Sonntag, 30. Mai 2010

Vivaldi: Concerti per fagotto, archi e continuo (Tactus)

Vivaldi schrieb mehr Konzerte für Fagott als beispielsweise für Flöte oder Oboe. Das ist einigermaßen erstaunlich, denn das Instrument erklang seinerzeit fast ausschließ- lich als Teil des Basso continuo; verwendete es ein Komponist bei einer Arie als obligates Instru- ment, dann war das schon fast ein Ereignis. 
Musikwissenschaftler mögen rät- seln, wieso fast 40 Fagottkonzerte Vivaldis überliefert sind - wir dürfen uns über sieben davon freuen, denn Roberto Giaccaglia, Solofagottist am Teatro La fenice in Venedig, hat sie gemeinsam mit dem Ensemble Respighi für Tactus eingespielt. Und wie es aussieht, ist die Weiterführung dieser Aufnah- men geplant. 
Das erscheint durchaus lohnenswert, denn Vivaldis Konzerte für Fagott, Streicher und Basso continuo sind hübsche kleine musika- lische Kabinettstücke. Auch wenn Vivaldi selber Geiger war, wusste er offensichtlich doch genau um die Grenzen und Möglichkeiten des Instrumentes, das damals noch etwas anders aussah als heute - und auch anders klang. Die Musik, die er dafür schuf, ist teilweise hochvirtuos. Die langsamen Sätze sind sanglich, und oft elegisch bis melancholisch eingefärbt. 
Auch Giaccaglia und das Ensemble Respighi spielen sehr hörenswert, so dass man sich auf die Fortsetzung dieser Reihe freuen darf.

Bach: Jesu, meine Freude - Motets (Ramée)

Bachs Motetten, gesungen von den Sette Voci, einer Gruppe Vokal- solisten, die seit 2001 gelegentlich gemeinsam musiziert. Peter Kooij, der Leiter des Ensembles, ist ein ausgewiesener Experte für Alte Musik.
Insofern verwundert diese Auf- nahme. Denn hier wird gesungen, wie man das kaum für möglich hält: Wunderschön, aber zugleich glatt und kalt wie polierter Marmor. 
Zwar ist im - wie immer hoch- interessanten und mit viel Aufwand und Liebe zusammengestellten - Beiheft nachzulesen, dass Barockmusik eine rhetorische Kunst ist. Vokalmusik jener Zeit hat also in erster Linie die Funktion, den Text zu transportieren und auszulegen. Doch davon ist bei dieser Einspielung nichts zu spüren. Und zusätzlich zum undifferenzierten Schöngesang setzt Kooij noch eine Intrumentalbegleitung ein; die Orgel spielt durchweg Generalbass mit. Das ist nicht gerade spannend. Die Aufforderung "Lobet den Herrn, alle Heiden" hört man gern auch etwas weniger perfekt - aber dafür mit Leidenschaft gesungen.