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Samstag, 25. August 2012

Bach: Alto Cantatas (Quintone)

Maarten Engeltjes kann auf die langjährige Beschäftigung mit Bachs Werk verweisen. Denn er begann seine musikalische Aus- bildung im Alter von vier Jahren als Knabensopran. „I first became acquainted with the music of Johann Sebastian Bach at the age of seven“, berichtet der Sänger im Beiheft dieser CD. Sein Debüt als Countertenor gab er als 16jähriger mit den Alt-Arien in Bachs Matthäuspassion. Hier ist er nun mit den Solokantaten Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust BWV 170, Widerstehe doch der Sünde BWV 54 sowie Geist und Seele wird verwirret BWV 35 zu hören, gemeinsam mit dem Concerto d’Amsterdam und Vincent van Laar, Orgel, unter Leitung von Klaas Stok. Engeltjes Stimme erscheint nicht übermäßig groß, aber sie ist fokussiert, sehr weich im Klang und zudem recht beweglich. Die Interpretation ist solide, aber nicht besser als bei- spielsweise die Aufnahmen mit Andreas Scholl.
Berückend klingt allerdings die Orgel, die insbesondere in der Kantate BWV 35 aufgrund der obligaten Partie bestens zur Geltung kommt. Man mag es kaum glauben, aber bei der sogenannten Bach-Orgel der Grote Kerk in Dordrecht handelt es sich um einen Neubau, der erst 2007 festlich eingeweiht worden ist. Die Firma Verschueren Orgel- bouw aus Heythuysen hat dieses Instrument nach mitteldeutschen Vorbildern, insbesondere den Orgeln von Gottfried Silbermann und Zacharias Hildebrandt, neu angefertigt. Eine Orgel diesen Typs war in den Niederlanden bislang nicht verfügbar; und weil das Instrument ideal dafür geeignet ist, Bachs Musik zu spielen, erhielt sie auch den Namen des Komponisten.

Samstag, 13. Februar 2010

Händel: Amore X Amore (Winter & Winter)

Das Ensemble Forma Antiqva hat hier musikalische Juwelen aus- gegraben: Kantaten für Alto und Basso Continuo von Georg Fried- rich Händel - echte Raritäten, die extrem selten zu hören sind.
Es singt der spanische Counter- tenor Xavier Sabata. Seine Stimme ist schlank, hinreichend beweglich und fokussiert - und, besonders in der tiefen Lage, auch erstaunlich sinnlich. Technisch finde ich ihn nicht überragend; wer eine vergleichbare Aufnahme mit Jochen Kowalski aus den 80er Jahren kennt, wird das wohl bestätigen.
Begleitet wird Sabata von Forma Antiqva, einem Barockensemble, das auf Nachbauten von Originalinstrumenten musiziert, und weitgehend aus Mitgliedern der Familie Zapico besteht. Aarón Zapico, der musikalische Leiter, ist am Cembalo zu hören, Pablo und Daniel Zapico spielen Erzlaute/Barockgitarre und Theorbe/Theor- bino. Enrike Solinís spielt Barockgitarre, Theorbe und Erzlaute, und Rami Alqhai Viola da gamba. Damit den Zuhörern nicht langweilig wird, fügen die Musiker zwischen den Kantaten Instrumentalstücke ein - auch dies in bester barocker Tradition. Dabei handelt es sich obendrein durchweg um Transkriptionen von Stücken, die Händel für eine ganz andere Besetzung geschrieben hat. 
Nun ist es nicht besonders aufregend, eine Violin-Sonate für Viola da gamba umzuarbeiten. Auch ein Stück Cembalosuite mit Theorbe, Erzlaute und Barockgitarre zu instrumentieren, ist keine allzu große Überraschung. Ein Satz aus einem Orgelkonzert aber, bearbeitet für Solo-Cembalo und Continuo - das hätte vermutlich selbst Händel amüsiert. In der ungewohnten Besetzung klingen die Ohrwürmer frisch, mitunter auch ruppig. Spaß macht das allemal.