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Montag, 25. Juni 2012

Great Britain Triumphant! (Centaur)

Nicht nur mit Karikaturen, son- dern auch mit patriotischen Poemen und mit viel Musik kommentierten die Briten einst politische Ereignisse. Diese CD stellt Werke vor, die als Reaktion auf die Französische Revolution und den nachfolgenden Krieg zwischen England und Frankreich entstanden sind. 
Vom Fall der Bastille über die Flucht und die Gefangenname der königlichen Familie bis hin zur Seeschlacht am Glorious First of June 1794, in der die britische Kanalflotte unter Admiral Richard Howe die französische Flotte vernichtend schlug, reichen die musi- kalischen Anmerkungen zur Geschichte. 
Sie erweisen sich trotz der martialischen Thematik als zumeist charmant und mit Witz umgesetzt, gern auch in Form einer kleinen Kantate - wie Great Britain Triumphant, das Werk, das der CD den Namen gab. Es stammt von einem Komponisten namens James Hook. Auch die anderen Autoren werden dem Publikum vermutlich nicht bekannt sein. 
Das ist nicht schlimm, denn amüsant ist diese frühe Agitprop-Musik trotzdem. Und die Solisten - Caroline Schiller, Stefanie True und Mária Zádori, Sopran, Zoltán Megyesi, Tenor und Reid Spencer, Bariton, singen überwiegend sehr schön. Zu hören ist zudem die Capella Savaria unter Mary Térey-Smith, ein exzellentes Orchester. Eine kuriose Idee für ein Konzeptalbum, doch die CD überzeugt. Bravi! 

Samstag, 7. April 2012

Johann Friedrich Fasch: Passio Jesu Christi (Naxos)

Über den Lebensweg von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) wurde in diesem Blog bereits verschiedentlich berichtet. Nach einer ersten Anstellung als Orga- nist  und Direktor der Kirchen- musik in Greiz trat er 1721 als Hofkapellmeister in den Dienst des Grafen Wenzel Morzin in Prag. Doch schon sechs Monate später ging er nach Zerbst, um dort das Hofkapellmeister-Amt zu über- nehmen. Kurz darauf forderten in die Leipziger Stadtväter auf, sich um die Stelle des Thomaskantors zu  bewerben, die nach dem Tod Kuhnaus neu zu besetzen war. Fasch lehnte dankend ab, und blieb in Zerbst - bis ans Ende seiner Tage. 
Die Passio Jesu Christi, auf dieser CD erstmals veröffentlicht, soll Fasch bereits in Greiz komponiert haben. Mich vom Stricke meiner Sünden beruht auf dem berühmten Libretto Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus von Barthold Heinrich Brockes. Fasch hat es für seine Zwecke stark gekürzt und bearbeitet. Eine Abschrift seines Werkes befindet sich in der Stadtbibliothek Leipzig. Sie wurde durch Mary Térey-Smith ediert und diente als Grundlage für diese Aufnahme mit der Schola Cantorum Budapestiensis und dem Barockorchester Capella Savaria. 
Faschs Passio beeindruckt durchaus, auch wenn sie nicht das Format von Bachs Passionen erreicht. Brockes konzentrierte die Handlung auf den Evangelisten, Jesus und die Tochter Zions, wobei der Tenor nicht nur den eigentlichen Evangelienbericht, sondern auch etliche Arien singt. Ebenso wie die der Sopranistin reflektieren und kommen- tieren sie das Geschehen. Die Solopartien singen sehr achtbar Zoltán Megyesi, Tenor, Péter Cser, Bass und Mária Zádori, Sopran. Man wür- de sich wünschen, dass das schöne wiederentdeckte Werk zukünftig in der Osterzeit Eingang in das Repertoire der Kantoreien findet, zumal die Chöre auch durch Nicht-Profis gut zu bewältigen sind. Auf der CD wird der Passio eine Ouverture in d-Moll vorangestellt; vermutet wird, dass dieses hübsche Werk im Auftrag des Dresdner Hofes ent- standen ist. 

Montag, 28. März 2011

Graun: Der Tod Jesu (Hungaroton)

Carl Heinrich Graun (1704 bis 1759) begann seine Ausbildung als Kruzianer in Dresden. Seine erste Anstellung erhielt er als Hofsänger in Braunschweig; 1735 trat er ge- meinsam mit seinem Bruder Jo- hann Gottlieb Graun in die Kapelle des preußischen Kronprinzen ein. Friedrich der Große ernannte Graun zum Kapellmeister - und schickte ihn nach Italien, um Sänger für die Königliche Hofoper zu rekrutieren. 
Ironischerweise waren es Deut- sche, die die italienische Oper zur Blüte führten - Georg Friedrich Händel, Carl Heinrich Graun und Johann Adolf Hasse. Und obwohl Graun in erster Linie Opern komponiert hat, fiel dieser Teil seines Werkes mit dem Verschwinden der opera seria aus dem Repertoire dem Vergessen anheim. Die Kirchenmusik hingegen blieb im Gedächt- nis des Publikums - vor allem Grauns Passionskantate Der Tod Jesu, uraufgeführt in der Karwoche 1755 im Berliner Dom. 
Sie wurde bis 1858 alljährlich unter anderem durch die Berliner Singakademie am Karfreitag aufgeführt. Dann sollte das beliebte Werk durch Bachs Matthäuspassion ersetzt werden - doch auf Wunsch des Kaisers wurde das Programm bald wieder geändert, und Grauns Kan- tate erklang erneut, bis 1884.   Anders als Bach, setzt Graun weniger auf die Dramatik, sondern auf die Reflexion des Heilsgeschehens unter Mitwirkung des Publikums - denn die Choräle sang, mit einer Ausnahme, das Kirchenvolk mit. Der Text von Carl Wilhelm Ramler ist nicht gerade große Dichtkunst; aber die Interpreten dieser Auf- nahme schaffen trotzdem eine akzeptable Auslegung. Es singen Mária Zádori und Márta Fers, Sopran, Martin Klietmann, Tenor und Klaus Mertens, Bass sowie der Kammerchor Cantamus aus Halle/Saale. Es musiziert die Capella Savaria, ein renommiertes ungarisches Ensem- ble, das sich vor allem der Musik des 18. Jahrhunderts verschrieben hat, unter Leitung seines damaligen Leiterns Pál Németh. Wenn man bedenkt, dass diese Aufnahme aus dem Jahre 1991 stammt, dann ist sie sehr verdienstvoll und musikalisch hochachtbar.