Posts mit dem Label Les Escapades werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Les Escapades werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 21. November 2018

Rosenmüller: Habe deine Lust an dem Herren (Christophorus)

Ausgewählte Werke von Johann Rosenmüller (um 1619 bis 1684) und dessen Zeitgenossen präsentiert Miriam Feuersinger mit tatkräftiger Unterstützung des Ensembles Les Escapades in einem sorgsam zusammengestellten Programm auf dieser CD. 
Die geistlichen Konzerte des Kompo- nisten, über dessen Lebensweg in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet wurde, haben als Vorläufer der protestantischen Kirchenkantate hohe musikhistorische Bedeutung. Doch auch die Werke der anderen Komponisten auf dieser CD sind erstklassig, auch wenn sie heute fast vergessen sind: Johann Balthasar Erben (1626 bis 1686) stammte aus Danzig, und wurde nach einer langen Studienreise quer durch Europa schließlich Kapellmeister an der Marienkirche seiner Heimatstadt. 
Christian Flor (1626 bis 1697) hingegen blieb zeitlebens in Norddeutsch- land. Er wirkte als Organist in Lüneburg, und Figuralmusik schrieb er vor allem für Feierlichkeiten, wie Hochzeiten und Beisetzungen. Georg Christoph Strattner (um 1644 bis 1704) wurde schon in jungen Jahren Kapellmeister des Markgrafen von Baden-Durlach. 1682 ging er nach Frankfurt/Main, wo er in gleicher Position an der Barfüßerkirche tätig war, bis er 1691 als Ehebrecher aus dem Dienst ausscheiden musste. Erst 1694 fand er wieder eine Stelle; er wurde erst Tenor und dann Kammer- musikus und Vizekapellmeister am Weimarer Hof. 
Die Biographie von Augustin Pfleger (um 1630 bis nach 1686) ist weitgehend unbekannt. Er wurde 1665 Kapellmeister am Hofe des Herzogs von Schleswig-Holstein-Gottorf. 1673 schied er aus dem Dienst aus und ging ins Böhmische, wo er in Kirchenbüchern als „Hoch Fürstl. Sachsen Lauenbg. Capelmeister“ geführt wird – bis Juli 1686. Der Rest ist Schweigen. 
Aber die Musik spricht für sich. Sie zeigt, wie viel die Musiker seinerzeit von Italien lernten – und wird von Miriam Feuersinger und den beteiligten Instrumentalisten wirklich hinreißend vorgetragen. Etliche Stücke erklingen auf dieser CD in Weltersteinspielung. Kleine Pausen zur Besinnung schafft Instrumentalmusik von Nicolaus Adam Strungk (1640 bis 1700), Giovanni Legrenzi (1626 bis 1690) und Antonio Bertali (1605 bis 1669). Die groß besetzten Sonaten stellen auch das Gambenconsort Les Escapades und seine vier Gastmusiker an Geigen, Theorbe und Orgel einmal in den Vordergrund – doch die ganze CD erweist sich rundum als ein Hörgenuss. 

Sonntag, 15. November 2015

Dass sich wunder alle Welt (Christophorus)

In der heutigen Zeit, inmitten von Lebkuchenbergen und Schokoladen- gebirgen, von der Werbung auf Weihnachtsshopping und von der Familie auf Vorweihnachtshektik programmiert, vergisst man leicht, dass die Adventszeit eigentlich eine Fastenzeit ist. Wie die Tage zwischen Aschermittwoch und Osterfest, sind auch die 40 Tage zwischen Martins- tag und Weihnachten eine Zeit der Besinnung und der Einkehr. 
Diese CD soll daran erinnern, dass die Adventszeit dem Warten auf die Ankunft Jesu gewidmet ist, und nicht dem Konsum. Die Gläubigen sollen sich darauf besinnen, dass das Kind in der Krippe der Erlöser und Erretter ist – sie sollen ihr Leben ändern, damit sie bereit sind, wenn Christus wiederkehrt. Miriam Feuersinger, Sopran, und Daniel Schreiber, Tenor, sowie das Gambenconsort Les Escapades, ergänzt durch Evelyn Laib an der Truhenorgel, tragen Musik vor, die dieses Ansinnen reflektiert. 
Dabei orientieren sich die Musiker an der Liturgie der vier Adventssonnta- ge. Kaum eine Zeit ist so reich mit Musik gefeiert worden, wie die diese – von den gregorianischen Gesängen der Mönche und Nonnen, die einige ihrer schönsten Melodien in diesen Wochen anstimmen, über eine Vielzahl bekannter Kirchenlieder bis hin zu festlichen konzertanten Werken. Und so begegnen wir in der Adventszeit Maria; wir erinnern uns an ihren berühmten Dialog mit dem Engel Gabriel, und an ihren Besuch bei Elisabeth, mit dem Magnificat. Wir begegnen Martin Luther, der zahlreiche Texte aus der liturgischen Tradition in die deutsche Sprache übertragen hat – erinnert sei hier nur an Nun komm, der Heiden Heiland nach dem ambrosianischen Hymnus Veni redemptor gentium. Wir begegnen aber auch Johannes dem Täufer, und dem Propheten Jesaja. 
Miriam Feuersinger und Daniel Schreiber singen uns den Introitus des jeweiligen Adventssonntages, sowie einige wenige bedeutende Lieder, die dazu passen. Dafür wurden ebenso bedeutende Liedsätze ausgewählt, die mitunter von Strophe zu Strophe wechseln.  Sie wurden so geschickt kombiniert, dass das Lied wirkt, wie aus einem Guss. 
Für Abwechslung sorgen außer den unterschiedlichen Arrangements auch Wechsel in der Besetzung. So werden etliche Strophen instrumentaliter musiziert; die Gamben ergänzen zudem, wie damals üblich, den Gesang. Mit ihrem weichen, warmen Klang passen sie exzellent in die besinnliche Adventszeit. Die vier Damen von Les Escapades begeistern durch ihren homogenen, perfekten Ensembleklang. Kleine Instrumentalsätze runden das Programm ab. 
Am vierten Adventssonntag erklingen gleich drei Werke von Heinrich Isaac (um 1450 bis 1517), einem franko-flämischen Meister, der erst im Dienste der Medici stand, und dann ab 1497 für den König und späteren Kaiser Maximilian I. tätig war. Damit verweisen die Musiker bewusst auf Traditionen, die so lang zurückliegen, dass sie für uns heute eher unge- wohnt klingen. Nicht alle Stücke auf dieser CD freilich sind alt - so erklingt Es kommt ein Schiff, geladen in einer Version des Karlsruher Chorleiters Hans-Jörg Kalmbach.
Nach dem Beginn mit der Kantate Lieber Herre Gott, wecke uns auf von Johann Rosenmüller (1620 bis 1684) endet die CD auch wieder mit einer Kantate: Wachet auf, ruft uns die Stimme von Franz Tunder (1615 bis 1667) mahnt, das Leben zu gestalten, wie die klugen Jungfrauen – die gut vorbereitet auf den Bräutigam gewartet haben, und daher in den Hochzeits- saal eingelassen werden. In diesem Sinne: Einen besinnlichen Advent! 

Dienstag, 6. August 2013

Fabulous London - Les Escapades (Christophorus)

„In London, they are at work with a downright furore to resuscitate archaic music!“ Das berichtete ein Korrespondent 1896 mehr oder minder kopfschüttelnd. Ein Enthu- siast namens Arnold Dolmetsch suchte in Archiven nach Musik aus dem elisabethanischen Zeitalter, die er dann, auf wiederbelebten Instrumenten und mit Hilfe seiner Familie, in Konzerten vorstellte. Das muss ein großes Erlebnis gewesen sein. Denn Dolmetsch gelang es tatsächlich, die Consortmusik wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – eine Tradition, die seitdem nicht nur in England wieder gepflegt wird. 
So haben Franziska Finckh, Sabine Kreutzberger, Barbara Pfeifer und Adina Scheyhing – die vier Damen musizieren seit dem Jahr 2000 gemeinsam als Gambenconsort Les Escapades – unterstützt durch Barbara Leitherer, Bassgambe, und Andrea Cordula Baur, Renaissancelaute, kürzlich bei Christophorus eine CD mit englischer Gambenmusik veröffentlicht. 
Es sind Stücke von bekannten und unbekannten Komponisten, vom Tanz bis zur Klage und von kunstvoll bis schlicht. Ein abwechslungs- reiches Programm, gekonnt vorgetragen, das mit einer enormen Palette an Klangfarben überrascht. Diese stimmungsvolle CD sei daher an dieser Stelle empfohlen – sie ist wirklich rundum gelungen!