Posts mit dem Label Osborne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Osborne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. September 2013

Beethoven: Bagatelles; Osborne (Hyperion)

Kleine Klavierstücke – „Bagatellen oder Kleinigkeiten“, wie er sie nannte – komponierte Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) sein Leben lang. Er sammelte sie in einer Mappe, und publizierte sie, wie es ihm günstig erschien. So schickte er 1823 einige dieser Stücke an seinen ehemaligen Schüler Ferdinand Ries, der in London lebte, verbunden mit der klaren Weisung: „verschachern sie selbe so gut sie können“
Bei allem Pragmatismus -in diesen kurzen Stücken steckt dennoch der ganze Beethoven. „Ein flüchtiger Blick zeigt uns elf Musikstücke von geringem Umfang; aber in ihren magischen Kreis ist Unendliches gebannt!“, schwärmte seinerzeit der Rezensent der Berliner Allgemeinen musikalischen Zeitung über die Bagatellen op. 119. „Es sind wenig musikalische Worte, aber es ist viel damit gesagt, und dieß wird jeder Eingeweihte willig glauben; denn ist Beethoven nicht überhaupt ein musikalischer Aeschylus an energischer Kürze? Uns dünken diese elf Bagatellen wahre Lebens- bildchen zu sein.“ Steven Osborne hat diese Werke sehr hörenswert für Hyperion eingespielt. Seine Interpretation ist klar strukturiert; man kann hier vieles hören, was normalerweise als Mittelstimme im Irgendwo verschwimmt. Kurz: Wer Für Elise frei von Kitsch hören möchte, der sollte zu dieser CD greifen. 

Freitag, 28. Mai 2010

Beethoven: Piano Sonatas (Hyperion)

Steven Osborne, Jahrgang 1971, gehört zweifellos zu den besten Pianisten seiner Generation. Für diese CD hat er aus der großen Zahl Beethovenscher Klavierwerke vier ausgewählt: Mondscheinsonate, "Pathétique" und Waldstein-Sonate sowie die Klaviersonate in G-Dur op. 79, die weniger bekannt ist, sich aber auch als sehr reizvoll er- weist. 
Der Pianist beeindruckt durch sein expressives, wohlüberlegtes und ausgesprochen differenziertes Mu- sizieren. So macht er Details hörbar, die einem noch nie aufgefallen waren - und kleidet "seinen" Beethoven in Klangfarben weit abseits vom Mainstream. Die Sonate in cis-Moll op. 27 Nr. 2, die dem Kritiker Ludwig Rellstab wohl ihren romantischen Beinamen verdankt, beispielsweise nimmt Osborne sehr ruhig und zugleich flüssig.Von dem üblichen Pathos im ersten Satz keine Spur; der Pianist spielt hier so gleichmäßig, dass es dem Zuhörer fröstelt ob der ungeheuren Aura dieser Musik. Es ist die klanggewordene Einsamkeit; wenn man etwas tröstliches außerhalb der reinen Melodie sucht, dann mag man sich den Vollmond dazu denken. Das konzentrierte, tiefgründige Spiel Osbornes aber gibt dazu keinen Anlass.
Vollkommen anders ist der Charakter der Sonate in C-Dur op. 53, Waldstein-Sonate genannt. Osborne nimmt sie dramatisch und optimistisch zugleich; sie endet, nachdem Beethoven den Pianisten über die gesamte Tastatur und durch nahezu jede Finesse der zeitgenössischen Klavier-Kultur gejagt hat, mit triumphierenden Fanfaren. Furios! Meine unbedingte Empfehlung.