Diese CD überrascht mit Beethoven-Raritäten. Und das ist durchaus ernst gemeint – oder haben Sie schon einmal die Musik zu einem Ritter- ballett gehört, die der angehende Komponist im Winter 1790/91, noch in Bonn, zum Karneval für seinen Mäzen, den Grafen Waldstein, geschrieben hat? Im November 1792 reiste der junge Ludwig van Beethoven dann nach Wien, um seine Ausbildung dort fortzusetzen.
Im Gepäck hatte er auch erste Skizzen zu einem Violinkonzert; die Arbeit daran hat er dann allerdings nicht weiter verfolgt. Erst 1806 komponierte er für den Konzertmeister Franz Clement ein Violinkonzert in D-Dur op. 61; auf Bitten des Musik- verlegers Muzio Clementi arbeitete er es später außerdem zu einem Klavierkonzert um. Claire Huangci, die den Solopart übernommen hat, musiziert brillant, wo das Klavier hervortritt, und ordnet sich ebenso mühelos in das Orchester ein, was dieses Konzert leider des Öfteren verlangt. Man findet es beinahe schade, weil die Pianistin so exquisit spielt.
Doch auch das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt/Oder unter Leitung von Howard Griffiths kann sich durchaus hören lassen. Dieses Konzert mit seinem pfiffigen Konzept ist so gar nicht „Jottwedeh“; ein Programm wie dieses würde auch in eine Kulturmetropole durchaus gut passen. Zumal als drittes Stück die Schlacht-Sinfonie Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria erklingt, uraufgeführt im Jahre 1813 wenige Wochen nach der Völkerschlacht von Leipzig. Ganz großes Kino!
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Freitag, 19. Oktober 2018
Montag, 12. Juni 2017
Claire Huangci - A Chopin Diary (Berlin Classics)
Werke von Frédéric Chopin waren für Claire Huangci stets besondere Begleiter auf ihrem künstlerischen Weg. Das Wunderkind wuchs mit ihnen auf, und schätzt sie noch immer. „Seine Musik ist so ehrlich, so direkt, und auch so freimütig, dass man sich ihr einfach nicht entziehen kann“, schreibt die Pianistin im Beiheft zu ihrer jüngsten Veröffentlichung: Auf zwei CD hat Claire Huangci die 21 Nocturnes des Komponisten eingespielt. Dieses Programm ergänzte sie um das Nocturne Oubliée in cis-Moll und um die Étude in cis-Moll op. 26 Nr. 7, die sie gemeinsam mit dem Cellisten Tristan Cornut vorträgt.
Die amerikanische Pianistin präsentiert sich als ausdrucksstarke Chopin-Interpretin. „Es verwundert mich immer wieder, dass eine scheinbar einfache Folge von Noten so eine Fülle von Emotionen auslösen kann“, schreibt die Musikerin. „Der Zauber ist für mich komplett, wenn ich merke, wieviele unterschiedliche Gefühle bei diversen Menschen ein Werk verursachen kann.“
In ihrem „Chopin-Diary“ deutet Claire Huangci an, wie sie selbst diese Klänge wahrnimmt. Dazu hat sie jedem Nocturne Chopins Gedichtzeilen seiner Zeitgenossen zugeordnet; leider kann man sie im Beiheft nur im französischen Original sowie in englischer Übersetzung nachlesen. Wer keine dieser beiden Sprachen versteht, der hat in diesem Falle das Nachsehen.
Und die Musik? Sie lässt mich an einen lauen Sommerabend denken, wo nach einer langen Dämmerung allmählich der Mond aufgeht. Man sitzt einsam am Steg, genießt die Wärme, die nächtliche Ruhe und die Einsamkeit. Die Wellen plaudern leise, und die Mücken stechen heute andernorts – kurz und gut: Es sind Klänge voll Poesie, technisch perfekt vorgetragen, mit berückender Phrasierung, wohldosierten Rubati und, ja, auch mit ein klein wenig Flitter. Claire Huangci ist hier ein großer Wurf gelungen.
Die amerikanische Pianistin präsentiert sich als ausdrucksstarke Chopin-Interpretin. „Es verwundert mich immer wieder, dass eine scheinbar einfache Folge von Noten so eine Fülle von Emotionen auslösen kann“, schreibt die Musikerin. „Der Zauber ist für mich komplett, wenn ich merke, wieviele unterschiedliche Gefühle bei diversen Menschen ein Werk verursachen kann.“
In ihrem „Chopin-Diary“ deutet Claire Huangci an, wie sie selbst diese Klänge wahrnimmt. Dazu hat sie jedem Nocturne Chopins Gedichtzeilen seiner Zeitgenossen zugeordnet; leider kann man sie im Beiheft nur im französischen Original sowie in englischer Übersetzung nachlesen. Wer keine dieser beiden Sprachen versteht, der hat in diesem Falle das Nachsehen.
Und die Musik? Sie lässt mich an einen lauen Sommerabend denken, wo nach einer langen Dämmerung allmählich der Mond aufgeht. Man sitzt einsam am Steg, genießt die Wärme, die nächtliche Ruhe und die Einsamkeit. Die Wellen plaudern leise, und die Mücken stechen heute andernorts – kurz und gut: Es sind Klänge voll Poesie, technisch perfekt vorgetragen, mit berückender Phrasierung, wohldosierten Rubati und, ja, auch mit ein klein wenig Flitter. Claire Huangci ist hier ein großer Wurf gelungen.
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