Fünf Komponisten, drei Jahrhun- derte – auf seiner Debüt-CD zeigt Gitarrist Daniel Marx höchst unterschiedliche Facetten der italienischen Musik. Er beginnt sein Programm mit Musik der Renais- sance, mit den Fantasias von Simone Molinaro (um 1565 bis 1615). Dann spielt er ein Werk des Lautenisten Giovanni Zamboni. „Als ich seine Sonate IX im Konzert meines Lehrers Roberto Aussel hörte, hatte sie eine einzigartige, magnetische Wirkung auf mich“, berichtet der Gitarrist. „Sie schwingt so schön organisch auf der Gitarre und hat noch dazu eine ,nostalgische Ästhetik', die ihre Schönheit aus dem Vergänglichen zieht. Gerade dieses Subtile, Intime, aber auch diese Direktheit sind es, was ich gleichermaßen an seiner Komposition und an der Gitarre liebe. Die schier unbegreifliche Schönheit des Klanges, die manchmal entstehen kann und mich bis heute tief berührt, spiegelt eben dieses Gefühl wider.“
Auch Sonaten von Domenico Scarlatti sind auf der CD zu hören, dazu die Grande Sonata von Niccolò Paganini – der bekanntlich nicht nur ein Geigenvirtuose war, sondern auch exzellent Gitarre spielte – sowie die Rêverie-Nocturne op. 19 von Giulio Regondi.
Daniel Marx beeindruckt durch seine überragende technische Brillanz, verbunden mit faszinierender Gestaltungsfähigkeit. So zeichnen sich seine Interpretationen durch Transparenz ebenso aus wie durch klangliche Schönheit. Man höre nur, wie durchdacht er in Molinaros Fantasias jede Stimme zur Geltung bringt – wenn dieser junge Gitarrist auch weiter so arbeitet, dann hat er eine große Zukunft vor sich.
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Freitag, 2. November 2018
Freitag, 30. Januar 2015
Paganini: La Lanterna magica (Carpe Diem)
„La sua musica da camera ci parla della sua anima appassionata e bruciante eppure semplice ad un tempo; della stretta relazione tra la musica popolare ed il belcanto italiano che permea ogni sua pagina; del piccolo mondo in cui era nato, della sua Genova con le strade strettissime incastrate tra i monti ed il mare“, begeistert sich Rosario Conte für die Kammermusik von Niccolò Paganini. Auf dieser CD hat der Gitarrist gemeinsam mit der japanischen Geigerin Keiko Yamaguchi eine Auswahl davon eingespielt; mit Ausnahme des Cantabile op. 17 stammen die Werke allesamt aus dem Centone di Sonate per Violino e Chitarra.
Es ist spürbar, dass diese Musik – obwohl sie keineswegs trivial daher- kommt – nicht für das Konzertpodium komponiert worden ist, sondern eher zum privaten Gebrauch, für das Musizieren unter Freunden, im heimischen Salon. Yamaguchi spielt auf einer Violine von Nicolas Lupot, entstanden 1822 in Paris. Dieses Instrument überrascht mit einem sehr eigenen Klangspektrum – es ist nicht der strahlende, brillante Virtuosen- ton, den man bei Paganini üblicherweise im Ohr hat, er wirkt vielmehr eher gedeckt, dunkel, erdig. Zum Klang von Contes Gitarre, über die man leider im Beiheft nichts erfährt, passt dies aber gut. Die beiden Musiker erzeugen eine intensive, sehr intime Atmosphäre. Ihr Zusammenspiel wirkt harmonisch und natürlich. Mein Urteil über diese CD: Sehr gelungen!
Es ist spürbar, dass diese Musik – obwohl sie keineswegs trivial daher- kommt – nicht für das Konzertpodium komponiert worden ist, sondern eher zum privaten Gebrauch, für das Musizieren unter Freunden, im heimischen Salon. Yamaguchi spielt auf einer Violine von Nicolas Lupot, entstanden 1822 in Paris. Dieses Instrument überrascht mit einem sehr eigenen Klangspektrum – es ist nicht der strahlende, brillante Virtuosen- ton, den man bei Paganini üblicherweise im Ohr hat, er wirkt vielmehr eher gedeckt, dunkel, erdig. Zum Klang von Contes Gitarre, über die man leider im Beiheft nichts erfährt, passt dies aber gut. Die beiden Musiker erzeugen eine intensive, sehr intime Atmosphäre. Ihr Zusammenspiel wirkt harmonisch und natürlich. Mein Urteil über diese CD: Sehr gelungen!
Junhong Kuang (Naxos)
In Iserlohn, wo ein ausgesprochen renommiertes Gitarren-Symposion stattfindet, wurde er bestaunt: Beim
5. Internationalen Gitarrenwettbe- werb, dem höchstdotierten in Deutschland, erregte Junhong Kuang schon bei seinem Debüt 2012 Aufsehen. Damals belegte er den dritten Platz, obwohl er gerade einmal zwölf Jahre alt war. Mit
14 Jahren durfte der junge Virtuose in Iserlohn bereits im Eröffnungs- konzert spielen, und belegte im Wettbewerb Platz zwei. Das ist ein ziemliches Wunder, denn das Festival gilt als eine Art Familientreffen der weltbesten Gitarristen, und zugleich als Sprungbrett für eine internationale Konzertkarriere.
Junhong Kuang, der aus Tibet stammt, übt seit seinem sechsten Lebens- jahr auf dem Instrument. Irgendwann hat er allerdings beschlossen, dass er nicht, wie sein Vater, Rockgitarrist werden möchte. So spielte er 2009 am Sichuan-Konservatorium in Chengdu vor – und seitdem besucht er vormittags dort die Schule, und am Nachmittag übt er, viele Stunden täglich. Das hat sich ausgezahlt. Denn mit Unterstützung durch seinen Professor Xu Bao ist aus dem Jungen ein virtuoser Gitarrist geworden, der in bedeutenden Konzertsälen gastiert und zudem etliche wichtige Wettbewerbserfolge vorzuweisen hat. So hat er mittlerweile selbst in der Carnegie Hall in New York gespielt, wo ihn das Publikum mit Standing Ovations feierte. Sein Debütalbum ist nun im Rahmen der Laureate Series bei Naxos erschienen. Wer es nicht weiß, der wird gar nicht bemerken, dass die anspruchsvolle Gitarrenmusik auf dieser CD, von Bach bis Castelnuovo-Tedesco, durch einen Jungen vorgetragen wird. Junhong Kuang spielt technisch unglaublich perfekt, und mit tief empfundenem Ausdruck. Bravo!
5. Internationalen Gitarrenwettbe- werb, dem höchstdotierten in Deutschland, erregte Junhong Kuang schon bei seinem Debüt 2012 Aufsehen. Damals belegte er den dritten Platz, obwohl er gerade einmal zwölf Jahre alt war. Mit
14 Jahren durfte der junge Virtuose in Iserlohn bereits im Eröffnungs- konzert spielen, und belegte im Wettbewerb Platz zwei. Das ist ein ziemliches Wunder, denn das Festival gilt als eine Art Familientreffen der weltbesten Gitarristen, und zugleich als Sprungbrett für eine internationale Konzertkarriere.
Junhong Kuang, der aus Tibet stammt, übt seit seinem sechsten Lebens- jahr auf dem Instrument. Irgendwann hat er allerdings beschlossen, dass er nicht, wie sein Vater, Rockgitarrist werden möchte. So spielte er 2009 am Sichuan-Konservatorium in Chengdu vor – und seitdem besucht er vormittags dort die Schule, und am Nachmittag übt er, viele Stunden täglich. Das hat sich ausgezahlt. Denn mit Unterstützung durch seinen Professor Xu Bao ist aus dem Jungen ein virtuoser Gitarrist geworden, der in bedeutenden Konzertsälen gastiert und zudem etliche wichtige Wettbewerbserfolge vorzuweisen hat. So hat er mittlerweile selbst in der Carnegie Hall in New York gespielt, wo ihn das Publikum mit Standing Ovations feierte. Sein Debütalbum ist nun im Rahmen der Laureate Series bei Naxos erschienen. Wer es nicht weiß, der wird gar nicht bemerken, dass die anspruchsvolle Gitarrenmusik auf dieser CD, von Bach bis Castelnuovo-Tedesco, durch einen Jungen vorgetragen wird. Junhong Kuang spielt technisch unglaublich perfekt, und mit tief empfundenem Ausdruck. Bravo!
Sonntag, 14. Dezember 2014
Fernando Sor - 24 Selected Studies (MGD)
Jeder Gitarrenschüler kennt Musik von Fernando Sor (1778 bis 1839). Der Virtuose hat seinerzeit, offenbar mit resigniertem Blick auf den Markt, zahlreiche ultra-leichte Stücke geschrieben. Mit dieser CD bricht der renommierte Gitarrist Frank Bungar- ten eine Lanzen für den anderen Teil dieser stets wohlklingenden Werke – die Gitarrenmusik, die man wirklich üben muss.
Man stellt verwundert fest, dass es sich auch hier um Etüden handelt. Mit den üblichen Übungsstücken, an denen Musiker technische Abläufe oder aber ihre Geläufigkeit schulen – und die des öfteren auch ziemlich langweilig klingen – haben diese Werke nichts gemein. Man höre nur die Flageolett-Etüde, die einen vollständigen Liedsatz in die Obertöne verlegt. Doch auch die „kleinen“ Etüden aus op. 6 wirken keineswegs trivial.
Aus 97 Etüden, die in fünf Bänden erschienen sind, hat Bungarten seine persönlichen Favoriten ausgewählt und daraus ein anspruchsvolles Konzertprogramm zusammengestellt. „Tiefer Vertraute erkennen in den Etüden grundweg die Essenz der charakteristischen, eigenständigen Tonsprache des Fernando Sor“, schreibt der Gitarrist im Beiheft zu dieser CD: „Das verfeinerte Ausdrucksspektrum seiner Vorhaltsharmonik. Den Nachklang opernhafter Dramatik neben den zarten, verwehten Miniatu- ren. Die heroische In-die-Welt-hinaus-Gebärde des Napoleonanhängers und die elegische Melodik seiner russischen Lebensphase. Die Momente unschuldiger Anmut oder beinahe Schubertscher Gebrochenheit.“
Und all das findet sich auch im Spiel des Gitarristen wieder. Bungarten musiziert großartig. Jede Phrase ist mit Sorgfalt gestaltet, jede Stimme liebevoll herausgearbeitet – das ist Sor mit Noblesse, man freut sich über jedes Stück und jede einzelne Minute. Bravo! Und gern mehr davon.
Man stellt verwundert fest, dass es sich auch hier um Etüden handelt. Mit den üblichen Übungsstücken, an denen Musiker technische Abläufe oder aber ihre Geläufigkeit schulen – und die des öfteren auch ziemlich langweilig klingen – haben diese Werke nichts gemein. Man höre nur die Flageolett-Etüde, die einen vollständigen Liedsatz in die Obertöne verlegt. Doch auch die „kleinen“ Etüden aus op. 6 wirken keineswegs trivial.
Aus 97 Etüden, die in fünf Bänden erschienen sind, hat Bungarten seine persönlichen Favoriten ausgewählt und daraus ein anspruchsvolles Konzertprogramm zusammengestellt. „Tiefer Vertraute erkennen in den Etüden grundweg die Essenz der charakteristischen, eigenständigen Tonsprache des Fernando Sor“, schreibt der Gitarrist im Beiheft zu dieser CD: „Das verfeinerte Ausdrucksspektrum seiner Vorhaltsharmonik. Den Nachklang opernhafter Dramatik neben den zarten, verwehten Miniatu- ren. Die heroische In-die-Welt-hinaus-Gebärde des Napoleonanhängers und die elegische Melodik seiner russischen Lebensphase. Die Momente unschuldiger Anmut oder beinahe Schubertscher Gebrochenheit.“
Und all das findet sich auch im Spiel des Gitarristen wieder. Bungarten musiziert großartig. Jede Phrase ist mit Sorgfalt gestaltet, jede Stimme liebevoll herausgearbeitet – das ist Sor mit Noblesse, man freut sich über jedes Stück und jede einzelne Minute. Bravo! Und gern mehr davon.
Montag, 24. März 2014
Rafael Aguirre - Guitar Recital (Naxos)
Rafael Aguirre gehört zu den welt- weit führenden Gitarrenvirtuosen. Er hat etliche internationale Wett- bewerbe gewonnen. Bei Naxos ist kürzlich seine zweite CD erschie- nen, mit Werken spanischer Komponisten sowie von den Klängen der iberischen Halbinsel beeinflusster Musik. So hat der Zauber spanischer Nächte offenbar Claude Debussy sehr beeindruckt, wie zwei Werke des Komponisten auf dieser CD zeigen. Aguirre spielt nicht nur temperamentvoll, son- dern auch sehr präzise und differenziert. Hörenswert!
Freitag, 21. Juni 2013
de Visée: Livres de Pièces pour la Guittarre (Brilliant Classics)
„Eine CD aufzunehmen mit einem Instrument, das mindestens
200 Jahre lang nicht gespielt worden ist (…), das ist eine Herausforderung“, meint Krishna- sol Jiménez. Der Gitarrist, der in Mexiko geboren wurde und heute unter anderem in Basel lehrt, hat sie gern angenommen - denn das Instrument, das ihm dafür zur Verfügung stand, das war nicht irgendeines: Die sogenannte Sabionari-Gitarre hat Antonio Stradivari im Jahre 1679 ange- fertigt. Das Instrument ist eine Rarität, denn es sind nur fünf Gitarren aus der Werkstatt des berühmten Instrumentenbauers erhalten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Sabionari-Gitarre von einer fünfchörigen Barockgitarre zu einem sechssaitigen Instrument umgebaut. 2011 entschied sich der Eigentümer, die Sabionari-Gitarre restaurieren und dabei möglichst die ursprüngliche Konfiguration wiederherzustellen zu lassen. Die französischen Spezialisten Sinier de Ridder erhielten zudem den Auftrag, die Sabionari-Gitarre in einen Zustand zu bringen, in dem sie gespielt werden kann. Das macht diese Gitarre doppelt wertvoll, denn keine andere Gitarre Stradivaris ist in einem derart guten Zustand.
Auf dieser CD ist das Instrument nach seiner erfolgreichen Restau- rierung erstmals zu hören. Jiménez spielt darauf vier Suiten aus den Livres de Pièces pour la Guittarre von Robert de Visée (1655 bis 1733). Und der Klang ist in der Tat ein ganz besonderes Erlebnis. Man höre nur die Suite in Fis-Dur „accord nouveau“, bei der die Gitarre in Skordatur einen Halbton tiefer gestimmt wurde. Dies stellt das war- me, dunkle Timbre des Instrumentes noch stärker heraus.
200 Jahre lang nicht gespielt worden ist (…), das ist eine Herausforderung“, meint Krishna- sol Jiménez. Der Gitarrist, der in Mexiko geboren wurde und heute unter anderem in Basel lehrt, hat sie gern angenommen - denn das Instrument, das ihm dafür zur Verfügung stand, das war nicht irgendeines: Die sogenannte Sabionari-Gitarre hat Antonio Stradivari im Jahre 1679 ange- fertigt. Das Instrument ist eine Rarität, denn es sind nur fünf Gitarren aus der Werkstatt des berühmten Instrumentenbauers erhalten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Sabionari-Gitarre von einer fünfchörigen Barockgitarre zu einem sechssaitigen Instrument umgebaut. 2011 entschied sich der Eigentümer, die Sabionari-Gitarre restaurieren und dabei möglichst die ursprüngliche Konfiguration wiederherzustellen zu lassen. Die französischen Spezialisten Sinier de Ridder erhielten zudem den Auftrag, die Sabionari-Gitarre in einen Zustand zu bringen, in dem sie gespielt werden kann. Das macht diese Gitarre doppelt wertvoll, denn keine andere Gitarre Stradivaris ist in einem derart guten Zustand.
Auf dieser CD ist das Instrument nach seiner erfolgreichen Restau- rierung erstmals zu hören. Jiménez spielt darauf vier Suiten aus den Livres de Pièces pour la Guittarre von Robert de Visée (1655 bis 1733). Und der Klang ist in der Tat ein ganz besonderes Erlebnis. Man höre nur die Suite in Fis-Dur „accord nouveau“, bei der die Gitarre in Skordatur einen Halbton tiefer gestimmt wurde. Dies stellt das war- me, dunkle Timbre des Instrumentes noch stärker heraus.
Montag, 25. Februar 2013
De gusto muy delicado (LMG)
Die spanische Gitarre des 17. und 18. Jahrhunderts unterschied sich deutlich von den uns heute geläufigen Instrumenten. Sichtbar wird dies vor allem in der deutlich höheren Anzahl der Saiten - hatte die Gitarre zunächst fünf Chöre, so waren es später sechs, mitunter sogar sieben Chöre mit zumeist jeweils zwei Saiten.
Thomas Schmitt, ein Schüler von Konrad Ragossnig, stellt auf dieser CD Musik von vier Komponisten für diese damals sehr beliebten Instrumente vor. Er hat Werke von Federico Moretti (um 1765 bis 1838), Fernando Ferandiere (um 1740 bis um 1816) und Juan Anto- nio de Vagas y Guzmán ausgewählt, sowie ein Stück eines namenlosen Musikers, das er aber ebenfalls typisch für die Musik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts befindet. Sie sind - selbst wenn es Unterrichts- werke sind - unterhaltsam, und stellen den guten Geschmack, den gusto muy delicado, über alles.
Schmitt spielt eine sechschörige Gitarre nach Lorenzo Alonso, ange- fertigt 2009 in der Werkstatt von Carlos Gass in Madrid. In einigen kurzen Stücken ist zudem das Original aus dem Jahre 1797 zu hören. Wer Gitarrenmusik schätzt, der kann hier anhand einer exempla- rischen Einspielung verfolgen, wie die spanische Gitarre am Ausgang der Barockzeit klang, und wie sie eingesetzt wurde. Spannend!
Thomas Schmitt, ein Schüler von Konrad Ragossnig, stellt auf dieser CD Musik von vier Komponisten für diese damals sehr beliebten Instrumente vor. Er hat Werke von Federico Moretti (um 1765 bis 1838), Fernando Ferandiere (um 1740 bis um 1816) und Juan Anto- nio de Vagas y Guzmán ausgewählt, sowie ein Stück eines namenlosen Musikers, das er aber ebenfalls typisch für die Musik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts befindet. Sie sind - selbst wenn es Unterrichts- werke sind - unterhaltsam, und stellen den guten Geschmack, den gusto muy delicado, über alles.
Schmitt spielt eine sechschörige Gitarre nach Lorenzo Alonso, ange- fertigt 2009 in der Werkstatt von Carlos Gass in Madrid. In einigen kurzen Stücken ist zudem das Original aus dem Jahre 1797 zu hören. Wer Gitarrenmusik schätzt, der kann hier anhand einer exempla- rischen Einspielung verfolgen, wie die spanische Gitarre am Ausgang der Barockzeit klang, und wie sie eingesetzt wurde. Spannend!
Donnerstag, 31. Januar 2013
Ida Presti & Alexandre Lagoya, Vol. 2 (Idis)
Da wir gerade über Ida Presti geschrieben haben - bei Idis sind auch Aufnahmen wiederver- öffentlicht worden, die sie im Duo mit Alexandre Lagoya (1927 bis 1999) eingespielt hat. Der Ehe- mann der Gitarristin war ein Schüler von Andrés Segovia.
Das Paar musiziert ausgesprochen harmonisch; Presti und Lagoya spielen wie aus demselben Ge- danken und dem gleichen Atem- zug. Wer diese Aufnahmen gehört hat, der ahnt, warum die beiden großartigen Musiker als Gitarrenduo ebenso berühmt waren, wie zuvor als Solisten.
Das Paar musiziert ausgesprochen harmonisch; Presti und Lagoya spielen wie aus demselben Ge- danken und dem gleichen Atem- zug. Wer diese Aufnahmen gehört hat, der ahnt, warum die beiden großartigen Musiker als Gitarrenduo ebenso berühmt waren, wie zuvor als Solisten.
The Art of Ida Presti (Idis)
Ida Presti - eigentlich hieß sie Ida Yvette Montagnon - (1924 bis 1967) war eine legendäre Gitarri- stin. Sie stammte aus Frankreich, und erhielt den ersten Unterricht auf diesem Instrument bereits im Vorschulalter. Ihr Vater war ihr Mentor und ihr Lehrer, bis er 1938 starb. Sie soll auch durch Mario Maccaferri unterrichtet worden sein. Ihr offizielles Debüt gab Ida Presti 1934 - und wurde dafür euphorisch gefeiert; die Presse pries sie als "weiblichen Mozart". In den 50er Jahren gab sie ihre Solokarriere auf, und bildete statt dessen gemeinsam mit ihrem Ehemann Alexandre Lagoya das erste Gitarrenduo von Weltruf. Leider starb sie viel zu früh am Lungen- krebs.
Auf dieser CD ist Ida Presti mit Studioaufnahmen zu hören, die sie in den Jahren 1938 bis 1956 eingespielt hat. Es erklingen Werke von Robert de Visée, Johann Sebastian Bach und Niccolò Paganini, aber auch beispielsweise von Isaac Albéniz, Fedrico Moreno Torrobo, Fernando Sor, Heitor Villa-Lobos oder Emilio Pujol. Die Technik der Gitarristin erweist sich als überragend, und die Auswahl sowie die Gestaltung der eingespielten Werke lässt auf einen ausgeprägten Sinn für Qualität schließen. Dieses Wunderkind ist nicht verglüht wie so manche andere Sternschnuppe, die nur kurz am Musikerhimmel zu bewundern ist. Presti trotzte den widrigen Zeitumständen, und beeindruckt uns noch heute durch ihr meisterhaftes Gitarrenspiel.
Auf dieser CD ist Ida Presti mit Studioaufnahmen zu hören, die sie in den Jahren 1938 bis 1956 eingespielt hat. Es erklingen Werke von Robert de Visée, Johann Sebastian Bach und Niccolò Paganini, aber auch beispielsweise von Isaac Albéniz, Fedrico Moreno Torrobo, Fernando Sor, Heitor Villa-Lobos oder Emilio Pujol. Die Technik der Gitarristin erweist sich als überragend, und die Auswahl sowie die Gestaltung der eingespielten Werke lässt auf einen ausgeprägten Sinn für Qualität schließen. Dieses Wunderkind ist nicht verglüht wie so manche andere Sternschnuppe, die nur kurz am Musikerhimmel zu bewundern ist. Presti trotzte den widrigen Zeitumständen, und beeindruckt uns noch heute durch ihr meisterhaftes Gitarrenspiel.
Sonntag, 4. November 2012
Pepe Romero - Spanish Nights (Deutsche Grammophon)
"Mit diesem Album habe ich ver- sucht, das Spanien meiner Jugend lebendig werden zu lassen", er- läutert Pepe Romero im Beiheft. "Ich habe Werke von Komponisten aus dieser Zeit ausgewählt, die meine Heimat meisterlich nach- zeichnen."
Pepe Romero, ein Sohn des großen Gitarristen Celedonio Romero, kam 1944 in Málaga zur Welt. Wie seine Brüder Celin und Angel wuchs er mit der Gitarre auf; mit sieben Jahren gab er sein erstes Konzert. 1957 wanderte die Familie nach Amerika aus. Dort wurden die Romeros als Gitarrenensemble ebenso berühmt wie als Solisten. Mittlerweile musiziert die dritte Generation in dem Familienquartett.
Im Laufe seines Lebens hat Pepe Romero tausende Konzerte gegeben, mit vielen Orchestern und Dirigenten. Er hat viele Werke uraufge- führt. Und er hat viele Menschen für die klassische Gitarrenmusik begeistert. Auf dieser CD versammelt der Gitarrenvirtuose Werke, die befreundete Komponisten geschaffen haben, und die ihn an Stationen seines Lebens erinnern. Insofern ist "Spanish Nights" möglicherweise das persönlichste Album des Gitarristen. Dass Romero vom ersten bis zum letzten Ton grandios musiziert, versteht sich ohnehin von selbst.
Pepe Romero, ein Sohn des großen Gitarristen Celedonio Romero, kam 1944 in Málaga zur Welt. Wie seine Brüder Celin und Angel wuchs er mit der Gitarre auf; mit sieben Jahren gab er sein erstes Konzert. 1957 wanderte die Familie nach Amerika aus. Dort wurden die Romeros als Gitarrenensemble ebenso berühmt wie als Solisten. Mittlerweile musiziert die dritte Generation in dem Familienquartett.
Im Laufe seines Lebens hat Pepe Romero tausende Konzerte gegeben, mit vielen Orchestern und Dirigenten. Er hat viele Werke uraufge- führt. Und er hat viele Menschen für die klassische Gitarrenmusik begeistert. Auf dieser CD versammelt der Gitarrenvirtuose Werke, die befreundete Komponisten geschaffen haben, und die ihn an Stationen seines Lebens erinnern. Insofern ist "Spanish Nights" möglicherweise das persönlichste Album des Gitarristen. Dass Romero vom ersten bis zum letzten Ton grandios musiziert, versteht sich ohnehin von selbst.
Donnerstag, 11. Oktober 2012
velvet touch (Musicaphon)
Catharina Josepha Pratten (1824 bis 1895) war die Tochter des Gitarristen Ferdinand Pelzer. Sie stammte aus Mülheim an der Ruhr und wuchs in England auf. Schon früh erhielt sie Gitarrenunterricht bei ihrem Vater; sie galt als Wun- derkind, und konzertierte unter anderem mit Giulio Regondi.
Noch erfolgreicher war die Virtuo- sin aber als Gitarrenlehrerin. Sie unterrichtete unter anderem die Prinzessinnen Louise und Beatrice - insgesamt soll sie gut 1600 Gitar- renschüler ausgebildet haben. Relativ spät heiratete sie Robert Sidney Pratten, einen berühmten Flötisten. Als er 1868 starb, zog sich die Witwe für drei Jahre aus dem Konzertleben zurück. Doch dann nahm sie ihre frühere Tätigkeit in vollem Umfang wieder auf. Pratten konzertierte bis ins hohe Alter; sie komponierte, und sie verfasste Unterrichtswerke. Ihr Erfolgsgeheimnis als Lehrerin war es mögli- cherweise, dass sie nicht versuchte, ihre gutbetuchten Schülerinnen zu Berufsmusikerinnen zu machen. Wenn diese wenig Zeit zum Üben aufbringen wollten, oder aber wenig Talent hatten, dann griff Pratten zu ihrem Lehrwerk Learning the Guitar Simplified, oder aber zu noch einfacheren Übungen, die den Damen das Spiel auf dem Instrument erleichterten - und ihr in auskömmlicher Art und Weise den Lebens- unterhalt sicherten. Es ist nicht zuletzt ihr Verdienst, dass die Gitarre in England enthusiastisch gespielt wurde, während sie in Wien schon lang wieder aus der Mode war.
Als Catharina Pratten 1895 starb, führte ihre Schwester Giulia die Gitarrenschule weiter. Gemeinsam mit Catharina hatte sie übrigens eine umfangreiche Gitarrensammlung aufgebaut; diese umfasst mehr als 45 Instrumente. Zwei davon erwarb der Gitarrist Ulrich Wede- meier. Fasziniert begann er sich mit dem Leben und Werk der Musi- kerin zu beschäftigen. Im Ergebnis entstand dann die vorliegende CD mit Musik von John Abraham Nüske, Mauro Giuliani, Francesco Tárrega - der eine Fantasia sobre motivos de Lucia por Madame R. Sidney Praten komponiert hat - und der Virtuosin selbst, gespielt auf den beiden Gitarren, die sich einst in ihrem Besitz befunden haben.
Um zu zeigen, dass es sich dabei keinesfalls um Werke handelt, mit denen ein Gitarrenprofi nur seine Zeit verschwendet, vollzieht Wedemeier auch die historische Aufführungspraxis nach, wie sie Pratten in ihren Lehrwerken erläutert hat. Das Ergebnis ist außer- ordentlich hörenswert. Prattens Werke sind, bei allem Gefühl, ziemlich brillant und kraftvoll. Und auch Nüske erweist sich als eine echte Entdeckung.
Noch erfolgreicher war die Virtuo- sin aber als Gitarrenlehrerin. Sie unterrichtete unter anderem die Prinzessinnen Louise und Beatrice - insgesamt soll sie gut 1600 Gitar- renschüler ausgebildet haben. Relativ spät heiratete sie Robert Sidney Pratten, einen berühmten Flötisten. Als er 1868 starb, zog sich die Witwe für drei Jahre aus dem Konzertleben zurück. Doch dann nahm sie ihre frühere Tätigkeit in vollem Umfang wieder auf. Pratten konzertierte bis ins hohe Alter; sie komponierte, und sie verfasste Unterrichtswerke. Ihr Erfolgsgeheimnis als Lehrerin war es mögli- cherweise, dass sie nicht versuchte, ihre gutbetuchten Schülerinnen zu Berufsmusikerinnen zu machen. Wenn diese wenig Zeit zum Üben aufbringen wollten, oder aber wenig Talent hatten, dann griff Pratten zu ihrem Lehrwerk Learning the Guitar Simplified, oder aber zu noch einfacheren Übungen, die den Damen das Spiel auf dem Instrument erleichterten - und ihr in auskömmlicher Art und Weise den Lebens- unterhalt sicherten. Es ist nicht zuletzt ihr Verdienst, dass die Gitarre in England enthusiastisch gespielt wurde, während sie in Wien schon lang wieder aus der Mode war.
Als Catharina Pratten 1895 starb, führte ihre Schwester Giulia die Gitarrenschule weiter. Gemeinsam mit Catharina hatte sie übrigens eine umfangreiche Gitarrensammlung aufgebaut; diese umfasst mehr als 45 Instrumente. Zwei davon erwarb der Gitarrist Ulrich Wede- meier. Fasziniert begann er sich mit dem Leben und Werk der Musi- kerin zu beschäftigen. Im Ergebnis entstand dann die vorliegende CD mit Musik von John Abraham Nüske, Mauro Giuliani, Francesco Tárrega - der eine Fantasia sobre motivos de Lucia por Madame R. Sidney Praten komponiert hat - und der Virtuosin selbst, gespielt auf den beiden Gitarren, die sich einst in ihrem Besitz befunden haben.
Um zu zeigen, dass es sich dabei keinesfalls um Werke handelt, mit denen ein Gitarrenprofi nur seine Zeit verschwendet, vollzieht Wedemeier auch die historische Aufführungspraxis nach, wie sie Pratten in ihren Lehrwerken erläutert hat. Das Ergebnis ist außer- ordentlich hörenswert. Prattens Werke sind, bei allem Gefühl, ziemlich brillant und kraftvoll. Und auch Nüske erweist sich als eine echte Entdeckung.
Dienstag, 10. Juli 2012
Anabel Montesinos (Naxos)
Anabel Montesinos gehört ohne Zweifel zu den besten Gitarren- virtuosen der jungen Generation. Sie begann ihre musikalische Aus- bildung im Alter von fünf Jahren, und widmet sich seit ihrem sechsten Lebensjahr der Gitarre. Mit zwölf hat Montesinos auf Mallorca ihr erstes Solokonzert gespielt. Übermütig ist sie durch diese Wunderkind-Karriere nicht geworden, wie man sieht. Die Musikerin, Jahrgang 1984, hat an den Conservatorios Superiores de Música in Tarragona und in Alicante studiert, und mittlerweile eine Vielzahl von Wettbewerben gewonnen, darunter den renommierte Francisco Tárrega Gitarrenwettbewerb 2002 und den Michele Pitta- luga Wettbewerb in Alessandria 2010. Und sie hat Konzerterfahrung gesammelt; so musizierte sie gemeinsam mit Pac de Lucia im schwedischen Uppsala. Auf dieser CD präsentiert sie sich - wie sollte es anders sein - mit Gitarrenmusik aus Spanien von Fernando Sor über Enrique Granados, dessen Werke sie in eigenen Arrangements vorstellt, bis hin zu Joaquín Rodrigo. Die Stimmung der Musik ist zumeist elegisch bis melancholisch. Doch die Brillanz, mit der Montesinos hier musiziert, sorgt beim Zuhörer für gute Laune. Um die spanische Gitarrentradition jedenfalls muss man nicht bangen.
Dienstag, 19. Juni 2012
Albéniz: Serenata (MDG)
Kann ein Gitarrist ein ganzes Or- chester ersetzen? Mühelos, wird man sagen, wenn man das Spiel von Stephen Marchionda gehört hat.
Er hat Werke von Isaac Manuel Francisco Albéniz (1860 bis 1909) für Gitarre bearbeitet. Der Kompo- nist hatte einst spanische Volks- musik - und damit sehr oft auch Gitarrenklänge - in seine Werke für das Klavier integriert. Dabei zitierte er aber nicht einfach bekannte Melodien, sondern er ließ sich von den Klängen inspirieren - und schuf dann Musik, die klingt, als wäre sie seit Jahrhunderten in Spanien präsent.
Wer Marchiondas Versionen des Prélude (Asturias-Leyenda), der Suites espanolas Granada und Sevilla oder von Espana. Seis hojas de album gehört hat, der wird zudem nicht länger der Meinung sein, es handele sich dabei um gefällige Salonmusik. Diese Werke sind kraft- voll, und ihre Interpretation durch Marchionda ist brillant.
Er hat Werke von Isaac Manuel Francisco Albéniz (1860 bis 1909) für Gitarre bearbeitet. Der Kompo- nist hatte einst spanische Volks- musik - und damit sehr oft auch Gitarrenklänge - in seine Werke für das Klavier integriert. Dabei zitierte er aber nicht einfach bekannte Melodien, sondern er ließ sich von den Klängen inspirieren - und schuf dann Musik, die klingt, als wäre sie seit Jahrhunderten in Spanien präsent.
Wer Marchiondas Versionen des Prélude (Asturias-Leyenda), der Suites espanolas Granada und Sevilla oder von Espana. Seis hojas de album gehört hat, der wird zudem nicht länger der Meinung sein, es handele sich dabei um gefällige Salonmusik. Diese Werke sind kraft- voll, und ihre Interpretation durch Marchionda ist brillant.
Mittwoch, 23. Mai 2012
Giuliani: Scottish & Irish Songs, Studies & Rossiniana (Newton)
Gitarrenwerke von Mauro Giuliani (1781 bis 1829) sind jedem Gitar- risten bekannt. Das liegt in erster Linie daran, dass er eine enorme Menge von Etüden komponiert hat. Solche Stücke ließen sich schon damals, als die Gitarre in Wien erstmals zum Modeinstru- ment avancierte, sehr gut ver- kaufen. Giulianis Werke klingen gut, und man spielt sie gern, was bis heute das Üben erleichtert. Elena Càsoli, Professorin an der Hochschule der Künste Bern, hat 1992 eine Auswahl davon eingespielt.
Eine weitere CD dieser Box, die insgesamt drei Silberscheiben enthält, gilt den Sei arie nazionali scozzesi und den Sei arie nazionali irlande- si, zwei Zyklen nach schottischen und irischen Volksliedern. Es sind Alterswerke des Komponisten, die Giuliani möglicherweise für Gi- tarrenschüler aus diesen Ländern geschaffen hat. Sie sind selten zu hören, denn professionellen Gitarristen sind die hübschen Stücke wohl zu simpel - doch dass diese "Einfachheit" Schwierigkeiten bei der Gestaltung mit sich bringt, demonstriert hier auf CD 1 Tullia Cartoni.
Die dritte CD wiederum versammelt einige der Bearbeitungen und Variationen, die der Gitarrenvirtuose nach Werken von Rossini kom- poniert hat. Rossini war damals groß in Mode; die Leute waren ver- rückt nach seinen Melodien - und Giuliani, der mit Rossini befreundet war, lieferte, was das Publikum hören wollte. Diese Werke allerdings sind wirklich keine Anfängerstücke. Und Massimo Scattolin hat hör- bar Vergnügen daran.
Eine weitere CD dieser Box, die insgesamt drei Silberscheiben enthält, gilt den Sei arie nazionali scozzesi und den Sei arie nazionali irlande- si, zwei Zyklen nach schottischen und irischen Volksliedern. Es sind Alterswerke des Komponisten, die Giuliani möglicherweise für Gi- tarrenschüler aus diesen Ländern geschaffen hat. Sie sind selten zu hören, denn professionellen Gitarristen sind die hübschen Stücke wohl zu simpel - doch dass diese "Einfachheit" Schwierigkeiten bei der Gestaltung mit sich bringt, demonstriert hier auf CD 1 Tullia Cartoni.
Die dritte CD wiederum versammelt einige der Bearbeitungen und Variationen, die der Gitarrenvirtuose nach Werken von Rossini kom- poniert hat. Rossini war damals groß in Mode; die Leute waren ver- rückt nach seinen Melodien - und Giuliani, der mit Rossini befreundet war, lieferte, was das Publikum hören wollte. Diese Werke allerdings sind wirklich keine Anfängerstücke. Und Massimo Scattolin hat hör- bar Vergnügen daran.
Montag, 26. März 2012
Bach: Guitar Transcriptions; Devine (Naxos)
Graham Anthony Devine spielt eigene Transkriptionen von Bach-Werken. Der Gitarrist, der am Trinity College of Music in London unterrichtet, hat sich für durchweg sehr bekannte Stücke entschieden: Nun komm' der Heiden Heiland BWV 659 aus den Leipziger Chorälen, die Cello-Suite mit der berühmten Sarabande (BWV 1010), Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ BWV 639 aus dem Orgel- büchlein, Jesus bleibet meine Freude aus Herz und Mund und Tat und Leben BWV 147, die Partita Nr. 2 in d-Moll BWV 1004 für Violine solo - mit der Chaconne - und Bist du bei mir BWV 508 aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach.
Seine Bach-Bearbeitungen sind grandios; sie erkunden Bachs Musik mit Demut und Sensibilität, und vollziehen auf der Gitarre nach, was der Komponist einst für gänzlich andere Instrumente erdacht hat. Obwohl Devines Bach-Transkriptionen zumeist technisch höchste Ansprüche stellen, bringt sie der Gitarrist so locker zum Klingen, dass man nur staunen kann. Er spielt Bach glasklar strukturiert, jederzeit durchhörbar bis ins kleinste Detail, beseelt und eindrücklich - selten habe ich diese Werke so ergreifend gehört. Kurz und gut: Dies dürfte meine persönliche Bach-Lieblingsaufnahme des Jahres werden. Bravo!
Seine Bach-Bearbeitungen sind grandios; sie erkunden Bachs Musik mit Demut und Sensibilität, und vollziehen auf der Gitarre nach, was der Komponist einst für gänzlich andere Instrumente erdacht hat. Obwohl Devines Bach-Transkriptionen zumeist technisch höchste Ansprüche stellen, bringt sie der Gitarrist so locker zum Klingen, dass man nur staunen kann. Er spielt Bach glasklar strukturiert, jederzeit durchhörbar bis ins kleinste Detail, beseelt und eindrücklich - selten habe ich diese Werke so ergreifend gehört. Kurz und gut: Dies dürfte meine persönliche Bach-Lieblingsaufnahme des Jahres werden. Bravo!
Freitag, 10. Februar 2012
Xuefei Yang - Bach Concertos (EMI Classics)
"Bach ist einer der größten Kom- ponisten, der je gelebt hat. Seine Musik ist zeitlos", meint Xuefei Yang. "Es ist einfach wunderbar, solch große Musik auf der Gitarre spielen zu können." Weil der Thomaskantor aber nicht für das Instrument komponiert hat, setzt auch sie auf Bearbeitungen - und zwar auf eigene. Die chinesische Gitarristin hat für ihre CD die beiden Violinkonzerte BWV 1041 und 1042 ausgewählt, sowie das Cembalokonzert BWV 1052, und hat daraus Gitarrenkonzerte gemacht, die sie gemeinsam mit dem Elias Streichquartett vorträgt.
"Die Sonaten und Partiten für Solovioline sind gitarristisches Standardrepertoire geworden", begründet Yang ihre Auswahl. "Ich arbeite schon seit einigen Jahren an diesen Werken und mag sie wirklich gern. Deshalb fragte ich mich, ob nicht auch Bachs wunderbare Violinkonzerte auf der Gitarre möglich wären." Die Musikerin stellte fest, dass sich die Violinstimme auf der Gitarre spielen ließ. "Außerdem sah ich, dass Bach die beiden Konzerte selbst für Cembalo bearbeitet hatte. So bekam ich eine gute Vorstellung davon, wie sie auf einem mehrstimmigen Instrument klingen könn- ten, und das prägte meine Transkription." Auch das d-Moll-Cembalo- konzert soll ursprünglich ein Violinkonzert gewesen sein. Es war aber deutlich schwieriger, es für Gitarre zu arrangieren, berichtet Yang, "weil die Musik so intensiv und so sehr aufs Cembalo zugeschnitten ist".
"Die Sonaten und Partiten für Solovioline sind gitarristisches Standardrepertoire geworden", begründet Yang ihre Auswahl. "Ich arbeite schon seit einigen Jahren an diesen Werken und mag sie wirklich gern. Deshalb fragte ich mich, ob nicht auch Bachs wunderbare Violinkonzerte auf der Gitarre möglich wären." Die Musikerin stellte fest, dass sich die Violinstimme auf der Gitarre spielen ließ. "Außerdem sah ich, dass Bach die beiden Konzerte selbst für Cembalo bearbeitet hatte. So bekam ich eine gute Vorstellung davon, wie sie auf einem mehrstimmigen Instrument klingen könn- ten, und das prägte meine Transkription." Auch das d-Moll-Cembalo- konzert soll ursprünglich ein Violinkonzert gewesen sein. Es war aber deutlich schwieriger, es für Gitarre zu arrangieren, berichtet Yang, "weil die Musik so intensiv und so sehr aufs Cembalo zugeschnitten ist".
Bei der Arbeit an den Konzert-Arrangements orientierte sie sich an Bachs Bearbeitungspraxis. "Die Werke sollte wie Gitarrenkonzerte klingen", so Yang. "Ich nahm mir also Bachs eigene Cembalo-Ein- richtungen der Violinkonzerte vor, um damit meine Gitarren-Transkriptionen zu beseelen, und orientierte mich am stilistischen Vorbild seiner Lautentranskriptionen." Um den Klang der Gitarre zur Geltung kommen zu lassen, entschied sich die Musikerin zudem für die Begleitung durch ein Streichquartett.
Die drei Konzerte ergänzte Yang durch das erste Präludium BWV 846 aus dem Wohltemperierten Clavier, transponiert von C-Dur nach A-Dur, ansonsten aber textgetreu vorgetragen auf einer siebensaitigen Gitarre von Paul Fischer. Bei den Konzerten spielt die Gitarristin ein klangstarkes Instrument von Greg Smallman, für die Solowerke eine Gitarre mit Fichtendecke aus der Werkstatt von Karl-Heinz Roem- mich mit einem hellen, klaren Klang - was ohne Zweifel insbesondere für die Violinsonate g-Moll BWV 1001 exzellent passt. Sie hat Yang für diese CD ausgewählt, "weil Bach die Fuge dieses Werkes selbst für Laute eingerichtet hat und sie mich als erstes zu den Violinkonzerten führte." Um der Gitarre gerecht zu werden, erklingt die Solosonate allerdings in a-Moll. Und zum Abschluss gönnt sich die Gitarristin das berühmte Air aus der Orchestersuite D-Dur BWV 1068.
Yang beherrscht ihr Instrument grandios gut - doch diese spieltech- nische Stärke verleitet die Gitarristin, mitunter auch zuviel des Guten zu tun. Ihre Arrangements erscheinen romantisch; man meint mitunter, eher Vivaldi zu hören als Bach, und mitunter erscheint mir da die Grenze zum Kitsch überschritten. Wer eine Synthese aus Bach und Flamenco mag, der wird diese CD lieben - mein Geschmack ist sie eher nicht.
Donnerstag, 9. Februar 2012
Bach: Transcriptions for Guitar (Naxos)
Wer Bach auf der Gitarre spielen will, der hat ein Problem. Denn der Komponist hat für dieses Instru- ment kein einziges Werk geschrie- ben. Also haben Generationen von Gitarristen seiner Werke für Gitar- re bearbeitet - ein Verfahren, das auch Bach selbst gern und viel ge- nutzt hat, um musikalische Ideen zu transferieren.
Der französische Gitarrist Judicael Perroy, Jahrgang 1973, hat bei Naxos die c-Moll-Partita BWV 826 aus der Clavierübung in einem Arrangement für Gitarre von Tristan Manoukian eingespielt, und die Lautensuite BWV 997 sowie Präludium, Fuge und Allegro BWV 998 in einer Version von Tilman Hoppstock. Das Concerto in D-Dur BWV 972, ursprünglich eine Variante für Cembalo nach einem Violin- konzert Vivaldis aus L'estro armonico, hat Perroy selber für Gitarre arrangiert. Dabei zeigt er enormes Geschick, so dass im Ergebnis tatsächlich ein Gitarrenkonzert vorliegt - und das hat es in sich.
Doch technische Probleme hat der Gitarrist ohnehin nirgends; sein Bach-Spiel ist erfreulich klar strukturiert, stets durchdacht und durchhörbar. Mir hat diese CD daher Hörvergnügen bereitet - und ich bin gespannt auf die folgenden CD des jungen Musikers. Bravo!
Der französische Gitarrist Judicael Perroy, Jahrgang 1973, hat bei Naxos die c-Moll-Partita BWV 826 aus der Clavierübung in einem Arrangement für Gitarre von Tristan Manoukian eingespielt, und die Lautensuite BWV 997 sowie Präludium, Fuge und Allegro BWV 998 in einer Version von Tilman Hoppstock. Das Concerto in D-Dur BWV 972, ursprünglich eine Variante für Cembalo nach einem Violin- konzert Vivaldis aus L'estro armonico, hat Perroy selber für Gitarre arrangiert. Dabei zeigt er enormes Geschick, so dass im Ergebnis tatsächlich ein Gitarrenkonzert vorliegt - und das hat es in sich.
Doch technische Probleme hat der Gitarrist ohnehin nirgends; sein Bach-Spiel ist erfreulich klar strukturiert, stets durchdacht und durchhörbar. Mir hat diese CD daher Hörvergnügen bereitet - und ich bin gespannt auf die folgenden CD des jungen Musikers. Bravo!
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Le Calme. Fernando Sor late works (Linn)
Die Werke von Fernando Sor (1778 bis 1839) seien schon oft und auch sehr gut eingespielt worden, meint William Carter. Warum der Gitar- rist den Aufnahmen eines Andrés Segovia oder Julian Bream dennoch eine weitere hinzufügt? "The answer comes down to a simple question of 'fingernails'", sagt Carter.
Eine Handvoll Virtuosen bewirkte seinerzeit den Einzug der Gitarre in die Salons und Konzertsäle - dazu gehörten neben Sor unter anderem sein Freund Dionisio Aguado, Mauro Giuliani, Matteo Carcassi und Ferdinando Carulli. An die Stelle der fünfchörigen Barockgitarre, die zehn Saiten hatte, trat die moderne Konzertgitarre mit sechs Saiten. Auch die Spielweise veränderte sich, und das führte zu damals einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Anschlags mit den Fingerkuppen und jenen Virtuosen, die dafür die Fingernägel nutzten.
Auch Segovia und Bream spielen, wie heute üblich, mit den Nägeln - doch Sor lehnte dies seinerzeit ab. Diese andere Art des Anschlags aber bringt auch einen veränderten Klang mit sich, erläutert Carter: "The sound is softer but perhaps more vocal in quality. While each of these methods of playing can give wonderful results (this is my opinion, anyway) they are very different in their basic sound and Sor was a fingertip player." Sor selber schrieb dazu, dass der Klang einer Gitarre, die mit den Nägeln gespielt wird, sich von seinem unterscheide wie ein Cembalo vom Pianoforte.
Um diese Spielweise nachzuvollziehen, ließ sich Carter von dem Gitarrenbauer Tony Johnson eigens ein Instrument bauen, dass sechs Saiten hat, aber wesentlich weicher zu spielen ist, als wir das heute gewohnt sind. "It has the range of colour and dept of bass wich I associate with the guitar (as opposed to a lute) but speaks easily when plucked with bare fingers", schwärmt der Gitarrist.
Der Zuhörer, der ihn spielen hört, wird davon begeistert sein, denn sein Klang ist in der Tat wundervoll, er ist wandlungsfähig und farbenreich. Carter ist ein exzellenter Gitarrist; man spürt jedoch zugleich, dass er nicht einfach Stücke abspielt. Er stellt vielmehr jedes dieser Werke in einen musikhistorischen Kontext. Erstaunt stellt man fest, wie stark die Musik Sors in deutlich älterem Kontext verwurzelt ist. Diese CD ist ein Erlebnis - so wünscht man sich die Auseinander- setzung mit den Klassikern der Gitarre.
Eine Handvoll Virtuosen bewirkte seinerzeit den Einzug der Gitarre in die Salons und Konzertsäle - dazu gehörten neben Sor unter anderem sein Freund Dionisio Aguado, Mauro Giuliani, Matteo Carcassi und Ferdinando Carulli. An die Stelle der fünfchörigen Barockgitarre, die zehn Saiten hatte, trat die moderne Konzertgitarre mit sechs Saiten. Auch die Spielweise veränderte sich, und das führte zu damals einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Anschlags mit den Fingerkuppen und jenen Virtuosen, die dafür die Fingernägel nutzten.
Auch Segovia und Bream spielen, wie heute üblich, mit den Nägeln - doch Sor lehnte dies seinerzeit ab. Diese andere Art des Anschlags aber bringt auch einen veränderten Klang mit sich, erläutert Carter: "The sound is softer but perhaps more vocal in quality. While each of these methods of playing can give wonderful results (this is my opinion, anyway) they are very different in their basic sound and Sor was a fingertip player." Sor selber schrieb dazu, dass der Klang einer Gitarre, die mit den Nägeln gespielt wird, sich von seinem unterscheide wie ein Cembalo vom Pianoforte.
Um diese Spielweise nachzuvollziehen, ließ sich Carter von dem Gitarrenbauer Tony Johnson eigens ein Instrument bauen, dass sechs Saiten hat, aber wesentlich weicher zu spielen ist, als wir das heute gewohnt sind. "It has the range of colour and dept of bass wich I associate with the guitar (as opposed to a lute) but speaks easily when plucked with bare fingers", schwärmt der Gitarrist.
Der Zuhörer, der ihn spielen hört, wird davon begeistert sein, denn sein Klang ist in der Tat wundervoll, er ist wandlungsfähig und farbenreich. Carter ist ein exzellenter Gitarrist; man spürt jedoch zugleich, dass er nicht einfach Stücke abspielt. Er stellt vielmehr jedes dieser Werke in einen musikhistorischen Kontext. Erstaunt stellt man fest, wie stark die Musik Sors in deutlich älterem Kontext verwurzelt ist. Diese CD ist ein Erlebnis - so wünscht man sich die Auseinander- setzung mit den Klassikern der Gitarre.
Samstag, 10. Dezember 2011
recital - Takeo Sato (Raccanto)
Takeo Sato begann bereits im Kin- desalter, Gitarre zu spielen. Den ersten Unterricht gab ihm sein Vater, der Gitarrenbauer Kazuo Sato. Schon vor Beginn seines Musikstudiums hat Takeo Sato einige der wichtigsten Wettbewer- be gewonnen; dennoch hat der junge Musiker sehr viel Zeit und Sorgfalt in seine weitere Ausbil- dung investiert.
Dieser Aufwand war nicht vergeb- lich, wie seine Debüt-CD beweist. Sie zeigt einen handwerklich überaus souveränen und musikalisch reifen, ausdrucksstarken Solisten, der sich sowohl in der sogenannten Alten Musik als auch in der Moderne sicher bewegt. Es bereitet Freude, diesem jungen Gitarristen zuzuhören. Sato spielt übrigens ein phantastisches Instrument aus der Werkstatt seines Vaters. Diese Gitarre begeistert, weil sie so herrlich singen kann - und durch ein enormes Spektrum an Klangfarben, das der Solist abrufen kann.
Dieser Aufwand war nicht vergeb- lich, wie seine Debüt-CD beweist. Sie zeigt einen handwerklich überaus souveränen und musikalisch reifen, ausdrucksstarken Solisten, der sich sowohl in der sogenannten Alten Musik als auch in der Moderne sicher bewegt. Es bereitet Freude, diesem jungen Gitarristen zuzuhören. Sato spielt übrigens ein phantastisches Instrument aus der Werkstatt seines Vaters. Diese Gitarre begeistert, weil sie so herrlich singen kann - und durch ein enormes Spektrum an Klangfarben, das der Solist abrufen kann.
Mittwoch, 23. November 2011
Italia - Heinrich-Albert-Duo (MDG)
Das Heinrich-Albert-Duo hat be- reits diverse CD mit Werken seines Namenspatrons, einem Vertreter der deutschen Romantik, mit Gitarrenduos aus der Frühklassik sowie mit spanischer Gitarren- musik eingespielt. Da ist es nur konsequent, wenn sich Joachim Schrader und Jan Erler nunmehr der Musik italienischer Komponi- sten zuwenden. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf die Werke aus dem "Goldenen Zeitalter der Gitar- re", als Solisten wie Ferdinando Carulli (1770 bis 1841), Mauro Giuliani (1781 bis 1829) oder Matteo Carcassi (1792 bis 1853) das Instrument in ganz Europa populär machten.
Auch Vorgänger, die die Musik dieser Virtuosen entscheidend präg- ten - wie Domenico Scarlatti, Domenico Cimarosa und Gioacchino Rossini haben sie in cleveren - teilweise eigenen - Arrangements mit berücksichtigt. Und natürlich darf auch Niccolò Paganini (1782 bis 1840) nicht fehlen, der ja das Publikum nicht nur als Violinist beein- druckte, sondern auch exzellent Gitarre spielte. Schrader und Erler musizieren mit Temperament, Witz und überragender Spielkultur. Phantastisch!
Auch Vorgänger, die die Musik dieser Virtuosen entscheidend präg- ten - wie Domenico Scarlatti, Domenico Cimarosa und Gioacchino Rossini haben sie in cleveren - teilweise eigenen - Arrangements mit berücksichtigt. Und natürlich darf auch Niccolò Paganini (1782 bis 1840) nicht fehlen, der ja das Publikum nicht nur als Violinist beein- druckte, sondern auch exzellent Gitarre spielte. Schrader und Erler musizieren mit Temperament, Witz und überragender Spielkultur. Phantastisch!
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