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Montag, 2. August 2021

Popper: Cello Concertos (Naxos)


 David Popper (1843 bis 1913) gehörte zu den großen Cello-Virtuosen seiner Zeit. Über den Lebensweg des Musikers wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet; er stammte aus Prag, wo er auch am Konservatorium bei dem Cellisten August Julius Goltermann studierte. 1868 wurde Popper Solocellist der Wiener Hofoper, empfohlen durch Hans von Bülow. Doch diese Stelle gab er schon fünf Jahre später wieder auf, weil er sich auf seine Konzertreisen konzentrieren wollte. 

Popper hat, wie seinerzeit üblich, auch komponiert. Ein fester Bestandteil des Repertoires angehender Cellisten sind allerdings weniger seine Konzerte als vielmehr seine teilweise höchst anspruchsvollen Etüden. Insbesondere mit der Hohen Schule des Violoncellospiels reagierte der Musiker auf die Weiterentwicklung der Spieltechnik nach der Einführung des Stachels. David Popper hat immer auch Schüler unterrichtet; er war ein gesuchter Musikpädagoge, und 1896 wurde er Professor an der Musikakademie in Budapest. 

Die vier Violoncello-Konzerte von David Popper sind leider selten zu hören. Martin Rummel, der sich schon seit etlichen Jahren intensiv mit dem Schaffen seines berühmten Kollegen auseinandersetzt, hat diese Werke für Naxos eingespielt. In seinem Spiel kombiniert er Eleganz und Kraft mit der notwendigen Virtuosität – scheinbar mühelos bewältigt Rummel all die technischen Parade-Effekte, die Popper einst in seine Konzertsätze einbaute. Ob Flageolett-Passagen oder Mehrfachgriffe, jeder Ton sitzt perfekt; und der Solist musiziert stets mit schönem Ton und beeindruckendem Ausdruck. 

Bei den drei ersten Cellokonzerten wird Martin Rummel vom Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Leitung von Tecwyn Evans begleitet. Beim vierten Cellokonzert in h-Moll op. 72 entschied er sich für die Klavierversion, und musiziert gemeinsam mit Mari Kato. 

Sonntag, 2. Juni 2019

Reinecke: Complete Works for Cello and Piano (Naxos)

Carl Heinrich Carsten Reinecke (1824 bis 1910) gehört zu den bedeutenden Pianisten, Dirigenten und Kompo- nisten der Romantik. Er war befreundet mit zahlreichen Musikerkollegen, wie Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Franz Liszt. 
Seine Ausbildung begann Reinecke bei seinem Vater, einem Musiklehrer; er übte sich im Klavierspiel, komponierte und musizierte zudem auf der Violine. Bereits 1835 gab der Junge in seiner Heimatstadt Altona sein Debüt als Pianist, und ging dann auf Konzertreisen durch ganz Europa. Ein Stipendium des dänischen Königs ermöglichte es Reinecke, in Leipzig zu studieren. 
1847 wurde Carl Reinecke dänischer Hofpianist; allerdings zwang ihn der Krieg 1848, auf diese Stelle zu verzichten. Nach Stationen in Leipzig und Bremen reiste der Musiker mit einer Empfehlung von Franz Liszt an Hector Berlioz nach Paris, wo er konzertierte, und Liszts Töchter Blandine und Cosima unterrichtete. Außerdem traf er Ferdinand Hiller wieder, den er aus Leipzig kannte. 
Dieser war mittlerweile Direktor des Konservatoriums in Köln geworden, und er konnte Reinecke dafür gewinnen, dort Klavierspiel und Komposition zu lehren. Anschließend wirkte Reinecke fünf Jahre lang als städtischer Musikdirektor in Barmen, bis er dann 1859 nach Breslau ging. Doch noch im gleichen Jahr wurde er dann Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Dieses Amt hatte er bis 1895 inne; außerdem lehrte er am Leipziger Konservatorium. Dieses leitete er von 1897 bis 1902. 
Die Liste der Schüler Carl Reineckes ist lang und illuster. Er unterrichtete beispielsweise Max Bruch, Edvard Grieg, Isaac Albéniz, Leoš Janáček und Sigfrid Karg-Elert. Mir war er bislang vor allem als Liederkomponist bekannt. Diese CD bietet die Gelegenheit, Reinecke auch als Urheber exquisiter Kammermusik kennenzulernen. Und das lohnt sich. 
Martin Rummel zeigt gemeinsam mit seinem Klavierpartner Roland Krüger, dass die drei Violoncello-Sonaten sowie die Drei Stücke für Violoncello und Klavier op. 146 durchaus einen Platz im Repertoire verdienen. Sie sind über einen Zeitraum von gut 40 Jahren entstanden, und zeichnen sich durch einen Reichtum an herrlichen Melodien ebenso aus wie durch einen anspruchsvollen Klavierpart, der weit mehr ist als eine Begleitung. 
Rummel zelebriert die gesanglichen Passagen mit sattem Ton und großen Bögen, und die virtuosen Teile spielt er mit Eleganz und mit Leichtigkeit, immer im Dialog mit Roland Krüger am Klavier. Den beiden Musizier- partnern, die schon des öfteren auf zu Unrecht wenig gespielte Werke aufmerksam gemacht haben, ist mit dieser Einspielung wieder einmal eine Entdeckung gelungen. 

Montag, 17. September 2018

Ries: Complete Works for Cello (Naxos)


Einmal mehr gelingt Martin Rummel eine Entdeckung: Der Cellist enga- giert sich seit Jahren für Repertoire, das im Konzert nur selten zu hören ist. Dazu gehören auch die Cello-Sonaten von Ferdinand Ries (1784 bis 1838). Gewidmet waren die beiden frühen Werke Bernhard Romberg, einem „Starcellisten“ des 19. Jahrhunderts. 
Ries stammte aus Bonn; sein Vater war erzbischöflicher Konzertmeister und einer der Lehrer des jungen Beethoven. Dieser wiederum unterrichtete zehn Jahre später den jungen Ries, der zeitweise auch Beethovens Sekretär und Kopist war. Aus Wien wurde Ries allerdings 1805 wieder in die Heimat gerufen, zur Musterung, wobei man ihn zum Militär- dienst nicht tauglich befand.  
Zwei Jahre verbrachte der angehende Musiker, dem Rat seines Lehrers folgend, in Paris. Danach kehrte er 1808 nach Wien zurück. Erneut sollte Ries zum Militär, was er vermied, indem er auf Tournee ging. In den Jahren 1811 bis 1813 gab er als Pianist Konzerte in ganz Europa; die Reise führte ihn bis nach Russland, wo ihn einmal mehr die Weltpolitik ereilte: Mit Blick auf das Vorrücken der französischen Armee reiste Ries ab; er floh über Schweden nach England.  
In London blieb Ries schließlich etliche Jahre. 1814 heiratete er in eine vermögende Familie ein, und war von 1815 bis zu seinem Rücktritt 1821 einer der Direktor der London Philharmonic Society. 1824 zog er mit seiner Familie wieder nach Deutschland. Er wohnte zunächst in Bad Godesberg, später in Frankfurt/Main, und leitete unter anderem das Niederrheinische Musikfest. Immer wieder reiste Ries durch Europa – nach London, Italien, Paris. Er engagierte sich für das Werk Beethovens, und komponierte auch selbst unermüdlich, wobei er nahezu alle Gattungen mit Ausnahme der Kirchenmusik berücksichtigte. Sogar drei Opern hat er geschrieben, von denen zwei erfolgreich aufgeführt wurden.  Dennoch geriet Ries' Schaffen nach seinem Tode bald in Vergessenheit. 
Das Label Naxos engagiert sich seit Jahren, um  seine Werke dem interessierten Publikum wieder zugänglich zu machen. Zu entdecken ist da so einiges: Konzerte, Sinfonien, Oratorien, Lieder, Streichquartette und andere Kammermusik, Kompositionen für Klavier – auf dieser CD sind es drei Sonaten für Violoncello und Klavier.  
Ries und Romberg kannten sich schon aus Bonn: Der Virtuose gab dem Nachwuchsmusiker zeitweise Cello-Unterricht. Auch in späteren Jahren sind sich die beiden Musiker wiederholt begegnet; so konzertierten Ries und Romberg gemeinsam in Russland. 
Die beiden Sonaten op. 20 und op. 21 schrieb Ries 1808. Obwohl sie in ihren Motiven und ihrem Charakter sowohl Haydn als auch Beethoven Referenz erweisen, sind sie stilistisch doch sehr eigenständig. Insbeson- dere die dritte Sonate auf dieser CD, op. 125 aus dem Jahre 1823, verweist – bei aller (beabsichtigten) Nähe zu Beethoven – in ihrer Harmonik gelegentlich bereits auf die Romantiker.  
Anspruchsvoll sind die drei Kompositionen, sie halten sowohl für den Pianisten als auch für den Cellisten herrliche Kantilenen ebenso bereit wie virtuose Passagen. Dabei ist der Klavierpart weit mehr als lediglich eine Begleitung; Martin Rummel gestaltet mit dem Pianisten Stefan Stroissnig einen musikalischen Dialog, der sehr neugierig macht auf die Fortsetzung dieser Reihe. 

Dienstag, 1. Mai 2018

Merk: 20 etudes for cello solo op. 11 (Paladino Music)

Da wir gerade bei Martin Rummel und seinem Engagement für Cello-Lehrwerke sind, folgt gleich noch eine weitere CD des renommierten Cellisten, der derzeit übrigens als Rektor der School of Music an der Universität Auckland in Neuseeland tätig ist: Eine Aufnahme mit den 20 Etüden op. 11 von Joseph Merk aus dem Jahre 2008 hat Rummel kürzlich bei seinem Label Paladino Music wiederveröffentlicht. 
Einige Werke von Joseph Merk (1795 bis 1852), darunter die Fleurs d'Italie, eine Folge von Fantasien über Motive aus Opern Donizettis und Verdis, hatte Rummel gemeinsam mit dem Pianisten Roland Krüger bereits für Naxos eingespielt. Die Etüden sind für Zuhörer sicherlich ein wenig mühsamer als Valses brillantes, aber man wird feststellen, dass Merk selbst diese Übungsstücke, an denen Musiker ihre Technik schulen, erstaunlich ansprechend und auch abwechslungsreich gestaltete. 
Ursprünglich wollte Merk Geiger werden. Doch dann biss ihn ein Hund so unglücklich, dass er den linken Arm nicht mehr korrekt benutzen konnte. Und so wechselte er zum Violoncello. Unterrichtet wurde der junge Musiker von Philipp Schindlöcker, dem Solocellisten der Hofoper. Mit gerade einmal 18 Jahren wurde Merk ebenfalls in dieses Orchester aufge- nommen; später wurde er zudem Mitglied der Hofkapelle, Kammervirtuo- se und Professor am Wiener Konservatorium. 
Er gab Konzerte in Österreich, in Deutschland und Italien, aber in erster Linie blieb der Cellist Wien verbunden. Der Kritiker Eduard Hanslick schrieb über Merk, er sei als „fleißiger Concertgeber unermüdlich und stets von der Sympathie des Publikums getragen.“ Auch als Musikpäda- goge war Merk ziemlich erfolgreich – und für den Gebrauch im Unterricht schrieb er zwei Bände Etüden. Die 20 Etüden op. 11 sind vermutlich in den 1820er Jahren entstanden und Franz Schubert, mit dem Merk befreundet war, gewidmet. 
Außerhalb Wiens gerieten sie „rasch in Vergessenheit, obwohl darin die klassische Logik des Violoncellospiels nach Jean Louis Duport doku- mentiert ist“, bedauert Rummel. Mit seiner Einspielung sowie einer Notenedition bei Bärenreiter will er das ändern: „Besonders diese 20 Etüden verdienen einen Standardplatz in der Ausbildung eines jeden Cellisten.“ 

Montag, 30. April 2018

Klengel: Complete Concertinos for Cello and Piano (Naxos)

Julius Klengel (1859 bis 1933) war Solo-Cellist des schon damals welt- berühmten Gewandhausorchesters Leipzig. In der Pleißestadt kam er zur Welt, und er wurde in eine hoch- musikalische Familie hineingeboren. 
Schon sein Großvater Moritz Klengel spielte als Geiger im Gewandhaus- orchester, und unterrichtete zudem am Leipziger Konservatorium. Sein Vater Wilhelm Julius Klengel war mit Mendelssohn befreundet, und musikalisch beschlagen genug, um seinen sieben Kindern den Anfangsunterricht selbst zu erteilen. Julius' Bruder Paul wirkte ebenfalls als Geiger, Pianist und Komponist. 
Julius Klengel galt als Wunderkind. Als er sieben Jahre alt war, begann seine Ausbildung bei Emil Hegar. Dieser war ein Schüler Friedrich Grützmachers, und Stimmführer der Violoncellisten am Gewandhaus- orchester. Mit 15 Jahren trat Klengel selbst in das renommierte Orchester ein; 1881 wurde er Solo-Cellist und zugleich Lehrer am Konservatorium. Außerdem war er als Solist und Kammermusikpartner gleichermaßen gefragt, und ging regelmäßig auf Konzertreisen. 
Klengel war auch ein exzellenter Pianist, und er komponierte viele Stücke für das Violoncello. Diese CD porträtiert ihn allerdings weniger als Virtuosen denn vielmehr als Lehrenden: Klengels Concertinos für Cello und Klavier gehören noch heute zu dem Repertoire, das nahezu jeder Cellist im Laufe seiner Ausbildung erarbeitet. Klengel war als Pädagoge von enormer Bedeutung; er hat ganze Heerscharen von Studenten unterrichtet. Zu seinen Schülern zählten legendäre Künstler wie etwa Emanuel Feuermann, Rudolf Metzmacher und Gregor Piatigorsky. 
Auf dieser CD werden Klengels Concertinos von Martin Rummel großartig gespielt, der übrigens der letzte Schüler von William Pleeth war, und somit ein Enkelschüler Klengels ist. Rummel musiziert gemeinsam mit der Pianistin Mari Kato – und das Konzertstück d-Moll op. 10 bietet auch ihr die Möglichkeit, gleichberechtigt neben dem Cello zu konzertieren. Sehr gelungen! 

Donnerstag, 11. Januar 2018

Popper: High School of Violoncello Playing op. 73 (Paladino Music)

Wenn man diese Aufnahmen hört, dann will man es kaum glauben: Was Martin Rummel hier spielt, das sind Etüden – und zwar hochgradig vertrackte. David Popper (1843 bis 1913) gehört zu den besten Cellisten aller Zeiten. Er begann seine Karriere als Orchestermusiker; 1868 wurde er Solocellist der Wiener Philharmoniker. Doch schon bald waren seine Konzertverpflichtungen so umfangreich, dass er diese Stelle wieder aufgab. 
Auch als Komponist war Popper sehr erfolgreich; doch nachdem er dann an die Königliche Akademie für Musik in Budapest berufen wurde, konzentrierte er sich vor allem darauf, seine Studenten zu unterrichten, und sie bestmöglich auf das Berufsleben vorzubereiten. Zu diesem Zweck schrieb er in den Jahren 1901 bis 1905 jene 40 Etüden, die dann als Hohe Schule des Violoncellospiels op. 73 bekannt geworden sind. 
„Sie sind die erste Sammlung von Etüden für unser Instrument,die den neuen Anforderungen des Repertoires und der konstanten Verbesserung der Spieltechnik in jener Zeit gerecht werden“, erläutert Rummel, der übrigens auch die Neuausgabe dieser Werke bei Bärenreiter als Herausgeber betreut hat. „Die Großtat besteht aus meiner Sicht darin, sich in jeder Etüde auf ein oder zwei technische Schwierigkeiten zu konzentrieren (..) Dieselbe kompositorische und instrumentale Geschicklichkeit, die Popper in vielen seiner für das Konzertleben geschriebenen Stücke zur Erzeugung von musikalischen oder virtuosen Effekten beweist, nützt er in der Hohen Schule des Violoncellospiels an vielen Stellen, alles möglichst vertrackt oder unbequem zu schreiben – lediglich das Ziel im Auge, den Spieler möglichst umfassend mit allen denkbaren Schwierigkeiten, die weniger celloerfahrene Komponisten ausbrüten könnten, zu konfrontieren.“ 

Samstag, 30. April 2016

Zani: Divertimenti (Capriccio)

Nach den Cellokonzerten von Andrea Zani (1696 bis 1757) hat Martin Rummel nun, gemeinsam mit der Geigerin Lena Neudauer, Diverti- menti des Komponisten aus dem Archivschlaf erweckt. Es wird vermutet, dass auch diese Stücke für Rudolf Franz Erwein, Graf von Schönborn (1677 bis 1754), entstan- den sind. 
Der cellospielende Diplomat hat auf Schloss Wiesentheid bei Würzburg eine Musikaliensammlung zusammengetragen, in der in den letzten Jahren schon so manches beeindruckende Musikstück entdeckt worden ist. 
Über Zanis Lebensgeschichte ist fast nichts bekannt; die wenigen gesicherten Fakten wurden hier im Blog bereits bei der Vorstellung der Cellokonzerte aufgezählt. Hört man seine Divertimenti, geschaffen für eine Minimalbesetzung aus Violine und Violoncello, dann staunt man allerdings über die Melodik, die so gar nichts Barockes hat. Dabei sind diese Duos 1734 entstanden – im gleichen Jahr, in dem beispielsweise Johann Sebastian Bach sein Weihnachtsoratorium in Leipzig erstmals aufgeführt hat. Zanis Musik steht der Klassik wesentlich näher. 
Allerdings sind die Divertimenti längst nicht so spektakulär wie die Konzerte, die der Geiger geschrieben hat. Sie stellen die Virtuosität nicht so in den Vordergrund, und lassen viel Raum für Dialoge der Instrumente. Das ist allerbeste Hausmusik, auf einem sehr hohem Niveau – und die beiden Musiker erkunden diese Klangräume mit Genuss. Lena Neudauer und Martin Rummel harmonieren wunderbar bei der Entdeckung dieser lang verschütteten Schätze. 

Dienstag, 29. März 2016

Hummel: Mozart's Symphonies Nos. 36 Linz, 35 Haffner and 41 Jupiter - Arranged for Flute, Violin, Cello and Piano (Naxos)

Und weil es so schön ist, soll an dieser Stelle gleich noch eine weitere Aufnahme von Arrangements von Johann Nepomuk Hummel nach Werken seines Lehrers Wolfgang Amadeus Mozart vorgestellt werden – diesmal sind es Sinfonien, die Hummel elegant für ein kleines Ensemble bearbeitet hat. Uwe Grodd, Flöte, Friedemann Eichhorn, Violine, Martin Rummel, Violoncello, und Roland Krüger, Klavier, haben bei Naxos mittlerweile auf zwei CD die Sinfonien mit den Nummern 38 bis 40 sowie die Nummern 36, bekannt als Linzer Sinfonie, 35,  Haffner-Sinfonie, und 41, Jupiter-Sinfonie, veröffentlicht. 
Diese Bearbeitungen Hummels sind sehr gelungen. Dank der gekonnten Instrumentierung bewahren sie erstaunlich viel von den Klangfarben des jeweiligen Originals, und sie vermitteln trotz der kleinen Besetzung nicht den Eindruck, dass es sich um eine Notlösung oder ein Arrangement für den Hausgebrauch handelt. Die vier Musiker tragen mit einer exzellenten Interpretation das Ihre dazu bei, wieder ein Publikum für diese attraktiven Werke zu begeistern. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 

Freitag, 5. Dezember 2014

Grützmacher: Vortragsstücke und Etüden für Cello (Musicaphon)

Drei große Cellisten hat die Familie Grützmacher hervorgebracht. Friedrich Wilhelm Grützmacher (1832 bis 1903) stammte aus Dessau und war ein Enkelschüler von Justus Johann Friedrich Dotzauer (1783 bis 1869). Grützmacher debütierte 1849 in Leipzig und wurde sofort Solo- cellist des Gewandhausorchesters. 1860 wurde er nach Dresden abge- worben, wo er bis zu seinem Tode als Solist, Orchester- und Kammermu- siker, Komponist und Herausgeber sowie als Musikpädagoge und Vor- stand des Tonkünstlervereins tätig war. Grützmacher unterrichtete zahlreiche Schüler; einige davon wurden berühmte Cellisten. Und er schuf die berühmt-berüchtigte Etüdensamm- lung Technologie des Violoncellospiels op. 38. 
„Veröffentlicht ursprünglich in zwei Bänden (Nr. 1 bis 12 ohne, Nr. 13 bis 24 mit Daumenaufsatz), findet sie immer noch Verwendung für besonders fortgeschrittene Studenten, kommt aber gegen die ,Hohe Schule des Violoncellospiels' von David Popper sowohl in Popularität als auch in pädagogischem Wert nicht wirklich an“, schreibt Martin Rummel im Beiheft zu dieser CD. „Anders als Popper beschränkt sich Grützmacher pro Etüde nicht auf ein instrumentaltechnisches Problem, sondern geht vielmehr scheinbar als Komponist an die Sache heran, was unweigerlich zur Aneinanderreihung von mehreren instrumentaltechnischen Schwie- rigkeiten innerhalb einer Etüde führt.“ 
Das macht die Stücke einerseits knifflig – andererseits aber auch attraktiv, wie Rummel mit dieser Einspielung zeigt. Der Cellist hat für diese CD elf Etüden aus Grützmachers Sammlung ausgewählt. Und wenn er auch an ihren pädagogischen Qualitäten zweifelt, so hat Rummel doch ganz offenkundig an ihren virtuosen Effekten sein Vergnügen. Ergänzt wird das Programm durch einige Salonstücke Grützmachers für Violoncello und Klavier, wie die Fantaisie Hongroise op. 7, die Rummel gemeinsam mit der Pianistin Gerda Guttenberg vorträgt. Es sind hörenswerte Werke, die es durchaus verdient hätten, wieder mehr gespielt zu werden. Die sogenannte Virtuosenmusik sorgt doch immer wieder für Überraschungen.

Samstag, 5. Oktober 2013

Zani: Complete Cello Concertos (Capriccio)

Dies ist eine weitere Entdeckung, die wir Rudolf Franz Erwein, Graf von Schönborn (1677 bis 1754) verdanken. Denn der spielte nicht nur gern Violoncello, er sammelte auch Musikalien. Und in der Kollektion, die sich noch heute in Wiesentheid bei Würzburg befindet, wurde schon so manches Musikstück aufgespürt, das Cellisten ebenso wie das Publikum jubeln lässt. 
Nun hat eine Musikwissenschaft- lerin aus Neuseeland in diesem Bestand zwölf concerti da camera für Violoncello und Streicher von Andrea Zani (1696 bis 1757) aufgefunden. Kurioserweise musste Dr. Jill Ward, die 2010 ihre Dissertation an der University of Canterbury in Christchurch geschrieben hat, dazu nicht einmal ihre Heimat verlassen – die modernen Kommunikationstechnologien machen's möglich. Mittlerweile hat Ward eine Gesamtausgabe aller derzeit bekannten Werke von Zani vorgelegt, sowie eine Biographie des Musikers. 
Viel ist freilich über sein Leben nicht herauszufinden. Zani war der Sohn eines Geigers aus Casalmaggiore, einer kleinen Stadt in der Nähe von Cremona. Er begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater, und setzte sie dann bei zwei Musikerkollegen fort. Irgendwann ging er nach Wien; Ward vermutet, dass ihn Antonio Caldara, Vizekapellmeister am kaiserlichen Hof, zu diesem Schritt ermutigt haben könnte. Und irgendwann ist er dann auch wieder nach Italien zurückgekehrt. Dort hat er ab 1738 einige Spuren hinterlassen. Belegt ist, dass er 1757 auf einer Reise nach Mantua an den Folgen eines Kutschenüberschlags gestorben ist. 
Die Violoncello-Konzerte, die Zani für den Grafen von Schönborn komponiert hat, sind abwechslungsreich und geradezu betörend gut gelungen. „Schon das Partiturstudium und das Lernen des Soloparts war nur mit dem beglückenden Gefühl zu vergleichen, das man beim Betreten eines sonnenbeschienenen Neuschneefeldes in den Bergen hat – und das gleich zwölf Mal“, begeistert sich Martin Rummel, der die Werke gemeinsam mit dem Ensemble Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens eingespielt hat. „Da aber, wie schon Gustav Mahler wusste, das Beste der Musik nicht in den Noten steht, war der Beginn der ersten Probe mit dem Orchester, als die ersten Töne eines Cellokonzerts von Andrea Zani wahrscheinlich zum ersten Mal seit fast dreihundert Jahren wieder erklungen, einer der reichsten Momente meines bisherigen musikalischen Lebens. Die daran anschließende Woche bis zur Aufnahme des letzten Takes wird in ihrer Beglückung unvergessen bleiben.“ 
Etwas von diesem Glücksgefühl überträgt sich auch auf den Hörer. Zanis Konzerte sind eher graziös als betont virtuos. Sie bieten alles, was Cellokonzerte attraktiv macht – schöne Melodien, einen bunten Strauss an musikalischen Ideen, so dass sie nie langweilig werden, und obendrein eine tänzerische Leichtigkeit, die gute Laune verbrei- tet. Bravi! 

Freitag, 18. Mai 2012

Haydn: Flute Trios (Naxos)

Joseph Haydn (1732 bis 1809) schuf leider sehr viel mehr Werke für das Baryton als für die Flöte. Da finden sich vier Divertimenti, die er auf seiner zweiten England-Reise schuf - und dann noch drei die Trios für Flöte, Violoncello und Klavier Hob. XV:15-17. Flötisten werden das bedauern, denn diese Stücke sind nicht nur melodisch sehr schön, sondern auch geprägt durch eine große Portion Humor. Und in dieser Kombination findet sich das wirklich selten.
Flötist Uwe Grodd hat die Trios gemeinsam mit dem Cellisten Martin Rummel und Christopher Hinterhuber am Klavier für Naxos einge- spielt. Besonders interessant erweist sich in diesem Zusammenhang der Klang des Bösendorfers, der mit seinem klaren Diskant und seinem schlanken Bass ein bisschen an ein Fortepiano erinnert. Das kommt Haydns Trios zupass, insbesondere dann, wenn im Mittelsatz "Flöte und Klavier gleichermaßen um die Gunst des Zuhörers buh- len", wie Martin Rummel im Beiblatt augenzwinkernd schreibt, "wäh- rend das Violoncello dezent begleitet."  

Dienstag, 12. Juli 2011

Vivaldi / Dallapiccola: Cello Sonatas (Musicaphon)

"Die Beschäftigung mit der Musik des Barock war im Italien des beginnenden 20. Jahrhunderts unter Komponisten sehr verbrei- tet", berichtet Pianist Till Alexan- der Körber im Beiheft zu dieser CD. Das lag nicht zuletzt daran, dass dort über mehr als hundert Jahre die Oper derart stark die vorherr- schende Gattung war, dass die Italiener in der Instrumentalmusik ziemlich weit in der Musikgeschich- te zurückschauen mussten, wenn sie an musikalische Traditionen anknüpfen wollten. Dabei hat insbesondere Luigi Dallapiccola (1904 bis 1975) ein originelles Werk hinterlassen, wie man es ähnlich nur von den deutschen Romantikern kennt. 
Er hat 1955 die Sechs Sonaten für Violoncello F. XIV, 1-6 von Anto- nio Vivaldi herausgegeben - und merkt bescheiden an: Revision and realization of the Figured Bass by Luigi Dallapiccola. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Dallapiccola hat nicht nur den Gene- ralbass aus Ziffern, die heutzutage kaum noch jemand flüssig abspie- len kann, in Noten umgeschrieben. Er hat obendrein für die rechte Hand des Pianisten einen Part erschaffen, der in den Dialog zur Cellostimme tritt. "Der heutige Interpret sieht sich angesichts dieser Werke vor eine doppelte Herausforderung gestellt", so Körber: "Einerseits steht die Dallapiccolasche Bearbeitung des Öfteren im Widerspruch zu unserem Wissen um Aufführungspraxis des Barock. Zugleich verwirklicht diese Bearbeitung genau das, wozu dieses Wissen verhelfen soll: Die authentische Aneignung und Umsetzung von Musik längst vergangener Epochen. Andererseits ist die Bearbei- tung auch selbst wiederum Ausdruck der Zeit, in welcher sie ent- stand: die Art der Artikulation des Cellopartes, die im Großen und Ganzen pedallose Klanglichkeit des Klaviers sowie die strukturbe- tonte Durchsichtigkeit und damit auch reizvolle harmonische Sprödigkeit des Satzes." 
Der Cellist Martin Rummel und Till Alexander Körber am Konzert- flügel kombinieren bei ihrer Einspielung Elemente der historischen Aufführungspraxis, wie spontane Verzierungen in den Wieder- holungen, mit großem Respekt vor Dallapiccolas "Bearbeitung". Das Ergebnis überrascht durch seinen schönen, satten Ton und eine beeindruckende Eleganz. Was für eine herrliche, harmonische Aufnahme! 
Den Vergleich  mit einer musikhistorisch korrekten Version soll eine zweite CD ermöglichen, auf der Rummel gemeinsam mit dem Cem- balisten James Tibbles musiziert. Allerdings distanziert sich Tibbles schon im Beiheft von Puristen, die auf eine Interpretation mit historischen Instrumenten und dementsprechender Spieltechnik setzen. Sie bemühten sich, "die Absichten des Komponisten zu verstehen und dadurch so nah wie möglich an die damaligen Erwartungen an eine Aufführung zu kommen"
Das Ziel von Rummel und Tibbles hingegen sei es, "eine Interpreta- tion des 21. Jahrhunderts zu erreichen". Anders als Dallapiccola, der ein Werk des 18. Jahrhunderts in die Sprache des 20. Jahrhunderts übersetzt habe, wollen sie versuchen, "den Geist des Komponisten zu erfassen". Ebenso schwammig wie diese Absichtserklärung erscheint die Version, die daraus hervorgegangen ist. Rummel spielt hier mit schlankerem, mitunter etwas ruppigerem Ton. Doch von barocker Spiellust und von den damals geläufigen virtuosen Verzierungen findet sich nicht die geringste Spur. 
Das freilich ist mir zu viel 21. Jahrhundert, und deutlich zu wenig Vivaldi. Wer keine Lust hat, sich durch "ein tiefes Verständnis von Regelbüchern" die Grundlagen für eine angemessene Interpretation zu erarbeiten, der soll doch bitte nicht so tun, als ließe sich allein durch die Verwendung eines Cembalos nebst einer Version aus dem Paris des 18. Jahrhunderts, die Vivaldis unbezifferten Bass beziffert, Barockmusik simulieren. Ich jedenfalls nenne das Ignoranz - und die ist eigentlich für die Musiker des 21. Jahrhunderts nicht typisch. 

Freitag, 24. Juni 2011

Bach: Cello Suites; Rummel (Paladino Music)


„1890 streifte Pablo Casals, Student im zweiten Jahr an der Musikschule und noch keine
14 Jahre alt, mit seinem Vater durch das Hafengebiet von Bar- celona, als sie zufällig eine kleine Musikalienhandlung entdeckten. Casals suchte eigentlich nach Literatur, die er bei seiner Arbeit im Café spielen könnte, womit er seine Ausbildung finanzierte. Da- bei stieß er auf eine verschlissene Grützmacher-Ausgabe der Bach-Suiten. Als er sie zuhause probierte, packte ihn diese Musik dermaßen, daß er sie in den folgenden drei- undachtzig Jahren täglich spielte und unermüdlich in die Welt hinaustrug.“
Diese Geschichte erfährt der Leser aus dem Beiheft zu der vorliegenden CD.
„Es ist ein erstaunlicher Gedanke, daß die Cellosuiten von Bach vor etwa hundert Jahren so wenig bekannt waren, daß ein junger Cellist, dem es bestimmt war, der größte seiner Zeit zu werden, sie nur durch Zufall entdeckte. Diese Musik war bereits seit mehr als einem Jahrhundert in Vergessenheit geraten, als Robert Schumann versuchte, die Dinge richtigzustellen, indem er eine Version mit Klavierbegleitung veröffentlichte, obwohl Anna Magdalena Bachs Manuskript, das in der Preußischen Staatsbibliothek aufbewahrt wird, eindeutig den Titel ,6 Suiten à Violoncello senza basso’ trägt. Julius Klengel hatte die Sonaten zwar in Leipzig in seinem Unter- richtsprogramm, aber man konnte sie nicht im Konzert hören, da sie mehr als technische Übungen angesehen wurden.“
Der Text von Graham Whettam stammt aus dem Jahre 1997, und weist auch in den Erläuterungen zu den einzelnen Stücken einige Merkwürdigkeiten auf. So meint der Autor, das Cello biete nur wenig Möglichkeiten zum Kontrast: „Die Größe des Instruments bedingt eine begrenzte Spannweite der Hand, was durch die damalige Spieltechnik noch größere Hürden darstellte. Fugen, wie in den Violinsonaten, standen nicht zur Debatte, und sogar heute kenne ich nur zwei Fugen für Cello solo, beides Werke des 20. Jahrhunderts.“
Cellist Martin Rummel nutzte ohnehin als Arbeitsgrundlage in erster Linie eine Abschrift von Johann Peter Kellner. Der Organist, Lehrer und Kantor wirkte im thüringischen Gräfenroda, und interessierte sich offenbar sehr für die Werke Bachs. In seinem Nachlass fanden sich Abschriften mit einem Umfang von mehr als hundert Seiten – darunter auch eine Kopie der Cellosuiten, datiert auf das Jahr 1726. Musikwissenschaftler vermuten, dass sie direkt von Bachs verlorener Urfassung abgeschrieben wurden. Doch die Sechs Suonaten pour le Viola de Basso, wie Kellner das Werk überschrieb, sind offenbar nicht frei von Fehlern, so dass sich jeder Cellist letzten Endes nicht nur seine eigenen Phrasierungen und Fingersätze, sondern auch seine eigene Version des Notentextes erarbeiten muss.
Rummel vertritt eine ausgesprochen romantische Werkauffassung; mit Barockmusik hat diese Einspielung nicht viel zu tun. Und ein flottes Tempo geht zwar grundsätzlich in Ordnung, allerdings sollte der Solist auch dann noch in der Lage sein, Läufe sicher, sauber und mit einer gewissen Eleganz zu spielen. Auf dieser CD wird, bei allem Anspruch, vieles verwischt und vertuscht. Mein Fall ist das nicht.