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Donnerstag, 9. September 2021

Segreti Accenti (Quartz)


 Seit vielen Jahren beschäftigt sich das Duo Cantar alla Viola mit einer Aufführungspraxis, die zur Zeit der Renaissance üblich war: Eine Singstimme, kombiniert mit einem Streichinstrument, dessen Klang sich perfekt mit dem der menschlichen Stimme mischt. 

Fernando Marín spielt verschiedene historische Fideln: Zu hören sind eine Viella nach einem aragonesischen Vorbild aus dem Jahre 1361, eine Vihuela de arco nach einem mitteleuropäischen Modell aus dem Jahre 1541, der Nachbau einer spanischen Vihuela de arco um 1550 sowie eine Viola da gamba nach einem englischen Vorbild vom Ende des 16. Jahrhunderts. Sämtliche Streichinstrumente hat Javier Martinéz angefertigt; die Saiten stammen von Joan Xandrich. 

Die Musiker erwecken damit eine Musizierweise wieder zum Leben, die heute eigentlich nur noch auf Bildern aufzufinden ist. Doch die Lieder und Instrumentalstücke von Renaissance-Komponisten wie Luca Marenzio, Luzzascho Luzzaschi, oder Magister Piero sind alle Mühen wert. Und man lauscht mit Vergnügen dem charaktervollen Sopran von Nadine Balbeisi, im Dialog mit den historischen Streichinstrumenten. Wunderschön! 


Dienstag, 14. Mai 2019

Amor, Fortuna et Morte (Pan Classics)

Auf dieser CD spürt das Ensemble Profeti della Quinta unterschiedli- chen Entwicklungen des italienischen Madrigals nach. Dazu haben sie ein Programm zusammengestellt, das neben Werken von Cipriano de Rore (1515/16 bis 1565) Kompositionen von Luzzasco Luzzaschi (1545 bis 1604), Carlo Gesualdo (1566 bis 1613), Scipione Lacorcia (um 1590 bis 1620), Giovanni Girolamo Kapsber- ger (um 1580 bis 1651) und Claudio Monteverdi (1567 bis 1643) enthält. 
Ori Harmelin, Renaissancelaute und Erzlaute, sorgt mit zwei Instrumentalstücken für eine Atempause im ansonsten recht turbulenten musikalischen Geschehen. Denn die Madrigale jener Zeit erweisen sich als anspruchsvolle Kompositionen, die die Spielräume des theoretisch Zulässigen mitunter ziemlich verwegen ausloten. 

Freitag, 12. August 2016

Frobergers Reisen (Raumklang)

Das Leben des Johann Jacob Fro- berger (1616 bis 1667) war ein unruhiges. Auch wenn sein Vater Hofkapellmeister in Stuttgart war, und vier seiner Geschwister ebenfalls als Musiker in der Hofkapelle ange- stellt wurden – der Dreißigjährige Krieg dürfte Kindheit und Jugend wohl mit geprägt haben. 1637 starben beide Eltern an der Pest. In diesem Jahr, mit gerade einmal 21 Jahren, wurde Johann Jacob Froberger Organist am Wiener Hof, und schon im November reiste er zum ersten Male nach Italien, zu Girolamo Frescobaldi. 
Auf Reisen verbrachte er viele Jahre seines Lebens. Dabei lernte er viele bedeutende Kollegen kennen. In Dresden beispielsweise, wo er im Winter 1649/50 auf der Rückkehr von seiner zweiten Italienreise Station machte, trat er im musikalischen Wettstreit gegen den Hoforganisten Matthias Weckmann an – und gewann nicht nur eine goldene Kette, sondern einen Freund fürs Leben. 
Froberger reiste durch Deutschland, die Niederlande, England und Frank- reich, wo er offenbar Louis Couperin in freundschaftlichem Austausch begegnete. Beide schrieben ein Tombeau sur la mort de monsieur Blancroche, für den Sohn der Hofnärrin Heinrichs IV., der, wie die Legende berichtet, in einem Freudenhaus die Treppe hinabstürzte und dabei zu Tode kam. Von Couperin ist zudem ein Prélude à l'imitation de Mr. Froberger überliefert; all diese Werke erklingen auf der vorliegenden Doppel-CD. 
Magdalena Hasibeder folgt den Spuren, die Froberger auf seinen Reisen hinterlassen hat. Eine kluge Programm-Idee der österreichischen Organistin und Cembalistin; sie spielt Werke Frobergers und seiner Zeit- genossen, zugeordnet jeweils bestimmten Reisestationen. Dabei zeigt sie zugleich, wie der Orgelvirtuose sich regionalen stilistischen Besonder- heiten angepasst hat, und wie überlegen er selbst Gelegenheitswerke gestaltet hat. Man höre nur das Lamento sopra la dolorosa perdita della Real M.stà di Ferdinando Rè de Romani aus dem Jahre 1656, seine Plainte faite à Londres pour passer la melancholi: la quelle se joüe lentement avec discretion oder seine Allemande faite en passant le Rhin dans un barque en grande peril – der musikalische Bericht über eine Rheinfahrt, bei der wohl so manches schiefgegangen ist. Auch sonst findet sich in der Musik- auswahl so manche Rarität; ich fand das Programm ausgesprochen interessant und abwechslungsreich. 
Hasibeder hat sich die dazu passenden Instrumente ausgesucht; sie spielt ein italienisches und ein französisches Cembalo jener Zeit aus der Sammlung historischer Musikinstrumente im Haus der Musik des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, sowie die Wöckherl-Orgel aus dem Jahre 1642 der Franziskanerkirche in Wien. Wie schon auf ihrer letzten CD Vom Stylus phantasticus zur freien Fantasie  mit virtuoser Cembalomusik um Johann Sebastian Bach, veröffentlicht ebenfalls bei Raumklang, musiziert Magdalena Hasibeder auch hier ausgesprochen souverän. Wer Barockmusik schätzt, oder einfach nur erfahren möchte, wie Musik in Europa im 17. Jahrhundert geklungen hat, der sollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen. 

Freitag, 8. Mai 2015

Gesualdo: Responsoria (Glossa)

„Nell'Uffizio del Giovedi Santo e dei due giorni seguenti vi è un tal misto di lugubre e di affettuoso, che sente di superna consolazione, e di un santo salutevole orrore riempiesi l'anima de chi attentamente e divotamente vi assiste“, schreibt Abt Antonio Mazzinelli über die Gottesdienste am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Die Tenebrae werden in der Nacht gefeiert – und nach jedem Psalm wird auf einem speziellen Leuchter eine Kerze gelöscht, bis zum Schluss nur noch eine einzige leuchtet. Sie wird nach dem Benedictus brennend hinter dem Altar aufgestellt, und symbolisiert die Auferstehung Christi. 
Der Gottesdienst ist eine einzige Klage. Es wird kein Hymnus gesungen, und kein Segen gespendet. Die Stimmung der Karwoche, die Abt Mazzinelli so treffend beschreibt, gibt keine andere Komposition so bewegend wieder, wie die 1611 veröffentlichten Tenebrae-Responsorien Gesualdos. Um es gleich vorweg zu sagen: Der Compagnia del Madrigale ist mit dieser Einspielung ein großer Wurf gelungen. 
Das Ensemble ergänzt Gesualdos Responsoria mit geistlichen Madrigalen bedeutender Zeitgenossen des Komponisten – Luca Marenzio, Pietro Vinci, Luzzasco Luzzaschi und Giovanni de Macque. Außerdem erklingen einige zusätzliche Werke von Gesualdo, so dessen einziges geistliches Madrigal oder aber seine Vertonung des Psalm 30 („In te Domine speravi“). „Nonostante si tratti di musica liturgica, nella nostra lettura abbiamo cercato di evidenziare l'aspetto madrigalistico“, schreibt Tenor Giuseppe Maletto im Beiheft. „Il linguaggio utilizzato da Gesualdo in queste splendide pagine è senza dubbio quello del madrigale. La differenza è nel tema. Non si tratta di pene d'amore di giovane amanti. Tormento, sofferenza, sangue, morte, nei responsori sono reali, tangibili.“ Und daher wagten die sechs Sängerinnen und Sänger der Compagnia del Madrigale eine Interpretation, die nicht in erster Linie auf Schönklang, sondern ganz auf Intensität und auf Ausdruck setzt. Den Hörer erfreut dennoch die perfekte Klangbalance der Stimmen, die hervorragend aufeinander abgestimmt erklingen. Und natürlich wird auch blitzsauber gesungen – was bei den kühnen harmonischen Rückungen Gesualdos schwierig genug ist. 
In meiner persönlichen Hitliste der Gesualdo-Einspielungen hat sich die Compagnia del Madrigale mit dieser Drei-CD-Box einen Platz ganz weit an der Spitze gesichert – unmittelbar hinter der legendären Aufnahme mit dem Hilliard-Ensemble, die in den 90er Jahren bei ECM erschienen ist. Und die Musik des Fürsten von Venosa ist unbeschreiblich grandios. Wer bisher der Meinung war, Renaissanceklänge seien etwas für Nostalgiker – hier haben sie geradezu Urgewalt; unbedingt anhören!