Posts mit dem Label Bierwirth werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bierwirth werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 18. November 2011

Zelenka: Magnificat u.a.; Marburger Bachchor (Genuin)

Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745), der Sohn eines böhmischen Organisten, erhielt seine Ausbil- dung am Jesuiten-Kollegium in Prag. 1710 wurde er Violonist der Hofkapelle zu Dresden. Das heißt, er spielte den Violone, ein Instru- ment aus der Gambenfamilie, das als Vorgänger des Kontrabasses gilt. 
Von 1716 bis 1719 ermöglichte ihm der Kurfürst einen Studien- aufenthalt in Wien beim kaiser- lichen Hofkapellmeister Johann Joseph Fux, einem der bedeutendsten Musiktheoretiker seiner Zeit. Zugleich hatte Zelenka freilich beim Kurprinzen Friedrich August II. zu musizieren, der in Wien um die Hand der Prinzessin Maria Josepha anhielt.
Das Musikleben in der kuk Hauptstadt dominierten damals Musiker aus Italien; die Begegnung mit ihren Werken beeinflusste Zelenkas Schaffen. In Dresden aber interessierte dies zunächst wenig. Erst als Zelenkas Melodrama de Sancto Wenceslao zur Krönung Karls VI. in Prag Aufsehen erregte, orderte auch der Dresdner Hof regelmäßig Werke bei ihm, hauptsächlich für die Kirchenmusik. 1733 bewarb sich Zelenka um die Nachfolge des 1729 verstorbenen Hofkapellmeisters Johann David Heinichen - doch die Stelle erhielt Johann Adolph Hasse. Zelenka wurde 1735 zum Kirchen-Compositeur ernannt. Es wird nicht überraschen, dass er überwiegend Musik für den (katho- lischen) Gottesdienst geschaffen hat. 
Die vorliegende CD enthält das Magnificat in D-Dur ZWV 108, die Missa Nativitatis Domini ZWV 8 und den Psalm Dixit Dominus ZWV 68, gesungen von Katia Plaschka, Anne Bierwirth, Christian Dietz, Markus Flaig und dem Marburger Bachchor. Es musiziert das Ensemble L'arpa festante, die musikalische Leitung hat Nicolo Sokoli. Es ist eine klangprächtige Einspielung, obgleich sich der Chor nicht immer ganz homogen und vor allem nicht immer im Tempo präsen- tiert. Es scheint, dass Lust und Leidenschaft hier die langjährige Ausbildung der Musiker, für die diese Musik einst entstanden ist, doch nicht ganz ausgleichen können. 

Sonntag, 22. Mai 2011

Telemann: Lukas Passion 1748 (cpo)

In seiner Funktion als Cantor Johannei und Director Musices der Stadt Hamburg hatte Georg Philipp Telemann unter anderem die Passionsmusik für die Hansestadt zu liefern und zu leiten. Dabei wechselte jährlich das Evangelium, das als Grundlage für die musikali- sche Gestaltung der Gottesdienste diente. Man könnte aber auch sagen: Alle vier Jahre war derselbe Bibeltext zu vertonen. Telemann freilich bereitete es keine Schwierigkeiten, dennoch für Abwechslung zu sorgen. So ließ er den Bericht des Evangelisten an sehr unter- schiedlichen Punkten einsetzen und enden; und auch die Arien sowie die Kirchenliedversen, die das Evangelium kommentierten, boten vielfältige Möglichkeiten zur Variation. 
Von Invocavit bis Judica erklang die Passion dann in den fünf Haupt- und acht Nebenkirchen, jeweils in zwei Teilen, vor und nach der Predigt. 52 Passionen und Passionskantaten von Telemann listet das Werkverzeichnis auf. Anlässlich der 20. Magdeburger Telemann-Festtage wurde das letzte derartige Werk vorgestellt, das noch im Archiv seiner Wiederentdeckung harrte: Die Lukas-Passion aus dem Jahre 1748, neu ediert von Carsten Lange am Zentrum für Telemann- Pflege und -Forschung Magdeburg. 
Hermann Max und seine Ensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert haben das Werk im März 2010 erstmals wieder auf- geführt. Der Live-Mitschnitt dieses Konzertes durch MDR Figaro erschien nun bei cpo. Neben den Solisten Veronika Winter, Sopran, Anne Bierwirth, Alt, Julian Podger, Tenor, Clemens Heinrich, Bass/Jesus und Matthias Vieweg, Bass/Arien und Pilatus, sind etliche Mitglieder der Rheinischen Kantorei in kleineren Partien zu hören. Das Ensemble ist in diesem Falle mit 16 professionellen Sängern besetzt. Die Aufnahme ist sehr gelungen; sie erfreut nicht zuletzt durch eine hohe Textverständlichkeit.