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Sonntag, 2. Januar 2022

Klangpantomime (Coviello Classics)

 

„Klangpantomimen“ nennt das Beiheft die sechs Sonaten von Luigi Boccherini (1743 bis 1805) für Violoncello und Bass. Die „Ballette ohne Tänzer und Bühnenbild, die der Zuhörer gleichsam mit den Ohren sieht“ präsentiert Barockcellist Dmitri Dichtiar auf dieser CD. 

Boccherini war selbst Cellist und hat diese Werke sicherlich zum eigenen Gebrauch komponiert. Glücklicherweise gab es seinerzeit noch kein Urheberrecht; so sind um 1770 in London einige dieser Stücke gedruckt und somit überliefert worden. Wer diese Aufnahme hört, der wird mir zustimmen: Der geschäftstüchtige Musikverleger hat in diesem Falle einen enormen Verlust verhindert.  

Dmitri Dichtiar spielt die ebenso anspruchs- wie effektvollen Stücke gekonnt im Dialog mit Pavel Serbin am Continuo-Cello und Thorsten Bleich, der die Basspartie mit Laute, Theorbe und Gitarre klanglich sehr ansprechend und abwechslungsreich gestaltet. Eine vorzügliche Einspielung, unbedingte Empfehlung! 


Samstag, 8. Oktober 2016

Cello Rising (BIS)

Zu einer Reise in die Geschichte des Violoncellos lädt Mime Yamahiro Brinkmann ein. Das Programm ihrer ersten Solo-SACD folgt dem Aufstieg des Cellos von den Anfängen bis zu Boccherini. Dabei beweist sie nicht nur Überblick über ein nicht alltäg- liches Repertoire, sondern auch eine Menge Humor: Im Beiheft gibt die Musikerin eine launige Kurzzusam- menfassung der Musikgeschichte, speziell unter Berücksichtigung des Cellos und der Cellisten. 
Es erklingt Musik von Domenico Galli, Giovanni Battista degli Antoni, Domenico Gabrielli, Georg Philipp Telemann, Joseph Bodin de Boismortier und Luigi Boccherini. Ob nun Telemanns Getreuer Music-Meister wirklich in einer Liga mit Boccherinis extrem virtuosen Sonaten spielt, darüber wird man nach dem Anhören dieser CD nicht mehr nachdenken. 
Mime Yamahiro Brinkmann musiziert exzellent, und stellt eher die techni- schen Fortschritte in den Vordergrund, die das Instrument einst innerhalb von relativ kurzer Zeit geprägt haben. Die Cellistin, die Mitglied einiger führender Alte-Musik-Ensembles ist, wird dabei von Björn Gäfvert, Cemba- lo, und Karl Nyhlin, Barockgitarre, vortrefflich unterstützt.

Freitag, 16. Oktober 2015

Boccherini: Sei Terzettini opus 47 - Madrid, 1793 (Glossa)

„Si Dieu voulait parler à l’homme en musique, il le ferait avec les œuvres de Haydn, mais s’Il desirait Lui-même écouter de la musique, Il choisirait Boccherini!“ Diesem Ausspruch, dem Pariser Violinisten Jean-Baptiste Cartier zugeschrieben, wird man gern Glauben schenken, wenn man die vorliegende CD mit den Sei Terzettini op. 47 angehört hat. Diese Werke, komponiert von Luigi Boccherini im Jahre 1793, sind wirklich bezaubernd, und von einer hinreißenden Eleganz. Die sechs Streichtrios sind für die „klassische“ Besetzung Violine, Viola und Violoncello geschrieben – gebräuchlich war zu Boccherinis Zeiten allerdings eher die Kombination von zwei Violinen und Violoncello. Doch statt der Virtuosität betont der Komponist in diesem Falle Ausdruck und Farbe, und dazu passt die gewählte Instrumentierung bestens. Das Trio La Real Cámara zeigt, wie erstaunlich nahe diese Musik bereits den Werken der Romantiker ist. Natsumi Wakanabe, Violine, Emilio Moreno Viola, und Hidemi Suzuki, Violoncello, musizieren wunderbar sensibel. Boccherini ist doch immer wieder für Überraschungen gut. 

Mittwoch, 27. März 2013

Boccherini: Stabat mater (Aeolus)

Luigi Boccherini (1743 bis 1805) war ein Meister der kleinen Form. Er gehört ebenso wie Joseph Haydn zu den Vätern des Streich- quartettes - und er hat 1766 in Rom gemeinsam mit Pietro Nardini, Filippo Manfredi und Giuseppe Cambini in einem der ersten derartigen Ensembles musiziert.
Als compositore e virtuoso di camera des spanischen Infanten Don Luis schuf Boccherini eine große Anzahl von Streichquartetten - und noch mehr Streichquintette für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli. Die Stimme des ersten Cellos, das oftmals solistische Aufgaben übernimmt, dürfte Boccheri- ni wohl für sich selbst geschrieben haben.
1776 heiratete Don Luis unter seinem Stand, was dazu führte, dass er den Hof verlassen musste. Er ließ sich in Las Arenas de San Pedro, einem Städtchen nordwestlich von Madrid, nieder. Dort entstanden viele bedeutende Werke Boccherinis, darunter auch das Stabat mater, dessen Urfassung 1781 sich auf eine Minimalbesetzung mit Sopran und Streichquintett beschränkte. Dieses Werk, das durch seine kammermusikalische Innigkeit berührt, war offenbar für Don Luis bestimmt, für die ganz private Andacht des Infanten. Als Boccherini das Werk später für den Druck überarbeitete, hat er das Ensemble deutlich vergrößert. Die Sopranistin Amaryllis Dieltiens hat das Stabat mater nun bei Aeolus in der Urfassung gemeinsam mit ihrem Ensemble Capriola Di Gioia eingespielt. Dabei kommt statt eines zweiten Cellos ein Kontrabass zum Einsatz; die Continuo-Orgel sorgt für ein sakrales Klangbild. 
Eine Sonate für Cembalo e violino obbligato, die sowohl dem Cembalo als auch der Violine reichlich Gelegenheit zur brillanten solistischen Präsentation gibt, trennt das geistliche Werk von zwei absoluten Raritäten: 1791 schuf Boccherini die Arie Accademiche, zwölf virtuose Konzertarien. Zwei davon hat Dieltiens für diese CD ausgewählt. Ihre glockenreine, federleichte Sopranstimme passt zu diesen Werken ausgezeichnet. Ein perfekter Abschluss für eine sehr gelungene CD, die vom ersten bis zum letzten Ton begeistert. 

Samstag, 16. März 2013

Boccherini: String Trios op. 14 (MDG)

Luigi Boccherini (1743 bis 1805), in Italien schon in seiner Jugend gefeiert als "celebre suonatore di violoncello", doch mit den Ver- dienstmöglichkeiten in seiner Heimat wohl nicht ganz so zufrie- den, trat 1770 in die Dienste des spanischen Infanten Don Luis. Als Compositore e Virtuoso da came- ra schrieb er mehr als 30 Sinfo- nien, obendrein 90 Streichquar- tette, 125 Streichquintette und auch um die 50 Streichtrios. 
Zu den schönsten dieser Werke gehören ganz sicher die Trios op. 14 aus dem Jahre 1772, die das Flieder Trio auf dieser CD vorstellt. Sie erschienen später in Paris als Six trios concertants, und wurden in ganz Europa fleißig nachge- druckt und abgeschrieben. Wie sehr die Musikwelt diese abwechs- lungsreichen Werke schätzte, das verrät uns der Pariser Geiger Pierre Baillot, der 1804 schrieb: "Mais dans l'adagio, c'est incontestable- ment le violoncelle qui a le plus de moyens pour émonvoir (...) Il y dans le chant, qu'il développe seul ici, un sentiment si profond, une simplicité si raffinée qu'on oublie que tout cela n'est qu'art et artifice et que, pénétré d'un sentiment religieux, on croit percevoir une voix céleste. Il n'y a rien qui puisse inquiéter, tout concourt au contraire à consoler. (..)  Quand, changeant de style, il donne à sa musique une teinte plus sombre, mélancholique, il émeut profondément, mais avec des moyens tellement délicats que las larmes coulent sans qu'on s'en apercoive. Il ne rend triste que pour remuer plus profon- dément. Il semble oter à l'ame toute sa force mais c'est pour la mettre d'autant mieux en paix avec elle-meme, pour résoudre le tumulte des passions en félicité, transposer dans un monde mellieur en faire gouter aux joies de l'age d'or." 
Es ist davon auszugehen, dass Boccherini die wundervollen Melodien, die den französischen Kollegen derart ins Schwärmen brachten, zu Papier brachte, um sie dann selbst mit aufzuführen. Doch auch die Aufgaben seiner Triopartner sind anspruchsvoll. Raphael Flieder, Stimmführer der Violoncelli bei den Wiener Philharmonikern, hat an dem ebenso eleganten wie virtuosen Cellopart hörbar Vergnügen. Und mit Klara Flieder, Professorin am Salzburger Mozarteum, Violine, und Johannes Flieder, Solobratschist der Wiener Philharmo- niker, Viola, stehen ihm versierte Musikerkollegen zur Seite, um die reizvollen, aber im Konzertbetrieb zu Unrecht wenig präsenten opera grande Boccherinis wieder zum Klingen zu bringen. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1990, die aber noch immer taufrisch wirkt und bis zum letzten Taktstrich inspiriert. Bravi! 

Dienstag, 12. März 2013

Boccherini: String Trios Op. 1 & Symphonies Op. 35 (Newton)

Wie spielt man ein Werk, das ohnehin nicht zu den Spitzen der Musikgeschichte gehört, so ein, dass der Zuhörer vor Langeweile schier einschläft? Das Trio Arcophon zeigt dies exemplarisch an den Streichtrios op. 1 von Luigi Boccherini (1743 bis 1805). Es war, wie man an der Opuszahl erkennen kann, ein frühes Werk, komponiert von dem gerade siebzehnjährigen Musiker. 
Boccherini schuf im Laufe seines arbeitsreichen Lebens eine Vielzahl kammermusikalischer Werke - Streichtrios, Quartette und Quintette, Sonaten, doch auch gut 30 Sinfonien. Sechs davon, die als Opus 35 veröffentlicht wurden, erklingen auf CD zwei und drei dieser Box, gespielt von den I Filharmonici di Bologna unter Angelo Ephrikian. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch dies ist keine Aufnahme, die man kennen muss. 

Montag, 30. Januar 2012

Boccherini: Divertimenti op. 16 (Accent)

Wenn man diese wundervolle Musik hört, dann staunt man sehr darüber, dass es Musikwissen- schaftler gegeben hat, die die Komponisten in große Meister und den großen, aber nicht weiter inte- ressierenden Rest unterteilt haben. Zwar begeistern sich von jeher die Cellisten für das Werk Luigi Boccherinis (1743 bis 1805). Doch dem Reinheitsgebot der Wiener Klassik, das die Sonatenhauptsatz- form und die Arbeit am Thema forderte, konnte der Kammervirtuose Ihrer Königlichen Hoheit Don Luis Infante von Spanien offenbar eher wenig abgewinnen. 
Mich beeindruckt Boccherini inbesondere wegen seines verschwen- derischen Umganges mit musikalischen Ideen und wegen seines unnachahmlichen Gespürs für das Timbre. An den Divertimenti auf dieser CD lässt sich dies exemplarisch nachvollziehen - und auch die Musiker des Ensembles Piccolo Concerto Wien um Roberto Sensi haben daran hörbar ihr Vergnügen. Marcello Gatti, Traversflöte, Jenping Chien und Johanna Gamerith, Violine, Gerswind Olthoff, Viola, Stefano Veggetti und Franziska Romaner, Violoncello und Roberto Sensi am Kontrabass setzen diese musikalischen Juwelen ins rechte Licht und lassen sie strahlen und funkeln. Bravi! 

Samstag, 13. August 2011

Boccherini: Symphonies (Chandos)

Luigi Boccherini (1743 bis 1805) schrieb ungefähr 30 Sinfonien; drei davon haben die London Mozart Players unter Matthias Bamert für diese CD eingespielt. Die Sinfonien Nr. 3 und Nr. 8 - der Komponist selbst nannte diese Werke concerti a grande orchestra, und veröffent- lichte unter op. 12 sechs Stück davon - entstanden 1771 für Don Luis, den Bruder des spanischen Königs Karl III., für den Boccherini von 1770 bis 1785 als compositor y virtuoso de cámara tätig war. 
1786, nach dem Tode seines Dienstherrn, ernannte ihn Friedrich Wilhelm von Preußen zum compositeur de notre chambre. Für ihn schrieb Boccherini die Sinfonie Nr. 12 in C-Dur, im Druck erschienen als Nr. 1 der vier sinfonie a grande orchestra op. 37 - ein Concerto a più stromenti obligati, mit einem traumhaft schönen Duett für Oboe und Cello im langsamen Satz. Letzteres war nicht nur das Instrument Boccherinis. Auch der preußische König spielte leidenschaftlich gern und wohl auch ziemlich gut Violoncello. Boccherinis Sinfonien sind außerordentlich originell; und diese Einspielung mit den London Mozart Players ist grundsolide und anhörenswert. 

Samstag, 8. Januar 2011

Boccherini: Six Sonatas for Cello and Piano (Naxos)

„Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte Er es mit den Werken Haydns; doch wenn Er selbst Musik hören wollte, würde Er sich für Boccherini ent- scheiden", schrieb ein französi- scher Musiker 1798. 
Luigi Boccherini (1743 bis 1805), Cellist und Komponist, wirkte viele Jahre in Spanien. Er war composi- tor y virtuoso de cámara beim spanischen Infanten  Don Luís Antonio de Borbón y Farnesio, wurde aber auch an anderen euro- päischen Höfen sehr geschätzt. So ernannte ihn Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere König Friedrich Wilhelm II.,  1786 zum compositeur de notre chambre. Der Preußenkönig spielte selbst ausgezeichnet Cello, und Boccherini schrieb Musik für ihn. 
So sind unter den mehr als 460 Werken Boccherinis, die überliefert sind, mehr als 30 Sonaten für Cello und Basso continuo. Sechs davon, publiziert 1771 in London, hat der Cellovirtuose Alfredo Piatti hundert Jahre später für Cello und Klavier arrangiert. Sie werden auf dieser CD von zwei jungen Musikern vorgestellt.
Fjodor Amosow, Jahrgang 1988, hat seine Grundausbildung an der Gnessin-Musikschule und am Moskauer Konservatorium absolviert, und ist bereits seit einiger Zeit solistisch tätig. Er spielt mit schönem Ton, aber die schnellen Passagen neigen leider dazu, zu verwischen statt zu perlen. Das hat man schon besser gehört. Am Klavier beglei- tet ihn Jen-Ru Sun aus Taiwan - souverän, makellos; so wünscht man sich einen Kammermusik-Partner. 

Samstag, 16. Oktober 2010

Luigi Boccherini: Cellokonzerte (Berlin Classics)

"Ich weiß sehr gut, dass die Musik zum Herzen des Menschen spre- chen muss, und das ist es, was ich erstrebe", ist ein Wort Boccherinis überliefert, "Musik, die keine Ge- fühle und keine Leidenschaften ausdrückt, ist leer." Insbesondere die Cellokonzerte des italienischen Virtuosen sind bis heute beliebte Werke, die von zahlreichen Inter- preten eingespielt wurden. 
Ivan Monighetti, 1948 geboren in Riga, war der letzte Schüler von Mstislaw Rostropowitsch am Moskauer Konservatorium. In seinem breiten Repertoire hat die Alte Musik einen ganz besonderen Platz; er spielt gern und viel auf histo- rischen Instrumenten - in diesem Falle erklingt ein Violoncello, das von Francesco Ruggieri 1693 in Cremona gefertigt worden ist. 
Monighetti spielte 1993 gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin die vier Cellokonzerte Nr. 2 D-Dur G 479, Nr. 3 G-Dur G 480, Nr. 1 C-Dur G 477 und D-Dur G 478 ein - bei den beiden letztgenann- ten Werken wird die Besetzung um zwei Hörner bzw. zwei Oboen ergänzt. Musiziert wird werkgetreu, im Stile der damaligen Zeit.

Donnerstag, 2. September 2010

Birth of the String Quartet Vol. 1 - Casal Quartet (Solo Musica)

Was für ein Klang! Das Casal Quar- tett aus der Schweiz, ohne Zweifel eines der besten Streichquartette Europas, hat sich auf eine Zeitreise durch die Geschichte dieser sehr speziellen Musikform begeben - und spielt dabei ganz besondere Instrumente: Das sogenannte Stainer-Quartett - zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello, die ein Mäzen namens Gustave Huguenin 1951 dem Musikkolle- gium Winterthur geschenkt hat. Sein Wunsch: Die kostbaren Instrumente aus der Werkstatt des österreichischen Geigenbauers Jacobus Stainer (um 1619 bis 1683) sollten nicht nur musealen Zwecken dienen, sondern vor allem auch viel gespielt werden.
Daria Zappa, 1. Violine, Rachel Späth, 2. Violine, Markus Fleck, Viola, und Andreas Fleck, Violoncello, erfüllen dieses Vermächtnis des Stifters brillant. Schon allein das einzigartige Klangbild, das sich durch den Gebrauch der historischen Instrumente ergibt, ist eine Offenbarung. "Unser Hören und Spielen wird durch das reiche Ober- tonspektrum der Instrumente um eine überaus sinnliche, aufregende Farbpalette erweitert, die wir uns und dem Publikum auf modernem Instrumentarium nicht erschließen könnten", schreibt Markus Fleck erfreut. "Wir gehen davon aus, dass dieses erste Abenteuer der An- fang einer langen und nachhaltigen Beschäftigung mit den Instru- menten von Jacobus Stainer und dem Klang des 18. Jahrhunderts ist."
Die Geburtsstunde der Gattung Streichquartett verorten die vier Schweizer Virtuosen im Jahre 1715. Damals schrieb Alessandro Scarlatti vier Sonate à quattro senza cembalo - mit vier gleichbe- rechtigten Stimmen, ohne Generalbass. Viele andere italienische Komponisten griffen diese Idee auf - auch Giovanni Battista Sammartini, der mit seinem Schaffen ganze Scharen von Kollegen inspirierte, unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart, Luigi Boccherini und Joseph Haydn.
"Vor bald drei Jahrhunderten entwickelte sich eine Musikgattung, die in ihrer perfekten Form bis heute einzigartig und unübertroffen ist: Die Vereinigung von vier Streichinstrumenten zum Streichquar- tett. Der Klang des Streichquartetts ist gleichzeitig intim und or- chestral, sein Ausdruck sowohl solistisch als auch kammermusi- kalisch, seine Farbpalette homogen und individuell, seine Möglich- keiten flexibel und universal, sein Repertoire ohne Grenzen", be- geistert sich das Quartett. Diese Begeisterung überträgt sich auf den Hörer, zumal die Beschäftigung mit dem barocken Repertoire auch die Interpretation der Werke aus der Übergangszeit zur Klassik deutlich beeinflusst hat. Spürbar wird das am Umgang mit solchen Fragen wie Phrasierung und Dynamik. Wer die Gattung Streichquar- tett liebt, der sollte sich diese CD in jedem Falle besorgen - sie ist nicht nur klanglich eine Offenbarung.

Dienstag, 22. Juni 2010

Giro d'Italia (MDG)

Eine Rundreise durch Italien, mit den Stationen Venedig, Burano, Bergamo, Mailand, Lucca und Neapel - denn das sind die Geburts- orte jener Komponisten, deren Werke diese CD enthält. Somit erweist sich diese Silberscheibe auch als Reiseführer durch eine musikalische Landschaft, die sich als sehr abwechslungsreich erweist. 
Im 18. Jahrhundert war die italienische Musik zudem Vorbild für viele europäische Kompo- nisten, die musikalische Formen und Strukturen, die sie oftmals ebenfalls auf Reisen durch das Land kennenlernten, adaptierten und weiterentwickelten. Das Ensemble Musica Alta Ripa hat für diese CD einige ganz besondere Pretiosen ausgewählt - zumeist weniger be- kannte, aber nichtsdestotrotz sehr hübsche Werke von Giuseppe Sammartini, Baldassare Galuppi, Luigi Boccherini, Antonio Vivaldi, Pietro Antonio Locatelli und Francesco Mancini. Sie zeigen, wie die Italiener selber die Ideen eines Corelli oder auch Vivaldi weiter- entwickelt haben - und führen den Zuhörer bis an die Schwelle der Frühklassik. Das Konzept ist faszinierend, die Zusammenstellung ist sehr abwechslungsreich, und auch die Musik gefällt, denn sie wird mit leichter Hand, Schwung und Humor inszeniert.