Posts mit dem Label Balbeisi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Balbeisi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 9. September 2021

Segreti Accenti (Quartz)


 Seit vielen Jahren beschäftigt sich das Duo Cantar alla Viola mit einer Aufführungspraxis, die zur Zeit der Renaissance üblich war: Eine Singstimme, kombiniert mit einem Streichinstrument, dessen Klang sich perfekt mit dem der menschlichen Stimme mischt. 

Fernando Marín spielt verschiedene historische Fideln: Zu hören sind eine Viella nach einem aragonesischen Vorbild aus dem Jahre 1361, eine Vihuela de arco nach einem mitteleuropäischen Modell aus dem Jahre 1541, der Nachbau einer spanischen Vihuela de arco um 1550 sowie eine Viola da gamba nach einem englischen Vorbild vom Ende des 16. Jahrhunderts. Sämtliche Streichinstrumente hat Javier Martinéz angefertigt; die Saiten stammen von Joan Xandrich. 

Die Musiker erwecken damit eine Musizierweise wieder zum Leben, die heute eigentlich nur noch auf Bildern aufzufinden ist. Doch die Lieder und Instrumentalstücke von Renaissance-Komponisten wie Luca Marenzio, Luzzascho Luzzaschi, oder Magister Piero sind alle Mühen wert. Und man lauscht mit Vergnügen dem charaktervollen Sopran von Nadine Balbeisi, im Dialog mit den historischen Streichinstrumenten. Wunderschön! 


Dienstag, 19. Juni 2012

Lamentarium (Destino Classics)

"Quod non fecerunt barbari, fece- runt Barberini", ätzte ein Spottvers über das Adelsgeschlecht, das - zu Geld und damit auch zu Macht gelangt - sogar einen Papst stellte. Urban VIII., auf dem Stuhl Petri von 1623 bis 1644, prägte Rom aber nicht nur durch seine Bauwut, der Teile des Kolosseums sowie die Bronzeplatten auf dem Dach des Pantheons zum Opfer fielen (was die Römer mit dem obigen Spruch kommentierten). Die Barberini waren auch große Kunstmäzene, und der Musik sehr zugetan. So bereicherten sie Buchbestand und Musikaliensammlung des Vatikans; insbesondere Kardinal Francesco Barberini, ein Neffe des Papstes, trug eine umfangreiche Bibliothek zusammen, die später Bestandteil der vatikanischen Bibliothek wurde. 
Aus diesem Corpus stammt ein großer Teil der Werke, die auf der vorliegenden CD zu hören sind. Sie stammen von Luigi Rossi (1597 bis 1653), Marco Marazzoli (1602 bis 1662), Marc'Antonio Pasqualini (1614 bis 1691) und Domenico Mazzocchi (1592 bis 1665) - und sind zumeist Lamenti, eindrucksvolle Klagegesänge, die zu jener Zeit groß in Mode waren. Nadine Balbeisi, Sopran, und Theodora Baka, Mezzo- sopran, singen diese wundervollen Werke ausdrucksstark und mit schlank geführter, vibratoarmer Stimme. Das passt hier großartig. Und die drei Instrumentalstücke geben den Musikern von Atalante um Erin Headley Gelegenheit, zu zeigen, dass ein Gambenconsort, fallweise ergänzt um Lirone, Cembalo, Arpa Doppia und Chitarrone, weitaus mehr ist als "nur" ein Continuo-Ensemble.