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Dienstag, 18. Dezember 2012

Zelenka: Missa Nativitatis Domini (Supraphon)

Das Ensemble Musica Florea, 1992 von dem Cellisten Marek Stryncl gegründet, hat sich einmal mehr auf die Suche nach den Werken des Komponisten Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) begeben. Diese CD beweist, dass da noch immer viel zu entdecken ist. Sie beginnt mit dem Magnificat ZWV 107, für Solo-Sopran, Chor und Orchester, gefolgt von der Weihnachtsmotette O magnum mysterium ZWV 171. Dabei handelt es sich um die Paro- die einer Arie aus dem Melodrama Sub olea pacis, das Zelenka 1723 für die Prager Jesuiten zu den Feierlichkeiten anlässlich der Krönung Karls VI. komponiert hatte. Der Komponist schrieb ein neues Rezitativ, gab der Arie einen neuen Text und fügte der Besetzung Flöten hinzu, um das pastorale Idyll zu unterstreichen, in dem das Jesuskind in den Schlaf gewiegt wird. 
Mit der "goldenen Stadt", wo Zelenka seine Jugend verbracht und seine Ausbildung absolviert hatte, blieb der Komponist zeitlebends in Verbindung. Seine Musik war  in Prag präsent; so ist beispielsweise die Missa Nativitatis ZWV 8 in der Musiksammlung der Jesuitenkir- che St. Nikolaus auf der Kleinseite in einer Abschrift aus dem Jahre 1736 zu finden. Entstanden war das Werk zehn Jahre vorher, 1726, für die weihnachtliche Kirchenmusik am Dresdner Hof. 
Dort wirkte Zelenka seit 1710 als Kontrabassist; nach seinem Erfolg mit der Prager Krönungsmusik komponierte er zunehmend auch Sakralmusik für seinen Dienstherrn, August den Starken. Dennoch erhielt er nicht die erhoffte Anstellung als Hofkapellmeister. Augusts Sohn und Erbe, Kurfürst Friedrich August II., ernannte ihn schließ- lich zum Hofkomponisten und Kirchen-Compositeur. Es wird oft darüber spekuliert, warum Hasse die Stelle bekam, die Zelenka versagt blieb. Die Antwort dürfte deutlich einfacher sein, als die Musikwissenschaftler vermuten: Stars feierte der Hof  auf der Opernbühne; was in Kirche und Kammer erklang, das dürfte wohl eher als Gebrauchsmusik betrachtet worden sein. 
Nun denn - wenn die Musik, die fromme Andacht mit höfischem Repräsentationsanspruch verknüpfte, damals in Dresden durchweg das Niveau und den handwerklichen Anspruch dieser Missa Zelenkas hatte, dann wurden die Wettiner, ihre Höflinge und Gäste seinerzeit auch in der Kirche exzellent beschallt. Es ist beeindruckend, wie individuell Zelenka in seiner Musik den Text der Messe auslegt und - unterstrichen durch die Instrumentierung mit Traversflöten, Oboen und Waldhörnern - pastorale Akzente setzt. 
Wann und aus welchem Anlass die Motette Chvalte Boha silného ZWV 165 entstanden ist, das wird wohl im Dunkel der Geschichte verbor- gen bleiben. Interessant ist das Werk, eine Vertonung von Psalm 150, weil es die einzige überlieferte Komposition Zelenkas auf einen Text in tschechischer Sprache ist - und weil der Komponist darin die verschiedenen Instrumente, mit denen Gott gelobt werden soll, mit Orchesterinstrumenten wundervoll imitiert, man höre nur Violine und Viola im pizzicato als Laute und Zither. 
Das Ensemble Musica Florea hat an diesen anspruchsvollen Aufgaben spürbar Vergnügen. Es wird mit großem Engagement musiziert. Dies gilt nicht nur für die Instrumentalisten, sondern auch für die Sängerinnen und Sänger. Man mag es kaum glauben, doch der Chor, den man hier hört, ist in jeder Stimme nur dreifach besetzt - und an den Soli sind nahezu alle Sänger beteiligt. Bravi! 

Freitag, 18. November 2011

Zelenka: Magnificat u.a.; Marburger Bachchor (Genuin)

Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745), der Sohn eines böhmischen Organisten, erhielt seine Ausbil- dung am Jesuiten-Kollegium in Prag. 1710 wurde er Violonist der Hofkapelle zu Dresden. Das heißt, er spielte den Violone, ein Instru- ment aus der Gambenfamilie, das als Vorgänger des Kontrabasses gilt. 
Von 1716 bis 1719 ermöglichte ihm der Kurfürst einen Studien- aufenthalt in Wien beim kaiser- lichen Hofkapellmeister Johann Joseph Fux, einem der bedeutendsten Musiktheoretiker seiner Zeit. Zugleich hatte Zelenka freilich beim Kurprinzen Friedrich August II. zu musizieren, der in Wien um die Hand der Prinzessin Maria Josepha anhielt.
Das Musikleben in der kuk Hauptstadt dominierten damals Musiker aus Italien; die Begegnung mit ihren Werken beeinflusste Zelenkas Schaffen. In Dresden aber interessierte dies zunächst wenig. Erst als Zelenkas Melodrama de Sancto Wenceslao zur Krönung Karls VI. in Prag Aufsehen erregte, orderte auch der Dresdner Hof regelmäßig Werke bei ihm, hauptsächlich für die Kirchenmusik. 1733 bewarb sich Zelenka um die Nachfolge des 1729 verstorbenen Hofkapellmeisters Johann David Heinichen - doch die Stelle erhielt Johann Adolph Hasse. Zelenka wurde 1735 zum Kirchen-Compositeur ernannt. Es wird nicht überraschen, dass er überwiegend Musik für den (katho- lischen) Gottesdienst geschaffen hat. 
Die vorliegende CD enthält das Magnificat in D-Dur ZWV 108, die Missa Nativitatis Domini ZWV 8 und den Psalm Dixit Dominus ZWV 68, gesungen von Katia Plaschka, Anne Bierwirth, Christian Dietz, Markus Flaig und dem Marburger Bachchor. Es musiziert das Ensemble L'arpa festante, die musikalische Leitung hat Nicolo Sokoli. Es ist eine klangprächtige Einspielung, obgleich sich der Chor nicht immer ganz homogen und vor allem nicht immer im Tempo präsen- tiert. Es scheint, dass Lust und Leidenschaft hier die langjährige Ausbildung der Musiker, für die diese Musik einst entstanden ist, doch nicht ganz ausgleichen können.