaskantor ernannt. Dieses Amt übte er mit großer Ernsthaftigkeit und ebenso großem Erfolg aus. Auch als Mitbegründer der Neuen Bachgesellschaft und als Herausgeber zahlrei- cher Werke Bachs erwarb er sich große Verdienste.
Sein eigenes Werk aber ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei war er dafür einstmals sehr gefeiert worden – vor allem für sein Oratorium Christus, der Auferstandene op. 26, uraufgeführt 1892 im Leipziger Gewandhaus, erhielt Schreck viel Beifall. Den Text dazu schrieb seine Frau Emmy; die Handlung erstreckt sich von der Auferstehung bis zur Himmelfahrt Christi. Es handelt sich dabei um ein großformatiges Werk, mit enorm vielen Solo-Partien, beeindruckenden Chören und einem ausdrucksvollen Orchesterpart.
Wiederentdeckt wurde es nun von Fabian Enders, der das Opus mit dem von ihm geleiteten Sächsischen Kammerchor – in dem ehemalige Thomaner sowie Studierende der beiden sächsischen Musikhochschulen singen – und dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus im vergangenen Jahr erstmals wieder aufgeführt hat. Der Live-Mitschnitt aus der Leipziger Thomaskirche, zugleich Weltersteinspielung, wurde nun durch das Leipziger Label Rondeau veröffentlicht. Überraschung! Das noch solche Schätze in den Archiven schlummern, verblüfft immer wieder.
Der Komponist, geboren im thüringischen Städtchen Zeulenroda, begann seine musikalische Ausbildung beim dortigen Kantor, und besuchte dann Lyceum und Lehrerseminar in Greiz. 1868 ging Schreck zum Musik- studium nach Leipzig; er musste aber feststellen, dass seine Stimme für eine Sängerkarriere nicht stabil genug war. So folgte er 1870 seinem Bruder nach Wyborg in Finnland, wo er als Musiklehrer am deutschen Gymnasium unterrichtete. 1873 kehrte Schreck nach Leipzig zurück, zunächst als freischaffender Musiker und Komponist. 1887 wurde er als Lehrer für Theorie und Komposition an das Konservatorium berufen; 1898 wurde er dann zum Professor.
Außerdem wurde Schreck 1893 zum Thomaskantor ernannt. Dieses Amt übte er mit großer Ernsthaftigkeit und ebenso großem Erfolg aus. Auch als Mitbegründer der Neuen Bachgesellschaft und als Herausgeber zahlrei- cher Werke Bachs erwarb er sich große Verdienste.
Sein eigenes Werk aber ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei war er dafür einstmals sehr gefeiert worden – vor allem für sein Oratorium Christus, der Auferstandene op. 26, uraufgeführt 1892 im Leipziger Gewandhaus, erhielt Schreck viel Beifall. Den Text dazu schrieb seine Frau Emmy; die Handlung erstreckt sich von der Auferstehung bis zur Himmelfahrt Christi. Es handelt sich dabei um ein großformatiges Werk, mit enorm vielen Solo-Partien, beeindruckenden Chören und einem ausdrucksvollen Orchesterpart.
Wiederentdeckt wurde es nun von Fabian Enders, der das Opus mit dem von ihm geleiteten Sächsischen Kammerchor – in dem ehemalige Thomaner sowie Studierende der beiden sächsischen Musikhochschulen singen – und dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus im vergangenen Jahr erstmals wieder aufgeführt hat. Der Live-Mitschnitt aus der Leipziger Thomaskirche, zugleich Weltersteinspielung, wurde nun durch das Leipziger Label Rondeau veröffentlicht. Überraschung! Das noch solche Schätze in den Archiven schlummern, verblüfft immer wieder.
Donnerstag, 30. Juni 2016
Bach: Cello Suites - Isang Enders (Berlin Classics)
„Die Frage, warum Bachs Musik nach nun 300 Jahren immer noch solch eine Wirkung auf uns hat, ist wahrscheinlich nur mit seiner Musik selbst zu beantworten“, schreibt Isang Enders in einem Begleitwort zu dieser CD. „Bachs Musik ist so menschlich und dadurch immer zeitgenössisch und rein. Sprechen sollen die Suiten, singen und tanzen, jagen und besinnen – durch und durch subjektiv und charakteristisch für mich, nachdem ich nun meine Zweifel überwunden habe.“
Für die Aufnahme wählte Enders das holzvertäfelte Teldex-Studio in Berlin, und ganz bewusst keinen Kirchen- raum. Enders schildert seine Auseinandersetzung mit Bachs Cello-Suiten als ein fortwährendes Ringen. „Eine erste Einspielung habe ich dabei nach finaler Arbeit vollständig verworfen“, so der Musiker. Er hat nun akzep- tiert, dass auf dieser CD eine Momentaufnahme festgehalten worden ist. Dafür allerdings hört sich das recht gediegen an. Enders Interpretation zeugt von überragender Technik, jugendlichem Schwung sowie viel, viel Arbeit und Nachsinnen.
Die Box enthält eine schwarze und eine weiße CD: Der Cellist hat die Suiten nicht nach Werkverzeichnis-Nummern, sondern nach hellen und dunklen Farben geordnet. „Diese Reihenfolge macht das ,Aufsteigen' in Sekund- schritten (c-Moll / d-Moll / Es-Dur) und im Quintenzirkel (C-Dur, G-Dur, D-Dur) möglich“, erläutert Enders seine Entscheidung. „Die Ergänzung der reduzierten Noten aus der vermeintlichen Ursprungsfassung der
5. Suite (Lautensuite in g-Moll, BWV 995) ist hoffentlich nicht nur für mich eine Bereicherung.“ Als zusätzliche Überraschung gibt’s im Beiheft übrigens einen brillanten Aufsatz von dem mit Enders befreundeten Pianisten Kit Armstrong.
Für die Aufnahme wählte Enders das holzvertäfelte Teldex-Studio in Berlin, und ganz bewusst keinen Kirchen- raum. Enders schildert seine Auseinandersetzung mit Bachs Cello-Suiten als ein fortwährendes Ringen. „Eine erste Einspielung habe ich dabei nach finaler Arbeit vollständig verworfen“, so der Musiker. Er hat nun akzep- tiert, dass auf dieser CD eine Momentaufnahme festgehalten worden ist. Dafür allerdings hört sich das recht gediegen an. Enders Interpretation zeugt von überragender Technik, jugendlichem Schwung sowie viel, viel Arbeit und Nachsinnen.
Die Box enthält eine schwarze und eine weiße CD: Der Cellist hat die Suiten nicht nach Werkverzeichnis-Nummern, sondern nach hellen und dunklen Farben geordnet. „Diese Reihenfolge macht das ,Aufsteigen' in Sekund- schritten (c-Moll / d-Moll / Es-Dur) und im Quintenzirkel (C-Dur, G-Dur, D-Dur) möglich“, erläutert Enders seine Entscheidung. „Die Ergänzung der reduzierten Noten aus der vermeintlichen Ursprungsfassung der
5. Suite (Lautensuite in g-Moll, BWV 995) ist hoffentlich nicht nur für mich eine Bereicherung.“ Als zusätzliche Überraschung gibt’s im Beiheft übrigens einen brillanten Aufsatz von dem mit Enders befreundeten Pianisten Kit Armstrong.
Dienstag, 15. Januar 2013
Mit Myrten und Rosen - Isang Enders (Berlin Classics)
Mit dieser CD präsentiert sich ein junger Musiker, der bereits zu einer Legende geworden ist. Denn er erhielt 2008 die Stelle des er- sten Konzertmeisters der Violon- celli an der Staatskapelle Dresden. Sie war zuvor mehr als zehn Jahre lang unbesetzt geblieben. Isang Enders wurde mit gerade einmal 20 Jahren Nachfolger von Jan Vogler, der die Stelle 1997 aufge- geben hatte, um sich ganz auf das solistische Konzertieren konzen- trieren zu können.
Enders vereint auf seiner CD Myrten und Rosen, deutsche Romantik und Moderne: Er spielt jeweils das komplette Werk für Violoncello und Klavier von Robert Schumann und Isang Yun - und es zeigt sich bald, dass diese Stücke einander näher sind, als 150 Jahre Musik- geschichte vermuten lassen.
Der deutsch-koreanische Komponist Isang Yun (1917 bis 1995) verknüpfte in seinen Werken asiatische Musiktraditionen mit den Experimenten der europäischen Avantgarde. Ebenso spektakulär wie seine Musik erscheint seine Biographie. Denn er wagte 1963 von Deutschland aus eine Reise nach Nordkorea - und wurde dafür 1967 vom südkoreanischen Geheimdienst nach Seoul entführt. Dort wurde Yun des Landesverrates angeklagt und zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Aufgrund internationaler Proteste wurde der Musiker 1969 freigelassen. Er kehrte nach Deutschland zurück, und wurde 1971 deutscher Staatsbürger.
"Robert Schumann und Isang Yun scheint wenig zu verbinden", schreibt Enders, der aus einer koreanisch-deutschen Musikerfamilie stammt. "Dennoch möchte ich sie in ihren verschiedenen Sprachen gemeinsam vorstellen, weil sich doch beide Komponisten dem Anspruch des Gesanglichen so sehr verpflichtet haben." Und so verknüpft der Cellist Espace I und Nore von Yun mit den Original- werken und Bearbeitungen, die Schumann geschaffen hat. Da wären zunächst die Fünf Stücke im Volkston op. 102. Schumann schrieb aber auch von Adagio und Allegro As-Dur op. 70 für Horn und Klavier, von den Fantasiestücken op. 73 für Klarinette und Klavier und vom Andante cantabile A-Dur aus dem Klavierquartett Es-Dur op. 47 Versionen für Violoncello. Es ist kaum zu glauben, aber dieses erklingt hier in Ersteinspielung. Enders selbst übertrug Mit Myrten und Rosen aus dem Liederkreis nach Heinrich Heine op. 24 auf sein Instrument.
Am Klavier begleitet ihn Andreas Hering. Die beiden Musiker zeich- nen sich aus durch einen beherzten, eher männlich-herben als sentimentalischen Zugriff auf Schumanns Musik. Dabei widmen sie sich aber mit Sorgfalt den Details und Kontrasten; ihr Spiel wirkt erfrischend, und nicht etwa knallig-krawallig. Enders begeistert durch einen warmen, intensiven Celloton. Im Zusammenspiel mit Hering setzt er aber nicht nur auf Poesie. Er lässt auch ahnen, dass die Form Abgründe bändigt - die herrlichen Melodiebögen und die Sinnlichkeit sind gebunden an Melancholie.
Enders vereint auf seiner CD Myrten und Rosen, deutsche Romantik und Moderne: Er spielt jeweils das komplette Werk für Violoncello und Klavier von Robert Schumann und Isang Yun - und es zeigt sich bald, dass diese Stücke einander näher sind, als 150 Jahre Musik- geschichte vermuten lassen.
Der deutsch-koreanische Komponist Isang Yun (1917 bis 1995) verknüpfte in seinen Werken asiatische Musiktraditionen mit den Experimenten der europäischen Avantgarde. Ebenso spektakulär wie seine Musik erscheint seine Biographie. Denn er wagte 1963 von Deutschland aus eine Reise nach Nordkorea - und wurde dafür 1967 vom südkoreanischen Geheimdienst nach Seoul entführt. Dort wurde Yun des Landesverrates angeklagt und zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Aufgrund internationaler Proteste wurde der Musiker 1969 freigelassen. Er kehrte nach Deutschland zurück, und wurde 1971 deutscher Staatsbürger.
"Robert Schumann und Isang Yun scheint wenig zu verbinden", schreibt Enders, der aus einer koreanisch-deutschen Musikerfamilie stammt. "Dennoch möchte ich sie in ihren verschiedenen Sprachen gemeinsam vorstellen, weil sich doch beide Komponisten dem Anspruch des Gesanglichen so sehr verpflichtet haben." Und so verknüpft der Cellist Espace I und Nore von Yun mit den Original- werken und Bearbeitungen, die Schumann geschaffen hat. Da wären zunächst die Fünf Stücke im Volkston op. 102. Schumann schrieb aber auch von Adagio und Allegro As-Dur op. 70 für Horn und Klavier, von den Fantasiestücken op. 73 für Klarinette und Klavier und vom Andante cantabile A-Dur aus dem Klavierquartett Es-Dur op. 47 Versionen für Violoncello. Es ist kaum zu glauben, aber dieses erklingt hier in Ersteinspielung. Enders selbst übertrug Mit Myrten und Rosen aus dem Liederkreis nach Heinrich Heine op. 24 auf sein Instrument.
Am Klavier begleitet ihn Andreas Hering. Die beiden Musiker zeich- nen sich aus durch einen beherzten, eher männlich-herben als sentimentalischen Zugriff auf Schumanns Musik. Dabei widmen sie sich aber mit Sorgfalt den Details und Kontrasten; ihr Spiel wirkt erfrischend, und nicht etwa knallig-krawallig. Enders begeistert durch einen warmen, intensiven Celloton. Im Zusammenspiel mit Hering setzt er aber nicht nur auf Poesie. Er lässt auch ahnen, dass die Form Abgründe bändigt - die herrlichen Melodiebögen und die Sinnlichkeit sind gebunden an Melancholie.
Abonnieren
Kommentare (Atom)



