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Donnerstag, 25. April 2019

Bach: Matthäuspassion (Naxos)

Pünktlich zum Osterfest veröffent- lichten Bachchor und Bachorchester Mainz ihre Interpretation der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Ralf Otto, der den Chor seit 32 Jahren leitet, setzt einmal mehr auf das Motto: „Histo- risch informiert, aber zeitgemäß interpretiert.“ 
Das Ergebnis begeistert. Und so verwundert es auch nicht, dass für die Einspielung renommierte Solisten gewonnen werden konnten, allen voran Georg Poplutz in der Partie des Evangelisten. Die Jesus-Worte singt Matthias Winckhler. Bei den Arien achtet Otto sehr genau darauf, welchem Chor sie zugeordnet sind. Daher sind die Solisten in allen vier Stimmlagen doppelt besetzt – was für ein Luxus! 
Auch sonst achtet Ralf Otto wenig auf Aufführungstraditionen, und umso genauer auf die Noten. Das führt dann dazu, dass auch bei dieser Aufnahme viele Details wahrnehmbar werden, die sonst oft nicht zu hören sind. Auch die Tempi, die Otto wählt, sorgen da für so manche Überraschung. 
Hier wird Text ausgelegt mit musikalischen Mitteln. Man höre nur, wie der Chor die Choräle singt – die Wirkung ist verblüffend. Vielfach verzichtet Otto auf Rasanz, und setzt statt dessen auf Ausdruck und Klarheit. Das bekommt beispielsweise dem Eingangschor ausgezeichnet, dem man die Klage in diesem Falle tatsächlich abnimmt. Transparenz bieten aber nicht nur die Chöre, sondern auch die Musiker des Orchesters. Mit ihrem Spiel unterstreichen sie die Aussage der Vokalisten. So sollte es sein; einmal mehr setzen Bachchor und Bachorchester mit dieser Aufnahme Maßstäbe.

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Bach: Weihnachtsoratorium (Naxos)

Jauchzet, frohlocket! Ralf Otto beweist mit dieser Einspielung, dass auch bei Johann Sebastian Bachs vielgespieltem Weihnachtsoratorium durchaus noch Entdeckungen möglich sind. Das gilt insbesondere für den Instrumentalpart, der vom Bachorchester Mainz großartig vorgetragen wird. Die Musik wird nicht nur faszinierend gestisch und lebendig interpretiert, sondern vor allem auch derart sauber strukturiert, dass beim Zuhören immer wieder Be- geisterung ausbricht: So viele Details waren wohl noch nie zu hören. 
Der Bachchor Mainz singt ebenfalls hervorragend. Die Chöre erklingen flott, aber immer exakt und nie verwischt, und die Choräle werden eindringlich-andächtig gesungen. Das Solistenquartett ist mit Julia Kleiter, Katharina Magiera, Georg Poplutz und Thomas E. Bauer opulent besetzt, wobei mir Poplutz als Evangelist besser gefällt als in den Arien. Aber Ralf Otto gelingt doch tatsächlich das Kunststück, das Duett Herr, dein Mitleid von einer nervigen Pflichtübung (Kirchen können ziemlich kalt sein!) zu dem zentralen Stück den Oratoriums zu machen. Exzellent! 

Samstag, 31. März 2018

Bach: Johannes-Passion (Naxos)

„Klänge, die atmen“, lautet das Motto des Bachchores Mainz. Das Ensemble, das seit 32 Jahren von Ralf Otto geleitet wird, hat nun erstmals die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach eingespielt. Die Aufnahme, an der auch das Bachorchester Mainz mitgewirkt hat, ist geprägt durch Ottos bewährten Leitsatz: „Historisch informiert, aber zeitgemäß interpretiert“. 
So ist diese Interpretation gleicher- maßen dramatisch wie berührend, pulsierend und lebendig, klanglich transparent, aber dabei beseelt und ausgewogen. Derart mitreißend hat man Bachs Werk lange nicht gehört. Otto verzichtet auf übertriebene Schroffheit und auf Manierismen, die man bei „Alte“-Musik-Ensembles leider mittlerweile häufig wahrnimmt (und oftmals als nervig empfindet). Im Mittelpunkt steht hier klar Bachs Musik, die konsequent darauf befragt wird, was sie uns heute zu sagen hat. 
Auch das Solistenensemble überzeugt. Georg Poplutz gestaltet den Part des Evangelisten gekonnt und mit großer Klarheit. Yorck Felix Speer ist als Jesus zu hören. Die Arien singen Julia Kleiter, Gerhild Romberger, Daniel Sans und Matthias Winckhler. 
Eine Besonderheit der vorliegenden Aufnahme ist die Ergänzung der Partiturversion des Jahres 1749, die als Bachs finale Fassung gilt, um die zusätzlichen Sätze der abweichenden Partiturversion von 1725. Sie wurden der Einspielung angehängt. So kann vergleichen, wer das möchte. Und noch eine erfreulíche Nachricht zum Schluss: In den kommenden Monaten will der Bachchor Mainz noch Bachs Weihnachtsoratorium, die Matthäus-Passion und die h-Moll-Messe einspielen. Da zu erwarten ist, dass diese Aufnahmen von ähnlich hoher Qualität sind wie die der Johannes-Passion, darf man darauf schon heute sehr gespannt sein.