Das Wandern und der Wanderer sind zentrale Sujets der deutschen Romantik. Der Reiz der großen weiten Welt, die Entdeckungslust und der Verlust von Heimat – das sind Erfahrungen, die nicht nur die Dichter, sondern auch Komponisten zu großartigen Werken bewegt haben. Rafael Fingerlos hat eine Liedauswahl zusammengestellt, die vom frohen Aufbruch über die Begegnung mit der Fremde bis hin zur Entfremdung vom Beschreiten des Lebensweges erzählt.
Sonntag, 16. Mai 2021
Fremde Heimat (Oehms Classics)
Das Wandern und der Wanderer sind zentrale Sujets der deutschen Romantik. Der Reiz der großen weiten Welt, die Entdeckungslust und der Verlust von Heimat – das sind Erfahrungen, die nicht nur die Dichter, sondern auch Komponisten zu großartigen Werken bewegt haben. Rafael Fingerlos hat eine Liedauswahl zusammengestellt, die vom frohen Aufbruch über die Begegnung mit der Fremde bis hin zur Entfremdung vom Beschreiten des Lebensweges erzählt.
Sonntag, 4. Oktober 2020
Staatskapelle Berlin - Legendary Eterna Recordings (Berlin Classics)
Die Staatskapelle Berlin feiert 450jähriges Bestehen – und Berlin Classics gratuliert mit einer 5-CD-Box zu diesem Jubiläum. Das Label hat dafür legendäre Aufnahmen des Orchesters mit Otmar Suitner und Günther Herbig herausgesucht. Sie wurden seinerzeit in der Christus-Kirche Berlin-Schöneweide aufgenommen, und bei Eterna als Schallplatte veröffentlicht.
Für die Neuedition wurden diese Einspielungen nun neu von den Originalbändern remastert. Otmar Suitner leitete die Staatskapelle Berlin von 1964 bis 1990. Freuen darf man sich auf feinsinnige Interpretationen der Mozart-Ouvertüren ebenso wie auf Musik von Richard Strauss und Paul Dessau, die Suitner allesamt besonders schätzte.
Neben Strauss‘ Symphonischer Phantasie aus Die Frau ohne Schatten wurde für diese Kollektion auch Penthesilea von Hugo Wolf sowie die Musik zu Kleists Das Käthchen von Heilbronn op. 17 von Hans Pfitzner ausgewählt; für beides hatte sich Suitner besonders eingesetzt. Zu hören sind zudem Bruckners Siebente und Mahlers Zweite; Günther Herbig, der in den 70er Jahren viele Konzerte mit der Staatskapelle dirigierte, wird ebenfalls mit einer CD geehrt. Darauf erklingen Mendelssohns Sommernachtstraum sowie die Orchestermusik Nr. 4 von Paul Dessau.
Mittwoch, 30. Oktober 2019
Across The Lake (Genuin)
Das Programm ist abwechslungsreich. Zu hören ist Filmmusik von Hans Zimmer, Steve Jablonsky, Trevor Jones, John Powell und John Williams, dazu Sinfonisches von Gustav Mahler, Kammermusik von Dmitri Schostakowitsch, Felix Mendelssohn Bartholdys berühmter Chor Abschied vom Walde in einem Arrangement für Lake Brass, und auch zwei Premieren sind dabei: Die Bodensee Fantasie von Kerry Turner und Zerberus von Alexander Reuber, speziell für das Ensemble geschrieben, erklingen in Weltersteinspielung. Man staunt einmal mehr darüber, wie nuancen- und farbenreich Blechbläser musizieren können. Es ist herrlich, der Sound ist großartig, das kann man mit Worten gar nicht erfassen. Wer den Hörnerklang liebt, der sollte sich diese CD auf gar keinen Fall entgehen lassen.
Donnerstag, 15. November 2018
Herz-Tod (Decca)
Sie sind hier zum ersten Male auf CD mit einer Männerstimme zu hören. „Mich hat die Klangsprache der Wesendonck-Lieder schon immer fasziniert, da sie eben dem Tristan an vielen Stelle so nahesteht“, erläutert Günther Groissböck in einem Interview, das im Beiheft nachzulesen ist: „Außerdem habe ich im Text keine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, sodass ich mir einfach gedacht habe: Warum denn nicht mal diese ,gender-neutralen' Lieder als Mann singen, weil es ja auch Titel wie ,Schmerzen' oder ,Stehe still' gibt, zu denen etwas draufgängerisches Testosteron sehr gut passt, wie ich finde.“
Der Österreicher ist ein gefragter Wagner-Sänger. Sein Bass ist prachtvoll, aber der Liedgesang wirkt mitunter etwas kühl und zurückhaltend; in der Textausdeutung erscheint mir beispielsweise Hans Hotter viel stärker. Gerold Huber allerdings erweist sich einmal mehr als kongenialer Klavierpartner. Es ist beeindruckend, mit welchem Feingefühl er mit dem Sänger in einen Dialog tritt, wie sensibel er auf jede Nuance im Ausdruck reagiert. So wird aus dem Klavierpart weit mehr als eine Begleitung. Huber zeigt immer wieder, wieviel der Pianist zum Gesamtkunstwerk Lied beitragen kann.
Montag, 19. März 2018
Unvergänglichkeit - Michaela Schuster (Oehms Classics)
Nun folgt also das zweite Album, und hier sind Lieder von Gustav Mahler, Max Reger Kurt Weill in Korngolds Zyklus quasi hineingeflochten. Sie ergänzen diese Liederfolge, und setzen mitunter nachdenkliche, mitunter auch kecke Akzente. Dieses Programm ist rundum schlüssig, und zugleich überraschend und extravagant. Ähnliches lässt sich über den Liedvortrag von Michaela Schuster sagen.
Die Sängerin gestaltet jedes einzelne Lied mit großer Sorgfalt, und mit brillanter Technik und Artikulation. Man versteht wirklich jedes Wort, und man kann jeden musikalischen Gedanken nachvollziehen. Das macht diese CD zum Erlebnis – und in Matthias Veit hat die Mezzosopranistin zudem einen exzellenten Liedbegleiter an ihrer Seite. Großartig!
Montag, 17. Oktober 2016
Mahler: The 9 Symphonies (Tudor)
Chefdirigent Jonathan Nott schaut mit kühlem, ja, mit misstrauischem Blick in die Partitur. Nichts ist hier idyllisch und harmlos. Nott verzichtet auf auf- gesetztes Pathos und überflüssige Sentimentalisierung; er lotet akribisch aus, was im Notentext steht, und akzeptiert dabei insbesondere auch die Brüche und Abgründe. Damit macht er Klangeffekte hörbar, die Mahler offenbar wichtig waren, die aber beim Beharren auf der spätromantischen Aufführungspraxis mit ihren diversen Rubati eher verschmiert und verdeckt werden. Nott setzt auf Strukturen und Farben, und er hat ein grandioses Gespür für das richtige Zeitmaß. Das Ergebnis ist unglaublich spannend, dramatisch und mitreißend. Atemberaubend!
Donnerstag, 15. August 2013
Portrait (Genuin)
Die Musiker wurden mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet; so haben sie 2011 beim Deutschen Musikwettbewerb ein Stipendium erhalten. Ihre Konzerte kommen beim Publikum wie bei der Presse gut an – kein Wunder, dass sie nun auch eine CD vorlegen wollen. Das erste Album hat das Blechbläser-Ensemble teilweise über Crowd- funding finanziert.
Die Mühe hat sich gelohnt, denn das Debüt ist gelungen. Die Werke, die die Zwölf dafür ausgewählt haben, reichen von Giovanni Gabrieli bis zu Duke Ellington, und von Händels bekannter Ankunft der Königin von Saba bis zur Bruckner-Etüde für das tiefe Blech aus der Feder von Enrique Crespo, dem langjährigen Spiritus rector von German Brass. Die Bläser von 10 for Brass begeistern mit ihrem satten, runden, harmonischen Ensembleklang. Ihr Spiel ist wirklich perfekt, und ihre Spielfreude überträgt sich auf den Hörer; allerdings dürfen sie gern noch etwas mehr Temperament entwickeln. Wer Bläsermusik liebt, der sollte dieses Album auf keinen Fall verpassen – es lohnt sich!
Dienstag, 13. August 2013
Pohádka. Dvorák - Janácek - Mahler - Suk (Es-Dur)
Doch das ist letzten Endes Nebensache. Denn diese Einspielung ist einfach hinreißend. Den beiden Musikern zu lauschen, das ist ein absolutes Vergnügen. Man könnte jetzt darüber sinnieren, ob man Mahlers berühmte Lieder wirklich für Violoncello und Klavier bearbeiten muss – aber letzten Endes folgt man Geringas und Fountain gespannt, bis zum letzten Takt. Was für ein Dialog zwischen den Instrumenten, was für eine Spannung und Intensität! Hier sind zwei großartige Musikerpersönlichkeiten, zu erleben, jeder ein Meister, und auch ihr Zusammenspiel ist einfach nur grandios.
Sonntag, 30. Juni 2013
Mahler: Symphonies 2, 4, 7 & 9 / Das Lied von der Erde; Klemperer (EMI Classics)
Sein großes Talent fiel schon früh auf. Aus heutiger Sicht kann man sich so etwas für eine studentische Aushilfe kaum vorstellen – aber Klemperer dirigierte breits mit 21 Jahren mehr als fünfzig Mal Offenbachs Orpheus in der Unterwelt in der berühmten Inszenierung durch Max Reinhardt. 1907 spielte er dann Gustav Mahler aus einem selbst angefertigten Klavierauszug der Auferstehungssinfonie vor. Der Komponist zeigte sich begeistert – und Klemperer standen plötzlich alle Türen offen.
1933 floh er in die USA. Als er 1946 aus dem Exil zurückkehrte, konnte der Dirigent an seine frühen Erfolge nicht anknüpfen: Der maestro galt als schwierig, als unberechenbar und exzentrisch. Walter Legge gewann den 67jährigen schließlich für das Label EMI. Damit begann eine künstlerische Partnerschaft, der wir einige groß- artige Aufnahmen verdanken. Denn das Philharmonia Orchestra kam mit dem Dirigenten gut zurecht. „Seine Absicht war, die Wahrheit zu finden“, erinnert sich der Produzent. „Musikalität, Rhythmus, solider Klang, feste Tempi, genaue Notenwerte und texturelle Klarheit waren alles, was er verlangte.“
Das prägte auch Klemperers Mahler-Einspielungen. Man wisse, ur- teilte 1967 der Kritiker Ronald Crichton, was man erwarten könne: „big outlines, rock-like rhythms, structure before detail, no lingering by the wayside, no attempt to soften or blend the crystal-clear and often searing orchestration“.
Klemperers Mahler-Verehrung war jedoch höchst selektiv, wie seine Werkauswahl zeigt. An erster Stelle steht nicht nur in dieser CD-Box die Sinfonie Nr. 2, auch als Auferstehungssinfonie bekannt – hier zu hören mit Elisabeth Schwarzkopf und Hilde Rössl-Majdan. Elisabeth Schwarzkopf ist auch die Solistin in der Sinfonie Nr. 4. Die zweite CD enthält zudem eine Auswahl an Orchesterliedern in einer Aufnahme mit Christa Ludwig aus dem Jahre 1964.
Eingespielt hat Klemperer zudem 1968 Mahlers siebente und 1967 die neunte Sinfonie. Den Abschluss der Sechs-CD-Box macht Das Lied von der Erde mit Christa Ludwig und mit dem legendären Tenor Fritz Wunderlich. Allein diese Besetzung würde ausreichen, um die Auf- nahme zu einer Kostbarkeit zu machen.
Dienstag, 5. Juni 2012
Alois. Um Mitternacht (Preiser Records)
Auch in dem Repertoire, das er ge- meinsam mit seinem Chorleiter und Pianisten Franz Farnberger für diese CD ausgesucht hat, zeigt sich sein Abschied von der Kindheit. Ob man einen 16jährigen allerdings wirklich die Lieder eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler singen lassen muss, und die Vier letzten Lieder von Richard Strauss, diese Frage sei gestattet.
Mahlers Werke nach Texten aus Des Knaben Wunderhorn sind für mich jedenfalls der musikalische Höhepunkt dieser CD. Wie sensibel Mühlbacher hier Stimmungen erfasst und mit seiner Stimme gestaltet, das grenzt schon an Magie. Auch technisch hat der junge Sänger sich erheblich weiterentwickelt; das lässt darauf hoffen, dass er möglicher- weise seine Karriere auch nach dem Stimmbruch fortsetzen kann. Man wünscht es ihm - und eine große Portion Geduld, denn die wird er in Zukunft brauchen.
Dienstag, 9. August 2011
Mahler: Das Lied von der Erde (Deutsche Grammophon)
Montag, 1. August 2011
The Ballad Singer (Hyperion)
Morde, Schlachten, wundersame Errettung und mysteriöses Ver- hängnis, Wiedergänger, Feen, Elfen und andere Zauberwesen, Liebes- paare, Helden - was das Volk inte- ressierte, das faszinierte oftmals auch die Dichter. Und auch die Komponisten hatten ihr Vergnügen daran, wie diese CD zeigt. Sie enthält eine Vielzahl grandioser Balladen - von Beethovens berühm- ter Vertonung der Ballade vom König mit dem Floh aus Goethes Faust über Werke von Carl Loewe, Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf und vielen anderen, bis hin zu Cole Por- ters ironischem The Tale of the Oyster. Bariton Gerald Finley und Julius Drake am Klavier zelebrieren die zumeist schaurigen Geschich- ten mit Hingabe - musikalisch sind sie brillant, und der Zuhörer wird öfters schmunzeln.
Donnerstag, 3. März 2011
Salon de Vienne (Gramola)
Die CD bietet neben "Klassikern" wie Schön Rosmarin, Liebesleid und Liebesfreud sowie einem Unga- rischen Tanz von Johannes Brahms und der Frasquita-Serenade von Franz Léhar in Transkriptionen von Fritz Kreisler oder dem Ischler Walzer in A-Dur von Johann Strauß Sohn durchaus auch weniger bekanntes, wie die Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók, die Romantischen Stücke op. 75 von Antonín Dvorak oder die Romanze für Violine und Klavier op. 51 von Carl Goldmark. Zugleich bemühen sich die beiden Musiker, in ihrer Auswahl einen Blick auf das überaus facettenreiche musikalische Leben im Wien der Jahrhundertwende zu ermöglichen.
Darin sind sie sehr erfolgreich, und sie überzeugen nicht nur durch die geschickte Zusammenstellung von Werken von Brahms bis Mahler, sondern auch durch ihre Musizierkultur, die wirklich Freude macht.
Dienstag, 13. Juli 2010
Dietrich Fischer-Dieskau. Ein Portrait (EMI Classics)
Der junge Bariton war damals gerade aus der Kriegsgefangen- schaft heimgekehrt und setzte sein Studium bei Hermann Weißenborn fort. Im Januar 1948 sang er für den Rias Schuberts Winterreise - und startete damit eine Sängerkarriere, die er erst 1992, bei einer Silvestergala, mit der Schlussfuge aus Verdis Oper Falstaff beendete.
Samstag, 8. Mai 2010
Verwandlung - Lieder eines Jahres. Karg/Kehring (Berlin Classics)
Gustav Mahler und sein Klavier (Preiser Records)
Für das vorliegende Tondokument aber hatte Preiser Records eine ganz besondere Idee: Mahler spielt Mahler auf Mahlers Flügel; dank Vorsetzer ist das technisch kein allzu großes Problem. Aber welcher Flügel ist Mahlers Flügel?
Freitag, 12. Februar 2010
Mahler 5 - Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela, Gustavo Dudamel (Deutsche Grammophon)
Mahlers Fünfte, gespielt von einem Laienorchester - geht denn das? zumal, wenn keiner der Musiker älter ist als 25 Jahre? Es geht - wenn es sich um das Simón Bolívar Jugendorchester von Venezuela handelt. In diesem Orchester spielen die besten Nachwuchs- musiker eines Systems, das sich sistema nennt, und sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Jedem Kind sein Instrument. Auch und gerade dem aus dem Ghetto. Gustavo Dudamel, mittlerweile weltweit ein gefragter Dirigent, ist selbst aus dieser Schule hervor- gegangen. Mahlers Fünfte ist für ihn ein besonderes Stück, denn er leitete diese Sinfonie 2004 beim Gustav-Mahler-Dirigierwettbewerb der Bamberger Symphoniker - und gewann. Vorher war er nur Insidern bekannt; anschließend startete seine internationale Karriere. 














