Freitag, 1. Januar 2010

Strauss: Der Rosenkavalier - Wiener Philharmoniker, Sir Georg Solti (Decca)


Eine Aufnahme aus dem Wiener Sofiensaal, entstanden im November 1968, für die ich mich nicht so recht begeistern kann. Das mag in erster Linie an Sir Georg Solti liegen, der Strauss' Ironie wenig Raum gibt, und sein Ensemble zügelt. Régine Crespin singt ihre Marschallin sehr beherrscht und nüchtern.
Und selbst bei der Übergabe der Silberrose fehlt das Knistern, daran ändert auch die Besetzung der Sophie mit der jungen Helen Donath nichts. Der amerikanischen Sopranistin Yvonne Minton, Octavian, liegt das Wienerische ohnehin wenig, was besonders im dritten Akt ungewollt komische Effekte mit sich bringt. Manfred Jungwirth poltert seinen Ochs auf Lerchenau derart daher, dass die Figur schlicht nur noch unsymphatisch erscheint. Den Herrn von Faninal singt Otto Wiener, den Sänger in bester italienischer Technik - in diesem Umfeld wirklich ein Kuriosum! - der junge Luciano Pavarotti. 
Und als Wirt agiert Anton Dermota, eine Wiener Legende - dieser Sänger wurde von der Staatsoper zu seinem 70. Geburtstag eingeladen, noch einmal den Tamino zu singen, was er auch in einer sagenhaften Qualität getan haben soll. In einer alternativen "Rosenkavalier"-Aufzeichung aus dem Jahre 1954 singt er den Sänger. Zu hören sind bei dieser Gesamtaufnahme, die für mich die Referenzaufnahme bleibt, ebenfalls die Wiener Philharmoniker, allerdings unter Erich Kleiber, und mit deutlich mehr Flair. Der Solti-"Rosenkavalier" vermag mich nicht zu überzeugen.

Handel: Twelve Concerti grossi, op. 6 (L'Oiseau-Lyre)


Ein Nachtrag zum Jubiläumsjahr: Diese Aufnahme präsentiert einen ungewohnten Händel, gespielt mit italienischem Temperament. Das liegt eigentlich nahe; immerhin war der Komponist seinerzeit, zur Ausbildung, geraume Zeit in Italien. In Venedig, Florenz und Rom lernte er zahlreiche Musiker und ihre Werke kennen - unter anderem Corelli, den "Vater" des klassischen Concerto grosso.
Händels Reise nach Italien hat sein Werk und seinen Stil nachhaltig geprägt. So veröffentlichte Händel 1739 ebenfalls zwölf Concerti grossi, um sie - unübersehbar ein kollegialer Gruß - 25 Jahre nach jenen des musikalischen Vorbildes erscheinen zu lassen. Händels Concerti grossi aber sind zugleich weltläufig; das bereitet den Musikern des Ensembles Il Giardino Armonico hörbar Vergnügen. Denn sie springen mit Lust zwischen der steifen höfischen französischen Ouvertüre und der eher schlüpfrigen englischen Hornpipe, sie lassen zur Polonaise aufmarschieren und das Menuett geziert schreiten. Diese Neigung zur Dramatik und zur theatralischen Klangsprache bekommt Händel überraschend gut; seine Musik wirkt frisch und lebendig, derart vom traditionellen Pomp bereinigt. Aus diesem Grunde sei die CD nicht nur Anhängern der historischen Aufführungspraxis empfohlen.