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Donnerstag, 17. November 2011

Fauré: Complete Chamber Music for Strings and Piano (Virgin Classics)

"Bercé par cette musique dès mon enfance, c'est aux cotes de Gérard et de Michel que j'ai joué mes premières notes de Fauré il y a près de 20 ans. J aime à penser que, de génération en génération, nous nous transmettons des secrets liés aux compositeurs... 
Et c'est ensemble, avec également Nicholas, Gautier et les membres du Quatuor Ebène, que nous avons réalisé cette intégrale, portés par la meme passion: celle du partage de la musique de chambre de Ga- briel Fauré", schreibt Renaud Capucon. Für diese Gesamteinspielung der Kammermusik von Gabriel Fauré (1845 bis 1924) hat sich in der Tat ein illustres Ensemble formiert. Dazu gehören neben dem Quatuor Ébène - Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure, Violine, Mathieu Herzog, Viola und Raphael Merlin, Violoncello - Renaud Capucon, Violine, Gérard Caussé, Viola, Gautier Capucon, Violoncello, Michel Dalberto und Nicholas Angelich, Klavier. 
Die Aufnahmen belegen eindrucksvoll, wie sich das Werk des großen französischen Komponisten entwickelt hat - von den Anfängen des jungen Fauré als Salonmusiker hin zum Spätwerk des ertaubten Komponisten, der im Alter eine Vorliebe für eine Kombination aus kühner Harmonik und strengem Kontrapunkt entwickelte. Diese Werke sind traumschön, aber die meisten davon erschließen sich nicht sofort. Gut, dass es nun diese Gesamtaufnahme auf fünf CD gibt - denn die ist so gelungen, dass man sie immer wieder anhören möchte. Bravi! 

Dienstag, 12. Juli 2011

Bach: Goldberg Variations; Angelich (Virgin Classics)

Eigentlich wollte ich über diese Aufnahme von Bachs Goldberg-Variationen nichts schreiben. Denn sie beginnt als ein Ärgernis. Nicholas Angelich schert sich, so scheint es, nicht im Geringsten um alle Erkenntnisse der musikhisto- rischen Forschung. Seine Werkauf- fassung ist zutiefst romantisch. Und während der ersten Varia- tionen meint man, eine weitere Einspielung des berühmten Werkes vor sich zu haben, wie es schon viel zu viele gibt. 
Doch spätestens bei der Variatio 6 Canone all Unisuono a 1 clav. lauscht man gebannt. Denn diese CD erweist sich als atemberaubend gut durchdacht. Angelichs Interpretation setzt ganz auf Ruhe und Gelassenheit, auf Bachs Strukturen, und selbst dort, wo er ein zügiges Tempo wählt, wirken die Variationen nicht rasant, gehetzt und gequält, sondern spielerisch, tänzerisch. Alles entsteht aus Bachs Notentext heraus - Dynamik, Klangfarben, Nuancen, nichts erscheint aufgesetzt, willkürlich, als schmückendes Beiwerk. Jeder Ton, jedes Detail passt in den unerhörten Spannungsbogen, den Angelich hier aufbaut. Zugleich erfasst der Pianist Bachs Musik in einer Tiefe, die weit über alles hinausgeht, was der Markt üblicherweise bietet. Obwohl er einen modernen Konzertflügel spielt, hütet er sich davor, aufzuzeigen, was man mit diesem Instrument heute aus Bach machen könnte - im Gegenteil, er stellt den Bechstein ganz in den Dienst dieser Musik, und nutzt bewusst nur einen Teil der verfügbaren Klangmög- lichkeiten. So gelingt es ihm, Strukturen und Beziehungen hörbar zu machen, wie man das sonst nur bei wirklich guten Einspielungen an einem Cembalo erlebt. Angelich gestaltet seinen Bach nicht nur spannungsreich, sondern auch glasklar durchhörbar. Seine Inter- pretation mag romantisch sein - aber sie ist in sich jederzeit stimmig, und ungemein kurzweilig. 

Freitag, 8. Juli 2011

Brahms: Piano Concerto No. 2, Klavierstücke op. 76; Angelich (Virgin Classics)

"Und er ist gekommen, ein junges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten. Er heißt Johannes Brahms, kam von Ham- burg, dort in dunkler Stille schaffend, aber von einem treff- lichen und begeistert zutragenden Lehrer gebildet in schwierigen Setzungen der Kunst, mir kurz vorher von einem verehrten be- kannten Meister empfohlen. Er trug, auch im Äußeren, alle Anzei- chen an sich, die uns ankündigen: Das ist ein Berufener", schwärmte Robert Schumann 1853 in seiner Neuen Zeitschrift für Musik über den jungen Musiker, der sich kurz zuvor den Schumanns vorgestellt hatte.
Von "Grazien und Helden" freilich dürfte Johannes Brahms (1833 bis 1897) in seiner Jugend wenig gespürt haben. Sein Vater spielte in Hamburger Lokalen zum Tanz auf. Schon früh erkannte er, dass sein Filius ebenfalls musikalisch war, und so erhielt Brahms ab seinem siebenten Lebensjahr Klavierunterricht. Er begann seine Pianisten- laufbahn in Matrosenkneipen und Tanzlokalen.
Das Klavier sollte zeitlebens das von ihm bevorzugte Instrument bleiben. Bienenfleißig studierte Brahms die Werke der Kollegen - vor allem auch der bereits verstorbenen - und glich so aus, was ihm an Ausbildung versagt geblieben war. Als er sich an die ersten Orche- sterwerke wagte, suchte er den Rat erfahrener Kollegen und lernte von ihnen. Wer allerdings Brahms' Klavierwerke mit ihrer mitunter geradezu orchestralen Textur kennt, der wird sich das Zögern des Komponisten am ehesten mit seinem hohen Anspruch erklären. 
Die beiden Werke auf dieser CD zeigen den reifen Brahms - die Klavierstücke op. 76 entstanden 1870, das Konzert für Klavier Nr. 2 in B-Dur 1882. Nicholas Angelich spielt das Klavierkonzert im Dialog mit dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks unter Paavo Järvi - betont romantisch, sehr gediegen und reich an Klangfarben und Schattierungen. Ausgesprochen differenziert erklingen auch die Klavierstücke op. 76, vier extravagante Capricci nebst vier aus- drucksstarken Intermezzi. Angelich hat hörbar Vergnügen an diesen vertrackten Rhythmen und alles andere als simplen harmonischen Ideen. Man lauscht mit wachsender Begeisterung - eine Ausnahme-Aufnahme mit Tiefe und Kraft, wie man sie selten findet.