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Montag, 9. März 2020

Reger: Four Tone Poems after Arnold Böcklin (Naxos)

Erstaunlich frisch wirkt die Musik von Max Reger (1873 bis 1916), die Ira Levin auf dieser CD mit dem Brandenburgischen Staatsorchester präsentiert. Zum Auftakt erklingen die Bach-Variationen op. 81; ursprünglich entstanden sind sie für das Klavier.
Ira Levin, selbst ein erfolgreicher Konzertpianist, hat sie für Orchester arrangiert. Dabei folgt er dem Vorbild Regers, der eigenhändig eine Orchesterfassung seiner Beethoven-Variationen erstellt hat. Ziel der Bearbeitung war es, Regers „incredibly creative and colourful work“, so Levin, einem größeren Publikum vorzustellen – und mit den Möglichkeiten des Orchesters einerseits die Struktur klarer hörbar zu machen, andererseits aber auch Klangmöglichkeiten auszureizen.
1915 hatte Reger in Jena auch Bachs berühmtes Choralvorspiel O Mensch, bewein' dein' Sünde groß für Orchester arrangiert. Dabei transponierte er das Stück von Es-Dur nach D-Dur, was insbesondere die Streicher gefreut haben dürfte. Ansonsten blieb er erstaunlich dicht am Vorbild.
Seine Tätigkeit als Meininger Hofkapellmeister, in den Jahren 1911 bis 1914, bot Reger Gelegenheit zu Klangexperimenten mit dem Orchester. Dabei legte er offenbar Wert auf differenzierte Gestaltung jeder einzelnen Stimme. Außerdem suchte er nach einem Weg an der Sinfonie vorbei – ein beeindruckendes Ergebnis sind beispielsweise die Vier Tondichtungen op. 128, angeregt von Gemälden Arnold Böcklins, auf dieser CD ebenfalls zu hören.
Klaudyna Schulze-Broniewska, die Konzertmeisterin des Brandenburgischen Staatsorchesters, gestaltet das umfangreiche Violinsolo im ersten Satz mit jener „herben Süßigkeit“, die Reger für seinen geigenden Eremiten im Sinn hatte. Im zweiten Satz lassen die Musiker das Spiel der Wellen, das gleißende Glitzern, in beinahe impressionistischer Manier erlebbar werden. Fahle Klänge zeichnen uns anschließend das Bild der Toteninsel, bevor schließlich das wilde Bacchanal den Schlusspunkt setzt.
Ira Levin führt das Orchester ausdrucksstark, mit intensivem Klang. Unter seiner Leitung bieten die Musiker aus Frankfurt/Oder eine spektakuläre, rundum beeindruckende Interpretation von Werken Regers, die noch immer faszinieren. Bravi!

Freitag, 19. Oktober 2018

Beethoven Rarities (Klanglogo)

Diese CD überrascht mit Beethoven-Raritäten. Und das ist durchaus ernst gemeint – oder haben Sie schon einmal die Musik zu einem Ritter- ballett gehört, die der angehende Komponist im Winter 1790/91, noch in Bonn, zum Karneval für seinen Mäzen, den Grafen Waldstein, geschrieben hat? Im November 1792 reiste der junge Ludwig van Beethoven dann nach Wien, um seine Ausbildung dort fortzusetzen. 
Im Gepäck hatte er auch erste Skizzen zu einem Violinkonzert; die Arbeit daran hat er dann allerdings nicht weiter verfolgt. Erst 1806 komponierte er für den Konzertmeister Franz Clement ein Violinkonzert in D-Dur op. 61; auf Bitten des Musik- verlegers Muzio Clementi arbeitete er es später außerdem zu einem Klavierkonzert um. Claire Huangci, die den Solopart übernommen hat, musiziert brillant, wo das Klavier hervortritt, und ordnet sich ebenso mühelos in das Orchester ein, was dieses Konzert leider des Öfteren verlangt. Man findet es beinahe schade, weil die Pianistin so exquisit spielt. 
Doch auch das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt/Oder unter Leitung von Howard Griffiths kann sich durchaus hören lassen. Dieses Konzert mit seinem pfiffigen Konzept ist so gar nicht „Jottwedeh“; ein Programm wie dieses würde auch in eine Kulturmetropole durchaus gut passen. Zumal als drittes Stück die Schlacht-Sinfonie Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria erklingt, uraufgeführt im Jahre 1813 wenige Wochen nach der Völkerschlacht von Leipzig. Ganz großes Kino!