Sonntag, 4. November 2018

Österreich: Psalms, Cantatas (cpo)

Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen unter Manfred Cordes wendet sich auf dieser CD den Psalmkompositionen und Kantaten von Georg Österreich (1664 bis 1753) zu. Der musikhistorisch interessierte Hörer wird erstaunt sein – denn bekannt ist Österreich, als Kapellmeister der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, vor allem für seine ebenso exquisite wie umfangreiche Musiksammlung. Insbesondere für Werke der „Vor-Bach-Zeit“ erweist sie sich als ein äußerst wertvoller Bestand, der seinesgleichen sucht. 
Österreich stammte aus Magdeburg, und wie auch sein älterer Bruder lernte er an der Leipziger Thomasschule. Dort wurde er bald zum Alt-Solisten. Als Altist und nach dem Stimmbruch dann als Tenor sang er anschließend auch in der Hamburger Ratskapelle. Ab 1686 war Österreich am Hof von Wolfenbüttel als Sänger engagiert; er muss dort von Kapellmeister Johann Theile sehr viel gelernt haben, denn drei Jahre später holte ihn Herzog Christian Albrecht als Hofkapellmeister nach Gottorf. 
Dass Georg Österreich sich auch als Komponist auszeichnete, beweist diese CD. Zu hören ist eine Psalmvertonung in venezianischer Tradition, dazu lateinische Psalmmusik protestantischer Prägung sowie eine Sonntagskantate, die Bezug auf einen Evangelientext nimmt, diesen aber ungemein dramatisch ausgestaltet. Auch zwei weitere Beispiele, Trauerkantaten, machen deutlich, dass es Österreich weniger um vor allem raffinierte Strukturen als vielmehr um den musikalischen Ausdruck, um Klangwirkung ging. Die exzellenten Vokalisten und Instrumentalisten des Ensembles Weser-Renaissance machen daraus ein Erlebnis. Sehr gelungen! 

Freitag, 2. November 2018

The Italian Recital (Genuin)

Fünf Komponisten, drei Jahrhun- derte – auf seiner Debüt-CD zeigt Gitarrist Daniel Marx höchst unterschiedliche Facetten der italienischen Musik. Er beginnt sein Programm mit Musik der Renais- sance, mit den Fantasias von Simone Molinaro (um 1565 bis 1615). Dann spielt er ein Werk des Lautenisten Giovanni Zamboni. „Als ich seine Sonate IX im Konzert meines Lehrers Roberto Aussel hörte, hatte sie eine einzigartige, magnetische Wirkung auf mich“, berichtet der Gitarrist. „Sie schwingt so schön organisch auf der Gitarre und hat noch dazu eine ,nostalgische Ästhetik', die ihre Schönheit aus dem Vergänglichen zieht. Gerade dieses Subtile, Intime, aber auch diese Direktheit sind es, was ich gleichermaßen an seiner Komposition und an der Gitarre liebe. Die schier unbegreifliche Schönheit des Klanges, die manchmal entstehen kann und mich bis heute tief berührt, spiegelt eben dieses Gefühl wider.“ 
Auch Sonaten von Domenico Scarlatti sind auf der CD zu hören, dazu die Grande Sonata von Niccolò Paganini – der bekanntlich nicht nur ein Geigenvirtuose war, sondern auch exzellent Gitarre spielte – sowie die Rêverie-Nocturne op. 19 von Giulio Regondi. 
Daniel Marx beeindruckt durch seine überragende technische Brillanz, verbunden mit faszinierender Gestaltungsfähigkeit. So zeichnen sich seine Interpretationen durch Transparenz ebenso aus wie durch klangliche Schönheit. Man höre nur, wie durchdacht er in Molinaros Fantasias jede Stimme zur Geltung bringt – wenn dieser junge Gitarrist auch weiter so arbeitet, dann hat er eine große Zukunft vor sich.