Posts mit dem Label Il Dolce Conforto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Il Dolce Conforto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 19. Juni 2018

Salterio italiano (Christophorus)

Die italienische Variante des Hack- brettes erkundet Franziska Fleisch- anderl mit Leidenschaft – und diese CD beweist, dass die junge Musikerin das rare Instrument mittlerweile virtuos beherrscht. Einmal mehr zeigt sie mit ihrem Ensemble Il Dolce Conforto, dass das Salterio klanglich durchaus überraschende Stärken hat. 
Anhand von einer Vielzahl von Quellen hat Fleischanderl die Spieltechniken rekonstruiert, die für das Salterio einst verwendet worden sind. Noch im 18. Jahrhundert erfreute es sich besonders in der Adelsgesellschaft ganz enormer Beliebt- heit. Doch für das Zeitalter der Virtuosenmusik war es wahrscheinlich zu leise, und so geriet das Instrument bald aus der Mode. Heute ist das Salterio vollkommen aus dem Gebrauch. 
Die junge Musikerin hat daher sehr viel Zeit und Energie daran gesetzt, herauszufinden, wie es einst gespielt wurde. Im Beiheft kann man lesen, dass es Fleischanderl sogar gelungen ist, in einem Musikinstrumenten- museum originale Schlägel aufzuspüren, die sie dann nachbauen ließ. 
Für diese CD hat sie ein Programm zusammengestellt, das es gestattet, die erstaunlich umfangreiche Palette an Klangfarben, die das Salterio bietet, so recht zu genießen. Mit den Fingern oder den Fingernägeln pizzicato in unterschiedlicher Weise gezupft, mit verschiedenen Schlägeln battuto gespielt – es ist verblüffend, aber das Instrument klingt wirklich jedesmal anders. 
Wie schon bei der erfolgreichen CD Sacred Salterio mit der Sopranistin Miriam Feuersinger ist auch auf diesem Album eine erstklassige Sängerin zu hören. Beteiligt ist diesmal die italienische Mezzosopranistin Romina Basso, die mit einer hinreißenden tiefen Stimme und ihrer exzellenten Technik überzeugt. 

Montag, 15. Mai 2017

Sacred Salterio (Christophorus)

Das Psalterium ist ein Musikinstru- ment mit einer langen Geschichte. Seinen Ursprung hatte es wohl im Orient; es gilt als Urform von Zither, Hackbrett, Harfe und auch diversen Tasteninstrumenten, soweit sie mit Saiten ausgestattet sind. Das Psalter besteht aus einem Resonanzkörper, über den Saiten gespannt sind. Anfänglich wurden sie mit den Fingern oder einem Plektrum gezupft, später, so beim Hackbrett oder beim Clavichord, auch mit Hämmerchen angeschlagen. Eine weitere Version, das Streichpsalter, wird mit einem Bogen gestrichen. 
Das Salterio war noch im 18. Jahrhundert eines der bevorzugten Instru- mente des italienischen Adels. Selbst Antonio Vivaldi komponierte für das Salterio; auch Leonardo Vinci, Giovanni Paisiello und viele andere schrieben Musik für das Instrument. Niccolò Jommelli schuf sogar eine Sinfonia di salterio con violini a basso.  
Und mit den adeligen Damen hielt das Salterio Einzug auch in den Klöstern. Zwar untersagte Papst Benedikt XIV. im Jahr 1749 allzu profane Klänge im kirchlichen Raum. Aber wie man in der Kirchenmusik am Wiener Hof nicht auf Pauken und Trompeten verzichten mochte, so blieb das Salterio bei den Nonnen ein geschätztes Instrument. 
Franziska Fleischanderl stellt auf dieser CD mit ihrem Ensemble Il Dolce Conforto und der Sängerin Miriam Feuersinger eine Auswahl an Musik- stücken aus dem Benediktinerinnenkloster San Lorenzo in San Severo vor. Die Nonnen haben insbesondere in der Karwoche beeindruckende Kompositionen für Sopran, Salterio und Orgel in ihre Andachten mit einbezogen. Als Beispiele erklingen die Lezzione Seconda von Domenico Merola, eine Lamentazione Seconda per il Giovedi Santo la Sera aus dem Jahre 1781, deren Urheber nicht bekannt ist, und die Lezzione Terza del Venerdi Santo von Gennaro Manna sowie ein Atto di dolore nach einem Gebet von Pietro Metastasio, komponiert möglicherweise von Salvatore Fighera. 
Gesungen wurden diese Stücke einst wahrscheinlich von einem Kastraten, das jedenfalls legt eine Widmung nahe, die sich im Manuskript fand. Es ist virtuose Musik, die mit ihren großen Spannungsbögen von Miriam Feuer- singer berückend vorgetragen wird. Franziska Fleischanderl musiziert auf einem originalen Salterio, das 1725 in Rom von Michele Barbi gebaut worden ist. Sie erkundet die Spieltechniken, die damals üblich gewesen sind – was sowohl das Zupfen als auch das Anschlagen der Saiten einschließt. Es ist ihr zu danken, dass sie mit ihrem Engagement ein vergessenes Instrument wieder zurück in das Musikleben bringen möchte. Es lohnt sich durchaus; klangschön jedenfalls ist das Salterio. Unterstützt wird sie dabei durch Jonathan Pesek, Violoncello, und Deniel Perer, Truhenorgel.