Pünktlich zum Osterfest veröffent- lichten Bachchor und Bachorchester Mainz ihre Interpretation der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Ralf Otto, der den Chor seit 32 Jahren leitet, setzt einmal mehr auf das Motto: „Histo- risch informiert, aber zeitgemäß interpretiert.“
Das Ergebnis begeistert. Und so verwundert es auch nicht, dass für die Einspielung renommierte Solisten gewonnen werden konnten, allen voran Georg Poplutz in der Partie des Evangelisten. Die Jesus-Worte singt Matthias Winckhler. Bei den Arien achtet Otto sehr genau darauf, welchem Chor sie zugeordnet sind. Daher sind die Solisten in allen vier Stimmlagen doppelt besetzt – was für ein Luxus!
Auch sonst achtet Ralf Otto wenig auf Aufführungstraditionen, und umso genauer auf die Noten. Das führt dann dazu, dass auch bei dieser Aufnahme viele Details wahrnehmbar werden, die sonst oft nicht zu hören sind. Auch die Tempi, die Otto wählt, sorgen da für so manche Überraschung.
Hier wird Text ausgelegt mit musikalischen Mitteln. Man höre nur, wie der Chor die Choräle singt – die Wirkung ist verblüffend. Vielfach verzichtet Otto auf Rasanz, und setzt statt dessen auf Ausdruck und Klarheit. Das bekommt beispielsweise dem Eingangschor ausgezeichnet, dem man die Klage in diesem Falle tatsächlich abnimmt. Transparenz bieten aber nicht nur die Chöre, sondern auch die Musiker des Orchesters. Mit ihrem Spiel unterstreichen sie die Aussage der Vokalisten. So sollte es sein; einmal mehr setzen Bachchor und Bachorchester mit dieser Aufnahme Maßstäbe.
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Donnerstag, 25. April 2019
Samstag, 31. März 2018
Bach: Johannes-Passion (Naxos)
„Klänge, die atmen“, lautet das Motto des Bachchores Mainz. Das Ensemble, das seit 32 Jahren von Ralf Otto geleitet wird, hat nun erstmals die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach eingespielt. Die Aufnahme, an der auch das Bachorchester Mainz mitgewirkt hat, ist geprägt durch Ottos bewährten Leitsatz: „Historisch informiert, aber zeitgemäß interpretiert“.
So ist diese Interpretation gleicher- maßen dramatisch wie berührend, pulsierend und lebendig, klanglich transparent, aber dabei beseelt und ausgewogen. Derart mitreißend hat man Bachs Werk lange nicht gehört. Otto verzichtet auf übertriebene Schroffheit und auf Manierismen, die man bei „Alte“-Musik-Ensembles leider mittlerweile häufig wahrnimmt (und oftmals als nervig empfindet). Im Mittelpunkt steht hier klar Bachs Musik, die konsequent darauf befragt wird, was sie uns heute zu sagen hat.
Auch das Solistenensemble überzeugt. Georg Poplutz gestaltet den Part des Evangelisten gekonnt und mit großer Klarheit. Yorck Felix Speer ist als Jesus zu hören. Die Arien singen Julia Kleiter, Gerhild Romberger, Daniel Sans und Matthias Winckhler.
Eine Besonderheit der vorliegenden Aufnahme ist die Ergänzung der Partiturversion des Jahres 1749, die als Bachs finale Fassung gilt, um die zusätzlichen Sätze der abweichenden Partiturversion von 1725. Sie wurden der Einspielung angehängt. So kann vergleichen, wer das möchte. Und noch eine erfreulíche Nachricht zum Schluss: In den kommenden Monaten will der Bachchor Mainz noch Bachs Weihnachtsoratorium, die Matthäus-Passion und die h-Moll-Messe einspielen. Da zu erwarten ist, dass diese Aufnahmen von ähnlich hoher Qualität sind wie die der Johannes-Passion, darf man darauf schon heute sehr gespannt sein.
So ist diese Interpretation gleicher- maßen dramatisch wie berührend, pulsierend und lebendig, klanglich transparent, aber dabei beseelt und ausgewogen. Derart mitreißend hat man Bachs Werk lange nicht gehört. Otto verzichtet auf übertriebene Schroffheit und auf Manierismen, die man bei „Alte“-Musik-Ensembles leider mittlerweile häufig wahrnimmt (und oftmals als nervig empfindet). Im Mittelpunkt steht hier klar Bachs Musik, die konsequent darauf befragt wird, was sie uns heute zu sagen hat.
Auch das Solistenensemble überzeugt. Georg Poplutz gestaltet den Part des Evangelisten gekonnt und mit großer Klarheit. Yorck Felix Speer ist als Jesus zu hören. Die Arien singen Julia Kleiter, Gerhild Romberger, Daniel Sans und Matthias Winckhler.
Eine Besonderheit der vorliegenden Aufnahme ist die Ergänzung der Partiturversion des Jahres 1749, die als Bachs finale Fassung gilt, um die zusätzlichen Sätze der abweichenden Partiturversion von 1725. Sie wurden der Einspielung angehängt. So kann vergleichen, wer das möchte. Und noch eine erfreulíche Nachricht zum Schluss: In den kommenden Monaten will der Bachchor Mainz noch Bachs Weihnachtsoratorium, die Matthäus-Passion und die h-Moll-Messe einspielen. Da zu erwarten ist, dass diese Aufnahmen von ähnlich hoher Qualität sind wie die der Johannes-Passion, darf man darauf schon heute sehr gespannt sein.
Dienstag, 20. Mai 2014
Bach: Matthäus-Passion; Dijkstra (BR Classic)
Diese Aufnahme ist ein gutes Bei- spiel dafür, dass namhafte Sänger und Musiker nicht in jedem Falle ein Garant für eine hervorragende Aufnahme sind. Und was wird für diese Matthäus-Passion nicht alles aufgeboten! Eine lange Solisten- riege, die aber nicht wirklich überragendes leistet, dazu der Chor des Bayerischen Rundfunks nebst Regensburger Domspatzen sowie das renommierte Orchester Concerto Köln steht Peter Dijkstra hier zur Verfügung. Was er daraus macht? Enttäuschend wenig. Wir hören den Live-Mitschnitt mehrerer Konzerte im Münchner Herkulessaal, in historisch informierter Aufführungspraxis, nun ja, das würde heute kaum ein Kantor noch anders machen. Einzig Julian Prégardien gestaltet seine Partie als Evangelist mit atemberaubender Intensität (und phantastischer Technik). Leider steht er damit allein auf weiter Flur. Schade.
Samstag, 11. Januar 2014
Walter Braunfels - Große Messe (Decca)
Walter Braunfels (1882 bis 1954) gehört zu einer verlorenen Gene- ration deutscher Komponisten. Sie waren zur Zeit der Weimarer Repu- blik sehr erfolgreich – Braunfels beispielsweise gehörte seinerzeit neben Franz Schreker und Richard Strauss zu den meistgespielten deutschen Opernkomponisten. Doch im sogenannten „Dritten Reich“ verschwanden die Werke jener Musiker von den Spielplänen und aus den Konzertsälen, weil sie zu Entarteter Kunst erklärt wurden, oder weil der Stammbaum des Urhebers nicht arisch genug war.
Braunfels war „Halbjude“, was ausreichte, um den Gründungsrektor der Kölner Musikhochschule 1933 all seiner Ämter zu entheben. Seine Kompositionen durften nicht mehr aufgeführt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Braunfels, wie viele andere verfemte Musiker aus jener Zeit, nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Und so gerieten seine Werke in Vergessenheit. Erst in den 90er Jahren wurden einige davon hier und da wieder aufgeführt.
Auch der renommierte Dirigent Manfred Honeck setzte sich in seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart für das Erbe von Walter Braunfels ein. So erklang am 18. April 2010 im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart erstmals wieder dessen Große Messe op. 37. Es handelt sich dabei um ein umfangreiches, groß besetztes Werk, das das Ringen des Komponisten mit dem Glauben spiegelt.
Braunfels entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie aus Frankfurt/Main. Sein Vater war allerdings zum protestantischen Glauben konvertiert. Es wird berichtet, dass dem Sohn Religion zunächst wenig bedeutete – bis er sich unter dem Eindruck seines Fronteinsatzes im Ersten Weltkrieg zum Katholizismus bekannte. 1922 wurde er für sein Te Deum gefeiert. Fünf Jahre später wurde die Große Messe unter Hermann Abendroth im Kölner Gürzenich uraufgeführt. Im Mittelpunkt dieser Messkomposition steht das Credo. Es ist mit Abstand der längste Abschnitt des Werkes. Hier erklingen auch zum ersten Male die Knabenstimmen, die Braunfels mit der Person Jesu verbindet.
Die Große Messe ist ein farbenreiches, mitunter auch wuchtiges Werk; wer Mahler und Bruckner schätzt, der wird hier viel Vertrautes entdecken. Ein Mitschnitt dieses Konzertes ist nun bei Decca erschienen. Zu hören sind das Solistenquartett Simone Schneider, Gerhild Romberger, Matthias Klink und Attila Jun, Staatsorchester und Staatsopernchor sowie der Knabenchor Collegium iuvenum Stuttgart.
Braunfels war „Halbjude“, was ausreichte, um den Gründungsrektor der Kölner Musikhochschule 1933 all seiner Ämter zu entheben. Seine Kompositionen durften nicht mehr aufgeführt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Braunfels, wie viele andere verfemte Musiker aus jener Zeit, nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Und so gerieten seine Werke in Vergessenheit. Erst in den 90er Jahren wurden einige davon hier und da wieder aufgeführt.
Auch der renommierte Dirigent Manfred Honeck setzte sich in seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart für das Erbe von Walter Braunfels ein. So erklang am 18. April 2010 im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart erstmals wieder dessen Große Messe op. 37. Es handelt sich dabei um ein umfangreiches, groß besetztes Werk, das das Ringen des Komponisten mit dem Glauben spiegelt.
Braunfels entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie aus Frankfurt/Main. Sein Vater war allerdings zum protestantischen Glauben konvertiert. Es wird berichtet, dass dem Sohn Religion zunächst wenig bedeutete – bis er sich unter dem Eindruck seines Fronteinsatzes im Ersten Weltkrieg zum Katholizismus bekannte. 1922 wurde er für sein Te Deum gefeiert. Fünf Jahre später wurde die Große Messe unter Hermann Abendroth im Kölner Gürzenich uraufgeführt. Im Mittelpunkt dieser Messkomposition steht das Credo. Es ist mit Abstand der längste Abschnitt des Werkes. Hier erklingen auch zum ersten Male die Knabenstimmen, die Braunfels mit der Person Jesu verbindet.
Die Große Messe ist ein farbenreiches, mitunter auch wuchtiges Werk; wer Mahler und Bruckner schätzt, der wird hier viel Vertrautes entdecken. Ein Mitschnitt dieses Konzertes ist nun bei Decca erschienen. Zu hören sind das Solistenquartett Simone Schneider, Gerhild Romberger, Matthias Klink und Attila Jun, Staatsorchester und Staatsopernchor sowie der Knabenchor Collegium iuvenum Stuttgart.
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