Ausgewählte Werke von Johann Rosenmüller (um 1619 bis 1684) und dessen Zeitgenossen präsentiert Miriam Feuersinger mit tatkräftiger Unterstützung des Ensembles Les Escapades in einem sorgsam zusammengestellten Programm auf dieser CD.
Die geistlichen Konzerte des Kompo- nisten, über dessen Lebensweg in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet wurde, haben als Vorläufer der protestantischen Kirchenkantate hohe musikhistorische Bedeutung. Doch auch die Werke der anderen Komponisten auf dieser CD sind erstklassig, auch wenn sie heute fast vergessen sind: Johann Balthasar Erben (1626 bis 1686) stammte aus Danzig, und wurde nach einer langen Studienreise quer durch Europa schließlich Kapellmeister an der Marienkirche seiner Heimatstadt.
Christian Flor (1626 bis 1697) hingegen blieb zeitlebens in Norddeutsch- land. Er wirkte als Organist in Lüneburg, und Figuralmusik schrieb er vor allem für Feierlichkeiten, wie Hochzeiten und Beisetzungen. Georg Christoph Strattner (um 1644 bis 1704) wurde schon in jungen Jahren Kapellmeister des Markgrafen von Baden-Durlach. 1682 ging er nach Frankfurt/Main, wo er in gleicher Position an der Barfüßerkirche tätig war, bis er 1691 als Ehebrecher aus dem Dienst ausscheiden musste. Erst 1694 fand er wieder eine Stelle; er wurde erst Tenor und dann Kammer- musikus und Vizekapellmeister am Weimarer Hof.
Die Biographie von Augustin Pfleger (um 1630 bis nach 1686) ist weitgehend unbekannt. Er wurde 1665 Kapellmeister am Hofe des Herzogs von Schleswig-Holstein-Gottorf. 1673 schied er aus dem Dienst aus und ging ins Böhmische, wo er in Kirchenbüchern als „Hoch Fürstl. Sachsen Lauenbg. Capelmeister“ geführt wird – bis Juli 1686. Der Rest ist Schweigen.
Aber die Musik spricht für sich. Sie zeigt, wie viel die Musiker seinerzeit von Italien lernten – und wird von Miriam Feuersinger und den beteiligten Instrumentalisten wirklich hinreißend vorgetragen. Etliche Stücke erklingen auf dieser CD in Weltersteinspielung. Kleine Pausen zur Besinnung schafft Instrumentalmusik von Nicolaus Adam Strungk (1640 bis 1700), Giovanni Legrenzi (1626 bis 1690) und Antonio Bertali (1605 bis 1669). Die groß besetzten Sonaten stellen auch das Gambenconsort Les Escapades und seine vier Gastmusiker an Geigen, Theorbe und Orgel einmal in den Vordergrund – doch die ganze CD erweist sich rundum als ein Hörgenuss.
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Mittwoch, 21. November 2018
Montag, 21. November 2011
Tromba Hispanica (Raumklang)
"Die Instrumente des Ensembles symbolisieren gewissermaßen das geteilte Spanien am Ende der Reconquista", schreibt Johann Plietzsch, Leiter des Barocktrom- peten Ensembles Berlin, in dem sehr informativen Beiheft zu dieser CD. "Die Trompeten und Pauken waren von großer militärischer Bedeutung, sie dienten der Organi- sation in der Kriegsführung und der Motivation der Truppen, waren weit hörbare Übermittler von Nachrichten und Befehlen. Auch demonstrierten sie Macht und Stärke im höfischen zeremoniell. Zusammen mit der Truhenorgel (Symbol der Kirche) stehen sie für das christliche Spanien. Die Lautenfamilie (Theorbe und andere Zupfinstrumente) sowie die unterschiedlichsten Percussionsinstru- mente wie Rahmentrommeln, Tambourins etc, entstammen der maurisch-arabischen Kultur."
Für die CD haben die Musiker des Barocktrompeten Ensembles Berlin auf Nachbauten historischer Instrumente Werke aus dem 16. und
17. Jahrhundert eingespielt. Sie entstammen zum einen dem Habs- burger Hof, zum anderen sind es jedoch auch erste Ergebnisse der Suche nach "original" spanischer Trompetenmusik. Sie ist im Gegen- satz zu den Werken der italienischen Trompeter, die weitgehend er- forscht und dokumentiert sind, noch nicht besonders gut erschlos- sen. Denn die Trompeterzünfte sorgten seinerzeit dafür, dass ihre Musik geheimgehalten wurde; die Stücke wurden innerhalb der Zunft weitergegeben - und nicht notiert. Wer herausfinden möchte, wie sie geklungen haben, der muss auf die Spurensuche gehen: In Lauten- tabulaturen oder in spanischer Orgelmusik finden sich Trompeten- stücke, die damals offensichtlich so populär waren, dass sie auch auf anderen Instrumenten nachgespielt wurden.
Nach solchen Überlieferungen wurden einige dieser Werke rekonstru- iert. Eine tolle CD, denn schon die sechs Barocktrompeten ergeben ein prachtvolles Klangbild. Doch auch Jan Grüter und Simon Linné an Barockgitarre und Theorbe, Mark Nordstrand, Truhenorgel und Tan Kutay, Pauken und Percussion, setzen mit ihrer Kunst Akzente. Wunderbar!
Für die CD haben die Musiker des Barocktrompeten Ensembles Berlin auf Nachbauten historischer Instrumente Werke aus dem 16. und
17. Jahrhundert eingespielt. Sie entstammen zum einen dem Habs- burger Hof, zum anderen sind es jedoch auch erste Ergebnisse der Suche nach "original" spanischer Trompetenmusik. Sie ist im Gegen- satz zu den Werken der italienischen Trompeter, die weitgehend er- forscht und dokumentiert sind, noch nicht besonders gut erschlos- sen. Denn die Trompeterzünfte sorgten seinerzeit dafür, dass ihre Musik geheimgehalten wurde; die Stücke wurden innerhalb der Zunft weitergegeben - und nicht notiert. Wer herausfinden möchte, wie sie geklungen haben, der muss auf die Spurensuche gehen: In Lauten- tabulaturen oder in spanischer Orgelmusik finden sich Trompeten- stücke, die damals offensichtlich so populär waren, dass sie auch auf anderen Instrumenten nachgespielt wurden.
Nach solchen Überlieferungen wurden einige dieser Werke rekonstru- iert. Eine tolle CD, denn schon die sechs Barocktrompeten ergeben ein prachtvolles Klangbild. Doch auch Jan Grüter und Simon Linné an Barockgitarre und Theorbe, Mark Nordstrand, Truhenorgel und Tan Kutay, Pauken und Percussion, setzen mit ihrer Kunst Akzente. Wunderbar!
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