Donnerstag, 15. November 2018

Herz-Tod (Decca)

Die Liebe und der Tod – das sind die Themen, denen sich der Bassist Günther Groissböck gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Gerold Huber mit dieser Einspielung zuwendet. Ausgewählt hat der Sänger dafür die Vier ernsten Gesänge von Johannes Brahms, die Michelangelo-Lieder von Hugo Wolf, die Rückert-Lieder von Gustav Mahler – und die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner. 
Sie sind hier zum ersten Male auf CD mit einer Männerstimme zu hören. „Mich hat die Klangsprache der Wesendonck-Lieder schon immer fasziniert, da sie eben dem Tristan an vielen Stelle so nahesteht“, erläutert Günther Groissböck in einem Interview, das im Beiheft nachzulesen ist: „Außerdem habe ich im Text keine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, sodass ich mir einfach gedacht habe: Warum denn nicht mal diese ,gender-neutralen' Lieder als Mann singen, weil es ja auch Titel wie ,Schmerzen' oder ,Stehe still' gibt, zu denen etwas draufgängerisches Testosteron sehr gut passt, wie ich finde.“ 
Der Österreicher ist ein gefragter Wagner-Sänger. Sein Bass ist prachtvoll, aber der Liedgesang wirkt mitunter etwas kühl und zurückhaltend; in der Textausdeutung erscheint mir beispielsweise Hans Hotter viel stärker. Gerold Huber allerdings erweist sich einmal mehr als kongenialer Klavierpartner. Es ist beeindruckend, mit welchem Feingefühl er mit dem Sänger in einen Dialog tritt, wie sensibel er auf jede Nuance im Ausdruck reagiert. So wird aus dem Klavierpart weit mehr als eine Begleitung. Huber zeigt immer wieder, wieviel der Pianist zum Gesamtkunstwerk Lied beitragen kann. 

Mittwoch, 14. November 2018

"Habet Acht!" Songs for Male Voices by Robert Schumann & Albert Lortzing (MDG)

Nicht nur der Gesang, sondern auch politische Debatten prägten einst die Zusammenkünfte von Männer- chören. Kein Wunder, dass solche Gesangsvereine im 19. Jahrhundert, im Gefolge der 1848er Revolution, in ganz Deutschland eine Blütezeit erlebten. Politische Diskussionen führen die Herren der Neuen Detmolder Liedertafel wohl nicht mehr – aber ansonsten pflegen sie die Traditionen der singenden Bürger mit großer Sorgfalt. 
Das lohnt sich, wie diese beiden CD zeigen. Denn die gern belächelten Männergesangsvereine hatten durchaus auch einen hohen musikalischen Anspruch. Namhafte Komponisten schufen Lieder speziell für Männer- stimmen – und die Chorsätze sind oftmals alles andere als einfach, wie man rasch feststellen wird, wenn man versucht, sie heute nachzusingen. 
Die Sänger der Neuen Detmolder Liedertafel, durchweg Profis, präsentieren auf zwei CD gekonnt eine Auswahl aus dem ganz enormen Liederschatz, der da seiner Wiederentdeckung harrt. So erklingen auf CD1 Werke von Albert Lortzing, und auf CD2 Kompositionen von Robert Schumann, wobei einige der Gesänge sogar gemeinsam mit den Detmolder Hornisten vorgetragen werden. Sehr hörenswert!