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Mittwoch, 2. Mai 2018

Landkjening - Landerkennung (Genuin)

Als die Fabriken und die Städte wuchsen und mehr und mehr Eisenbahnen durch die Lande schnauften, da trafen sich nach Feierabend die Männer gern im Gesangsverein – und sie sangen ein Loblied auf Heimat, Natur und Volksverbundenheit. 
Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit der Männerchöre. Und besonders schön sangen sie offenbar in Leipzig. 
So kam es, dass Musiker aus ganz Europa, die am Leipziger Konservatorium studierten, durch diese Chorvereine inspiriert wurden. Das romantische Repertoire passte ausgezeichnet zum erstarkenden politischen Bewusstsein in jener Zeit: Überall regten sich die Völker, mit dem Ziel, Nationalstaaten zu gründen. Und deshalb betonte man auch die eigenen Traditionen. 
Beispiele dafür hat das Ensemble Nobiles auf seiner dritten CD bei Genuin zusammengetragen. Bei einigen Liedern werden die Sänger durch die Pianisten Alexander Schmalcz und Sung-Ah Park gekonnt begleitet. Zu hören sind charaktervolle Vokalwerke aus Böhmen, Norwegen und Finnland, von Antonín Dvořák, Edvard Grieg und Jean Sibelius. 
Diese Raritäten erklingen in den Originalsprachen; im Beiheft sind die Texte sowie Übersetzungen zu finden. Die fünf Sänger aus Leipzig lassen sich blitzsauber und perfekt aufeinander abgestimmt hören. Allerdings vermisst man an manchen Stellen Kraft und Wucht, wie sie stärker besetzte Männerchöre aufbringen können. Dennoch bleibt es eine hinreißende Aufnahme, mit hervorragenden Klangqualitäten. 

Donnerstag, 5. April 2018

Karg-Elert: Music for Piano and Organ (Toccata Classics)

Beinahe ebenso beliebt wie das Klavier war zur Zeit der Romantik das Harmonium. Und weil es interessante Klangfarben mitbrachte, durfte es nicht nur in so manchem gutbürgerlichen Haushalt Einzug ins Musikzimmer halten. Auch erstaun- lich viele Komponisten schrieben Werke dafür. 
Annikka Konttori-Gustafsson, Piano, und der Organist Jan Lehtola präsentieren auf dieser CD einige Beispiele dafür – und zwar, bis auf das Andante cantabile von Jean Sibelius (1865 bis 1957), durchweg in Weltersteinspielungen. Zu hören sind Sibelius' Schauspielmusik zu Pelléas und Mélisande, bearbeitet für Harmonium und Klavier von Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933), sowie zwei Zyklen Karg-Elerts für diese Besetzung, Poesien op. 35 und Silhouetten op. 29. 
Musikalisch sind diese Werke ziemlich reizvoll. Allerdings wird der Hörgenuss dadurch etwas getrübt, dass in Finnland, wo die Aufnahmen entstanden sind, kein Kunstharmonium aufzutreiben war. Und deshalb spielt Jan Lehtola auf der Orgel der Sovitutsenkirkko in Hollola. Das moderne Instrument, errichtet von Veikko Virtanen Oy, verfügt über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal. Es klingt aber nicht wirklich wie ein Harmonium (das zudem deutlich weniger Register aufbieten könnte). Insofern ist dies tatsächlich eine Orgel-CD, auch wenn Jan Lehtola ziemlich zurückhaltend registriert. 

Samstag, 12. März 2016

The Last Words of Christ (Challenge Classics)

Das Ebonit Saxophone Quartet wurde 2011 am Konservatorium Amsterdam gegründet. Die Mitglieder des Ensembles – Simone Müller, Sopransaxophon, Dineke Nauta, Altsaxophon, Johannes Pfeuffer, Tenorsaxophon, und Pauline Marta Kulesza, Baritonsaxophon – haben alle in der Klasse von Arno Bornkamp studiert. Mittlerweile sind die jungen Musiker erfolgreich in der künstle- rischen Praxis angekommen, und haben bereits etliche Preise gewonnen; in der Saison 2016/17 werden sie als Preisträger des Wettbewerbes „Dutch Classical Talent“ auf eine Konzertreise durch die Niederlande gehen. 
Für ihre Debüt-CD bei Challenge Classics haben vier Bläser Abschnitte aus Joseph Haydns Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze mit Musik aus dem 20. Jahrhundert kombiniert. Es sind Einzelsätze aus Werken von Max Reger, Anton Webern, Jean Sibelius und Dmitri Schostakowitsch, die in Gestus und Gestaltung zu Haydns berühmten Quartettsätzen passen. Die Arrangements dafür haben sie überwiegend selbst geschaffen. 
Im Original ist vorgesehen, dass der Priester vor jedem Musikstück eines der sieben letzten Worte Jesu spricht. Um den Charakter dieser Medita- tionsmusik zu unterstreichen, haben die Musiker beschlossen, diese Texte ebenfalls vortragen zu lassen – leider haben sie auch die Meditation dazu gleich mit ausformuliert. Und die Sopranistin Claron McFadden interpre- tiert diese nun nicht mehr so prägnanten Sprechtexte mit einer Theatralik und einem Pathos, das bei mir, ich gebe es ungern zu, eher einen Lach- anfall auslöst als Andacht. 
Musiziert wird allerdings prächtig. Ob der Saxophon-Sound dieses Ensembles wirklich zu den Haydn-Quartettsätzen passt, das ist Geschmackssache – mir ist er zu hell und zu wenig dramatisch. Aber das Nachtlied op. 138 Nr. 3 von Max Reger klingt wunderbar, und auf die Idee, anstelle des Haydnschen Erdbebens das Allegro-Allegretto aus Schostakowitschs siebentem Streichquartett zu spielen, muss man erst einmal kommen. 

Donnerstag, 27. März 2014

Inspired by the Freemasons (Genuin)

Spuren, die Freimaurer in der Musik hinterlassen haben, sind das Thema einer interessanten CD mit Cellistin Katja Zakotnik und Piani- stin Naila Alvarenga-Lahmann. Bekannt ist, dass Joseph Haydn sowie Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart Mitglieder in Wiener Freimaurerlogen waren. Als Ludwig van Beethoven nach Wien kam, hatte der Kaiser die Freimaurerei bereits verboten. Die beiden Musikerinnen lassen Melodien aus Mozarts Freimaurer-Oper Die Zauberflöte erklingen – in Variationen, die Beethoven komponiert hat. 
Johann Nepomuk Hummel war ein Schüler Mozarts. Er heiratete Elisabeth Röckel, eine enge Freundin Beethovens; Trauzeuge war Antonio Salieri. Auch Hummel hat hörenswerte Variationen für Violoncello und Klavier geschrieben; es ist nicht nachvollziehbar, warum seine Werke im Konzertleben heute kaum noch eine Rolle spielen. 
Francesco Gemiani kam zu einer Zeit nach England, als die Freimau- rerei dort gerade Fuß fasste. Er war Gründungsmitglied einer kleinen, kulturell engagierten Loge, und ist auf dieser CD mit einer Sonate vertreten. Ein Freimaurer war auch Jean Sibelius. Die beiden Musikerinnen stellen die Vier Stücke op. 78 vor, ursprünglich für Violine und Klavier entstanden – und gar nicht düster. 

Samstag, 25. September 2010

Sibelius: Violin Concerto, Humoresques; Prokofiev: Violin Concerto No. 1 (EMI Classics)

Das Label inszeniert Vilde Frang, Jahrgang 1986, wie eine Fee - hinterm Baum hervortretend, im weißen Gewand, das Haar lang herabwallend. Doch Vorsicht: Diese junge Dame hat eine Geige in der Hand, und sie kann deutlich mehr als nur bis drei zählen.
Für ihr Debütalbum hat die Norwe- gerin zwei Violinkonzerte ausge- wählt, die man nicht eben über- mäßig häufig zu hören bekommt. Das Violinkonzert in d-Moll op. 47 von Jean Sibelius gilt als sperrig und technisch außerordentlich anspruchsvoll. Auch das Violinkon- zert Nr. 1 in D-Dur op. 19 von Sergej Prokofjew steht nicht eben in dem Ruf, zu den Publikumsfavoriten zu gehören. 
Warum also tut sich Frang solche Klassiker an, die doch noch fast als "modern" gelten? Die Antwort ist einfach: Weil sie es kann. Das feinste Pianissimo und das süffigste Vibrato, die dramatisch-pathetische große Linie und  verschmitztes Pizzicato nebst einer umfangreichen Palette an Klangfarben und Nuancen - Frang beherrscht ihr Instru- ment virtuos, und gestaltet zudem pfiffig. Das macht diese CD zu einem absoluten Hörvergnügen. Brava!