Der legendäre Schrank II im No- tenarchiv der Dresdner Staats- kapelle enthielt neben Werken von Johann Adolf Hasse, Johann Friedrich Fasch, dem kaiserlichen Kapellmeister Johann Joseph Fux, Antonio Vivaldi und Arcangelo Corelli, Händel, Telemann und Locatelli auch Musik von Gottfried Heinrich Stölzel (1690 bis 1749). Der Komponist, der aus Grünstäd- tel im Erzgebirge stammte und nach Lehr- und Wanderjahren, die ihn bis nach Italien führten, schließlich als Kapellmeister in Gotha seine Lebensaufgabe fand, war zu Lebzeiten hoch geachtet – und wurde dann erstaunlicherweise vergessen.
Das Label cpo engagiert sich schon seit einiger Zeit, um die Aufmerk- samkeit von Musikern und Publikum auf die Werke Stölzels zu lenken und sie so aus dem Archivschlaf zu erwecken. Nach seinem Weih- nachtsoratorium und der Brockes-Passion sind nun auch die Quadri di Dresda e Bruxelles auf CD erhältlich. In diesen neun Quartetten, geistreich nach italienischem Vorbild gearbeitet, konzertieren Violine, Oboe, Horn, Fagott und Cembalo sehr abwechslungsreich miteinander und um die Wette. Sämtliche Melodieinstrumente, einschließlich Horn, sind daran gleichermaßen beteiligt; selbst der Basso continuo tritt gelegentlich mit exponierten Passagen hervor. So erhält jeder Musiker die Möglichkeit, sowohl solistisch als auch im Ensemblespiel zu brillieren.
Die Mitglieder von Epoca Barocca präsentieren Stölzels Werke auf originalen Instrumenten. Alessandro Piqué, Oboe, Thomas Müller, Horn, Veit Scholz, Fagott, Verena Schoneweg, Violine und Michael Beringer am Cembalo überzeugen sowohl in den schnellen, virtuosen Abschnitten als auch in den langsamen Mittelsätzen, deren aparte Melodik ein ganz besonderes Vergnügen bereitet. Wundervolle Musik – gern mehr davon!
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Montag, 27. Januar 2014
Sonntag, 7. März 2010
Christoph Schaffrath: Six Sonatas (cpo)
Christoph Schaffrath, geboren und aufgewachsen in dem sächsischen Städtchen Hohenstein, war seinerzeit als Musiker sehr erfolgreich: In jungen Jahren findet man ihn als Cembalisten am Hofe Augusts des Starken; dann wechselte er in die kleine, aber sehr feine Kapelle des preußischen Kronprinzen Friedrich nach Rheinsberg, und schließlich in den Dienst der Schwester des preußischen Königs, Anna Amalia, die unverheiratet blieb und in Berlin einen weithin gerühmten Salon führte. Sie spielte selbst exzellent Cembalo.
Die sechs Sonaten auf dieser CD lassen ahnen, warum der Komponist so beliebt war. Denn dabei handelt es sich um entzückende Duette, die von den Solisten des Ensembles Epoca Barocca auf Instrumenten jener Zeit gespielt werden. Schaffrath gelingt spielend der Balanceakt zwischen Kontrapunkt und galantem Stil; sein Duetto d-Moll für zwei Gamben, virtuos vorgetragen von Hartwig Groth und Jan Freiheit, bringt in seinen doppelgriffigen Passagen französische Noblesse nach Preußen. Ansonsten ist an all den Duetten stets ein obligates Cembalo mit beteiligt - was sich bis zum Duetto in C-Dur für zwei Cembali treiben lässt, ebenfalls brillant gespielt von Christoph Lehman und Christoph Anselm Noll. Auch zwei sehr hübsche Duette für Fagott und Cembalo enthält die CD, und jeweils ein weiteres für Oboe bzw. Violine und Cembalo. Sehr klangschön muszieren hier Sergio Azzolini, Allessandro Piqué und Margarete Adorf. Leider wird der Hörgenuss in manchen Stücken dadurch gestört, dass das Geklapper der Cembalo-Mechanik zu dominant wahrnehmbar ist.
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