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Dienstag, 20. Dezember 2016

Schütz: Weihnachtshistorie (Christophorus)

Weihnachten 1660 erklang in der Hofkirche des sächsischen Kurfürsten Musik, wie sie noch nie gehört worden war: Die Hofkapelle führte zum ersten Mal Die Geburth Christi, in stilo recitativo auf. Man könnte dieses Werk durchaus als das früheste deutsche protestantische Oratorium überhaupt betrachten. Heinrich Schütz (1585 bis 1672) hatte den biblischen Text, speziell Verse aus den Evangelien nach Matthäus (Kapitel 2, 1-23) und Lukas (Kapitel 2, 1-11), in Musik gesetzt, und sich dazu der verschiedensten Formen bedient, vom Rezitativ des Evangelisten, wie wir es heute noch beispiels- weise vom Weihnachtsoratorium kennen, über den Gesang des Engels, der den Hirten erscheint und ihnen große Freude verkündet, was man beinahe als geistliches Konzert zu bezeichnen geneigt ist, bis hin zum prachtvollen Chor der Engel oder zum Terzett der Weisen aus dem Morgenlande – ein geradezu mustergültiger Turba-Chor. 
Schütz überarbeitete sein Werk mehrfach, bis 1664 schließlich die Historia der Freuden- und Gnadenreichen Geburth Gottes und Marien Sohnes, Jesu Christi, unsers Einigen Mitlers, Erlösers und Seeligmachers in jener Form fertiggestellt war, die wir heute kennen; 1671 erfolgten dann noch einige Revisionen. Diese Musik ist im übrigen ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen auch im hohen Alter durchaus noch etwas gänzlich Neues erschaffen können; Kreativität ist eben kein Privileg der Jugend. 
Schütz' Weihnachtshistorie war ein großer Erfolg; alle wollten diese uner- hörte Musik anhören – und aufführen. Sie hat bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt, und steht im Mittelpunkt dieser CD mit dem Choeur de Chambre de Namur und dem Instrumentalensemble Le Fenice unter Jean Tubéry. Die beiden umfangreichsten Partien, der Evangelist und der Engel, werden von Tenor Hans-Jörg Mammel und Sopranistin Claire Lefilliâtre gesungen; sie sind auch in den anderen Stücken zu hören – Mach dich auf, werde Licht, Zion aus den Opella Nova II von Johann Hermann Schein, Gegrüsset seist Du, Holdselige! von Matthias Weck- mann sowie Magnificat und Hodie Christus in der Vertonung durch Heinrich Schütz. 
Mich begeistert die Aufnahme allerdings nicht wirklich. Wenn Schütz und seine Zeitgenossen für Sänger komponierten, steht der Text immer absolut im Vordergrund. Die Musik dient dazu, das Wort auszulegen. Hört man diese CD, werden die Sänger leider von Instrumentalklängen regelrecht zugedeckt, was ich sehr bedauerlich finde. Es mag noch so hinreißend musiziert sein – aber eine solche Interpretation geht am Wesen dieser Musik vorbei. Schade. 

Montag, 22. Dezember 2014

Deutsche geistliche Barockmusik: Weihnachten (Ricercar)

Weihnachtliche Barockmusik aus Deutschland enthält diese Box. Auf sieben (!) CD bündelt Ricercar eine Serie von Aufnahmen aus den Jahren 1982 bis 2010, die seinerzeit viel Beachtung gefunden hat. Denn es handelt sich oftmals um Welterst- einspielungen, und die Raritäten werden von renommierten Solisten und Ensembles vorgetragen. Zu hören sind beispielsweise Agnès Mellon, Elisabeth Scholl und Amaryllis Dieltjens, Sopran, Henri Ledroit, Countertenor, Lothar Blum und Hans-Jörg Mammel, Tenor, Stefan Geyer, Bariton, Max van Egmond, Bass und Bernard Foccroulle an der Orgel sowie das Ricercar Consort, der Choeur de Chambre de Namur und Les Agrémens, das Ensemble La Fenice, die Capella Sancti Michaelis und die Mannheimer Hofkapelle mit dem Vokalensemble Ex Tempore. 
Es erklingen zum einen Werke aus Mitteldeutschland; dort wirkten „die drei großen S“ - Schütz, Schein und Scheidt – und ihre Schüler sowie Johann Sebastian Bach, der wiederum auch durch die norddeutsche Kirchenmusik stark beeinflusst worden ist. Sie ist hier ebenfalls vertreten durch Protagonisten wie Franz Tunder, Nicolaus Bruhns, Dieterich Buxtehude oder Matthias Weckmann. 
Die reichhaltigen Aufnahmen aus dem Bestand von Ricercar werden ergänzt durch eine Einspielung von Heinrich Schütz' Historia der Geburt Jesu Christi SWV 435, die bei dem Label K 617 erschienen ist. Hervorzu- heben sind zudem die Weihnachtskantaten des Darmstädter Hofkapell- meisters Christoph Graupner. Sein Werk, das neben dem seiner namhaften Zeitgenossen durchaus bestehen kann, befindet sich leider noch immer weitestgehend im Archivschlaf. Desto mehr freut man sich über jede Kantate, die wieder erklingt – und über jede Notenedition, die vorliegt. 

Donnerstag, 22. November 2012

A Baroque Christmas (Ricercar)

Ein Weihnachtskonzert ganz besonderer Art hat das Label Ricercar in dieser Drei-CD-Box zusammengestellt: Aus dem eigenen Programm sowie den Katalogen von Zig-Zag-Territoires, Fonti Musicali und der Manufac- ture d'orgues Thomas erklingen Werke aus der Barockzeit, und zwar aus Deutschland, England, Italien und Frankreich. 
Zu hören sind zahlreiche bekannte Ensembles wie Vox Luminus, Ricercar Consort, La Pastorella, La Fenice oder Choeur de Chambre de Namur, und auch die Namensliste der beteiligten Solisten ist lang und illuster. Entsprechend hoch ist das Niveau, auf dem hier musiziert wird. 
Es wird nicht verwundern, dass die Weihnachtsgeschichte gerade in dem auf Inszenierung und Theatralik versessenen Barockzeitalter viele Komponisten in ganz Europa inspiriert hat. Die Hirtenmusik, die Engelschöre und das jeweilige regionale Brauchtum lieferten dafür eine Fülle von Anregungen. Die drei CD machen Gemeinsamkeiten und Unterschiede hörbar - und erweisen sich so, ganz nebenbei, als kleine Lektion in europäischer Musikgeschichte. Dazu trägt auch das Beiheft mit seinen Informationen bei. Wer also etwas lernen will, der hat dazu Gelegenheit - und wer einfach nur genießen möchte, der darf sich ebenfalls freuen.