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Dienstag, 15. Dezember 2020

Adventskonzert (Berlin Classics)


Man glaubt es kaum, aber die vorweihnachtlichen Konzerte des Dresdner Kreuzchores in einem Fussballstadion gibt es erst seit 2015. Damals hatte der weltberühmte Knabenchor anlässlich seines 800jährigen Bestehens die Dresdner erstmals zum Adventskonzert eingeladen. Mittlerweile hat sich das Konzert zu einem Event entwickelt, zu dem alljährlich mehr als 25.000 Menschen anreisen; zudem erleben Hunderttausende das Programm zu Hause am TV mit. 

Wenn die großen Stars aus Klassik und Pop gemeinsam mit den Kruzianern Weihnachtslieder singen, wenn das Publikum begeistert mit einstimmt, und wenn auf den Rängen und auf dem Rasen tausende kleine Lichter aufleuchten, dann ist wieder ein Jahr vergangen, und einmal mehr steht Weihnachten vor der Tür. In diesem Jahr allerdings hat die Corona-Pandemie auch dieses Großereignis verhindert. 

Dennoch muss das Publikum nicht auf die stimmungsvollen Klänge verzichten. Denn die Kruzianer sind unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile ebenso ins Studio gegangen wie Rockstar Peter Maffay, die finnische Sopranistin Camilla Nylund, Tenor Klaus Florian Vogt, die Musicalsängerin Sabrina Weckerlin sowie die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth. So entstand unter strengen Hygienebedingungen dieses Album. Und man staunt, wie professionell sich die Jungs auf die ungewohnten Arbeitsbedingungen eingestellt haben – zu hören ist das nicht; alles klingt gewohnt klar und weihnachtlich. 

An der Seite der Chorsänger und der Solisten musiziert auch in diesem Jahr das Cross Bell Orchestra, bestehend aus renommierten Band- und Studiomusikern, unter der Leitung von Peter Christian Feigel. Ob Orgel- oder Saxophonsound – auf zwei CD erklingen bekannte Weihnachtsmelodien in klassischen und modernen Arrangements. Ein wichtiger Höhepunkt im umfangreichen Programm ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, gelesen von Samuel Koch. 

So bringt dieses Album festliche Stimmung in die vorweihnachtliche Stube – auch wenn in diesem Jahr die Weihnachtsmärkte abgesagt sind, in den Gottesdiensten nicht gesungen werden darf, und alle Konzerte ausfallen müssen. Von Herzen Dank an alle Beteiligten, für ein Stück Normalität in einer äußerst seltsamen Zeit. 


Freitag, 13. Dezember 2019

Weihnachten mit dem Dresdner Kreuzchor (Berlin Classics)

Für viele Dresdner gehört der Gesang des Kreuzchores ebenso selbst- verständlich zu Weihnachten wie ein Besuch auf dem Striezelmarkt. Ob Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche, oder das große Adventskonzert im Rudolf-Harbig-Stadion – stets sind die Bänke, Ränge und Emporen voll. 
In der Adventszeit haben die jungen Sänger enorm viel zu tun. Und das Weihnachtsfest feiern die Kruzianer ebenfalls beim Dresdner Kreuzchor. Am 24. Dezember gestalten sie die Christvespern, und am ersten Weihnachtsfeiertag beginnt der Tag bereits früh, denn da singen die Kruzianer um sechs Uhr die Christmette in der Dresdner Kreuzkirche. Wer den Chor nicht in Dresden hören kann, für den hat Berlin Classics ins Archiv geschaut und auf dieser CD eine Auswahl der schönsten Weihnachtslieder zusammengestellt. Sie verweist zugleich auf die lange Geschichte des Dresdner Kreuzchores. 

Sonntag, 24. April 2016

Fangt euer Tagwerk fröhlich an - Volkslieder (Berlin Classics)

Dass der Dresdner Kreuzchor heute noch immer zu den besten Knaben- chören Deutschlands gehört, ist maßgeblich das Verdienst von Rudolf Mauersberger (1889 bis 1972). Er wurde 1930 Kreuzkantor, führte den Chor durch zwei Diktaturen, und dabei gelang ihm das Kunststück, seine Säkularisierung erfolgreich zu verhindern. 
In den 30er Jahren sorgte er dafür, dass der Kreuzchor eng in die Liturgie der Kreuzkirche eingebunden wurde. 
Mit großem persönlichen Engagement trat er für die Wiederbelebung des Chores nach der Zerstörung Dresdens ein, bei der auch elf Kruzianer ums Leben gekommen waren. Die Pflege des Erbes, insbesondere der Werke von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach, hatte für den Kreuzkantor ebenso großes Gewicht wie die zeitgenössische Musik. Mit einer Vielzahl von Aufnahmen und Tourneen erarbeitete sich der Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger internationales Renommee. 
Wer hören möchte, wie der Kreuzchor unter Mauersberger gesungen hat, dem sei diese CD mit Volksliedern empfohlen. Aufgezeichnet wurde sie im Juni 1964 in der Dresdner Lukaskirche. Die Chorsätze sind ausgesprochen abwechslungsreich; sie stammen teils von Mauersberger selbst, teils von anderen Komponisten, von Michael Praetorius über Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zu Ernst Pepping. 

800 Jahre Dresdner Kreuzchor - Lieder aus 8 Jahrhunderten (Berlin Classics)

Mit diesem Album begibt sich der Dresdner Kreuzchor auf eine musikalische Zeitreise durch die acht Jahrhunderte seines Bestehens. Werke von der Gregorianik bis in die Gegenwart umfasst das Repertoire der berühmten Sängerknaben, und vom Choral bis zum Volkslied. Eine Auswahl erklingt auf dieser CD. Sie beginnt bei Johannes Aulen und Johann Walter, dem „Urkantor“ der evangelischen Kirche, und reicht über Heinrich Schütz, Josef Rheinberger und Rudolf Mauersberger bis hin zu Mikis Theodorakis. Diese Rückschau würdigt zudem die Traditionen des Chores, indem sie Aufnahmen von 1964 bis in die Gegenwart zusammenfasst. Eingespielt wurden sie unter dem legendären Kreuzkantor Rudolf Mauersberger, der den Chor von 1930 bis 1971 klug geleitet hat, seinem Nachfolger Martin Flämig, der ihn im Anschluss bis 1991 führte, dem Chordirigenten Peter Kopp und dem jetzigen, 28. Kreuzkantor Roderich Kreile. Damit dokumentiert diese Zeitreise auch, wie sich der Chorklang im Verlauf dieser Jahre verändert hat. 

Freitag, 13. März 2015

Brahms: Ein deutsches Requiem (Berlin Classics)

„Tiefer Ernst, vereint mit allem Zauber der Poesie“, so urteilte Clara Schumann einst über das Brahms-Requiem. Es sei „ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise wie wenig Anderes.“ Als Johannes Brahms (1833 bis 1897) dieses Werk schrieb, vermied er bewusst den üblichen liturgischen Rahmen. Er entschied sich anstatt des althergebrachten lateinischen Textes für bestimmte Verse aus der Lutherbibel – nicht das Officium defunctorum, sondern der Trost für die Trauernden rückt hier in den Mittelpunkt. Mit seiner Vertonung verlagerte der Komponist zudem das Requiem aus dem (katholischen) kirchlichen Rahmen in den Konzertsaal. 
Der Dresdner Kreuzchor wiederum bringt diese Musik zurück in den Kirchenraum: Brahms' Meisterwerk in der Kreuzkirche aufzuführen, das gehört zur Tradition des berühmten Knabenchors. Bei den „Jungs“, verrät Kreuzkantor Roderich Kreile, gehört Ein deutsches Requiem „zu den beliebtesten und in jeder Hinsicht am meisten geschätzten Werken“. Ein Live-Mitschnitt eines solchen Konzertes – zum Zeitpunkt finden sich leider keinerlei Angaben – ist im vergangenen Jahr bei Berlin Classics erschie- nen. 
Die Aufnahme ist beeindruckend, und das liegt nicht nur an den beiden vorzüglichen Solisten Sibylla Rubens und Daniel Ochoa. Die Knaben- und jungen Männerstimmen des Kreuzchors, verstärkt durch die Männer- stimmen des renommierten Kammerchores Vocal Concert Dresden, bewirken ein außerordentlich interessantes, sehr homogenes Klangbild. Die Kruzianer sind in exzellenter Form, sie singen blitzsauber und stimm- lich absolut solide. Damit sind sie auch jederzeit in der Lage, Brahms' anspruchsvolle Musik dynamisch perfekt umzusetzen. Gemeinsam mit der Dresdner Philharmonie gestalten die jungen Sänger eine Aufführung voll Spannung und emotionaler Strahlkraft. Bravi! 

Freitag, 26. Dezember 2014

Christvesper des Dresdner Kreuzchores (Berlin Classics)

Nirgendwo auf der Welt wird Weih- nachten festlicher begangen als im Erzgebirge. Selbst die kleinsten Dörfer schmücken sich mit großen Pyramiden und Lichterbogen. Lichter strahlen auch in den Fenstern – eine Tradition aus alter Zeit, als die Bergmänner im Winter ihre Schicht in der Dunkelheit begonnen und wieder in der Dunkelheit beendet haben. Das Erzgebirge hat aber auch großartige musikalische Traditionen. Etwas davon hat Rudolf Mauers- berger einst nach Dresden übertragen. Er wirkte von 1930 bis 1971 als Kreuzkantor, und hat den berühmten Knabenchor über eine schwierige Zeit gebracht. 
Wenn es noch heute jedes Jahr am Heiligen Abend Tausende in die Dresdner Kreuzkirche zu den beiden Christvespern zieht, dann geht diese Faszination auf Mauersberger zurück. Er hat die bekannten Weihnachts- lieder und Choräle zu einer geschlossenen Komposition verknüpft, die die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium mit einschließt, aber auch an die kraftvollen Gemeindegesänge und Posaunenchöre jenes frommen Landstrichs erinnert. Christvespern in der Tradition Mauers- bergers werden noch heute in Dresden alljährlich gesungen. Hier legt Berlin Classics eine gelungene Aufnahme aus dem Jahre 1993 auf unseren Gabentisch, geleitet vom damaligen Kreuzkantor Gothart Stier. 

Samstag, 7. Juni 2014

Homilius: Musik an der Dresdner Frauenkirche (Carus)

Zum 300. Geburtstag von Gott- fried August Homilius legt Carus eine Jubiläums-CD vor. Sie enthält eine Auswahl stimmungsvoller Aufnahmen aus Dresden, wo Ho- milius einst zunächst als Organist an der Frauenkirche und später dann als Kreuzkantor wirkte. Die Kruzianer sind zu hören, unter ihrem jetzigen Kantor Roderich Kreile und begleitet vom Dresdner Barockorchester. Die Virtuosi Saxoniae mit dem legendären Trompeter Ludwig Güttler musizieren gemeinsam mit dem Sächsischen Vocalensemble. Mitgewirkt haben zudem zahlreiche renommierte Vokal- und Instrumentalsolisten, wie beispielsweise Organist Friedrich Kircheis, der seit vielen Jahren gemeinsam mit Güttler konzertiert. 
Bei der Zusammenstellung der CD konnte Carus aus seinem reich- haltigen Fundus an Homilius-Aufnahmen schöpfen. Der Verlag und sein Label engagieren sich schon seit längerem stark für den Komponisten und sein Werk. Wenn man heute von einer Homilius-Renaissance spricht, dann ist diese Wiederentdeckung des wohl bedeutendsten protestantischen Kirchenmusikers zwischen Bach und Mendelssohn dem Hause Carus zu verdanken. 

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Bach: Weihnachtsoratorium; Fläming (Berlin Classics)

Eine schöne Aufnahme von Bachs Weihnachtsoratorium aus den Jahren 1974/75. Angesichts der Besetzung ist man fast geneigt, sie historisch zu nennen: Es singen Arleen Augér, Sopran, Annelies Burmeister, Alt, Peter Schreier, Tenor und Theo Adam, Bass sowie der Dresdner Kreuzchor unter Martin Flämig. Und auch die Liste der Instrumentalisten enthält viele bekannte Namen, wie Karl Suske, 1. Solo-Violine, Eckart Haupt, 1. Solo-Flöte, Ludwig Güttler, Trompete oder Herbert Collum, Orgel; zudem musiziert die Dresdner Philhar- monie. 
Natürlich würde man heute sicherlich einiges anders machen, aber die vielen exzellenten Musiker sorgen für eine Qualität, die diese Ein- spielung über manches stellt, was später und vermeintlich "historisch korrekt" aufgeführt worden ist. So bleiben diese drei CD nicht nur als Referenz hörenswert - und es ist schön, dass die Aufnahme bei Berlin Classics noch immer verfügbar ist. 

Dienstag, 20. Dezember 2011

Kreuzchorvespern: Herr, wenn ich nur dich habe (Berlin Classics)

"Geistliche Musik in der Zeit der Trauer und Zuversicht", steht als Motto über der vierten und letzten CD, die die Reihe der Kreuzchor- vespern komplettiert. Sie enthält eine Sammlung von Chorwerken, die an die Vergänglichkeit irdi- schen Lebens erinnern und zu- gleich Trost im Glauben verheißen.
Im Zentrum der CD steht das mo- numentale Wir sind Verlassene in der Zeit, eine Motette von Hans Huyssen, Jahrgang 1964, nach einem Text der französischen Philosophin Simone Weil. Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk der Heinrich-Schütz-Gesellschaft in Süd- afrika, also aus dem Herkunftsland des Komponisten, das im Jahre 2002 in Dresden durch den Kreuzchor uraufgeführt worden ist. Darum gruppiert sind ähnlich gewichtige Motetten von Heinrich Kaminski (1886 bis 1946), Louis Spohr (1784 bis 1895) - beide haben Psalm 130 vertont - sowie Mitten wir im Leben sind von Felix Men- delssohn Bartholdy (1809 bis 1847). Komponisten aus dem mittel- deutschen Raum schufen die Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die diese CD vervollständigen - Heinrich Schütz, Johann Bach, Hans Leo Hassler, Johann Walter, Johann Hermann Schein und Johann Rosenmüller. Einzig Leonhard Lechner wirkte in Süddeutschland, doch er wäre gern Hofkapellmeister in Dresden geworden.
Die Kruzianer singen sehr ordentlich. Sämtliche Soli werden durch Mitglieder des Chores gesungen. Kreuzkantor Roderich Kreile baut auf den Traditionen des Chores auf, und entwickelt Klang und Repertoire eher behutsam weiter. Das ist in einer Stadt wie Dresden, wo um den Neubau einer Brücke jahrzehntelang vor Gerichten gestritten wird, mit Sicherheit eine kluge Strategie. Auch die Tat- sache, dass zwischen der Aufzeichnung der Motetten und ihrer Veröffentlichung zwei Jahre vergehen, zeigt doch, dass die sächsische Landeshauptstadt abseits ihrer Hightech-Industrie noch immer eine gewisse Beschaulichkeit schätzt. 

Dienstag, 31. Mai 2011

Kreuzchorvespern: Erstanden ist der heilige Geist (Berlin Classics)

Die Passionszeit und das Osterfest gehören zu den Höhepunkten des Kirchenjahres - und auch der Kirchenmusik. Das gilt auch für den Dresdner Kreuzchor, der mit dieser Aufnahme von Chorwerken zur Passions- und Osterzeit die Reihe der Kreuzchorvespern fort- setzt. 
Eingespielt werden dafür Werke, die immer wieder zu den tradi- tionsreichen Musikgottesdiensten in der Dresdner Kreuzkirche er- klingen. Die Kreuzchorvesper am Samstagabend steht dabei zwischen Cruxifixus und Resurrexit, zwischen Bachs Passionen und Schütz' Auferstehungshistorie - und vereint Werke vom gregorianischen Choral Christus factus est bis zu Timor et tremor von Francis Pou- lenc. 
Für die CD wurde Kreuzchor-Repertoire vom Mittelalter bis zur Moderne ausgewählt, was den jungen Sängern unter Kreuzkantor Roderich Kreile reichlich Gelegenheit bietet, die Leistungsfähigkeit des Chores und seiner Solisten unter Beweis zu stellen. Der Kreuzchor gehört heute ohne Zweifel wieder zu den besten deutschen Knaben- chören; er beeindruckt mit einem homogenen, ausgeglichenen Chorklang über alle Register bei exzellenter Textverständlichkeit. 

Montag, 7. Juni 2010

Kreuzchorvespern: Komm, Heiliger Geist (Berlin Classics)

Um den Pfingsthymnus Veni creator spiritus gruppieren sich die Chorwerke, die Kreuzkantor Roderich Kreile für diese zweite CD mit geistlicher Musik aus Dresden ausgewählt hat.
Diesmal erklingt Musik, wie sie von den Kruzianern seit Jahrhunderten im Zeitraum zwischen Himmel- fahrt, Pfingstfest und Trinitatis gesungen wird. Es verblüfft daher nicht, dass Kreile auch aus dem reichen geistigen wie musikali- schen Fundus geschöpft hat, als dessen Hüter der traditionsreiche Chor sich gerade in jüngster Vergangenheit erwiesen hat. Da steht Felix Mendelssohn Bartholdy neben Krysztof Penderecki, Heinrich Schütz neben Palestrina, und Bach neben Ernst Pepping. 
Die Kruzianer sind gut bei Stimme; unter Kreiles Führung hat ihr Gesang wieder jenes exzellente Niveau, das der Chor zu Zeiten Mauersbergers erreicht und unter Flämig, Stier und Jung mehr oder minder gehalten hat. Die CD kann daher hier empfohlen werden.

Samstag, 3. April 2010

Bach: Matthäus-Passion; Mauersberger (Berlin Classics)

Bei Wieder-Anhören dieser Auf- nahme ist man zunächst erstaunt: Was, so langsam haben die Gebrüder Mauersberger seinerzeit die Matthäus-Passion dirigiert? Das Instrumentalvorspiel jedenfalls schleppt sich dahin. Doch dann setzt der Chor ein, und plötzlich stimmen die Relationen. Denn die Eindringlichkeit und die Glaubens- wucht dieser Aufnahme verträgt sich nicht mit dem Eilzugtempo und jener beschwingten Phrasie- rung, wie sie derzeit, "historisch informiert", noch der Kantor im letzten Dorf anstrebt.
Wenn Peter Schreier hier das Evangelium vorträgt, dann ist das nicht nur Gesangskunst, sondern darüber hinaus unüberhörbar auch ein Bekenntnis des christlichen Glaubens - was von den DDR-Funktionä- ren scharf bekämpft wurde. In diesem Kontext wird Bachs Matthäus- Passion von  einer Musikaufzeichnung zum künstlerischen Vermächt- nis.
Denn diese Aufnahme entstand 1970 - in einer Zeit, in der Rudolf Mauersberger um den Fortbestand "seiner" Kruzianer fürchten und ringen musste. Jahre beständiger Schikane und kleinlicher Macht- kämpfe lagen hinter ihm, und die Verhältnisse wurden nicht besser. Man stelle sich vor, dass der Kreuzkantor im Alter von 82 Jahren am 6. Februar 1971 noch sein "Dresdner Requiem" eigenhändig dirigierte, um die Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger gesichert zu wissen - am 22. Februar 1971 ist er gestorben.
In einer solchen Umgebung und unter solchen Bedingungen wiegen das Herzblut und die Inbrunst, mit der hier musiziert wird, doppelt. Diese CD belegt: Rudolf Mauersberger und sein jüngerer Bruder Erhard, der 1961 Thomaskantor wurde, konnten zudem die beiden traditionsreichen sächsischen Knabenchöre in diesem schwierigen Umfeld auf hohem sanglichen Niveau halten. Obwohl die Aufnahme in der Lukaskirche Dresden entstand, musiziert das Gewandhaus- orchester Leipzig mit seinen erstklassigen Solisten. Und die Continuo-Orgeln spielen Thomasorganist Hannes Kästner und Kreuzorganist Herbert Collum.
Als besondere Stärke dieser Einspielung erweisen sich die überwie- gend exzellenten Gesangssolisten, mit denen selbst die kleinsten Partien besetzt sind. Neben dem Evangelisten Peter Schreier sind beispielsweise Theo Adam als Jesus, Siegfried Vogel als Petrus, Johannes Künzel als Judas und Hermann Christian Polster als Pontius Pilatus zu hören. Wer könnte Adele Stolte "Blute nur, du liebes Herz" klagen hören, oder Annelies Burmeisters ergreifende "Erbarme dich"- Arie, ohne Ostern zu erfassen? Die Tenor-Arien singt Hans-Joachim Rotzsch; er wurde übrigens Mauersbergers Nachfolger als Thomas- kantor, und sein Rücktritt 1991 ist dem Chor leider nicht gut bekommen. 
Obwohl ganz im Sinne der DDR-"Erbe-Pflege", also nicht-"historisch authentisch" und mit modernen Instrumenten eingespielt, und obwohl letztendlich nicht jeder Ton perfekt sitzt, gehört dieses Dokument für mich zu den Referenzaufnahmen von Bachs "großer Passion". Die Aufnahme gibt Zeugnis von jener großartigen mitteldeutschen Musiktradition, die vorreformatorischer Zeit entspringt, die Uniformen, Stiefel und Gleichschritt überlebt hat - und hoffentlich auch unser vollelektronisches Zeitalter überdauern wird.

Samstag, 27. März 2010

Schütz: Psalmen Davids; Dresdner Kreuzchor (Berlin Classics)

Heinrich Schütz kam 1617 end- gültig an den Hof von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen. Die Dresdner Hofkapelle war damals aufgrund der exzellenten Qualität ihrer Musiker weithin berühmt. Auch den Kreuzchor gab es damals schon. Und zwischen dem Kreuz- kantor, Magister Samuel Rüling, und dem Hofkapellmeister scheint schon bald eine enge Beziehung zu bestehen.
Rüling war der Beichtvater des Sagittarius. In seiner Motette Machet die Tore weit, die noch heute zum Repertoire der Kruzianer gehört, zitiert er Schütz. Und in den Psalmen Davids verewigte sich Rüling mit einem Glückwunsch-Epigramm. Die Sammlung, 1619 gedruckt, enthält 26 Konzerte für zwei bis vier variabel zu besetzende Chöre - und überträgt die venezianische Musizierpraxis, wie sie Schütz als Schüler von Giovanni Gabrieli kennenlernte, in ihrer ganzen Klangpracht auf Sachsen. Im Notenbestand des Kreuzchores finden sich diese Werke schon wenig später. 
Doch über Jahrhunderte haben Musiker bevorzugt die Stücke ihrer Zeitgenossen aufgeführt. Wer nicht mehr dazu gehörte, der wurde binnen kurzer Frist vergessen. Den Romantikern verdanken wir die Wiederentdeckung der musikalischen Vergangenheit. Und heute erklingen in den Konzerten wesentlich häufiger jene Schätze, die die Jahrhunderte im Archiv überdauert haben, als die Werke lebender Komponisten. 
Schütz geriet in Dresden nie gänzlich in Vergessenheit. Doch erst Rudolf Mauersberger, Kreuzkantor von 1930 bis 1971, ging syste- matisch an die Wiederentdeckung seines musikalischen  Nachlasses. Auch sein Nachfolger Martin Flämig hielt dieses Erbe sehr in Ehren, wie diese Einspielung von elf Stücken aus den Psalmen Davids belegt. Sie entstanden von 1973 bis 1975, und zeigen den Kreuzchor in exzellenter Form. Er wird begleitet von der Capella Fidicina Leipzig, einem Ensemble, das sich ganz der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat.

Samstag, 13. Februar 2010

Dresdner Kreuzchor - Volkslieder (Berlin Classics)

Der Dresdner Kreuzchor, geleitet von Roderich Kreile, singt Volkslieder von "Hoch auf dem gelben Wagen" bis "Der Mond ist aufgegangen". Die Auswahl der Stücke und der Sätze erfolgte wohl mit einem regionalen Augenzwinkern, zumal sich auch einige Perlen aus der einschlägigen Literatur mit eingeschlichen haben, die aus der Feder von Robert Franz, Robert Schumann oder Felix Mendelssohn Bartholdy stammen. Der Chor präsentiert sich in Bestform, wirklich sehr erfreulich. Eine knappe Stunde Knabenchor-Gesang in höchster Vollendung.

Samstag, 26. Dezember 2009

Kreuzchorvespern: Uns ist ein Kind geboren (Berlin Classics)


"Geistliche Musik aus Dresden", soll die neue Reihe mit Kreuzchorvespern vorstellen; dem Kirchenjahr folgend, beginnt sie mit dem Advent. Zumindest aus Sachsen stammen in der Tat sämtliche Stücke dieser CD. Allerdings waren die Kreuzkantoren in der Vergangenheit, allen voran der legendäre Rudolf Mauersberger, wohl mutiger als Roderich Kreile, der seinen Chor hier ausschließlich mit Weihnachtsmusik aus dem 16. und 17. Jahrhundert vorstellt.
Die Kruzianer singen mittlerweile wieder auf einem erfreulich hohen Niveau. Sowohl der Chor als auch die zahlreichen Chorsolisten können sich hören lassen. Die Cappella Sagittariana Dresden, bestehend aus Mitgliedern der Staatskapelle, musiziert ohnehin hochprofessionell. Dennoch hätte man von einem solchen Album etwas mehr Sinn für musikalische Dramaturgie erhofft. Eine "reale" Kreuzchorvesper, wie sie in Dresden zu erleben ist, bietet Raum für Orgelklang und Gemeindechoral, Ansprache und Gebet. Auf der CD ist davon leider nichts zu finden; für die nachfolgenden Exemplare wünscht man sich mehr Mut zu Ausflügen in die Moderne, etwas mehr original Dresdner Kreuzkirchenstimmung - und weniger klanglichen Einheitsbrei.

Dienstag, 12. Februar 2008

Heinrich Schütz - Dresdner Kreuzchor (Berlin Classics)

Um die Wiederentdeckung der Werke von Heinrich Schütz hat sich der Dresdner Kreuzchor große Verdienste erworben. Insbesondere Rudolf Mauersberger, von 1930 bis zu seinem Tode 1971 Kreuzkantor, hatte es sich zur Lebensaufgabe erwählt, die Werke des Komponisten zur Aufführung zu bringen. Es darf vermutet werden, dass Mauersberger, der die Zerstörung Dresdens erleben musste, sich Schütz eng verbunden fühlte, der ja auch unter einem Kriege, dem 30jährigen nämlich, sehr gelitten hatte.
Für Schütz' Musik
engagierte sich auch Mauersbergers Nachfolger Martin Flämig. Die "Schütz-Tage" waren ein Ereignis: Ein Fest alter, zumeist geistlicher Musik, und das in der DDR zu Ulbrichts Zeiten!? Aufzeichnungen dieser Konzerte sind beeindruckende Dokumente der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben inmitten realsozialistischer Propaganda. Gerade Schütz’ deklamatorische Musik, die in ihrer Struktur darauf zielt, dem Wort zu dienen und es auszulegen, war dafür wie geschaffen. In einer Box mit zehn CD fasst Edel Classics wichtige historische Aufnahmen aus jener Zeit nun noch einmal zusammen. Leider brach diese Tradition irgendwann ab. In der Box fehlen beispielsweise die „Musikalischen Exequien“ – und die „Historia von der Geburt unseres Herrn Jesu Christi“. Ein Blick in die Chronik des Kreuzchors belegt, dass ausgerechnet die Weihnachts-Historie des Dresdner Hofkapellmeisters von den Kruzianern niemals eingespielt wurde.