Posts mit dem Label Jürgen Bruns werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jürgen Bruns werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. Juli 2018

Frommel: Symphony No. 1 (Capriccio)

Gerhard Frommel (1906 bis 1984) gehört zu jenen Komponisten, deren Schaffen nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geriet. Frommel studierte bei Hermann Grabner und dann als Meisterschüler bei Hans Pfitzner. Ab 1929 unter- richtete er an verschiedenen Hochschulen; 1933 wurde er Mitglied der NSDAP. Doch er gründete auch einen „Arbeitskreis für neue Musik“, in dem etliche Werke von Komponisten vorgestellt und diskutiert wurden, die nach offizieller Lesart eher zur „Entarteten Kunst“ gehörten. Und er verdankte es nur wohlwollenden Kollegen, dass er nicht selbst in den Kreis der Unerwünschten geriet. 
Die Jenaer Philharmonie unter Jürgen Bruns stellt bei Capriccio zwei seiner Werke vor: Die 1. Sinfonie op. 13 aus dem Jahre 1938 wurde 1942 immerhin von Wilhelm Furtwängler mit den Wiener Philharmonikern uraufgeführt. Man fühlt sich an Bruckner erinnert, an Mahler auch und an Wagner. Das Sinfonische Vorspiel für Orchester op. 23, entstanden 1943, erklang erstmals 1948 in Frankfurt/Main. Dieses Stück ist geprägt durch die Tragödie von Stalingrad – Klagegesänge aber wollte im Nachkriegs- deutschland niemand mehr hören. So ging es Frommel wie etlichen seiner Kollegen: Mit seiner Musik war er, wie andere Komponisten jener Jahre auch, für das „normale“ Publikum zu modern, und für Anhänger der zeitgenössischen Musik wiederum nicht avantgardistisch genug. 
Frommel entwickelt spätromantische Klänge und Formen weiter; an allzu kühnen Experimenten war er nicht interessiert. Auch in späteren Jahren blieb er der Tonalität treu, und irgendwann gab er das Komponieren schließlich auf. 
Jürgen Bruns und der Jenaer Philharmonie muss man für ihre Neugier danken; sie haben diese Musik wiederentdeckt und 2017 im Konzert gespielt. Dieser Live-Mitschnitt füllt eine Lücke im Repertoire, und rückt jene Komponisten der Nachkriegszeit wieder stärker in den Blick, die sich nicht an Trends und musikalischen Moden orientieren wollten – sehr verdienstvoll! 

Mittwoch, 18. Juli 2012

Toch: Bunte Suite (Crystal Classics)

Er sei "the world's most forgotten composer of the 20th century", klagte Ernst Toch (1887 bis 1964) in den 60er Jahren. Da hatte er bereits einen Pulitzer-Preis und den Grammy-Award sowie das Bundesverdienstkreuz erhalten. Doch trotz aller Anerkennung scheint er unter dem Exil sehr gelitten zu haben.
Der Komponist stammte aus Wien; er studierte Medizin und Philoso- phie in Wien und Heidelberg. Parallel dazu begann er zu komponie- ren. Als er für seine Kammersinfonie in F-Dur den Mozartpreis der Stadt Frankfurt erhielt, beschloss er, sich hauptberuflich der Musik zu widmen. Er studierte Klavier und Komposition. 1910 wurde er mit dem Mendelssohn-Preis ausgezeichnet. Ab 1913 lehrte er an der Mu- sikhochschule in Mannheim, und mit seinen Werken war er zunächst sehr erfolgreich. 
1928 zog Toch nach Berlin um. 1933 nutzte der Komponist einen Aufenthalt in Florenz, um sich in Sicherheit zu bringen. Zunächst lebte er in Westeuropa; 1935 ging er in die USA, wo er sich in Kalifor- nien niederließ, und  seinen Lebensunterhalt mit Filmmusik verdien- te. Außerdem unterrichtete er als Professor an der University of Southern California sowie in Harvard. 
Auf dieser CD sind nun einige seiner Werke zu hören. Die Bunte Suite op. 48 schrieb Toch für den Rundfunk; sie erinnert an Werke der frühen sowjetischen Avantgarde. Die Variationen über Mozarts Unser dummer Pöbel meint KV 455 für Klavier und Orchester hin- gegen stammen vermutlich aus den 50er Jahren. Sie repräsentieren Tochs späte Schaffenszeit, in der sich der Komponist noch einmal seinen Wurzeln zuwandte. Mozart, in dem er ebenfalls einen Autodi- dakten sah, fühlte sich Toch offenbar nahe - auch wenn seine Klang- sprache relativ modern bleibt. Diese beiden Werke finden sich hier in Weltersteinspielungen, interpretiert von der Kammersymphonie Berlin und Pianistin Tatjana Blome.
Das dritte Stück auf der CD, das Konzert für Violoncello und Kammer- orchester op. 35, gehört zu jenen Werken, mit denen Toch zur Zeit der Weimarer Republik  für Furore sorgte. Es kombiniert Elemente, die aus der Wiener Spätromantik überkommen sind, mit Innovatio- nen aus den 20er Jahren. Dieser Herausforderung stellt sich der Cellist Peter Bruns gemeinsam mit dem Mendelssohn Kammerorche- ster Leipzig. Jürgen Bruns leitet beide Orchester. 

Sonntag, 24. Januar 2010

Schumann Volkmann Cellokonzerte a-Moll - Peter Bruns (Hänssler Classic)


Robert Volkmann, geboren 1815 im sächsischen Lommatzsch, gestorben 1883 in Budapest, war mit Brahms und Liszt befreundet - und hat einige wunderschöne Stücke für Violoncello komponiert, wie diese CD zeigt. Peter Bruns sei Dank für die Wiederentdeckung eines romantisch-traumverwobe- nen Andante mit Variationen für drei Violoncelli, das er gemein- sam mit Jakob Stepp und Gregor Nowak eingespielt hat, und drei charmanten kleineren Stücken für Cello und Klavier.
Stimmungsvoll erscheint auch Schumanns Abendlied op. 85 Nr. 12, gleich zweimal zu hören - in Bruns' Fassung für Violoncello und Streicher sowie in jener für Cello und Klavier von Pablo Casals. Den Part am Flügel übernimmt Annegret Kuttner - sensibel, präzise, und stets aufmerksam.
Im Zentrum dieser Aufnahme aber stehen Schumanns Cello-Konzert a-Moll op. 129 und Volkmanns a-Moll-Konzert op. 33. Bruns erweist sich als überzeugter Romantiker. Er lässt sein Tononi-Cello klingen; und das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig, dirigiert von Jürgen Bruns, ist ihm dabei ein idealer Partner. So hell und freundlich, so sanglich-melodisch, derart konsequent an der musikalischen Phrase orientiert, habe ich dieses Werk noch nie gehört. Schumanns Konzert bekommt das ausgezeichnet; Bruns' faszinierende Interpretation erreicht ohne Zweifel den Status einer Referenzaufnahme.