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Sonntag, 4. Dezember 2011

Geistliche Musik der Bach Familie (Capriccio)

Für diese 5-CD-Box hat das Label Capriccio das hauseigene Archiv durchsucht - und darin viel Hörenswertes gefunden. Da wären dann also drei CD mit Aufnahmen, die von der Rheinischen Kantorei und dem Orchester Das Kleine Konzert unter Hermann Max mit diversen Solisten eingespielt worden sind. Hier finden sich Raritäten wie die Osterkantate Gott hat den Herrn auferwecket Wq 244, Heilig Wq 217 für Solo-Alt, zwei vierstimmige Chöre und zwei Orchester sowie die Kantate Anbetung dem Erbarmer Wq 243 von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788). 
Von Johann Ernst Bach (1722 bis 1777) stammt die Motette Meine Seele erhebt den Herrn sowie Das Vertrauen der Christen auf Gott, Eine Ode auf den 77. Psalm für Tenor, Chor und Orchester. Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795) ist vertreten mit Wachet auf, rufet uns die Stimme, einer Motette für vierstimmigen Chor und Basso continuo. Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784) schuf Erzittert und fallet, eine Kantate zum Ostersonntag, und Johann Ludwig Bach (1677 bis 1731) Gedenke meiner, mein Gott, eine Motette zu 8 Stimmen und Basso continuo, sowie eine Trauermusik. Der Dresdner Kammerchor sowie das Ensemble La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider steuern ein Tantum ergo T 209/7 für vier Solostimmen, Chor und Orchester von Johann Christian Bach (1735 bis 1782) bei. 
Motetten und einige Choralsätze sowie die Chorsätze zum Magnificat von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) singt der Rostocker Motettenchor, begleitet von den Instrumentalsolisten der Capella Fidicina Leipzig; diese Aufnahme dirigierte Hartwig Eschenburg. Die Capella Fidicina Leipzig unter ihrem Leiter Hans Grüss sowie eine Vielzahl von Solisten sind auch zu hören auf einer CD mit Kantaten aus dem Alt-Bachischen Archiv - Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ und Ach wie sehnlich wart' ich der Zeit von Johann Michael Bach (1648 bis 1694), Siehe, wie fein und lieblich ist von Georg Christoph Bach (1642 bis 1697) und Meine Freundin, du bist schön, eine Hochzeitskantate von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703). Zwar sind die einzelnen Interpretationen von unterschiedlicher Qualität, doch eine solche Sammlung ist rar und reizvoll - und die Box sei daher hier empfohlen. 

Samstag, 27. März 2010

Schütz: Psalmen Davids; Dresdner Kreuzchor (Berlin Classics)

Heinrich Schütz kam 1617 end- gültig an den Hof von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen. Die Dresdner Hofkapelle war damals aufgrund der exzellenten Qualität ihrer Musiker weithin berühmt. Auch den Kreuzchor gab es damals schon. Und zwischen dem Kreuz- kantor, Magister Samuel Rüling, und dem Hofkapellmeister scheint schon bald eine enge Beziehung zu bestehen.
Rüling war der Beichtvater des Sagittarius. In seiner Motette Machet die Tore weit, die noch heute zum Repertoire der Kruzianer gehört, zitiert er Schütz. Und in den Psalmen Davids verewigte sich Rüling mit einem Glückwunsch-Epigramm. Die Sammlung, 1619 gedruckt, enthält 26 Konzerte für zwei bis vier variabel zu besetzende Chöre - und überträgt die venezianische Musizierpraxis, wie sie Schütz als Schüler von Giovanni Gabrieli kennenlernte, in ihrer ganzen Klangpracht auf Sachsen. Im Notenbestand des Kreuzchores finden sich diese Werke schon wenig später. 
Doch über Jahrhunderte haben Musiker bevorzugt die Stücke ihrer Zeitgenossen aufgeführt. Wer nicht mehr dazu gehörte, der wurde binnen kurzer Frist vergessen. Den Romantikern verdanken wir die Wiederentdeckung der musikalischen Vergangenheit. Und heute erklingen in den Konzerten wesentlich häufiger jene Schätze, die die Jahrhunderte im Archiv überdauert haben, als die Werke lebender Komponisten. 
Schütz geriet in Dresden nie gänzlich in Vergessenheit. Doch erst Rudolf Mauersberger, Kreuzkantor von 1930 bis 1971, ging syste- matisch an die Wiederentdeckung seines musikalischen  Nachlasses. Auch sein Nachfolger Martin Flämig hielt dieses Erbe sehr in Ehren, wie diese Einspielung von elf Stücken aus den Psalmen Davids belegt. Sie entstanden von 1973 bis 1975, und zeigen den Kreuzchor in exzellenter Form. Er wird begleitet von der Capella Fidicina Leipzig, einem Ensemble, das sich ganz der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat.