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Sonntag, 25. November 2018

Michael & Joseph Haydn: Horn Concertos (Avi-Music)

Hornkonzerte von Joseph und Michael Haydn erklingen auf dieser CD. Nicht bei allen dieser Stücke ist wirklich sicher, dass sie von den Brüdern stammen. Trotzdem lohnt sich aber eine solche Einspielung, denn die beiden Konzerte, deren Urheberschaft geklärt ist, sind wirklich exzellent. Das Concerto per il Corno da caccia D-Dur hat Joseph Haydn wohl für den Hornisten Joseph Leutgeb (1732 bis 1811) komponiert. Er trat 1763 in die Esterházy-Hofkapelle ein, musizierte dort aber nicht lange. Dass er einer der bedeutenden Hornvirtuosen seiner Zeit war, darüber wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet – denn auch Wolfgang Amadeus Mozart schrieb für Leutgeb Hornkonzerte. Mozart war mit dem Hornisten befreundet, und seine Werke sind nicht frei von Schabernack. 
Haydn, obzwar musikalischen Scherzen ebenfalls nicht abgeneigt, hat für Leutgeb in diesem Falle ganz ernsthaft anspruchsvolle Musik zu Papier gebracht. In diesem Hornkonzert kann der Solist glänzen, und seine Brillanz unter Beweis stellen. Přemysl Vojta, Solohornist des WDR Sinfonieorchesters Köln, musiziert auf dieser CD gemeinsam mit dem Haydn Ensemble Prag unter Leitung von Martin Petrák. Besonders gelungen: Das Concertino per il Corno e Trombone aus der Serenata in D-Dur von Michael Haydn, das Vojta gemeinsam mit Fabrice Millischer spielt. Es gibt nicht viele Stücke, in denen Altposaune und Horn miteinander konzertieren. Die beiden Solisten harmonieren aufs Beste miteinander, und man staunt, wie sehr sich die Instrumente auch klanglich einander anpassen. 

Samstag, 20. Mai 2017

Sing-Übung (MDG)

„Sing-Übung“ überschrieb Michael Massong seine CD. Und so stellen auch die eingespielten Werke weniger die technische Virtuosität des Solisten als vielmehr den Klang der Posaune in den Vordergrund. 
Dieses Blasinstrument kommt mit seiner Fähigkeit zur freien Modulation dem Ausdrucksvermögen der menschlichen Stimme nahe. Nicht ohne Grund hat Massong für diese Einspielung auch einige Lieder ausgewählt – neben der benannten Sing-Übung von Franz Schubert erklingen vier Lieder von Johannes Brahms; es sind, wie die Sing-Übung, Duette, in denen die Posaune gemeinsam mit dem Horn erklingt. Přemysl Vojta musiziert hier als Partner von Michael Massong – so butterweich und sonor mitunter, dass man rätselt: Ist jetzt die Posaune zu hören? Oder erklingt doch das Horn? 
Auch die berühmte Vocalise von Sergej Rachmaninoff findet sich im Programm, und eine melancholische Romance, die Carl Maria von Weber zugeschrieben wird. Das Nocturno komponierte Franz Strauss, der Vater von Richard Strauss, für sein Instrument, das Horn. Posaunist Massong spielt es mit ausdrucksstarkem, warmen Ton, was den Charakter dieser Musik noch unterstreicht. 
Kantables Spiel, verbunden mit gestalterischer Dezenz, zeichnet auch seine Interpretation von Franz Liszts Romance oubliée aus. Und spätestens an dieser Stelle müssen zwei weitere Beteiligte an dieser Produktion benannt werden. Das ist zum einen Thomas Böttger, der zahlreiche Arrangements dafür geschaffen hat – mit großer Stilsicherheit und der beeindruckenden Gabe, so zurückhaltend vorzugehen, dass der Zuhörer die Bearbeitung als solche nur dann wahrnimmt, wenn er das Original kennt. Ansonsten klingen all diese Werke, als wären sie ursprünglich für die Bläserbesetzung entstanden. Respekt! 
Nicht vergessen werden soll natürlich auch Tomoko Sawano am Klavier. Die Pianistin ist den Bläsern eine exzellente Klavierpartnerin. Deutlich wird dies beispielsweise auch in Wotans Abschied aus Richard Wagners Oper Die Walküre, wo sie einen geradezu orchestralen Auftritt hat, sowie in der Ballade von Frank Martin (1890 bis 1974). Der Schweizer Kompo- nist macht die Posaune zum Erzähler, mit einem Notentext, der etliches ausprobiert, von der Zwölftonmusik bis hin zum Jazz. Das Klavier unter- malt, kommentiert, merkt an – lebhaft, immer präsent. 

Donnerstag, 9. Juli 2015

à 2 Violin. Verstimbt - Music for 2 Scordatura Violins and Basso continuo (Ars Produktion)

Musik für zwei Violinen und Basso continuo hat Der musikalische Garten für seine Debüt-CD ausge- wählt. Das Ensemble wurde nicht umsonst mehrfach mit Preisen geehrt – und so spielen die Musiker hier ein mit Sorgfalt zusammengestelltes Programm, dass sich durch ein konkretes Merkmal auszeichnet: Die Streichinstrumente sind anders gestimmt, als üblich und gewohnt. 
Diese sogenannte Skordatur, entstanden wahrscheinlich in Italien, war im 17. Jahrhundert vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitet und beliebt. Das „Verstimmen“ verändert einerseits den Klang des Instrumentes. Andererseits ermöglicht es dem Geiger, bestimmte Intervalle oder Akkorde zu spielen, die sich sonst nur schwer oder gar nicht greifen lassen. Mitunter lassen sich auch schnelle Passagen durch einen einfacheren Fingersatz  besser spielen – wobei die Stücke auf dieser CD nicht unbedingt die Virtuosität in den Vordergrund stellen. Meistens geht es eher um Klangeffekte, doch simpel ist keine dieser Kompositionen. Auf seiner Suche nach Repertoire aus dem deutschsprachigen Raum hat das Ensemble Der musikalische Garten in diversen europäischen Bibliotheken Werke entdeckt, die wirklich hörenswert sind, und echte Raritäten – etwa die Hälfte der Stücke auf dieser CD erklingt in Weltersteinspielung.