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Sonntag, 13. September 2020

Fantasies & Illusions - Bach's Sons And The Fortepiano (K&K)

Einen Hammerflügel-Hurrikan entfesselt Slobodan Jovanović auf diesem Album aus dem Hause K&K, bei dem es sich ausnahmsweise einmal nicht um einen Konzertmitschnitt handelt. Der Pianist, der sich auf historische Tasteninstrumente spezialisiert hat, musiziert auf einem Fortepiano aus der Werkstatt von Susanne Merzdorf, angefertigt nach einem Vorbild von Anton Walter aus dem Jahre 1782. 
In diese Einspielung startet er mit der Sonata Nr. 4 in A-Dur Wq 55,4 von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788). Sie stammt aus der ersten Sammlung „Für Kenner und Liebhaber“, und führt direkt hinein in ein Jahrhundert, in dem sich Komponisten oftmals mit Dienstverhältnissen arrangierten, und in dem Musik häufig in erster Linie eine Gebrauchsfunktion hatte. 
So wirkte Carl Philipp Emanuel Bach viele Jahre als Cembalist Friedrichs des Großen. Wie wenig ihn allerdings mit den musikalischen Ideen seines flötenspielenden Dienstherren verbindet, das zeigt auch das zweite Werk, das Jovanović auf dieser CD erklingen lässt. Die Fantasie in fis-Moll Wq 67 „C.P.E. Bachs Empfindungen“ ist ein ebenso unerhörtes wie ungestümes Stück, einzigartig, ebenso wild wie ausdrucksvoll. 
Ein ganz ähnliches Temperament offenbart sein jüngerer Bruder Wilhelm Friedemann Bach – aber seine Fantasie in a-Moll, die Jovanović für diese Einspielung ausgewählt hat, bleibt vergleichsweise zahm. Die zwölf Polonaisen hingegen sind alles andere als harmlose Salonstücke; kein Wunder, dass Zelter sie seinerzeit „mühsam“ fand. Bei den Polonaisen in e-Moll und f-Moll demonstriert Bach, dass er Empfindsamkeit durchaus kann. Doch interessanter sind die Polonaisen Es-Dur und F-Dur – sie weisen weit voraus in die Romantik. Wilhelm Friedemann Bach überrascht immer wieder neu. Dieser Musiker, der es in keiner Anstellung lange aushielt, muss ein unglaublich versierter Pianist gewesen sein – und ein musikalischer Visionär. Seine Harmonik nimmt mitunter bereits das 19. Jahrhundert vorweg. Faszinierend. 
Eingebettet in seine Werke, spielt Slobodan Jovanović ein eigenes Stück. Iluzija, Illusion, ist auf dem Konzertflügel entstanden. Es profitiert aber erheblich vom farbenreichen, differenzierten Klang des Hammerflügels; Jovanović bringt es auf dieser CD in einen spannungsreichen Dialog mit den Kompositionen der beiden Bach-Söhne. 

Dienstag, 10. Dezember 2019

Santa Claus Is Coming To Town (K&K)

Wenn die New Orleans Jazz Band of Cologne weihnachtlich  aufspielt, dann ist dies quasi eine Einladung, das Fest einmal ganz lässig und entspannt zu feiern. Die Kölner Jazzformation, die auf eine mehr als 60jährige Geschichte zurückblicken kann, musizierte im Dezember 2018 im Homburger Schloss. Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger haben dieses Konzert nicht nur organisiert, sondern auch aufgezeichnet. 
Der Mitschnitt ist nun bei ihrem Label K&K erhältlich. Und er ist überwältigend, so fröhlich und voll Musizierlust; diese CD sorgt garantiert für allerbeste Laune. Das Ensemble pflegt den typischen New-Orleans-Sound, und das richtig gut. Kein Wunder, dass alle Bandmitglieder auf ihrer ersten Reise nach New Orleans 1994 wegen ihrer Verdienste um den Jazz zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt wurden. Ein Hoch auf Bruno van Acoleyen, Bart Brouwer, John Defferary, Hans-Martin „Büli“ Schöning, Markus „Benny“ Daniels, Reinhard Küpper sowie Dominik Dötsch, der mit seinem Klavierspiel als Gast die Band hervorragend komplettierte. Santa Claus is coming to town – man vernimmt es mit einem Schmunzeln. 

Montag, 24. Juni 2019

Voices of Armenia - Geghard Ensemble (KuK)

Fremd und doch vertraut klingen die Gesänge auf dieser CD, kraftvoll und konzentriert. Das Geghard Vokalensemble besteht aus acht Sängerinnen, und es gestaltet sonntags die Heilige Liturgie im Felsenkloster Geghard im Osten Armeniens. 
Gegründet wurde das Ensemble 2001 von der Sängerin und Dirigentin Anahit Papayan. Künstlerischer Leiter ist Dr. Mher Navoyan, Experte für Musik des Mittelalters und Professor am Konservatorium von Eriwan. Das Repertoire des Geghard Vokalensembles umfasst aber nicht nur Melodien aus der Zeit vom vierten bis zum 15. Jahrhundert. Die Sängerinnen überzeugen ebenso mit Chor-Arrangements armenischer Volks- oder geistlicher Lieder, modernen armenischen Kompositionen sowie Musik europäischer Komponisten.  Sie sind allesamt Profis, mit faszinierenden Stimmen. 
Um geistliche und Volksmusik aus Armenien einem Publikum außerhalb der Heimat vorzustellen, geht der Chor auf Tourneen und gibt auch im Ausland Konzerte. Mit einem beeindruckenden Programm waren die acht stimmgewaltigen Damen im Juni 2018 zu Gast im Kloster Maulbronn. 
Das war ein musikalisches Ereignis, wie der Mitschnitt deutlich macht, der glücklicherweise von Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger aufgezeichnet und bei ihrem Label K&K veröffentlicht wurde. Es ist übrigens zugleich der Gruß einer bedeutenden Kulturregion an eine andere: Wie das Kloster in Maulbronn, so gehört auch das Felsenkloster Geghard zum Unesco-Welterbe. 

Samstag, 29. Dezember 2018

Galanterie - Das Quantz Collegium (K&K)

Von den „historischen“ Kostümen und den albernen Perücken, die diese Musiker tragen, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn das Quantz Collegium, in den 30er Jahren gegründet von dem Flötisten Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn, musiziert grandios. Das Ensemble lädt seit 1957 jeweils im Sommer zur Konzertreihe Festliche Serenaden in das Schloss Favorite bei Rastatt. 
Seit 1982 ist Jochen Baier der Flötist des Quantz Collegiums, das sich vor allem mit Kammermusik der Barock- zeit und der Klassik beschäftigt. Dabei stehen auch immer wieder Werke von weniger bekannten Komponisten auf dem Programm, die wohl, falls notwendig, sogar mit einigem Aufwand aus Quellen zugänglich gemacht werden. Das dürfte auch für dieses Programm erforderlich gewesen sein, das durchweg mit Entdeckungen begeistert. 
Der vorliegende Konzertmitschnitt ist im Mai 2018 entstanden. Einmal mehr erfassen Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger die einzigartige Atmosphäre, die das Musizieren im Gartensaal des „Porzellanschlosses“ Favorite prägt. Mit ihrem Label K&K sind sie seit Jahren darauf spezialisiert, herausragende Konzerte möglichst authentisch für die Nachwelt aufzuzeichnen. 
Ein solches Konzert ist auf dieser CD quasi mitzuerleben. Denn was das Quantz Collegium unter dem Stichwort „Galanterie“ zusammengetragen hat, das sind außerordentlich abwechslungsreiche und musikalisch lohnende Raritäten. Neben der Flöte rückt dieses Programm ganz besonders die Bratsche ins Scheinwerferlicht. Sie ist das Solo-Instrument zweier Konzerte von Christoph Graupner (1683 bis 1760) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767); außerdem erklingen ein Flötenkonzert von Friedrich Wilhelm Heinrich Benda (1745 bis 1814) sowie ein Doppelkonzert für Flöte und Bratsche von Graupner. Und das Quantz Collegium spielt diese Kostbarkeiten derart hinreißend, lebendig und getragen von Musizierlust, dass es rundum eine Freude ist. Unbedingt anhören! 

Mittwoch, 21. März 2018

Bach meets Vivaldi - Lautten Compagney Berlin ( K&K)

Wenn man diese Aufnahme aus der Edition Kloster Maulbronn angehört hat, weiß man, warum das Sprich- wort sagt, der Himmel hänge voller Geigen. Die Lautten Compagney Berlin war am 26. Mai 2017 zu Gast in der Klosterkirche – und spielte gemeinsam mit Julia Schröder unter dem Titel „Bach meets Vivaldi“ einige der schönsten Violinkonzerte überhaupt. 
Das Programm beginnt mit dem berühmten Doppelkonzert in d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach, als Solisten sind Birgit Schnurpfeil, die Konzertmeisterin der Lautten Compagney, und Julia Schröder zu hören. Die Freiburger Violinprofessorin spielt auch die Soloparts der beiden anderen Bach-Konzerte BWV 1041 und 1042. Im Programm wechseln sie sich ab mit Violinkonzerten von Antonio Vivaldi. Und hier sind zunächst alle Streicher Solisten, denn das Concerto in h-Moll RV 580 für vier (!) Violinen, zwei Violen, Violoncello und Basso Continuo aus der Sammlung L'Estro Armonico hält für alle Beteiligten höchst anspruchsvolle Aufgaben bereit. 
Das Concerto in d-Moll RV 565 für zwei Violinen, Violoncello, Streicher und Basso continuo gestalten Birgit Schnurpfeil und Matthias Hummel. Es ist sehr interesssant, diese Werke neben Bachs Konzerten zu hören, denn dieser hat sich mit Vivaldis Musik sehr eingehend beschäftigt – das Konzert RV 565 hat Bach sogar für die Orgel bearbeitet (BWV 596). 
Das g-Moll-Konzert RV 157 folgt noch der ursprünglichen Idee der damals neuen Gattung, ein Streicherorchester mit Basso continuo musizieren zu lassen. Das gelingt traumhaft. Und daher sollen an dieser Stelle auch die weiteren Mitwirkenden benannt werden: Daniela Gubatz, Violine, Bettina Ihrig, Viola, Magdalena Schenk-Bader, Violine/Viola, Ulrike Becker, Violoncello, Alf Brauner, Kontrabass, Johannes Gontarski, Laute und Elina Albach, Cembalo. 
Musiziert wird durchweg kammermusikalisch und in historischer Aufführungspraxis – engagiert, sehr präzise, aber auch ausgesprochen lustvoll, lebendig und abwechslungsreich. Kurzum: Es war ein rundum gelungenes Konzert. Und es wurde in gewohnt exzellenter Qualität mitgeschnitten. Unbedingt anhören, diese Aufnahme ist wirklich hinreißend! 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Royal Christmas - Joy to the world (K&K)

„Authentic Classical Concerts zu veröffentlichen, heisst für uns, herausragende Aufführungen und Konzerte für die Nachwelt festzuhalten und zu vermitteln“, erläutern Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler im Beiheft zu dieser CD die Absichten ihres Labels K&K: „Denn Künstler, Publikum Werk und Raum treten in einen intimen Dialog, der in Form und Ausdruck – in seiner Atmosphäre – einmalig und unwiderbringlich ist. Diese Symbiose, die Spannung der Aufführung dem Hörer in all ihren Facetten möglichst intensiv erlebbar zu machen, indem wir die Konzerte direkt in Stereo-Digital HD aufzeichnen, sehen wir als Ziel, als Philosophie unseres Hauses.“ 
„Royal Christmas – Joy to the World“ lautet das Motto eines solchen Konzertes, das am 14. Dezember 2014 in der Schlosskirche Bad Homburg stattgefunden hat. In diesem wunderbaren Raum haben vier Musiker des Ensembles Nel Dolce weihnachtliche Musik vorgestellt, wie sie in London zur Zeit des Hochbarock vor der königlichen Familie hätte erklingen können. 
Ausgewählt wurden dafür fast durchweg Stücke von Musikern, die entweder in England lebten, oder aber aus anderen Ländern Europas nach London gingen, um dort zumindest zeitweise zu wirken. Zu hören sind unter anderem Werke von Henry Purcell, Georg Friedrich Händel und seinem Rivalen Nicola Antonio Porpora, John Dowland und, natürlich, Arcangelo Corelli. Heinrich Ignaz Franz Biber von Bibern allerdings war nie in London – was aber seine Sonate Die Geburt Christi aus den Mysteriensonaten nicht weniger hörenswert macht. 
Stephanie Buyken, Blockflöten und Gesang, Olga Piskorz, Violine, Harm Meiners, Violoncello und Flora Fabri musizieren inspiriert und perfekt aufeinander abgestimmt. Die Mitglieder des 2003 gegründeten Barockensembles Nel Dolce haben gemeinsam Kammermusik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln studiert, und danach diverse Meisterkurse bei Spezialisten für „Alte“ Musik absolviert. Sie haben sich insbesondere der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts verschrieben. 

Samstag, 31. Dezember 2016

Sarah Wegener & Ensemble Il Capriccio - Arias & Cantatas (K&K)

Das Kloster Maulbronn, im Jahre 1147 von Zisterziensermönchen gegründet, gilt heute als die einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen und wurde 1993 Unesco-Weltkulturerbe. Auch wenn sie Scharen von Touristen anlockt, so ist sie doch nicht vorrangig ein Museum, sondern vielmehr sehr lebendig. So beherbergt Kloster Maulbronn die Evangelische Akademie, ein Gymnasium mit Internat. Außerdem finden alljährlich dort etwa 25 Konzerte statt – und einige davon werden durch Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler in der Edition Kloster Maul- bronn dokumentiert. 
Einen wirklich bemerkenswerten Konzertmitschnitt haben die beiden Toningenieure kürzlich veröffentlicht: Im Mai 2015 war die Sopranistin Sarah Wegener mit dem Ensemble Il Capriccio in Maulbronn zu Gast. Mit Liedern und Arien überwiegend aus der Zeit des Barock bezauberte die Sängerin das Publikum, bestens begleitet durch die Musiker um Konzertmeister Friedemann Wezel, die durchaus auch eigene Akzente setzten. 
Auf dem Programm standen Werke von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), Giovanni Battista Ferrandini (1710 bis 1791) und Henry Purcell (1659-1695) ebenso wie zwei Gesänge für Sopran solo, von Younghi Pagh-Paan (*1945) und von Elliott Carter (1908 bis 2012), einem Schüler von Charles Ives, Gustav Holst und Nadia Boulanger. 
Eine phantastische, große Stimme, klug und mit Leidenschaft eingesetzt, hervorragende Musiker, die wunderbar miteinander harmonieren, und dazu die einzigartige Atmosphäre des Klosters Maulbronn – es muss ein großartiger Abend gewesen sein. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 

Samstag, 9. Juli 2016

Flautissimo! (K&K)

Einen weiteren Live-Mitschnitt aus dem Kloster Maulbronn mit seiner einzigartigen Atmosphäre haben Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler bei ihrem Label K & K veröffentlicht. Im August 2014 konzertierte dort der Flötist Michael Martin Kofler. Es war bereits wäh- rend seines Studiums Soloflötist im Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Claudio Abbado; 1987 berief ihn Sergiu Celibidache in gleicher Posi- tion zu den Münchner Philharmoni- kern. Kofler spielt Konzerte weltweit. Seit 1989 ist der Musiker Professor am Mozarteum in Salzburg; er unterrichtet Meisterklassen und ist als Jury- mitglied bei bedeutenden Wettbewerben tätig. 
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten. 
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss. 

Samstag, 10. Oktober 2015

Hamburger Ratsmusik - Wach auf mein Geist (K&K)

Deutsche geistliche Lieder und
Arien
sowie Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts erklangen im Jahre 2006 bei einem Konzerts der Ham- burger Ratsmusik mit dem Sänger Klaus Mertens im Kloster Maulbronn. Die großen geistlichen Liedsamm- lungen, die damals entstanden, waren nicht zum Vortrag im Gottes- dienst oder gar auf dem Konzertpo- dium, sondern ausschließlich für die häusliche Andacht bestimmt. Es war dies eine bewegte Zeit, in der um den rechten Glauben noch immer heftig gestritten wurde; nach dem Dreißig- jährigen Krieg, der Entbehrungen, Not, Gewalt und Gefahr mit sich brachte, beschworen Adel und Bürgertum traditionelle Werte. 

Josef-Stefan Kindler, der gemeinsam mit Andreas Otto Grimminger über das Label KuK Konzerte dokumentiert, begeistert sich im Beiheft zu dieser CD für das geistliche Lied jener Tage, und findet sein Anliegen durchaus aktuell: „In äusserst ansprechender, ja edler Weise verführt und die Aufführung der Hamburger Ratsmusik zu einem Blick auf jene Werte, die heute mehr und mehr durch die vielfältigen Einflüsse unserer Umwelt ihre Berechtigung zu verlieren scheinen. Berührend, und vielleicht daher beruhigend, erfährt man beim Hören der Aufführung von Werten wie Anmut, Demut und Edelmut – welche dazumal den gleichen Stellenwert wie heutzutage Effizienz, Effektivität und Leistung einnahmen. Für mich persönlich eines der schönsten und ansprechendsten kammermusika- lischen Konzerte innerhalb der Edition.“ 
Klaus Mertens hat in diesem Programm Werke vorgetragen aus den Hun- dert ahnmutig und sonderbar Geistlichen Arien von Christoph Bernhard, gedruckt 1694 in Dresden, sowie aus den Himmlischen Liedern des Ham- burger Ratsmusikers Johann Schop nach Texten des großen Barockpoeten Johann Rist, publiziert 1641/42 in Lüneburg. Dabei begleiteten den Sänger Simone Eckert, Viola da gamba, und Ulrich Wedemeier, ein Spezialist für historische Gitarren und Lauteninstrumente. 
Die beiden Musiker haben das Programm zudem durch Instrumentalwerke aus jener Zeit bereichert. Sie harmonieren ausgezeichnet mit dem Gesang des Bassbaritons, der im Bereich der „Alten“ Musik zu Recht sehr gefragt ist. Mertens gestaltet die nur scheinbar schlichten Lieder wunderbar; es muss in der Tat ein beeindruckendes Konzert im Kloster Maulbronn gewesen sein. Etwas von dem besonderen Flair jenes Abend vermittelt auch diese CD. Meine Empfehlung! 

Dienstag, 14. April 2015

Bach: Vom Reiche Gottes (K&K)

„Im Bach-Jahr 1950 habe ich in Stuttgart und Reutlingen zum ersten Mal die Kantate ,Vom Reiche Gottes' aufgeführt, eine abendfüllende Kantaten-Zusammenstellung, die aus dem Wunsche heraus entstanden war, einzelne bedeutende Teile des Bachschen Kantatenwerks, die aus mancherlei Gründen so gut wie nie aufgeführt worden und deshalb unbekannt geblieben waren, vor dem völligen Vergessen zu bewahren und sie der Praxis wieder zuzuführen“, zitiert das Beiheft zu dieser CD Hans Grischkat (1903 bis 1977). Der Kirchenmusiker folgte damit einer Anregung Albert Schweitzers, der sich von der Kompilation dann auch sehr angetan zeigte. 
Grischkat hat Chöre, Rezitative, Ariosi, Arien und Choräle gesammelt, die er besonders gelungen fand, die aber normalerweise nur selten oder gar nicht zu hören sind. Und er hat aus diesem Bestand anschließend ein umfangreiches Werk zusammengefügt, das auf Veränderungen im Text und fast durchweg auch auf Eingriffe in Bachs Kompositionen verzichtet und trotzdem ein attraktives Ganzes ergibt. Der Thomaskantor selbst wäre bei einem solchen Pasticcio vermutlich weit weniger behutsam vorgegangen; er hat sogar komplette Kantaten mehrfach verwendet und dabei mitunter auch kräftig verändert.  
„Oft lag die Versuchung nahe, aus bekannten und oft aufgeführten Kanta- ten einzene Stücke zu verwenden“, schreibt Grischkat. „Doch habe ich darauf bewusst verzichtet, da es mir darum ging, unter allen Umständen das Bachsche Gesamtwerk im Prinzip unangetastet zu lassen.“ Dennoch wird ein inhaltlicher Zusammenhang erkennbar: Der erste Teil beschreibt den Menschen vor Gott, mit seinem Streben nach Heil und Gnade. Der zweite Teil ist dem Lobpreis gewidmet. 
Jürgen Budday hat dieses Werk im September 2013 mit dem Maulbronner Kammerchor und dem Barockorchester Il Capriccio im Konzert in der romanischen Maulbronner Klosterkirche aufgeführt; ein Mitschnitt dieses Ereignisses ist bei KuK erschienen. Den beiden Toningenieuren Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger ist es einmal mehr gelungen, trotz der schwierigen akustischen Verhältnisse mit einer beeindruckenden Aufzeichnung die besondere Atmosphäre der Konzerte in der Unesco-Welterbe-Stätte einzufangen. 
Als Solisten singen Heike Heilmann, Sopran, Franz Vitzthum, Altus, und Falko Hönisch, Bass. Sie alle überzeugen durch Ausdrucksstärke und Textverständlichkeit. Der Maulbronner Kammerchor meistert die Chor- partien mit sauberer Intonation, hoher Präzision und ausgewogenem Chorklang. Das Orchester Il Capriccio musiziert hochprofessionell und gut abgestimmt. Es ist zu spüren, dass die Musiker mit „Alter“ Musik bestens vertraut sind. Budday führt seine Scharen mit sicherer Hand durch das nicht unkomplizierte Opus. So hat Grischkat vor den Schluss-Choral Lobe den Herren eine mächtige Fuge gesetzt, die erst einmal bewältigt werden will. In dem sehr informativen Beiheft ist übrigens die jeweilige Besetzung nachzulesen. Dort findet sich auch der Text sowie die Quelle der einzelnen Kantatenteile. 

Freitag, 26. Dezember 2014

Es sol claro y luciente (K&K)

Die mit Abstand fröhlichste CD zu Weihnachten ist bei dem Label K&K erschienen. Sie gibt Zeugnis von der Verschmelzung indianischer Tradition mit der spanischen und portugiesischen katholischen Liturgie in Südamerika. Missionare haben seinerzeit die Weihnachtslieder aus ihrer Heimat dem musikalischen Umfeld angepasst, das sie in den Gemeinden vorgefunden haben. Wie sich das anhört, demonstriert hier die Grupo Canto Coral. 
Das argentinische Ensemble hat sich auf die Erschließung dieses Erbes spezialisiert. Deshalb gehören dazu nicht nur diverse Chöre, die von Néstor Andrenacci geleitet werden, sondern auch ein Notenverlag. 2002 war die Grupo Canto Coral zu Gast im Kloster Maulbronn. Das Konzert wurde durch Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger aufgezeichnet. Die Musik klingt wie eine Mischung aus Indio-Kapelle und barocker Pastorale. So heiter sollte man Weihnachten auch hierzulande feiern.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

In dulci jubilo - Don Kosaken Chor Serge Jaroff (K&K)

Der Don Kosaken Chor Serge Jaroff hat seine Wurzeln in einem Ensemble, das sich 1920 in einem Internierungslager bei Istanbul zusammengefunden hat. Dort saßen die Überlebenden der Donkosaken-Regimenter gefangen. Aus den Resten der einstigen Regimentschöre entstand kurz vor Weihnachten ein Chor, der später unter der Leitung von Sergej Alexejewitsch Scharow ganz Westeuropa bezauberte und letztend- lich in den USA eine neue Heimat fand. 
In den 80er Jahren löste sich das Ensemble auf; 1985 starb Serge Jaroff. Heute reist eine ganze Reihe von Chören unter dem Etikett „Donkosaken“ durch die Lande. Dieser hier wird von einem Bayern geleitet – Hans Reitmayr aus Petershausen bei München sang seinerzeit etliche Jahre unter Jaroffs Leitung, unter seinem Künstler- namen Wanja Hlibka pflegt er seit 1991 das musikalische Erbe der Donko- saken. 
In seinem Chor singen ausschließlich Profis mit klassischer Gesangs- ausbildung, die Sänger kommen vor allem aus Russland und aus der Ukraine. Auf dieser CD sind sie mit klassischen liturgischen Stücken sowie mit Weihnachtsliedern aus Russland, der Ukraine und Deutschland zu vernehmen. Das Programm ist abwechslungsreich, und dürfte seinerzeit beim Publikum gut angekommen sein. Die Akustik der Klosterkirche von Waldsassen, in der dieses Konzert im Dezember 2005 mitgeschnitten wurde, erweist sich allerdings selbst für diese erfahrenen Sänger als Herausforderung. Mitunter wird so aus Inbrunst pure Lautstärke, und nicht jeder Ton ist perfekt geführt. Gerade in den Stücken, die ihren Ursprung in der russisch-orthodoxen Liturgie haben, vermisst man zudem den typi- schen, leicht nasalen Klang der russischen Chöre; wer sich Aufnahmen des Don Kosaken Chores unter Serge Jaroff anhört, der wird den Unter- schied bemerken. Bemerkenswert sind allerdings die tiefen Bässe des Ensembles. In Westeuropa sind solche Stimmen äußerst rar. 

Freitag, 3. Januar 2014

Grand Piano Masters - Carnaval (KuK)

Diese CD enthält den Mitschnitt eines Konzertes mit Rolf Plagge im Laienrefektorium des Klosters Maulbronn aus dem Jahr 2006. Der Pianist begann sein Programm mit der Klaviersonate KV 332 von Wolfgang Amadeus Mozart, mit einer Interpretation voll Esprit und Heiterkeit. Dass er aber die Kontraste liebt, verrät schon das zweite Stück, die Klaviersonate
op. 42 von Franz Schubert, ein Werk voll Düsternis und Unruhe. 

Komplettiert wurde die Auswahl durch Carnaval von Robert Schumann. Der Klavierzyklus, entstan- den in den Jahren 1834/35, ist ein musikalisches Vexierbild, und reflektiert nicht zuletzt Schumanns Beziehung zu seiner ersten Verlobten Ernestine von Fricken. Die österreichische Pianistin, die er im Hause Wieck kennenlernte, kam aus Asch – welche Buchstaben Schumann freudig auch in seinem Namen vorfand, und als A-Es-C-H bzw. Es-C-H-A vielfach in Carnaval spiegelt. 
Kuriosum am Rande: Als sich herausstellte, dass die junge Frau kei- neswegs eine steinreiche Baronin, sondern lediglich eine Adoptiv- tochter war, die kein Erbe erwarten durfte, wirkte dies wie eine eisige Dusche auf den Bräutigam – der die Verlobung dann auch rasch wieder löste. Dieses Wechselspiel der Gefühle findet durchaus ein Echo im Klavierspiel Plagges, der ganz auf Ausdruck setzt. Carnaval bietet dazu alle Möglichkeiten, von tänzerischer Eleganz bis hin zum wuchtigen, leidenschaftlichen Ausbruch. Verglichen mit den braven Interpretationen, die man sonst so erlebt, wirkt diese Aufnahme geradezu altväterlich; in ihrer Emotionalität erinnert sie an Einspie- lungen großer Pianisten früherer Generationen. Das hat schon was. 

Montag, 24. Oktober 2011

Musica Sacra - Die Zeit (K & K)

"O Ewigkeit, du machst mir bang. / O ewig, ewig ist zu lang, / hier gilt fürwahr kein Scherzen: / Drumb wenn ich diesen lange Nacht / zusampt der großen Pein betracht, / erschreck ich recht von Herzen. / Nichts ist zu finden weit und breit / so schrecklich als die Ewigkeit." So reimte einst der Wedeler Pastor Johann Rist - und brachte die Bedenken seiner Zeit- genossen in Liedform. Das Thema Zeit hatte für die Menschen des Barock, die offenbar extrem auf eine geordnete Welt fixiert waren, eine Bedeutung, die wir uns heute kaum noch vorstellen können. 
Sopranistin Dorothee Mields und die Hamburger Ratsmusik haben im Juni 2010 bei einem Konzert im Kloster Maulbronn einige Werke aus dem 17. und 18. Jahrhundert vorgestellt, die belegen, wie seinerzeit Hoffnung und Zukunft, Beharrlichkeit und Vergänglichkeit besungen wurden. Das Programm wurde von der Gambistin Simone Eckert konzipiert - und es beeindruckt, weil es einerseits wenig bekannte Werke zusammenfasst, andererseits aber auch allen Beteiligten die Gelegenheit bietet, ihr Können zu demonstrieren. Das gilt für die renommierte Sängerin, die mit ihrem klaren, schlank geführten Sopran zu überzeugen weiß, ebenso wie für Michael Fuerst am Cem- balo, Ulrich Wedemeier, Theorbe, und für Simone Eckert, Viola da gamba. Die Musiker sind im Umgang mit barocker Rhetorik versiert; der Abend muss wirklich grandios gewesen sein. Es ist daher schön, dass Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger auch dieses Klosterkonzert auf CD dokumentiert haben. 

Sonntag, 24. April 2011

Spohr: Die letzten Dinge (K&K)

Über die Uraufführung seines Oratoriums Die letzten Dinge am Karfreitag 1826 bei verdunkeltem Chorraum und unter einem mit 600 Gaslaternen beleuchteten Kreuz in Kassel schrieb Louis Spohr: "Die Wirkung war, ich muss es mir selbst sagen, außerordent- lich! Nie hatte ich früher bei Auf- führungen eines meiner größeren Werke diese Genugtuung gehabt!" Spohr, ein gefeierter Violinvirtuo- se, war 1822 als Hofkapellmeister nach Kassel gegangen. Dort brach- te er das Orchester und das städtische Musikleben auf Vordermann, unterrichtete zahlreiche Schüler und schuf mehr als 200 Werke. Zwar sind seine Opern heute vergessen, doch insbesondere seine Violin- konzerte und seine Violinschule gehören noch immer zu den Stan- dards. 
Zu Lebzeiten war Spohr ebenso berühmt wie Paganini. Doch setzte er nicht ausschließlich auf den virtuosen Effekt vor einem Orchester als Hintergrund, sondern vertrat offenbar ein romantisches Kunst- konzept, das sehr viel Wert auf  Gefühl und Harmonie legt. Selbst sein Oratorium Die letzten Dinge, welches das Publikum mit Apokalypse, Gericht und Auferstehung konfrontiert, ist voll schöner Melodien, klangvoller harmonischer Wendungen und herrlicher Chöre. So steht denn auch die Kantorei Maulbronn, dirigiert von ihrem Gründer und Leiter Jürgen Budday, im Zentrum dieser Aufnahme, die im Juni 2010 als Live-Mitschnitte eines Konzertes im Kloster Maulbronn entstanden ist. Der Chor singt wie immer hervorragend. Als Solisten wirken mit Miriam Meyer, Sopran, Ursula Eittinger, Mezzosopran, Marcus Ullmann, Tenor und Josef Wagner, Bass. Das Orchester, die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, zeigt leider hier und da Schwächen. Das ist schade, denn ansonsten ist die Aufnahme sehr hörenswert. 

Samstag, 22. Januar 2011

Musica Sacra - De Maria Virgine (K&K)

Erneut legen Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler den Mitschnitt eines Konzertes im Kloster Maulbronn vor. Zu Gast war diesmal der Moskauer Akademische Staats- chor, einer der führenden pro- fessionellen Chöre Russlands, unter Leitung von Professor Andrej Koshewnikow. 
Im Zentrum des durchweg
a capella gesungenen Programms stand die Verehrung der Gottes- mutter Maria; dabei erklangen überwiegend klassische russische Kompositionen, unter anderem von Michail Glinka, Sergej Rachmaninoff, Modest Mussorgski und Alexan- der Archangelski. So kommen auch die Stimmen der in russischer Gesangstradition ausgebildeten Sänger am besten zur Geltung. 

Der Chor folgt perfekt dem Dirigat Koshewnikows, vom dezenten Pianissimo bis zum Fortissimo; wobei es für unsere Breiten eher ungewohnt ist, mit welcher Inbrunst (und Lautstärke) diese Sänger sich einbringen. Auch ruht dieser Chor auf einem beeindruckenden Fundament von tiefen Bass-Stimmen - und die sind wirklich tief; solche rabenschwarzen Bässe sind in Mitteleuropa sonst eher nicht zu hören. Einige Stücke aus der barocken und der italienischen Tradition machen allerdings deutlich, dass russischer Chorgesang nicht unbedingt mit jedem Repertoire kompatibel ist. 

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Händel: Messiah; Budday (K&K)

Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler dokumen- tieren seit vielen Jahren in exzellenten Mitschnitten auf ihrem Label K & K Konzerte im Kloster Maulbronn. 1147 gegründet, ist es ein eindrucksvolles Zeugnis der Zisterzienserkultur - und die besterhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen. Seit 1993 gehört Kloster Maulbronn zum Unesco-Weltkulturerbe.
Jürgen Budday, Musiklehrer am Evangelisch-theologischen Se- minar Maulbronn, Kirchenmusikdirektor und Leiter der Konzerte im Kloster Maulbronn, der Kantorei Maulbronn und des Maulbronner Kammerchores, hat sich ganz besonders den Oratorien Händels verschrieben, und im Laufe der Jahre etliche davon im Rahmen der Kloster-Konzerte aufgeführt. 
Die vorliegende CD dokumentiert ein Konzert vom September 2005, bei dem Händels Messias erklang - selbstverständlich in englischer Sprache, und in einer Fassung aus dem Jahre 1748, in der Budday so viel wie möglich von den Absichten des Komponisten deutlich machen wollte. So griff er auf die Ripieno-Vorschriften der Dubliner Partitur zurück, und erzielt damit außerordentlich interessante dyna- mische Effekte - für jedermann hörbar unter anderem am Beginn des legendären Halleluja-Chores. Dabei geht es nicht nur um die Differen- zierung zwischen "laut" und "leise"; mit der barocken "Terrassendyna- mik" verbunden ist in diesem Falle auch ein ganz erstaunlicher Zuwachs in der Palette der verfügbaren Klangfarben. Das macht diese Einspielung spannend - und der ganz außerordentlich gut studierte Maulbronner Kammerchor, in Verbindung mit der versierten Hannoverschen Hofkapelle, die hier auf rekonstruierten historischen Instrumenten spielt, und bei einem Stimmton von 415 Hertz. Die Solisten - Miriam Allan, Sopran, Michael Chance, Countertenor, Mark LeBrocq, Tenor und Christopher Purves, Bass - sind solide, aber ich finde sie nicht überragend.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Wolfgang Bauer Consort - Musique baroque de Telemann ( K & K)

Der blitzsaubere Mitschnitt eines besonderen Konzertes im Kloster Maulbronn: Wolfgang Bauer, langjähriger Solo-Trompeter nam- hafter Orchester und seit nunmehr zehn Jahren Professor an der Stuttgarter Musikhochschule, spielt mit exzellenten Musiker- kollegen in kleinster Besetzung Werke von Georg Philipp Tele- mann. Es ist unglaublich, doch hier wird jeder Ton live gespielt - und trotzdem ist kaum ein Schnitzer aufzuspüren.
Zu erleben sind Dietlind Mayer und Petra Müllejans, Violine, Ludwig Hampe, Viola, Davide Vittone, Kontrabass, Georg Siebert und Ingo Goritzky, Oboe, Arie Hordijk, Fagott, Wolfgang Bauer, Tobias Ziegler und Martin Maier, Trompete, Gregor Daszko, Pauke, sowie Thomas Strauss am  Cembalo und Clemens Weigel am (Continuo-)Violoncello. Eine Sternstunde der Musizierlust, ganz phantastisch, stimmungsvoll und glänzend vom ersten bis zum letzten Takt. Bravi! 

Donnerstag, 22. April 2010

Concert for Harp & Organ (K&K)

Ein stimmungsvoller Mitschnitt eines Konzertes in der Schloss- kirche Bad Homburg aus dem August 2007.  Konzertorganistin Ulrike Northoff, die künstlerische Leiterin der Konzertreihe Musik
im Schloss
, spielt gemeinsam mit der Soloharfenistin Olja Kaiser, ausgebildet am Moskauer Tschai- kowsky-Konservatorium, Werke für Orgel und Harfe. 

Zum überwiegenden Teil sind es Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Beset- zungen entstanden sind - leider gibt das Beiheft keine Auskunft darüber, wer sie geschaffen hat. So bleibt einem nur, sich am harmo- nischen Musizieren der beiden Solistinnen zu erfreuen, und an einer stimmigen, geradezu sommerlichen Stückwahl. Nur soviel sei hier verraten: Es ist durchweg Musik mit Ausstrahlung - wunderschön!

Sonntag, 14. März 2010

Thaous Ensemble - Gran Partita (K&K)

"Musik im Schloss" nennt sich eine Veranstaltungsreihe, die in der Schlosskirche von Bad Homburg beheimatet ist.
Dieser wunderschöne, intime Konzertsaal mit seiner Bürgy-Orgel, liebevoll saniert durch eine Bürgerinitiative, hat es den Tonmeistern Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler spürbar angetan. Mit ihrem Label K&K dokumentieren sie in der Serie "Castle Concerts" Konzerte in diesem phantastischen Raum - so auch dieses mit dem Thaous Ensemble. 
Das Bläseroktett hat sich ganz jener höfischen Tradition verschrieben, die zu Mozarts Zeiten als Harmoniemusik bezeichnet wurde: Unterhaltungsmusik, üblicherweise ziemlich anspruchsvoll, die von je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern vorgetragen wird. 
Mozart zeigte mit seiner Gran Partita, dass sich das Serenaden-Oktett mühelos zu einem Bläserorchester erweitern lässt - und dass sich aus scheinbar banalen Strukturen urplötzlich Melodiebögen erheben können, die einem den Atem verschlagen. Die Mitglieder des Thaous Ensembles zelebrieren seine Musik mit angemessenem Pathos. Als eine echte Entdeckung und Überraschung aber erweist sich die Sonatina No. 1 für 16 Blasinstrumente in F-Dur, AV 135, von Richard Strauss. Was für ein kleines Juwel - und es wird auch ganz traumhaft vorgetragen. Meine Empfehlung!