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Dienstag, 28. Dezember 2021

In dulci jubilo (SWR Classic)

 

Das SWR Vokalensemble widmet sein aktuelles Album zum Weihnachtsfest dem Schaffen von Michael Praetorius (1571 bis 1621). Er war Kammerorganist und Hofkapellmeister der Herzöge Heinrich Julius und Friedrich Ulrich, Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel, weithin hochgeschätzt, und auch über deutsche Grenzen hinaus bestens vernetzt. 

Ursprünglich sollte Praetorius allerdings Pfarrer werden, nach dem Vorbild seines Vaters und etlicher seiner Verwandten. Doch am Ende setzte sich das musikalische Talent durch. Macht nichts, denn: „Nach dem heiligen Wort Gottes ist nichts so hoch zu rühmen und zu loben als eben die Musica“, schrieb der Komponist in der Vorrede zum ersten Band der Musae Sioniae – das erste Werk, dass er drucken ließ. 

Acht weitere Bände dieser Sammlung von Chorälen, in allen nur denkbaren Besetzungen, folgten. Daran wird ersichtlich, welch große Bedeutung Michael Praetorius der Pflege und Förderung des protestantischen Kirchenliedes zumaß. Einen besonderen Platz in den Musae Sioniae haben die Weihnachtslieder. 

Für diese Einspielung des SWR Vokalensembles hat Chorleiter Marcus Creed eine Auswahl aus dieser Kollektion zu Weihnachtskonzerten zusammengestellt. Traditionelle Chorsätze, mit der Liedmelodie in der Oberstimme, kombinierte er mit Bicinien und Tricinien, in denen zwei oder drei gleiche Stimmen kunstvoll miteinander zu wetteifern scheinen, und mehrchörigen Strophen mit ihrer enormen Klangpracht. 

Das SWR Vokalensemble singt hinreißend schön. Allerdings hätte mich gelegentlich anstelle von perfektem Gesang doch ein wenig mehr Ausdruck erfreut. Aber das ist Gemecker auf hohem Niveau; die Klangkultur des Chores ist wirklich beeindruckend. 


Donnerstag, 23. Dezember 2021

Lieder zur Weihnacht - Peter Schreier (Berlin Classics)

 

Schätze aus dem Archiv legt Berlin Classics Klassikfreunden auch in diesem Jahr wieder auf den Gabentisch. Gleich zwei CD präsentieren historische Aufnahmen mit Peter Schreier. So hat der legendäre Tenor 1969 in Leipzig mit Musikern des Gewandhausorchesters unter der Leitung von Thomaskantor Erhard Mauersberger Arien von Johann Sebastian Bach gesungen; die Schallplatte ist 1970 erschienen. 

1978 entstand im Studio Lukaskirche Dresden eine Einspielung mit Weihnachtsliedern von vier großen Liedmeistern der Spätromantik: Peter Cornelius (1824 bis 1874), Joseph Haas (1879 bis 1960), Max Reger (8173 bis 1916) und Hugo Wolf (1860 bis 1903). Klavierpartner des Sängers war bei dieser Produktion Norman Shetler. Zu hören sind beispielsweise Cornelius‘ bekannte Weihnachtslieder op. 8 oder aber Regers berühmtes Maria am Rosenstrauch op. 142 Nr. 3. Und man staunt noch heute, mit welcher Intensität sich Peter Schreier jedem einzelnen dieser Lieder zuwendet. Noch immer ist dies eine der schönsten Aufnahmen mit diesem Repertoire. 


Wie schön leuchtet der Morgenstern (Ambiente Audio)

 

Diese CD ist ein Familienprojekt: Seit nunmehr elf Jahren gestalten Simon Becker-Foss, Bassklarinette/Saxophon, und Hans Christoph Becker-Foss, Orgel, Adventskonzerte in der Hamelner Marktkirche St. Nicolai. Adelheid Becker-Foss ist daran als Registrandin beteiligt, und die vorliegende Aufnahme lag in den Händen von Claudio Becker-Foss. Das Coverfoto stammt von Raphael Becker-Foss. 

Es ist dies ein wunderbares Beispiel dafür, wie Großes entstehen kann, wenn jeder etwas dazu beisteuert, seine Ideen und seine Persönlichkeit einbringt. In dem Programm, das wohldurchdacht auf der Grundlage theologischer Überlegungen zusammengestellt worden ist, finden sich auch Werke der Altmeister Johann Sebastian Bach, Johann Gottfried Walther, Johann Philipp Kirnberger, Georg Friedrich Kauffmann und Georg Philipp Telemann. Doch sie erklingen nicht, damit der Organist seine Virtuosität unter Beweis stellen kann. 

Hans Christoph Becker-Foss, der seit vielen Jahren als Professor an der Musikhochschule Hannover unterrichtet, ist ganz offensichtlich mit Leidenschaft Kirchenmusiker. Er nimmt seine Zuhörer in einem chaotischen Jahr mit auf eine musikalische Reise zum Jesuskind; Pastor Jürgen Harms hat für das Beiheft dazu kurze theologische Betrachtungen geschrieben. 

Leitmotiv ist der Choral Wie schön leuchtet der Morgenstern. Er kehrt mehrfach wieder – als Improvisation von Simon Becker-Foss, aber auch als Orgelchoral, gespielt von Hans Christoph Becker-Foss an der Beckerath/Goll-Orgel der Marktkirche St. Nicolai Hameln. Kompositionen und Choralbearbeitungen von ganz eigener Qualität hat der Saxophonist Simon Becker-Foss geschaffen. Im Dialog mit seinem Vater vermittelt er konzentriert die Botschaft all der alten, lieben Lieder. 

Die Musik erinnert an das Warten auf die Ankunft des Heilands, auf die Freude über die Geburt Christi. Die Krippe bietet einen Ruhepunkt, aber das Programm erinnert auch daran, dass die Heilige Familie gezwungenermaßen zur jener langen Reise aufgebrochen ist, zu Fuß, und froh sein musste, in einem Stall ihr Nachtlager aufschlagen zu dürfen. Doch für uns Menschen bleibt immer Hoffnung – als Zeichen dafür steht der Morgenstern; der Choral beschriebt in geradezu erotischer Ekstase die enge Bindung zwischen Gott und Mensch. 


Mittwoch, 22. Dezember 2021

Festive Trumpets for Christmas (Berlin Classics)


 Weihnachten ohne Trompeten und Posaunen? Das wäre wie Weihnachten ohne Kerzenschimmer und ohne Tannenduft. „Seit meiner Kindheit gehört es zum Weihnachtsfest dazu, in den Gottesdiensten, meist mit Orgel oder einem Blechbläserensemble, zu musizieren“, meint auch Matthias Höfs. 

Für sein diesjähriges Weihnachtsalbum hat der Trompeter ein stimmungsvolles Programm zusammengestellt, das festlichen Glanz und weihnachtliche Atmosphäre zu uns nach Hause bringt – besonders wichtig in einer Zeit, in der vielerorts Konzerte abgesagt sind und auch der Besuch von Gottesdiensten nur eingeschränkt möglich ist. 

Gemeinsam mit vielen renommierten Bläserkollegen sowie Marc Engelhardt, Fagott, Carsten Lohff, Cembalo und Christian Schmitt, Orgel, führt Matthias Höfs musikalische Traditionen weiter. Einen Glanzpunkt setzt gleich zu Beginn Händels bekannte Melodie Tochter Zion in zwölf Variationen von Ludwig van Beethoven, ursprünglich für Violoncello und Klavier, für Blechbläserensemble arrangiert von Matthias Höfs. In wechselnden Besetzungen wird musiziert; es erklingen Sonaten von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi und Tomaso Albinoni sowie die Canzon Cornetto für vier Trompeten SSWV 56 von Samuel Scheidt. 

Zu hören sind weiter die Advents- und Weihnachtslieder Maria durch ein’ Dornwald ging, Es kommt ein Schiff, geladen und Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich in sehr schönen Choralbearbeitungen von Peter Lawrence. Den Schlusspunkt setzt The North Star Suite nach Motiven aus Bachs Weihnachtsoratorium. Dieses Werk, hier erstmals eingespielt, wurde 2020 durch Matthias Höfs bei Erik Morales in Auftrag gegeben. Und es ist großartig, wirklich überwältigend. 

Mit dem abwechslungsreichen Programm vermittelt Höfs nicht nur Musiktraditionen. Es gelingt dem Trompeter und seinen Kollegen zudem, auch jene Faszination spürbar und hörbar werden zu lassen, die die Musiker und ihre Instrumente verbindet. „Blechbläser sind enorm vielseitig“, zitiert das Beiheft Matthias Höfs. „In der Kirche kommen bei festlichen Gottesdiensten Posaunenchöre zusammen. Für weltliche Feste haben wir Blasmusik und Bigbands. Musik für Blechbläser erreicht ein großes Publikum.“ Diese CD, soviel ist sicher, wird dazu ebenfalls beitragen. Grandios! 


Dienstag, 21. Dezember 2021

Jonas Kaufmann - It's Christmas! (Sony)

 


Das Weihnachtsalbum von Jonas Kaufmann gehörte im vergangenen Jahr bereits zu den Highlights. Nun hat der Tenor das Programm noch einmal erweitert: „Der unglaublich schöne Erfolg und die Freude über das erste Weihnachtsalbum reizten mich, in diesem Jahr erneut ins Studio zu gehen, um einer Musikgattung Tribut zu zollen, die für mich, der ich in Bayern und Tirol aufgewachsen bin, sofort Weihnachtsstimmung auslöst: die alpenländische Stubenmusi.“ Zugleich wird die ohnehin beeindruckende Liste der Mitwirkenden ergänzt, um die Mezzosopranistin Stefanie Irányi und die Spielmusik Karl Edelmann. Und das ist ohne Zweifel ein Gewinn; die stimmungsvollen Klänge werden in ihrer Schlichtheit und Innigkeit auch Flachlandtiroler bezaubern. 

Wer die beiden Versionen des Albums vergleicht, wird zudem feststellen: Im internationalen Teil, auf der zweiten CD, ist ebenfalls ein neues Lied dazugekommen. Auf das Lied Trois anges sont venus ce soir machte Kaufmann sein Sängerkollege Ludovic Tézier aufmerksam. Darüber hinaus enthält das Beiheft jetzt einige Gedichte und weihnachtliche Rezepte sowie jede Menge Fotos aus dem privaten Album von Jonas Kaufmann. Abgedruckt sind in dem ziemlich umfangreichen, mehrsprachigen, ansprechend gestalteten Heft aber auch sämtliche Liedtexte. 

Wenn ich mich entscheiden müsste – ich würde trotz des höheren Preises die „Extended Version“ wählen. Die Stubenmusi ist wirklich hinreißend. Und es ist erneut faszinierend, wie gekonnt der Sänger von der Opernbühne ins populäre Genre wechselt. Weihnachten und Jonas Kaufmann? Gefällt mir! 


Sonntag, 19. Dezember 2021

Herrnhuter Weihnacht (Berlin Classics)

 

Mit dem Ensemble Vocal Concert Dresden wendet Peter Kopp sich einmal mehr einem interessanten und bislang wenig beachteten Kapitel der Musikgeschichte zu: Die Herrnhuter Brüdergemeine feiert im nächsten Jahr nicht nur 300jähriges Bestehen, sie wird auch wird UNESCO-Weltkulturerbe. 

Ab 1722 siedelten sich Böhmische Brüder, Anhänger einer vorreformatorischen Bewegung in Böhmen und Mähren, nachdem sie in der Heimat verfolgt worden waren, in der Oberlausitz auf einem Gut des Grafen Zinzendorf an. Dort gründeten sie eine Kolonie in der Obhut des Herrn Jesus – Herrnhut. 

Damit legten sie den Grundstein für ein noch heute lebendiges Zentrum des Glaubens, mit höchst internationaler Ausstrahlung. Der Brüdergemeinde gehören heute weit über eine Million Menschen an. In Tansania leben derzeit die meisten Mitglieder der „Moravian Church“. Herrnhuter Missionare wirken weltweit, von Dänemark bis Südafrika, von Nepal bis Albanien und von Grönland und Alaska bis in die Karibik. 

Mit den Gläubigen zogen ihre Lieder in die Welt. Denn die Brüdergemeine war von Anfang an eine singende Gemeinde. Und so bauten die „Moravians“ musikalische Brücken zwischen Europa und der Neuen Welt. Faszinierend ist dabei die Tatsache, dass bereits im 18. Jahrhundert Kompositionen, die in fernen Gebieten entstanden, wieder nach Deutschland gelangten und dort in das Repertoire aufgenommen wurden. Eine Ahnung davon vermittelt diese CD mit weihnachtlichen Klängen. 

Den Aufnahmen sind intensive Recherchen in Archiven der Herrnhuter Brüdergemeine in der Oberlausitz, aber auch in Übersee vorangegangen. Bei fast allen Werken handelt es sich um Weltersteinspielungen. Einige Stücke wurden eigens für das Programm rekonstruiert. Somit gibt die CD einen einmaligen Einblick in die Herrnhuter Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Und das ist ebenso spannend wie erstaunlich. 

Denn Zinzendorf betrachtete das Singen als eine Gabe des Heiligen Geistes, und viele Lieddichter und Komponisten leisteten Beiträge zu dieser „Liederpredigt“. Im Gottesdienst der Herrnhuter wurde so recht von Herzen musiziert; insbesondere die Blechbläser beeindruckten und wurden Vorbild auch für „normale“ evangelische Gemeinden – Posaunenchöre sind noch heute in ganz Deutschland beliebt und weit verbreitet. 

In ihren „Singstunden“ entwickelten die Herrnhuter zudem einen kreativen Umgang mit überlieferten Gesängen: Oft wurden nicht Strophen einzelner Lieder fortlaufend gesungen, sondern thematisch zusammengehörige Verse; aneinandergefügt wurden dabei manchmal sogar einzelne Zeilen verschiedener Lieder. Doch nicht nur die versammelte Gemeinde musizierte; regelmäßig trafen sich auch ein Sängerchor oder aber das Collegium musicum. Sie haben natürlich auch erfolgreiche Werke von bekannten Komponisten aufgeführt, wie Homilius, Händel oder Haydn. 

Was also in der Brüdergemeine erklang, das konnte sich wahrlich hören lassen: „Die Herrnhuter haben Musices von allen Instrumenten unter sich, die theils für Virtuosen passieren können, und wird man in mancher Fürstlichen Capelle keine so solide Music antreffen“, schrieb ein Zeitgenosse. 

Diese musikalische Welt also bringt Peter Kopp, mittlerweile Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle (Saale), in diesem Jahr in die heimatlichen Stuben. Im Mittelpunkt des Programmes steht eine Christ-Nachts-Music für das Jahr 1765 von Christian Gregor (1723 bis 1801). Er war Organist, Prediger und Administrator; als solcher besuchte er auch Glaubensbrüder in Nordamerika. Schließlich wurde er zum Bischof ernannt. Die Musik in der Herrnhuter Brüdergemeine prägte er auch als Herausgeber eines Gesangbuches. Seine Christ-Nachts-Music zeigt sehr schön exemplarisch, wie damals in Herrnhut solche Musiken zusammengestellt worden sind – und wer beim Anhören bekannte Melodien entdeckt, der irrt sich keineswegs. 

Auch die anderen Beispiele, die Kopp ausgewählt hat, sind durchweg hörenswert. Er präsentiert mit dem Vocal Concert Dresden, dem Dresdner Instrumental-Concert und einer ganzen Reihe musikalischer Gäste festliche weihnachtliche Musik, Pauken und Trompeten inklusive, vollkommen abseits des vertrauten Repertoires. Was für eine Entdeckung! 


Mittwoch, 15. Dezember 2021

Little Christmas - St. Florianer Sängerknaben (Ars Produktion)


 Mit dem Chorherrenstift St. Florian feiern auch die St. Florianer Sängerknaben in diesem Jahr 950jähriges Bestehen. Zu den Aufgaben des renommierten Knabenchores, der zu seinen Mitgliedern einstmals unter anderem Anton Bruckner zählte, gehört noch immer die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten im Stift St. Florian in Linz. Doch die Jungs singen ebenso zu den Salzburger Festspielen, sie übernehmen Knabenpartien an bedeutenden europäischen Opernhäusern und konzertieren weltweit. 

Zu ihrem Repertoire gehören aber auch Volksweisen, in oftmals coolen modernen Arrangements – und jede Menge Weihnachtslieder, wie diese CD beweist. Sie enthält Aufnahmen aus den Jahren 1998 bis 2021; der Chor wird zumeist vom langjährigen künstlerischen Leiter Franz Farnberger dirigiert, mitunter steht auch Chorleiter Markus Stumpner am Pult. Die Leistungen der Sängerknaben sind ganz erstaunlich; die Leistungen all der Pädagogen, die die Burschen betreuen, kann man gar nicht genug würdigen. 

Der Chorklang ist immer beeindruckend, aber insgesamt doch von Jahr zu Jahr recht unterschiedlich. Das hat seinen Grund. In St. Florian werden die Knaben offensichtlich als heranreifende Künstlerpersönlichkeiten wahrgenommen und individuell gefördert. So sind aus dem Chor im Laufe der Jahre einige exzellente Solisten hervorgegangen. Auch auf dieser CD ist das Solistenensemble mehrfach zu erleben. 

Und gemeinsam mit den Sängerknaben singen bei etlichen Stücken die Herren des Männerchores, den Franz Farnberger 1989 gegründet hat. Das war eine kluge Entscheidung, denn damit hat er einerseits den den St. Florianer Sängerknaben Zugang zu einem sehr viel umfangreicheren Repertoire ermöglicht. Zum anderen bietet der Männerchor aber auch eine Perspektive für Choristen nach dem Stimmbruch – und die Sängerknaben bekommen zugleich „große“ Vorbilder. 

Diese Strategie war sehr erfolgreich, wie die vorliegende CD zeigt. Der Zuhörer darf sich über ein abwechslungsreiches, mit viel Fingerspitzengefühl und wenig Puderzucker zusammengestelltes Programm freuen. Bei jedem einzelnen Lied ist die Begeisterung der jungen Sänger sowie die Freude am Singen zu spüren. Ein gelungenes Weihnachtsgeschenk zum Chorjubiläum. 

Dienstag, 22. Dezember 2020

Machet die Tore weit (Christophorus)


 Der Weihnachtsmusik an der Leipziger Thomaskirche widmet sich auch dieses Album aus dem Hause Christophorus. Das Johann Rosenmüller Ensemble, geleitet von Arno Paduch, und der Kammerchor der Erlöserkirche Bad Homburg, geleitet von Susanne Rohn, konzentrieren sich dabei auf die Werke von Bachs Amtsvorgängern. Als Solisten wirken mit Antonia Bourvé und Simone Schwark, Sopran, Johanna Krell, Alt, Florian Cramer und Hansjörg Mammel, Tenor sowie Markus Flaig, Bass. 

Und auch wenn die Namen von Thomaskantoren wie Tobias Michael, Sebastian Knüpfer, Johann Schelle oder Johann Kuhnau heute dem Publikum kaum noch bekannt sind, erweist sich doch die Beschäftigung mit ihren Festmusiken als überaus lohnend. Man höre nur Schelles prachtvolles Machet die Tore weit, oder Knüpfers Dies est laetitiae für 22 Stimmen, üppig besetzt mit einem fünfstimmigen Trompetenchor nebst Pauken, dazu Streicher, Fagott, drei Flöten sowie sechs Solisten und vierstimmigem Chor. Dieses Konzert sowie Machet die Tore weit von Tobias Michael erklingen in Weltersteinspielung. Was für eine Klangpracht! 


Christmas in Europe (Deutsche Harmonia Mundi)

 


Einer der besten Chöre der Welt singt Weihnachtslieder aus den unterschiedlichsten Regionen Europas: Einmal mehr hat sich Thomas Hengelbrock mit dem von ihm 1991 gegründeten Balthasar-Neumann-Chor auf musikalische Entdeckungsreise begeben. Und so erklingen auf diesem Album Weihnachtslieder in 16 verschiedenen Sprachen von Italienisch bis Isländisch und von Katalanisch bis Tschechisch. Schlagwerk und Orgel begleiten die Sängerinnen und Sänger dezent dabei.

Sächsische Weihnacht (Berlin Classics)

 


Ludwig Güttler und seinem Blechbläserensemble gelingt es noch immer, das Publikum zu überraschen. In diesem Jahr haben die Musiker ein Album zusammengestellt, dass den ganz besonderen Zauber der sächsischen Weihnacht in jede Stube bringt. Dazu haben die Musiker die schönsten Stücke aus den Konzertprogrammen der letzten Jahre ausgewählt. 

Sämtliche Aufnahmen waren bislang unveröffentlicht, und sie sind geprägt durch die spezielle Atmosphäre der sächsischen Kirchen, in denen sie jeweils aufgezeichnet worden sind: „Die Frauenkirche hat eine Bedeutung durch ihre Geschichte bis hin zum Wiederaufbau, für den eine Weltkulturgemeinschaft gewonnen werden konnte“, erläutert Güttler in einem Interview, das im Beiheft zu finden ist. „Die restaurierte Stadtkirche in Pirna ist ein Kleinod, eine der letzten spätgotischen Hallenkirchen hierzulande mit einem wunderbar weiten Klang. Die lichtdurchflutete Dorfkirche Polditz ist klanglich einzigartig, veredelt durch eine fantastische Ladegast-Orgel. (..) Auf zu Unrecht kaum wahrgenommene Orte einen Lichtstrahl zu lenken, für mehr Wahrnehmung und Wertschätzung, ist mein Ziel.“ 

Bläserklänge gehören zur sächsischen Weihnacht ebenso wie Pyramiden, Räucherwerk und Kerzenschein. Das Blechbläserensemble um Ludwig Güttler stellt bekannte weihnachtliche Melodien in teilweise ganz erstaunlichen Arrangements neben Kompositionen alter und neuer Meister. Die Übergänge sind dabei fließend – oder hätten Sie gewusst, dass Ludwig van Beethoven Fünf Variationen über Tochter Zion geschrieben hat? 

Prächtige mehrchörige Werke, unter anderem von Valerius Otto, Antonio Vivaldi und Johann Heinrich Schmelzer stehen neben modernen Stücken, wie den Seven Madrigals on Negro Spirituals op. 58b von Adolf Busch. Zu meinen ganz persönlichen Favoriten gehören auch Allemande und Courante für zwei Pauken von Ludwig Güttler – ein Stück, das deutlich macht, wie ausdrucksstark man auf diesen Schlaginstrumenten musizieren kann. 

Insgesamt erweist sich diese CD mit ihrem liebevoll zusammengestellten und brillant musizierten Programm unter all den vielen Aufnahmen, die der exzellente Trompeter im Laufe seines langen Musikerlebens eingespielt hat, als ein echter Höhepunkt. Für mich ist das das schönste Album zur Weihnacht 2020. 


Freitag, 18. Dezember 2020

It's Christmas! (Sony)


Was macht ein international gefeierter Opernsänger, wenn Corona ihm statt des üblicherweise prall gefüllten Terminkalenders eine Zwangspause beschert? Jonas Kaufmann hat das Krisenjahr genutzt, um musikalische Projekte zu verwirklichen, für die bei normalem Spielbetrieb an den Opernhäusern weltweit wohl kaum Zeit gewesen wäre. 

Für dieses Weihnachtsalbum hat er seine Lieblings-Weihnachtslieder aus Deutschland und aus aller Welt zu einem Programm zusammengestellt, dass auch Freunden populärer Klänge leuchtende Augen bescheren dürfte. Auf „It’s Christmas“ erklingen einerseits auf CD 1 deutsche Weihnachtslieder, die für Jonas Kaufmann mit der Erinnerung an glückliche Weihnachten im Kreise der Familie verbunden sind. Zu hören sind daher nicht nur bekannte Lieder wie Stille Nacht, Alle Jahre wieder oder Leise rieselt der Schnee, sondern auch bayerische Volksweisen wie Es wird scho glei dumpa oder Im Woid is so staad

Auch amerikanische Weihnachts-Songs wie White Christmas, O Holy Night oder Winter Wonderland gehören zu Kaufmanns Favoriten, weil sein Vater nach der Bescherung oft die legendären Weihnachts-Schallplatten von Bing Crosby, Sinatra und Ella Fitzgerald auflegte. CD 2 enthält zudem eine kleine Auswahl französischer, englischer, italienischer und schwedischer Weihnachtslieder. 

Begleitet wird der Startenor bei den Klassikern vom Mozarteum Orchester Salzburg, dem Bachchor Salzburg und den St. Florianer Sängerknaben unter Leitung von Jochen Rieder. Die Cologne Studio Big Band hingegen ist sein Partner für viele der internationalen Weihnachtshits. Bei Let it snow und Have yourself ist zudem Till Brönner als Solist zu hören. 

Jonas Kaufmann gelingt bei diesem Album die perfekte Balance zwischen Moderne und Tradition. Die zeitgenössischen Arrangements sorgen ebenfalls für stilistische Vielfalt und musikalische Abwechslung. Eine Einspielung, die man auch verschenken kann – sie dürfte so ziemlich der ganzen Familie gefallen. 


Dienstag, 15. Dezember 2020

Adventskonzert (Berlin Classics)


Man glaubt es kaum, aber die vorweihnachtlichen Konzerte des Dresdner Kreuzchores in einem Fussballstadion gibt es erst seit 2015. Damals hatte der weltberühmte Knabenchor anlässlich seines 800jährigen Bestehens die Dresdner erstmals zum Adventskonzert eingeladen. Mittlerweile hat sich das Konzert zu einem Event entwickelt, zu dem alljährlich mehr als 25.000 Menschen anreisen; zudem erleben Hunderttausende das Programm zu Hause am TV mit. 

Wenn die großen Stars aus Klassik und Pop gemeinsam mit den Kruzianern Weihnachtslieder singen, wenn das Publikum begeistert mit einstimmt, und wenn auf den Rängen und auf dem Rasen tausende kleine Lichter aufleuchten, dann ist wieder ein Jahr vergangen, und einmal mehr steht Weihnachten vor der Tür. In diesem Jahr allerdings hat die Corona-Pandemie auch dieses Großereignis verhindert. 

Dennoch muss das Publikum nicht auf die stimmungsvollen Klänge verzichten. Denn die Kruzianer sind unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile ebenso ins Studio gegangen wie Rockstar Peter Maffay, die finnische Sopranistin Camilla Nylund, Tenor Klaus Florian Vogt, die Musicalsängerin Sabrina Weckerlin sowie die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth. So entstand unter strengen Hygienebedingungen dieses Album. Und man staunt, wie professionell sich die Jungs auf die ungewohnten Arbeitsbedingungen eingestellt haben – zu hören ist das nicht; alles klingt gewohnt klar und weihnachtlich. 

An der Seite der Chorsänger und der Solisten musiziert auch in diesem Jahr das Cross Bell Orchestra, bestehend aus renommierten Band- und Studiomusikern, unter der Leitung von Peter Christian Feigel. Ob Orgel- oder Saxophonsound – auf zwei CD erklingen bekannte Weihnachtsmelodien in klassischen und modernen Arrangements. Ein wichtiger Höhepunkt im umfangreichen Programm ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, gelesen von Samuel Koch. 

So bringt dieses Album festliche Stimmung in die vorweihnachtliche Stube – auch wenn in diesem Jahr die Weihnachtsmärkte abgesagt sind, in den Gottesdiensten nicht gesungen werden darf, und alle Konzerte ausfallen müssen. Von Herzen Dank an alle Beteiligten, für ein Stück Normalität in einer äußerst seltsamen Zeit. 


Montag, 7. Dezember 2020

Vom Himmel hoch, da komm ich her (Christophorus)

 


Beim Lesen der Stichworte Weihnachten und Leipzig denkt jeder Musikfreund sogleich an den Thomaskantor Johann Sebastian Bach und sein berühmtes Weihnachtsoratorium. Diese CD aus dem Hause Christophorus zeigt, dass Bachs Amtsvorgänger ebenfalls hinreißend schöne Kompositionen zum Fest geschaffen haben. Der Kammerchor der Christuskirche Karlsruhe hat gemeinsam mit dem Ensemble L’arpa festante sowie den Solisten Monika Mauch, Hanna Zumsande, Franz Vitzthum, Sebastian Hübner und Ekkehard Abele unter Leitung von Peter Gortner in einem Konzert am 22. Dezember 2019 Festmusiken von Sebastian Knüpfer, Johann Schelle und Johann Kuhnau aufgeführt. 

Die ausgewählten Werke nehmen Bezug auf Martin Luthers Choral Vom Himmel hoch, da komm ich her, der von allen drei Thomaskantoren in den Mittelpunkt ihrer Kompositionen gestellt wurde. Während Knüpfers Kantate Ach mein hertzliebes Jesulein noch hörbar auf Stadtpfeifertraditionen beruht, setzt Schelle bereits auf Pauken und Trompeten, um das neu geborene Kind gebührend zu feiern. In seiner Choralkantate Vom Himmel kam der Engel Schar hat er sechs Strophen des Weihnachtsliedes verwendet. Sein Actus Musicus auff Weyh-Nachten aus dem Jahr 1683 hingegen ist ein knapp halbstündiges Oratorium, das die Zuhörer seinerzeit nicht nur zur Andacht angehalten, sondern mit allerlei Liedzitaten sowie mit einer breiten Palette an Klangfarben auch erfreut und gut unterhalten haben dürfte. 

Kuhnaus Magnificat hingegen glänzt bereits in hochbarocker Pracht. Die Musiker haben dieses Werk, so wie es damals üblich war, um vier weihnachtliche Einlagesätze erweitert. Ein ansprechendes Konzertprogramm, das weihnachtlichen Jubel auch in diesem Corona-Jahr in jede Stube bringt; leider wird die Freude zu Hause am Lautsprecher ein wenig getrübt durch die Akustik der Karlsruher Kirche, die im dem Live-Mitschnitt ziemlich präsent wirkt. 


Montag, 30. November 2020

White Christmas - Calmus Ensemble (Carus)

 


Mit dem stimmungsvollen Weihnachtsprogramm von Calmus startet das Klassikblog in die Adventszeit. Das renommierte Leipziger Ensemble hat dafür eine Liedauswahl zusammengestellt, die die verschiedensten Himmelsrichtungen ebenso einschließt wie die unterschiedlichsten Musiktraditionen. Dennoch wirkt diese Liedfolge sehr harmonisch. Schaut man ins Beiheft, wird man allerdings feststellen, dass nur ein einziges Stück in diesem Jahr aufgenommen worden ist – alles andere war in anderem Kontext schon einmal zu hören. Macht nichts. Calmus erfreut alle Jahre wieder mit kreativen Arrangements und perfektem Ensemblegesang. Bravi! 

Dienstag, 17. Dezember 2019

Bübchens Weihnachtstraum (Genuin)

Einladung zum Krippenspiel, mit Chor und einem kleinen Orchester: Stimmungsvoll wie die Märchenoper Hänsel und Gretel ist auch Bübchens Weihnachtstraum, ebenfalls von Engelbert Humperdinck. Seine Musik führt uns mitten hinein in die festliche Atmosphäre am Heiligabend. Es duftet nach Backwerk und Tannenzweigen, in der Stube ist es heute besonders heimelig, und draußen vor dem Fenster tanzen die Schneeflocken. Einem kleinen Jungen dauert das Warten aufs Christkind zu lang. Er schlummert ein, und Humperdinck zeigt uns in seiner Kombination aus Liedern, Sprechtext und Orchestermusik, wie das Bübchen im Traum schon an die Krippe tritt. 
Dabei kombinierte der Komponist bekannte Weihnachtslieder und neue Ideen. Humperdinck erweist sich gerade in diesem kleinen Stück als ein großer Meister, der mit bescheidenen Mitteln ganz enorme Wirkung erzielen kann. Seine Orchestration und auch seine Chorsätze sind schlicht und zugleich raffiniert – und der MDR Kinderchor hat nun glücklicherweise Bübchens Weihnachtstraum wiederentdeckt und das „melodramatische Krippenspiel für Schule und Haus“ auf CD eingespielt. 
Das Leipziger Ensemble, das seit Januar 2018 von Alexander Schmitt geleitet wird, ist der einzige Kinderchor der ARD – und künstlerisch ein Juwel, wie diese Aufnahme beweist. Daran haben auch das MDR-Sinfonieorchester sowie Sopranistin Lisa Rothländer mitgewirkt, die das kleine Solo hinreißend singt. Als Erzähler brilliert Axel Thielmann, der die Hörer gekonnt und humorvoll durch die Geschichte geleitet. Und weil es so schön ist, gibt’s als Zugabe gleich noch einige Weihnachtslieder aus der Chortradition. 

Montag, 16. Dezember 2019

Festival of Carols (Naxos)

Eine Kollektion der schönsten Weihnachtslieder – vorwiegend aus der britischen Tradition – bietet diese CD mit dem Indianapolis Symphonic Choir und dem Indianapolis Chamber Orchestra, dirigiert von Chorleiter Eric Stark. Sie fasst die Höhepunkte der „Festival of Carols“-Konzerte des Chores aus den Jahren 2015 und 2016 zusammen. Als Stargast wirkte die renommierte Sopranistin Sylvia McNair mit. Sie gestaltet unter anderem, gemeinsam mit dem Pianisten David Duncan, eine vom Gospel inspirierte Interpretation von Go tell it on the mountain, die man von einer klassisch ausgebildeten Sängerin so nicht unbedingt erwartet hätte. Auch sonst hält das Programm einige Überraschungen bereit – man staunt immer wieder, wie abwechslungsreich doch Weihnachtsprogramme gestaltet werden können... 

Freitag, 13. Dezember 2019

Ein Wintermärchen 2 (Deutsche Grammophon)

Weihnachten – das bedeutet Tannengrün und Kerzenschein, dazu ein wohlig prasselndes Kaminfeuer, den Duft von Plätzchen und Glühwein, und gemeinsames Musizieren. Das dachte sich auch der Berliner Komponist, Pianist und Produzent Christoph Israel. Er hat daher zwölf Festtagsklassiker neu arrangiert, und dann zum Mitspielen und Mitsingen eingeladen. 
Zu hören ist nun das Swonderful Orchestra unter Leitung von Catherine Larsen-Maguire. „Dieses Ensemble der besten Musiker Berlins wurde eigens für dieses Projekt zusammengestellt“, sagt Christoph Israel. „Ich bin sehr froh, dass ich mit diesem wunderbaren Orchester an diesem großartigen Ort arbeiten durfte. Nachdem die Studioarbeiten in der Jesus-Christus-Kirche abgeschlossen waren, bin ich mit den Instrumentalversionen in so illustre Weltstädte wie New York, Nashville, San Francisco oder Münster gereist, um den Gesang der einzelnen Sängerinnen und Sänger aufzunehmen.“ 
Und so geben Ute Lemper, Nadine Sierra, Kandace Springs, Max Raabe, Carolin Niemczyk (Glasperlenspiel), Michael Schulte, Götz Alsmann und Theo Bleckmann, und natürlich die Arrangements von Christoph Israel, den Weihnachtsklassikern jeweils einen ganz individuellen Charakter. Sie erklingen elegant-feierlich, fröhlich und beschwingt, andächtig, mitunter auch keck oder sehnsuchtsvoll. 
Komplettiert wird das abwechslungsreiche Programm durch stimmungsvolle Instrumentalversionen der bekannten Melodien. Das macht diese CD tatsächlich zum Wintermärchen – und wer sich gut auskennt, für den hat der Arrangeur noch eine ganz spezielle Einladung: „Ich liebe Rätselspiele“, so Christoph Israel, „und habe für Weihnachtsliedexperten wieder die eine oder andere Referenz zum Mitraten in die Stücke eingebaut.“ 

Dienstag, 10. Dezember 2019

Santa Claus Is Coming To Town (K&K)

Wenn die New Orleans Jazz Band of Cologne weihnachtlich  aufspielt, dann ist dies quasi eine Einladung, das Fest einmal ganz lässig und entspannt zu feiern. Die Kölner Jazzformation, die auf eine mehr als 60jährige Geschichte zurückblicken kann, musizierte im Dezember 2018 im Homburger Schloss. Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger haben dieses Konzert nicht nur organisiert, sondern auch aufgezeichnet. 
Der Mitschnitt ist nun bei ihrem Label K&K erhältlich. Und er ist überwältigend, so fröhlich und voll Musizierlust; diese CD sorgt garantiert für allerbeste Laune. Das Ensemble pflegt den typischen New-Orleans-Sound, und das richtig gut. Kein Wunder, dass alle Bandmitglieder auf ihrer ersten Reise nach New Orleans 1994 wegen ihrer Verdienste um den Jazz zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt wurden. Ein Hoch auf Bruno van Acoleyen, Bart Brouwer, John Defferary, Hans-Martin „Büli“ Schöning, Markus „Benny“ Daniels, Reinhard Küpper sowie Dominik Dötsch, der mit seinem Klavierspiel als Gast die Band hervorragend komplettierte. Santa Claus is coming to town – man vernimmt es mit einem Schmunzeln. 

Montag, 9. Dezember 2019

Advent Carols (Delphian)

Adventskonzerte sind nicht nur in Deutschland beliebt. Auch in Großbritannien strömen in der Vorweihnachtszeit die Menschen in die Kirchen, um in besonderer Atmosphäre Musik zu hören. Insbesondere die Adventskonzerte des Chores am King’s College London sind über Jahre ausgebucht; sie werden alljährlich vom BBC in alle Welt übertragen. 
Im vergangenen Jahr präsentierten die jungen Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Joseph Fort ein hochinteressantes Programm, das mittelalterliche Weisen und hinreißend schöne moderne Chorsätze gekonnt kombiniert. Eingebettet in die Abfolge der traditionellen gregorianischen „O-Antiphonen“, erklangen neben großartigen Chören aus dem kulturellen Erbe vor allem Werke von Komponisten, die dem King's College nahestehen. So wirkt George Benjamin derzeit dort als Professor für Komposition. 
Der Chor singt exzellent, und wer Lust hat auf ein Adventsprogramm, das komplett auf all die bekannten Hits verzichtet, der wird diesem Album beglückt lauschen. Unbedingte Empfehlung! 

Ludwig Güttler - Europa cantat (Berlin Classics)

Wenn die Trompeten und Pauken der Herrscher gemeinsam mit den Oboen der Hirten musizieren, dann ist wieder einmal Weihnachten. Das Fest verbindet Himmel und Erde, Arme und Reiche, und Menschen aus der ganzen Welt. Ludwig Güttler war es deshalb ein Anliegen, auf eine Tradition europäischer Musik hinzuweisen, die man aus heutiger Sicht oftmals vergisst: Musik überschreitet Grenzen. Und Musiker in Europa haben schon immer über Grenzen geschaut. 
Flämische Musiker inspirierten Italiener, deutsche Musiker lernten in Italien, Musiker aus Böhmen waren nicht nur in Österreich sehr begehrt, und der französische Hof bot mit seiner Pracht und seinem Sonnenkönig ein Vorbild, das europaweit vielfach kopiert wurde. Händel stammte aus Halle an der Saale, er war schon in Italien erfolgreich, und er ging schließlich nach England. Hasse stammte aus Bergedorf bei Hamburg; in Italien wurde er – nach heutigen Maßstäben – zum Star, und er wirkte schließlich in Dresden. 
Bachs weiteste Reise ging nach Lübeck. Doch in seiner Musik griff er, ebenso wie sein Kollege Telemann und viele andere, Anregungen aus Italien ebenso auf wie die neuesten Trends aus Frankreich. Denn nicht nur Musiker reisten von Rom bis nach St. Petersburg, von Stockholm bis Madrid und von Wien bis London quer durch Europa. Auch Noten wurden eifrig studiert, kopiert und weitergegeben. 
„Europa cantat“, überschrieb Ludwig Güttler seine neuen CD, Europa singt. Und das prägt auch die Musikauswahl: „Mir war es wichtig, Komponisten zu versammeln, die den Europagedanken zum Ausdruck bringen, sei es in ihrer Herkunft, ihrer Ausbildung, den Reisen und Umzügen nach unterschiedlichen Wirkungsorten“, sagt Güttler. Und so fasst der Trompeter und Dirigent auf dieser CD barocke Weihnachtsmusiken aus verschiedenen Regionen Europas zusammen, die verdeutlichen, wie gut doch seinerzeit der kulturelle Austausch europaweit funktionierte. 
Werke namhafter Komponisten wie Bach, Händel und Telemann stehen dabei neben denen weniger bekannter Musiker, wie Pietro Torri, Pavel Josef Vejvanovský oder William Brade. Im Laufe seiner langen Musiker- karriere hat Güttler etliche davon in Archiven wiederentdeckt und mit seinen Ensembles aufgeführt. Dort sind aber auch weiterhin Schätze zu heben, meint der Musiker: „Der Fundus an Meisterwerken ist riesig“, unterstreicht Güttler. „Wir dürfen heute mit unseren Taschenlampen Lichtkegel darauf richten.“