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Donnerstag, 4. Januar 2018

Telemann at Café Zimmermann (Winter & Winter)

Ein Nachtrag zum Telemann-Jubil- äumsjahr 2017: Das Schweizer Ensemble Die Freitagsakademie hat eine sehr schöne CD im Gedenken an Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) veröffentlicht. Die Einspielung, erschienen bei dem Label Winter & Winter, soll an das Café Zimmer- mann in Leipzig erinnern. Denn an der Pleiße hat Telemann mit seinem aus Studenten bestehenden Colle- gium Musicum seine überaus erfolg- reiche Musikerlaufbahn begonnen. 
Nach drei Jahren freilich war die Studienzeit Telemanns vorbei: 1704 erhielt der junge Musiker, der eigentlich Jurist werden sollte, seine erste Anstellung als Hofkapellmeister des Grafen von Promnitz, in Sorau in der Niederlausitz. Die Freitagsakademie präsentiert ein etwas oboenlastiges, aber ansonsten außerordentlich hörenswertes Programm aus zwei Ouverture-Suiten, einer Sonate, einer Triosonate und einem bezaubern- den Konzert für Oboe d'amore. Die Musiker zeigen einmal mehr, dass Telemann heute noch immer der am stärksten unterschätzte Komponist der Barockzeit ist. 

Sonntag, 10. März 2013

Bach: The Brandenburg Concertos (Winter & Winter)

"The Celebration", nennt das Label Winter und Winter diese ganz be- sondere Bach-Edition. Sie entführt den Hörer in das Jahr 1721 zu einem grandiosen Barockfest. Wer sich das Bild auf dem Cover anschaut, der ahnt, dass es nicht einfach um eine weitere Aufnahme der berühmten Brandenburgi- schen Konzerte geht. 
Die beiden CD sowie das Beiheft wurden ebenfalls liebevoll gestal- tet; das Beiheft erzählt in einer Art Tagebuch über die Jahre 1717 bis 1723, die Johann Sebastian Bach als Kapellmeister am Hofe des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen verbrachte. Auch die CD erzählen eine Geschichte - sie führen die Zuhörer mitten hinein in ein höfisches Fest, mit dem 1721 in Köthen die Sommersonnenwende gefeiert wird. 
Die Musik zu dieser Klanggeschichte stammt von Johann Sebastian Bach. Man hört die Gäste in Kutschen zum Fest herbeirollen. Die Hofe der Pferde klappern auf dem Pflaster; Hunde bellen, und Jagdhörner geben Signale. Aus der Ferne sind bereits die ersten Töne von Bachs neuem Werk zu hören, den Six Concerts Avec plusieurs Instruments, gewidmet Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt. Von dem Adressaten der Widmung freilich hat Bach keine Antwort erhal- ten, und auch kein Honorar. Die Musik, die später unter dem Namen Brandenburgische Konzerte weltberühmt werden sollte, erklingt nun also in Köthen. Das Orchester ist mit Hörnern, Trompeten und Streichern üppig besetzt, und es musiziert wunderbar. Wer sich nicht daran stört, dass das Knattern des Feuerwerks gleich mehrfach in die Musik hinein erklingt, begleitet von den Ahs und Ohs des staunenden Publikums, der wird diese stimmungsvolle Einspielung mit der Freitagsakademie mögen - leider liefert die Doppel-CD aber nur den Soundtrack zum rauschenden Fest. 

Samstag, 3. Dezember 2011

Bach: Weihnachtsoratorium; Beringer (Winter & Winter)

Karl-Friedrich Beringer, seit 34 Jahren Leiter des Windsbacher Knabenchores, hat angekündigt, dass er diese Position zum Jahres- ende abgeben wird. Das hat Winter & Winter zum Anlass genommen, sein Wirken mit einer CD-Edition zu würdigen. Ausgewählt hat das Münchner Label  dafür eine Auf- nahme des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, die 1991 aufgezeichnet wurde. 
Neben dem Windsbacher Knabenchor, der sehr ausdrucksstark singt, wirken daran auch die Münchner Bachsolisten mit sowie die Solisten Juliane Banse, Cornelia Kallisch, Markus Schäfer als Evangelist, Robert Swensen, Tenor/Arien, und der in seiner Intensität hier überaus beeindruckende Thomas Quasthoff. Eine ausgesprochen hörenswerte Einspielung, und ein würdiges Abschiedsgeschenk an einen engagierten Musikpädagogen, der Generationen junger Leute für die Musik begeistert hat. 

Donnerstag, 8. Juli 2010

Bach: The Goldberg Variations (Winter & Winter)

Teodoro Anzellotti spielt Bachs Goldberg-Variationen - auf dem Akkordeon. Und das passt er- staunlich gut, denn der Ausnahme-Akkordeonist hat diese Ausnahme-Komposition sehr geschickt für sein Instrument adaptiert.
Man denkt, das Cembalo sei vom Klang her eher distanziert, das Akkordeon eher proletarisch, erd- verbunden. Doch diese Erwartung wird enttäuscht: In den langsamen Sätzen wirkt das Akkordeon mitunter wie eine Orgel, in den schnellen Teilen aber wird es dem Original erstaunlich ähnlich. Anzellotti überrascht mit einer ausdrucksstarken, intensiven und hinreißend gespielten Interpretation, die partiell geradezu hypnotische Wirkung zeigt. 
Scheinbar mühelos gelingt ihm die Fusion von barocker Aufführungs- praxis und modernem Instrument. Diese Version der Goldberg-Variationen ist hochvirtuos, bis ins letzte Detail stimmig, und sie gehört für mich zu den interessantesten Einspielungen des Werkes überhaupt.

Donnerstag, 15. April 2010

Travelogues of Italy - Die Freitagsakademie (Winter & Winter)

Hofkomponist Johann Gottlieb Janitsch lud ab 1736 zu "Freitags- akademien" ein, bei denen sich die Berliner Gesellschaft zum gemein- samen Musizieren traf. Diese bürgerliche Tradition nimmt das Berner Ensemble "Die Freitagsaka- demie" auf, das sich seit 1993 in verschiedenen Besetzungen der Musik des 17. und 18. Jahrhun- derts widmet. Seit acht Jahren veranstalten die Musiker um Oboistin Katharina Suske und Cellist Bernhard Maurer zudem fünf "Freitagskonzerte" pro Saison im Kunstmuseum Bern.
Mit dieser CD begeben sich acht exzellente Solisten sowie die Sopra- nistin Susanne Rydén auf eine musikalische Reise nach Italien zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Damals ließ sich Georg Friedrich Händel, gerade 21 Jahre jung, endlich überzeugen, jenes Land zu besuchen, dem damals die Sehnsucht aller Künstler und Kunstbegeis- terten galt. Händel blieb mehr als drei Jahre dort, lernte Land und Leute kennen, und arbeitete mit den besten Musikern seiner Zeit zusammen. Die Reise nach Italien prägte Händel nachhaltig; und das gilt nicht nur für seinen musikalischen Stil.
Dort aber sind die Einflüsse ganz offensichtlich. So entsprechen Händels Solokonzerte für Oboe - diese CD beginnt mit Concerto Nr. 3 in g-Moll HWV 287 - nicht nur formal dem Vorbild der Kirchen- sonaten von Arcangelo Corelli; bis hinein in Klangfarben und Melodik folgt er dem Muster, das er in Rom kennengelernt hat. Der Oboe blieb der Komponist sehr zugetan. Davon zeugt unter anderem die Kantate "Delirio amoroso", wo sie einen außerordentlich delikaten Part übernimmt. Das Werk ist eine Klage einer gewissen Chloris um einen toten Thyris, dem sie offensichtlich sehr zugetan ist - der ihre Zuneigung jedoch schon zu Lebzeiten nicht erwiderte, und sich nun auch in der Hölle, wohin sie zu seiner Rettung geeilt ist, von ihr abwendet. 
Eine typische italienische Kantate - der Inhalt ist nicht wirklich von Belang, aber die Form ist phantastisch. Susanne Rydén hat hörbar Vergnügen an diesem Kabinettstückchen, das weniger versierte Sänger wohl an den Rand der Aspyxie treiben kann. Auch eine zweite Kantate Händels, "Mi palpita il cor", singt die Schwedin bravourös. Die CD schließt mit der Sonate Nr. 6 in A-Dur für Violine und Basso continuo op. 5 von Corelli. Als absolute Überraschung aber erweist sich die Toccata in d-Moll für Cembalo "d'ottava stesa" von Alessandro Scarlatti. Dieses Werk ist nicht nur hochkomplex; es bricht über den Zuhörer herein mit der Wucht eines Tornados, und wirbelt mit seinen energischen Läufen, gewagten Modulationen und Affektwechseln jedes Barockmusik-Stereotyp davon. Brillant! besten Dank an Jörg-Andreas Bötticher am Cembalo.

Samstag, 13. Februar 2010

Händel: Amore X Amore (Winter & Winter)

Das Ensemble Forma Antiqva hat hier musikalische Juwelen aus- gegraben: Kantaten für Alto und Basso Continuo von Georg Fried- rich Händel - echte Raritäten, die extrem selten zu hören sind.
Es singt der spanische Counter- tenor Xavier Sabata. Seine Stimme ist schlank, hinreichend beweglich und fokussiert - und, besonders in der tiefen Lage, auch erstaunlich sinnlich. Technisch finde ich ihn nicht überragend; wer eine vergleichbare Aufnahme mit Jochen Kowalski aus den 80er Jahren kennt, wird das wohl bestätigen.
Begleitet wird Sabata von Forma Antiqva, einem Barockensemble, das auf Nachbauten von Originalinstrumenten musiziert, und weitgehend aus Mitgliedern der Familie Zapico besteht. Aarón Zapico, der musikalische Leiter, ist am Cembalo zu hören, Pablo und Daniel Zapico spielen Erzlaute/Barockgitarre und Theorbe/Theor- bino. Enrike Solinís spielt Barockgitarre, Theorbe und Erzlaute, und Rami Alqhai Viola da gamba. Damit den Zuhörern nicht langweilig wird, fügen die Musiker zwischen den Kantaten Instrumentalstücke ein - auch dies in bester barocker Tradition. Dabei handelt es sich obendrein durchweg um Transkriptionen von Stücken, die Händel für eine ganz andere Besetzung geschrieben hat. 
Nun ist es nicht besonders aufregend, eine Violin-Sonate für Viola da gamba umzuarbeiten. Auch ein Stück Cembalosuite mit Theorbe, Erzlaute und Barockgitarre zu instrumentieren, ist keine allzu große Überraschung. Ein Satz aus einem Orgelkonzert aber, bearbeitet für Solo-Cembalo und Continuo - das hätte vermutlich selbst Händel amüsiert. In der ungewohnten Besetzung klingen die Ohrwürmer frisch, mitunter auch ruppig. Spaß macht das allemal.

Samstag, 18. Juli 2009

Haydn in London - La Gaia Scienza (Winter & Winter)


Als Haydn seine Stelle bei Fürst Esterhazy verloren hatte, reiste er 1791 zu Konzerten nach London. Dort hatte er enormen Erfolg: In London brach - wenn man Zeitgenossen glauben darf - ein regelrechtes Haydn-Fieber aus. Diese CD lässt ahnen, warum. Mein Haydn-Bild jedenfalls hat sie vom Kopf auf die Füße gestellt, erweist sich der Komponist doch keineswegs als Meister des Galant-Routinierten, sondern als Mann mit Humor, der für einen geistreichen Scherz immer zu haben ist. Das gilt nicht nur für "The Surprise", hierzulange bekannt als Sinfonie mit dem Paukenschlag - und auf der CD zu hören in einer Adaption für Fortepiano, Flöte, Violine und Violoncello. Auch die Klaviertrios sind überaus delikate Kabinettstückchen. Marco Brolli, Traversflöte, Stefano Barneschi, Violine, Paolo Beschi, Violoncello, und Federica Valli, Fortepiano, musizieren, dass es eine Freude ist. Besondere Überraschung: Der Klang des Hammerklaviers, erbaut 2005 von Andrea Restelli in Mailand nach einem Vorbild von Ludwig Dulcken aus den 1790er Jahren - und so erstaunlich wandlungsfähig, so perfekt im Zusammenspiel mit der Flöte! Historische Instrumente öffnen mitunter ganz erstaunliche Klangräume.