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Freitag, 25. Januar 2019

My Double Bass - Ödön Rácz (Deutsche Grammophon)

Kann man Le Grand Tango von Astor Piazzolla auf einem Kontrabass spielen? Ödön Rácz hat diese Musik für sich entdeckt, und die Mühen der Bearbeitung sowie die Auseinander- setzung mit den technischen Herausforderungen – den Cellopart hatte Piazzolla einst für Mstislaw Rostropowitsch geschrieben – gern auf sich genommen. Der Musiker, der einer Kontrabassisten-Dynastie entstammt und heute Solo-Kontra- bassist der Wiener Philharmoniker ist, zeigt sich noch immer fasziniert von den vielen Facetten seines Instrumentes. Auf dieser CD demonstriert er, dass der Kontrabass von der Kantilene der italienischen Oper bis zum kantigen argentinischen  Sound über vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten verfügt – wenn man ihn so gekonnt spielt wie Rácz. 
Partner sind dem Solisten das Budapester Franz Liszt Kammerorchester, mit dem Rácz übrigens bereits das Vorgängeralbum mit Kontrabass-Konzerten eingespielt hatte, sowie János Balázs, Klavier. Am Pult steht die gebürtige Römerin Speranza Scappucci, derzeit Generalmusikdirektorin der Oper im belgischen Lüttich. 
Das Gran Duo concertante für Violine und Kontrabass von Giovanni Bottesini, eines der zentralen Werke der Kontrabass-Literatur, spielt Rácz gemeinsam mit Noah Bendix-Balgley, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Die beiden Solisten harmonieren exzellent miteinander; sie gestalten das Gran Duo als Wettstreit zwischen herausfordernder Virtuosität und eher sanfter Sanglichkeit, der aber in wunderbarer Eintracht und meiner Meinung nach auch unentschieden endet. 
Ein weiterer Klassiker aus dem 20. Jahrhundert komplettiert das Programm: Das Divertimento concertante für Kontrabass und Orchester von Nino Rota hatte Rácz mit Erfolg bereits beim ARD-Musikwettbewerb 2003 vorgetragen, wo er zu den Preisträgern gehörte. Das Stück beschäftigt ihn bis heute. Rota, bekannt vor allem als Komponist von Filmmusik („Der Pate“) hatte es einst für Kontrabass-Professor Franco Petracchi geschrieben. Dieser allerdings musizierte auf einem speziellen Kontrabass, so dass die Ausführung des ohnehin virtuosen Werkes auf einem Instrument mit normalen Maßen zur doppelten Herausforderung wird. Und während sich der Zuhörer über die abwechslungsreiche Musik Rotas freuen kann, muss der Interpret für jede einzelne Phrase den passenden Klangcharakter finden. Auch hier zeigt sich Rácz als Meister, der das Instrument rundum souverän beherrscht. Sehr gelungen! 

Montag, 25. April 2016

Kontrabasskonzerte - Ödön Rácz (Deutsche Grammophon)

Ödön Rácz, Solobassist der Wiener Philharmoniker, präsentiert auf seinem zweiten Album Konzerte für Kontrabass und Orchester von Johann Baptist Vanhal, Carl Ditters von Dittersdorf und Giovanni Bottesini. Rácz musiziert dabei gemeinsam mit dem Franz Liszt Chamber Orchestra, das er auch selbst dirigiert. 
Der Solist entstammt einer Kontra- bassistendynastie; schon sein Ur- großvater spielte dieses Instrument. Mit Musik der Wiener Kontrabass-Schule hat sich Rácz bereits während seines Studiums an der Franz Liszt Akademie in seiner Heimatstadt Budapest beschäftigt. Intensiv studiert hat er dieses Repertoire dann in Wien bei seinem Lehrer Alois Posch. 
Das D-Dur-Konzert von Vanhal – obgleich weit weniger virtuos als die aberwitzig rasanten Opernparaphrasen, die Rácz seinerzeit auf seiner ersten CD bei Gramola vorgestellt hat – sei „vor allem stilistisch sehr schwierig“, erläutert der Musiker im Beiheft zu dieser CD. Das Dittersdorf-Konzert beschreibt Rácz als „gute Unterhaltung mit besonderen Ansprü- chen an den Solisten“. Beide Werke spielt er mit den beeindruckenden Kadenzen, die Ludwig Streicher, ebenfalls ein früherer Wiener Philhar- moniker, gemeinsam mit dem Komponisten HK Gruber geschaffen hat. 
Bottesini, der „Paganini des Kontrabasses“, schrieb insgesamt vier Konzer- te für sein Instrument. Rácz hat davon das zweite, das h-Moll-Konzert, für diese Aufnahme ausgewählt. Es ist ein Virtuosenkonzert, das vom Solo-Instrument dominiert wird – sehr anspruchsvoll und ausdrucksstark; Rácz sieht es als ein „romantisches Konzert im italienischen Stil“, das gestaltet werden müsse wie Tschaikowskis Violinkonzert. Und so stellt der Solist auch hier eher die große Linie heraus als die vielen kleinen virtuosen Scharmützel. 
Dass die drei Konzerte technisch höchst herausfordernd sind, wird der Zuhörer kaum bemerken. Rácz musiziert souverän, und entlockt seinem Kontrabass aus der Werkstatt des Wiener Instrumentenbauers Michael Ignatius Stadlmann aus dem Jahre 1781 wunderbare Klänge, samtweich und sanglich. Bravo! Und mehr davon, bitte.