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Sonntag, 7. April 2019

Secret Places (Hänssler Profil)

Schon als Kinder musizierten Marie-Luise und Christoph Dingler zusam- men. Die Geschwister studierten dann Violine bei Dora Bratchkova in Mannheim, und sie gingen gemeinsam auf Konzertreisen. Bald stellten sie fest, dass es extrem wenig zeitgenössische Musik für Violinduo gibt. Aus diesem Grunde schufen die Twiolins den Crossover Composition Award: Alle drei Jahre sind Komponisten aufgerufen, sich neue, publikumswirksame Werke für Violinduo auszudenken, mit einer Spieldauer von jeweils etwa fünf Minuten. Eine international besetzte Jury begutachtet dann die eingereichten Werke, und wählt sechs davon für das Finale aus. Dort werden sie von den Twiolins aufgeführt, so dass auch das Publikum sich sein Urteil bilden und Favoriten auswählen kann. Die Zuhörer entscheiden letztendlich über die Gewinner. 
Mehr als 500 Komponisten aus 50 Nationen haben sich bereits an diesem Wettbewerb beteiligt. Derzeit läuft eine neue Runde – und auf dieser CD sind nun die Musikstücke zu hören, die beim letzten Crossover Competi- tion Award erfolgreich waren. Gewonnen hat mit Schillers Nachtflug Benedikt Brydern (*1966); er war übrigens schon einmal, bei der Wett- bewerbspremiere im Jahre 2009, der Erstplatzierte. 
Jens Hubert (*1973) gewann mit Rock you vs. Ballerina den 2. Preis, Johannes Meyerhöfer (*1985) mit Atem . Licht den 3. Preis. David Lubowicz (*1981) mit Carpathian, Alexander Gonobolin (*1953) mit Metamorphosis und András Derecskei (*1982) mit Balkanoid folgen auf den weiteren Plätzen. Auch die anderen Musikstücke auf der CD – mit Ausnahme von Hammers von Nils Frahm – sind für den Wettbewerb entstanden. Mein persönlicher Favorit ist Waltz Diabolique von Edmund Jolliffe (*1976). 
Man staunt über die enorme stilistische Vielfalt und den großen Einfalls- reichtum der Komponisten. Was man doch alles mit zwei Violinen ausdrücken kann! Die Twiolins musizieren mit hörbarer Begeisterung – und wir freuen uns heute schon auf die Werke des neuen Crossover Competition Award. Auch den Sponsoren ist zu danken; dass sich mittlerweile ein ganzer Förderverein für den Wettbewerb engagiert, ist wunderbar und keinesfalls selbstverständlich. 

Mittwoch, 13. Juli 2016

Dresdner Fagottkonzerte aus Schranck II (Ars Produktion)

Die Dresdner Kapellsolisten, 1994 gegründet von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle und geleitet von Helmut Branny, bringen Musik wieder zum Klingen, die zur Zeit Augusts des Starken von der Dresdner Hofkapelle gespielt wurde. Die Auswahl ist groß, denn die umfangreiche Musikaliensammlung des damaligen Dresdner Konzert- meisters Johann Georg Pisendel ist nahezu komplett überliefert. Sie wurde nach ihrem Ankauf durch den Hof im „Schranck No: II“ aufbewahrt; über diese spektakuläre Noten- kollektion, die sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden befindet, wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet. 
Auf dieser CD sind nun aus den Beständen des „Schranck No: II“ zwei Fagottkonzerte von Antonín Reichenauer (?1694 biss 1730) sowie eines von Johann Gottlieb Graun (1703 bis 1771) und eines von Franz Horneck (um 1690 bis nach 1724) zu hören, vorbildlich interpretiert von Solo-Fagottist Erik Reike. Diese erstmals eingespielten Konzerte dürften Fagottisten generell erfreuen (sobald Noten-Editionen erschienen sind), denn sie bereichern das nicht übermäßig umfangreiche Repertoire für dieses Instrument um vier echte Perlen. Man staunt, welche Schätze im „Schrank No: II“ immer noch verborgen liegen! 
Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) Concerto für zwei Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur, TWV 52: Es 1, befindet sich nicht in Pisendels Sammlung. Es ist aber bekannt, dass der Komponist 1719 zur Kurprinzenhochzeit in Dresden war, und Musik dafür geschrieben hat. Vermutet wird, dass dieses Konzert für die virtuosen Hornisten der Hof- kapelle entstanden ist, und 1719 während der Feierlichkeiten von diesen aufgeführt wurde. Nicht umsonst beginnt es mit einer majestätischen Polonaise. Den anspruchsvollen Solo-Part haben Harald Heim und Klaus Gayer übernommen.