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Sonntag, 13. September 2020

Fantasies & Illusions - Bach's Sons And The Fortepiano (K&K)

Einen Hammerflügel-Hurrikan entfesselt Slobodan Jovanović auf diesem Album aus dem Hause K&K, bei dem es sich ausnahmsweise einmal nicht um einen Konzertmitschnitt handelt. Der Pianist, der sich auf historische Tasteninstrumente spezialisiert hat, musiziert auf einem Fortepiano aus der Werkstatt von Susanne Merzdorf, angefertigt nach einem Vorbild von Anton Walter aus dem Jahre 1782. 
In diese Einspielung startet er mit der Sonata Nr. 4 in A-Dur Wq 55,4 von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788). Sie stammt aus der ersten Sammlung „Für Kenner und Liebhaber“, und führt direkt hinein in ein Jahrhundert, in dem sich Komponisten oftmals mit Dienstverhältnissen arrangierten, und in dem Musik häufig in erster Linie eine Gebrauchsfunktion hatte. 
So wirkte Carl Philipp Emanuel Bach viele Jahre als Cembalist Friedrichs des Großen. Wie wenig ihn allerdings mit den musikalischen Ideen seines flötenspielenden Dienstherren verbindet, das zeigt auch das zweite Werk, das Jovanović auf dieser CD erklingen lässt. Die Fantasie in fis-Moll Wq 67 „C.P.E. Bachs Empfindungen“ ist ein ebenso unerhörtes wie ungestümes Stück, einzigartig, ebenso wild wie ausdrucksvoll. 
Ein ganz ähnliches Temperament offenbart sein jüngerer Bruder Wilhelm Friedemann Bach – aber seine Fantasie in a-Moll, die Jovanović für diese Einspielung ausgewählt hat, bleibt vergleichsweise zahm. Die zwölf Polonaisen hingegen sind alles andere als harmlose Salonstücke; kein Wunder, dass Zelter sie seinerzeit „mühsam“ fand. Bei den Polonaisen in e-Moll und f-Moll demonstriert Bach, dass er Empfindsamkeit durchaus kann. Doch interessanter sind die Polonaisen Es-Dur und F-Dur – sie weisen weit voraus in die Romantik. Wilhelm Friedemann Bach überrascht immer wieder neu. Dieser Musiker, der es in keiner Anstellung lange aushielt, muss ein unglaublich versierter Pianist gewesen sein – und ein musikalischer Visionär. Seine Harmonik nimmt mitunter bereits das 19. Jahrhundert vorweg. Faszinierend. 
Eingebettet in seine Werke, spielt Slobodan Jovanović ein eigenes Stück. Iluzija, Illusion, ist auf dem Konzertflügel entstanden. Es profitiert aber erheblich vom farbenreichen, differenzierten Klang des Hammerflügels; Jovanović bringt es auf dieser CD in einen spannungsreichen Dialog mit den Kompositionen der beiden Bach-Söhne. 

Samstag, 25. September 2010

Dvorák: Rusalka (Glyndebourne)

Jedes Jahr im Sommer findet in Glyndebourne, zwei Autostunden von London, ein musikalisches Fest statt, wie es wohl nur in Groß- britannien denkbar ist: Opern- freunde treffen sich in einem Opernhaus, das aus dem Landhaus des Gründers des Festivals, John Christie, hervorgegangen ist, und erleben eine Oper - mit einer überlangen Pause, die traditionell dazu genutzt wird, ein opulentes Picknick im Garten zu genießen. Was dort - selbstverständlich  in Abendkleid und Frack - gespeist wird, das kann man übringens auf der Homepage des Glyndebourne Opera Festivals nachlesen (und gleich mit den Karten ordern). 
Im vergangenen Jahr gab es dort Antonín Dvoráks Oper "Rusalka"; das hauseigene Label legte nun einen Mitschnitt vor. Und der lässt in jeder Beziehung aufhorchen. Das fängt schon damit an, dass in Ori- ginalsprache gesungen wird. Das ist nicht selbstverständlich, denn Tschechisch ist gar nicht so einfach. Die Sänger sind durchweg ex- zellent - angefangen von Ana Mariá Martínez als Rusalka, Brandon Jovanovich als Prinz, Tatjana Pawlowskaja als Fremde Fürstin und Mischa Schelomjanski als Wassermann über Larissa Djadkowa als Hexe Jezibaba, Natasha Jouhl, Barbara Senator und Élodie Méchain als Elfen bis hin zu Diana Axentii als Küchenjunge, Alasdair Elliott als Förster und John Mackenzie als Jäger. Der Glyndebourne Chorus, geleitet von Thomas Blunt, ist eine Wucht. Und auch das London Philharmonic Orchestra entdeckt unter Jirí Belohlávek seine sla- wisch-romantische Ader. Selbst die Inszenierung muss, glaubt man den Fotos, phänomenal gewesen sein.