Als die Fabriken und die Städte wuchsen und mehr und mehr Eisenbahnen durch die Lande schnauften, da trafen sich nach Feierabend die Männer gern im Gesangsverein – und sie sangen ein Loblied auf Heimat, Natur und Volksverbundenheit.
Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit der Männerchöre. Und besonders schön sangen sie offenbar in Leipzig.
So kam es, dass Musiker aus ganz Europa, die am Leipziger Konservatorium studierten, durch diese Chorvereine inspiriert wurden. Das romantische Repertoire passte ausgezeichnet zum erstarkenden politischen Bewusstsein in jener Zeit: Überall regten sich die Völker, mit dem Ziel, Nationalstaaten zu gründen. Und deshalb betonte man auch die eigenen Traditionen.
Beispiele dafür hat das Ensemble Nobiles auf seiner dritten CD bei Genuin zusammengetragen. Bei einigen Liedern werden die Sänger durch die Pianisten Alexander Schmalcz und Sung-Ah Park gekonnt begleitet. Zu hören sind charaktervolle Vokalwerke aus Böhmen, Norwegen und Finnland, von Antonín Dvořák, Edvard Grieg und Jean Sibelius.
Diese Raritäten erklingen in den Originalsprachen; im Beiheft sind die Texte sowie Übersetzungen zu finden. Die fünf Sänger aus Leipzig lassen sich blitzsauber und perfekt aufeinander abgestimmt hören. Allerdings vermisst man an manchen Stellen Kraft und Wucht, wie sie stärker besetzte Männerchöre aufbringen können. Dennoch bleibt es eine hinreißende Aufnahme, mit hervorragenden Klangqualitäten.
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Mittwoch, 2. Mai 2018
Montag, 21. Januar 2013
Schubert: Winterreise; Jarnot, Schmalcz (Oehms Classics)
Konrad Jarnot und Alexander Schmalcz haben bereits eine CD mit Schuberts Schöner Müllerin für Oehms Classics eingespielt. Nun ergänzen der Bariton und der Pia- nist diese Edition um die Winter- reise. Ein solches Unterfangen ist stets auch ein Wagnis, denn dieser Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller gehört zu jenen Werken, die nicht eben selten auf CD zu hören sind.
Der Sänger und sein Klavierbeglei- ter gehen dieses Risiko ein - und ihnen ist hier erneut eine hörenswerte Interpretation gelungen. Jarnot und Schmalcz gestalten jedes einzelne Lied mit großer Sorgfalt und Empathie. So werden lauter Miniaturen daraus, die die beiden Musiker mit Leidenschaft und Können vortragen. Man spürt, dass Jarnot ein Schüler von Dietrich Fischer Dieskau war - und dennoch findet er seinen eigenen Weg, der auf Dauer vermutlich eher zur Oper als zum Liedgesang führen dürfte.
Der Sänger und sein Klavierbeglei- ter gehen dieses Risiko ein - und ihnen ist hier erneut eine hörenswerte Interpretation gelungen. Jarnot und Schmalcz gestalten jedes einzelne Lied mit großer Sorgfalt und Empathie. So werden lauter Miniaturen daraus, die die beiden Musiker mit Leidenschaft und Können vortragen. Man spürt, dass Jarnot ein Schüler von Dietrich Fischer Dieskau war - und dennoch findet er seinen eigenen Weg, der auf Dauer vermutlich eher zur Oper als zum Liedgesang führen dürfte.
Sonntag, 3. Juni 2012
Schubert: Lieder; Gruberova (Nightingale)
Edita Gruberova singt Lieder von Franz Schubert, am Steinway begleitet von Alexander Schmalcz. Diese Aufnahme wirkt wie ein Echo aus einer längst versunkenen Zeit, als Sänger noch Stars waren, und keine Wegwerfware mit Verfalls- datum.
Wer diese Sängerin hört, der will es nicht glauben, dass sie dem Jahr- gang 1946 angehört, und 1968 ihr Debüt gegeben hat. Ihre Stimme klingt noch immer erstaunlich frisch, klar und ohne Altersvibra- to; auch in der Höhe ist sie frei von Schärfe. Selbst schwierigste Verzierungen singt die Gruberova wie nebenbei, Koloraturen perlen sauber und präzise. Ihr piano ist perfekt und atemberaubend. Einzig beim Forcieren in der Höhe hört man, dass dies Kraft kostet.
Den Liedgesang pflegt die Sängerin von jeher, gleichberechtigt neben ihren Opernpartien, die von der Königin der Nacht bis zur Norma und von Zerbinetta bis zu Lucia di Lammermoor reich(t)en. Doch trotz der stimmlichen Virtuosität gibt diese Schubert-CD nicht nur Anlass zum Beifall. Die Stärke von Edita Gruberova sind zweifellos jene Lieder, die szenisch angelegt sind, die erzählen. Alexander Schmalcz ist dort am besten, wo die Aufgaben auch technisch anspruchsvoll sind. Das führt zu einem ersten Höhepunkt dieser CD, dem berühmten Gretchen am Spinnrade.
Hier lässt der Pianist das Rädchen schnurren, während die Sängerin das Grübeln des Mädchens zum Anlass nimmt, den Konflikt, in dem sich Gretchen befindet, hörbar zu machen. Das ist große Kunst. Die drei Lieder zuvor hingegen berühren nicht. Das Klavier begleitet die Sängerin, statt in einen Dialog mit ihr zu treten. Gestaltung und Struktur vermisst man hier schmerzlich. Wer die Stücke nicht kennt, hat Pech - der Text bleibt leider völlig unverständlich. Die italieni- schen Stücke gelingen besser. Grandios singt die Gruberova schließ- lich die beiden Lieder der Mignon, und einige von Schuberts großarti- gen Balladen.
Wer diese Sängerin hört, der will es nicht glauben, dass sie dem Jahr- gang 1946 angehört, und 1968 ihr Debüt gegeben hat. Ihre Stimme klingt noch immer erstaunlich frisch, klar und ohne Altersvibra- to; auch in der Höhe ist sie frei von Schärfe. Selbst schwierigste Verzierungen singt die Gruberova wie nebenbei, Koloraturen perlen sauber und präzise. Ihr piano ist perfekt und atemberaubend. Einzig beim Forcieren in der Höhe hört man, dass dies Kraft kostet.
Den Liedgesang pflegt die Sängerin von jeher, gleichberechtigt neben ihren Opernpartien, die von der Königin der Nacht bis zur Norma und von Zerbinetta bis zu Lucia di Lammermoor reich(t)en. Doch trotz der stimmlichen Virtuosität gibt diese Schubert-CD nicht nur Anlass zum Beifall. Die Stärke von Edita Gruberova sind zweifellos jene Lieder, die szenisch angelegt sind, die erzählen. Alexander Schmalcz ist dort am besten, wo die Aufgaben auch technisch anspruchsvoll sind. Das führt zu einem ersten Höhepunkt dieser CD, dem berühmten Gretchen am Spinnrade.
Hier lässt der Pianist das Rädchen schnurren, während die Sängerin das Grübeln des Mädchens zum Anlass nimmt, den Konflikt, in dem sich Gretchen befindet, hörbar zu machen. Das ist große Kunst. Die drei Lieder zuvor hingegen berühren nicht. Das Klavier begleitet die Sängerin, statt in einen Dialog mit ihr zu treten. Gestaltung und Struktur vermisst man hier schmerzlich. Wer die Stücke nicht kennt, hat Pech - der Text bleibt leider völlig unverständlich. Die italieni- schen Stücke gelingen besser. Grandios singt die Gruberova schließ- lich die beiden Lieder der Mignon, und einige von Schuberts großarti- gen Balladen.
Samstag, 3. April 2010
Schubert: Die schöne Müllerin; Konrad Jarnot (Oehms Classics)
Konrad Jarnot interessiert an Schuberts Liederzyklus ganz offensichtlich das dramatische Moment. Er legt großen Wert auf Verständlichkeit - was keineswegs selbstverständlich ist - und gestal- tet die Lieder mit großer Sorgfalt. Dabei geraten ihm Schuberts Miniaturen gelegentlich zur großen Oper. Und manche Kleinigkeit, auffallend insbesondere bei den Verzierungen, entschwindet an- gesichts dieser schwungvollen Geste im musikalischen Nirwana. Das ist freilich keine Katastrophe, sondern nur eine bedauerliche Schwäche einer ansonsten sehr akzeptablen Aufnahme.
Alexander Schmalcz begleitet den Sänger durch Müllers Verse - und lässt den Flügel hingebungsvoll plätschern, flüstern, rauschen, strudeln und murmeln, so dass man ganz verwundert lauscht. Es ist doch verblüffend, wieviel verschiedene Möglichkeiten dieser Schubert erdacht hat, dem Wasser des Mühlbächleins eine Stimme zu geben. Und letztendlich flüchtet der unglückliche Müllerbursche in die Wellen - Romantik ist nicht immer nett. Aber wie Jarnot und Schmalcz dieses Finale ins Piano verklingen lassen, das ist schon großes Kino. Schließlich ist es unendlich schwierig, angesichts der Vielzahl der Einspielungen der Schönen Müllerin noch neue Ideen aufzuspüren, wie man den Liederzyklus gestalten könnte. Jarnot und Schmalcz haben da eine intelligente Lösung gefunden.
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