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Montag, 17. September 2018

Ries: Complete Works for Cello (Naxos)


Einmal mehr gelingt Martin Rummel eine Entdeckung: Der Cellist enga- giert sich seit Jahren für Repertoire, das im Konzert nur selten zu hören ist. Dazu gehören auch die Cello-Sonaten von Ferdinand Ries (1784 bis 1838). Gewidmet waren die beiden frühen Werke Bernhard Romberg, einem „Starcellisten“ des 19. Jahrhunderts. 
Ries stammte aus Bonn; sein Vater war erzbischöflicher Konzertmeister und einer der Lehrer des jungen Beethoven. Dieser wiederum unterrichtete zehn Jahre später den jungen Ries, der zeitweise auch Beethovens Sekretär und Kopist war. Aus Wien wurde Ries allerdings 1805 wieder in die Heimat gerufen, zur Musterung, wobei man ihn zum Militär- dienst nicht tauglich befand.  
Zwei Jahre verbrachte der angehende Musiker, dem Rat seines Lehrers folgend, in Paris. Danach kehrte er 1808 nach Wien zurück. Erneut sollte Ries zum Militär, was er vermied, indem er auf Tournee ging. In den Jahren 1811 bis 1813 gab er als Pianist Konzerte in ganz Europa; die Reise führte ihn bis nach Russland, wo ihn einmal mehr die Weltpolitik ereilte: Mit Blick auf das Vorrücken der französischen Armee reiste Ries ab; er floh über Schweden nach England.  
In London blieb Ries schließlich etliche Jahre. 1814 heiratete er in eine vermögende Familie ein, und war von 1815 bis zu seinem Rücktritt 1821 einer der Direktor der London Philharmonic Society. 1824 zog er mit seiner Familie wieder nach Deutschland. Er wohnte zunächst in Bad Godesberg, später in Frankfurt/Main, und leitete unter anderem das Niederrheinische Musikfest. Immer wieder reiste Ries durch Europa – nach London, Italien, Paris. Er engagierte sich für das Werk Beethovens, und komponierte auch selbst unermüdlich, wobei er nahezu alle Gattungen mit Ausnahme der Kirchenmusik berücksichtigte. Sogar drei Opern hat er geschrieben, von denen zwei erfolgreich aufgeführt wurden.  Dennoch geriet Ries' Schaffen nach seinem Tode bald in Vergessenheit. 
Das Label Naxos engagiert sich seit Jahren, um  seine Werke dem interessierten Publikum wieder zugänglich zu machen. Zu entdecken ist da so einiges: Konzerte, Sinfonien, Oratorien, Lieder, Streichquartette und andere Kammermusik, Kompositionen für Klavier – auf dieser CD sind es drei Sonaten für Violoncello und Klavier.  
Ries und Romberg kannten sich schon aus Bonn: Der Virtuose gab dem Nachwuchsmusiker zeitweise Cello-Unterricht. Auch in späteren Jahren sind sich die beiden Musiker wiederholt begegnet; so konzertierten Ries und Romberg gemeinsam in Russland. 
Die beiden Sonaten op. 20 und op. 21 schrieb Ries 1808. Obwohl sie in ihren Motiven und ihrem Charakter sowohl Haydn als auch Beethoven Referenz erweisen, sind sie stilistisch doch sehr eigenständig. Insbeson- dere die dritte Sonate auf dieser CD, op. 125 aus dem Jahre 1823, verweist – bei aller (beabsichtigten) Nähe zu Beethoven – in ihrer Harmonik gelegentlich bereits auf die Romantiker.  
Anspruchsvoll sind die drei Kompositionen, sie halten sowohl für den Pianisten als auch für den Cellisten herrliche Kantilenen ebenso bereit wie virtuose Passagen. Dabei ist der Klavierpart weit mehr als lediglich eine Begleitung; Martin Rummel gestaltet mit dem Pianisten Stefan Stroissnig einen musikalischen Dialog, der sehr neugierig macht auf die Fortsetzung dieser Reihe. 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Konzert-Raritäten aus dem Pleyel-Museum Vol. 16 (Ars Produktion)

Das Pleyel-Museum, ansässig im niederösterreichischen Ruppersthal im Geburtshaus von Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831), überrascht einmal mehr mit einer Neuveröf- fentlichung: Zwei konzertante Sym- phonien und eine Symphonie aus der Feder des Komponisten haben die Camerata pro Musica gemeinsam mit exzellenten Solisten unter Leitung von Christian Birnbaum 2014 in ihrem Neujahrskonzert in Grafen- wörth vorgestellt. 
Hört man den Mitschnitt dieser Aufführung, dann fragt man sich einmal mehr, wieso Pleyel, Musiker, Komponist, Musikverleger und Klavierfabrikant und in all dem sehr erfolgreich, derart in Vergessenheit geraten konnte. Seine Symphonie in d-Moll Ben 160, auf dieser CD in Weltersteinspielung, erweist sich als ein dramatisches Stück von hohem Rang. 
Außedem erklingen die Symphonie Concertante in A-Dur Ben 114 für Klavier, Violine  und Orchester sowie die Symphonie Concertante in F-Dur Ben 115 für Flöte, Oboe, Horn, Fagott und Orchester, letztere in der Origi- nalversion Pleyels nach dem Erstdruck aus dem Jahre 1802. Die konzer- tierenden Soloinstrumente werden durchweg von erstklassigen Musikern gespielt; der Zuhörer darf sich zudem daran erfreuen, dass Pleyel offenbar ein ausgesprochenes „Händchen“ für Klangfarben und musikalische Effekte hatte. Es ist zu wünschen, dass diese charmanten Werke zukünftig auch in so manchem Abonnementkonzert erklingen – sie dürften sowohl den Solisten als auch dem Publikum Vergnügen bereiten.