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Dienstag, 17. Dezember 2019

Bübchens Weihnachtstraum (Genuin)

Einladung zum Krippenspiel, mit Chor und einem kleinen Orchester: Stimmungsvoll wie die Märchenoper Hänsel und Gretel ist auch Bübchens Weihnachtstraum, ebenfalls von Engelbert Humperdinck. Seine Musik führt uns mitten hinein in die festliche Atmosphäre am Heiligabend. Es duftet nach Backwerk und Tannenzweigen, in der Stube ist es heute besonders heimelig, und draußen vor dem Fenster tanzen die Schneeflocken. Einem kleinen Jungen dauert das Warten aufs Christkind zu lang. Er schlummert ein, und Humperdinck zeigt uns in seiner Kombination aus Liedern, Sprechtext und Orchestermusik, wie das Bübchen im Traum schon an die Krippe tritt. 
Dabei kombinierte der Komponist bekannte Weihnachtslieder und neue Ideen. Humperdinck erweist sich gerade in diesem kleinen Stück als ein großer Meister, der mit bescheidenen Mitteln ganz enorme Wirkung erzielen kann. Seine Orchestration und auch seine Chorsätze sind schlicht und zugleich raffiniert – und der MDR Kinderchor hat nun glücklicherweise Bübchens Weihnachtstraum wiederentdeckt und das „melodramatische Krippenspiel für Schule und Haus“ auf CD eingespielt. 
Das Leipziger Ensemble, das seit Januar 2018 von Alexander Schmitt geleitet wird, ist der einzige Kinderchor der ARD – und künstlerisch ein Juwel, wie diese Aufnahme beweist. Daran haben auch das MDR-Sinfonieorchester sowie Sopranistin Lisa Rothländer mitgewirkt, die das kleine Solo hinreißend singt. Als Erzähler brilliert Axel Thielmann, der die Hörer gekonnt und humorvoll durch die Geschichte geleitet. Und weil es so schön ist, gibt’s als Zugabe gleich noch einige Weihnachtslieder aus der Chortradition. 

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Cantique de Noel (Delphian)

Französische Weihnachtslieder, gesungen von einem britischen Chor, sind auf dieser CD zu hören. Der Choir of Gonville & Caius College, Cambridge, wird von Geoffrey Webber geleitet. Er ist klein, aber gut bei Stimme, und auch die Soli werden von den Chorsängern überwiegend sehr ordentlich gesungen. 
Die Franzosen schätzen Traditionen: Es fällt auf, dass die Lieder und Chorsätze von erstklassigen Komponisten stammen. Die Liste ist lang und illuster, und sie reicht von Adolphe Adam über Gabriel Fauré und Claude Debussy bis hin zu Camille Saint-Saëns. Entsprechend klangvoll ist die Musik, und der Chor wird durch Michael How und Luke Fitzgerald, Orgel, sowie durch Ursula Perks am Klavier gekonnt begleitet.

Christmas Card Carols (Divine Art)

„I have always liked Christmas Carols (..) and I have been composing them (or rather trying to) since my early teens“, schreibt JohnTurner. „For many years our Christmas Cards were designed by my good friend the composer and artist Thomas Pitfield, but after his old age and infirmity brought that sequence to an end I thought I would send a specially composed carol each Christmas to my friends.“ 
Im Laufe der Jahre kam da einiges zusammen; und auf dieser CD sind diese „Weihnachtskarten-Lieder“ nun zu hören, vorgetragen vom Ensemble Intimate Voices unter Leitung von Christopher Stokes. Es sind zumeist mittelalterliche Texte, die John Turner inspirierten. Doch auch bekannte Lieder, wie Away in a Manger, hat er mit ausgewählt. Es singen Philippa Hyde, Eleanor Gregory und Sasha Johnson Manning, Sopran, Joyee Tindsley, Alt, Matthew Minter, Tenor und James Berry, Bass. Die Vokalisten werden begleitet durch Richard Simpson, Oboe, John Turner, Blockflöte, und Anna Christensen, Harfe. 

Montag, 17. Dezember 2018

Un Nino nos es nascido (Deutsche Harmonia Mundi)

Überwiegend fröhlich und beschwingt geht es zu auf dieser CD mit spanischer Weihnachtsmusik. Die Entdeckungsreise beginnt mit eher besinnlicher geistlicher Vokalmusik von Komponisten wie Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611), Antonio de Cabezón (1510 bis 1566) oder Cristóbal de Morales (um 1500 bis 1553). Doch sie führt dann nach Lateinamerika, und wird deutlich temperamentvoller. 
Das Ensemble Phoenix aus München ergänzt den Gesang, wo es angebracht ist, durch die Klänge von Vihuela, Viola da gamba, Flöte, spanischer Harfe und diverse Schlag- und Effektinstrumente. Auch reine Instrumentalwerke sind zu hören. 
Der Initiator dieses Projektes, Bassbariton Joel Frederiksen, hat eine ganz besondere Beziehung zur Musik Lateinamerikas. Denn er ist zwar in den Vereinigten Staaten aufgewachsen, aber mit einer Kolumbianerin verheiratet. „This CD program should evoke the true spirit of Christmas“, schreibt Frederiksen im Beiheft, „universal and not confined to one religion alone: A celebration of hope through the renewal of life. I wish you a Christmas season blessed by the star and illuminated by light, and hope that our music can offer you moments of profundity, contemplation, and joy.“ 

A German Christmas (Naxos)

Ins 17. Jahrhundert führt uns diese CD: Das Margaretha Consort, ein niederländisches Ensemble, das auf auf Klänge aus Renaissance und Frühbarock spezialisiert ist, präsentiert unter der Leitung seiner Gründerin Marit Broekroelofs Advents- und Weihnachtsmusik, wie sie damals in einer größeren Stadt erklungen sein könnte. 
Aufwendige Figuralmusik, Gemeindegesang, Instrumentenspiel und Orgelklang – Solisten, Chor, Gottesdienstbesucher, Kantor, Organist und Stadtmusikanten, jeder trug dazu bei, festlichen Glanz zu verbreiten. Diese besondere Atmosphäre vermittelt auch die CD. Meine Empfehlung! 

Dienstag, 11. Dezember 2018

Feliz Navidad - Rolando Villazon (Deutsche Grammophon)

Spanisch, Französisch, Deutsch, Englisch und Italienisch – in allen Sprachen, die er selbst fließend spricht, singt Rolando Villazón auf dieser CD Weihnachtslieder. Das war für ihn eine Herzensangelegenheit: „Sobald im Winter der Weihnachts- baum in unserem Haus steht und wir als Familie zusammen sind, hören wir Weihnachtsmusik. Das hat bei uns Tradition“, erläutert der populäre Tenor. „Nun sind meine Kinder mittlerweile älter und mir ist bewusst geworden, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sie nicht mehr zu Hause wohnen werden. Deshalb wollte ich selbst Weihnachtslieder aufnehmen – als Musik für meine Kinder und für alle anderen Menschen.“ 
Feliz Navidad ist zugleich eine kleine Reise durch unterschiedliche Weihnachtskulturen. Man spürt, dass Villazón, als französischer Sänger, der aus Mexiko stammt, dieses Fest ganz besonders schätzt. „Je mehr wir Weihnachten aufbauschen, Luxus anhäufen oder zu Weihnachten in erster Linie in die Shoppingmalls strömen, desto mehr entfernen wir uns von der eigentlichen Botschaft des Festes“, unterstreicht der Sänger. Und so singt er für uns die alten Lieder, begleitet von James Hayto, Gitarre, Chris Pearson, Bassgitarre, Sam Vincent, Kontrabass, Darran Muller, Schlagzeug, den Apollo Voices sowie dem Slovak National Symphony Orchestra unter Leitung von Allan Wilson. Entstanden ist diese Produktion mit hohem Aufwand und in gut einem halben Dutzend Studios. 
Für die deutschen Fans besonders attraktiv: Stille Nacht, heilige Nacht – jener Weihnachtshit, der vor nunmehr 200 Jahren am Heiligabend in Oberndorf bei Salzburg von einem Dorfschullehrer, der zugleich die Orgel spielte, und einem Hilfspfarrer erdacht und zur Gitarre gesungen wurde, weil die Not groß und das dortige Orgelchen kaputt war. Und vielleicht auch Leise rieselt der Schnee, das Villazón gemeinsam mit Popsänger Sasha vorträgt. 

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Joy to the World (BR Klassik)

Einen ganz besonderen Weihnachtszauber verbreitet diese CD, die der Chor des Bayerischen Rundfunks eingespielt hat. Das Programm kombiniert traditionelle Weihnachtslieder, auch aus Polen, Griechenland oder Frankreich, ebenso liebevoll wie aufwendig mit klassischem Repertoire. 
Die meisten Arrangements hat Chorleiter Howard Arman selbst geschrieben. Dabei hat er die bekannten Melodien oftmals kunstvoll bearbeitet und in eine ebenso üppige wie effektvolle Begleitung eingebettet. Das Münchner Rundfunkorchester sorgt für vorweihnachtlichen Glanz, und ist den Chorsängern sowie der Solistin, Sopranistin Chen Reiss, ein zuverlässiger Partner. So wird auf dieser CD hinreißend schön gesungen und musiziert – eine Aufnahme, die man Klassikfreunden mit gutem Gewissen unter den Weihnachtsbaum legen kann. 

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Lyambiko - My Favorite Christmas Songs (OKeh/Sony)

Ihre Lieblings-Weihnachtslieder präsentiert Lyambiko auf dieser CD. Lässig begleitet von Svetoslav Karparov, Klavier, Hannah Weber, Violoncello, Thomas Brendgens-Mönkemeyer, Gitarre und Robin Draganic am Bass, erklingen Klassiker wie The First Noel, Winter Wonderland oder Silent Night, dazu White Christmas von Bing Crosby, Driving Home for Christmas von Chris Rea, und natürlich das unvermeidliche Last Christmas von Wham! 
„Sie besitzt die Dramatik einer Billie Holiday, die Erotik einer Julie London und die Schärfe einer Nina Simone“, schrieb der Boston Globe über die Jazzsängerin. Egal, ob Mariah Careys Superhit All I Want for Christmas oder Ella Fitzgeralds Have Yourself a Merry Little Christmas – Lyambiko findet für jeden Song den passenden Ausdruck; mal elegant, mal elegisch, dann wieder flott und ab und zu auch ein wenig keck. 

Dienstag, 4. Dezember 2018

Peter Schreier singt Weihnachtslieder (Berlin Classics)


Eine Legende ist zurück: „Peter Schreier singt Weihnachtslieder“, eine Schallplatte aus dem Jahre 1975, gehörte seinerzeit im Osten wie im Westen zum Fest, ähnlich wie Weih- nachtsbaum und Weihnachtsbraten. In ihrer Liebe zu den traditionellen Weihnachtsliedern waren sich die Menschen in DDR und BRD damals einig. 
Und auf beiden Seiten der Mauer wurde das unverkennbare Timbre des berühmten Tenors geschätzt, der auf dieser CD von der Staatskapelle Dresden begleitet wird und gemeinsam mit dem Thomanerchor Leipzig singt. Nach aufwendiger Restaurierung der Original-Tonbänder ist nun die legendäre Einspielung erstmals auf CD erhältlich. Von Kommet, ihr Hirten über Leise rieselt der Schnee bis O du fröhliche reicht das festliche Programm. 

Montag, 18. Dezember 2017

Weihnachten mit Clemens Unterreiner (Gramola)

Clemens Unterreiner, laut Beiheft ein beliebter Wiener Bariton, hat bei Gramola seine ganz persönliche Weihnachts-CD veröffentlicht. Leider fehlt dem Programm eine Dramatur- gie – Unterreiner singt zunächst 14 bekannte Weihnachtslieder, begleitet vom ORF-Symphonie-Orchester, und dann spricht er, ebenfalls am Stück, 14 bekannte Weihnachtsgedichte. Tut mir leid - aber mich begeistert dieses Album nicht. 

Carols for a Victorian Christmas (The Gift of Music)

Als Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha im Jahre 1840 der Ehemann von Königin Victoria I. wurde, brachte dieser auch deutsche Weihnachtstraditionen mit. Nicht umsonst stammen zahlreiche Christmas Carols aus viktorianischer Zeit. Die Königsfamilie machte Weihnachten zu einem Familienfest, an dem gemeinsam gesungen, feierlich gegessen und fröhlich Zeit im Kreise der Verwandtschaft verbracht wurde. Bei Hofe findet noch heute die Bescherung schon am 24. Dezember statt. Und das königliche Paar ließ sich mit seinen Kindern unter dem Christbaum porträtieren. 
Die Untertanen fanden diese Bräuche teilweise superb, und übernahmen sie umgehend. So haben viele der heutigen britischen Weihnachtstradi- tionen im Königshaus ihren Ursprung. Auf der vorliegenden CD erklingt weihnachtliche Musik aus dem Viktorianischen Zeitalter, die sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Es singt unter anderem der Chor des Magdalen College, Oxford. Besonderes Highlight: Zu hören sind auch einige mechanische Musikinstrumente jener Zeit aus der Sammlung des Keith Harding's Museum of Mechanical Music.

Sonntag, 17. Dezember 2017

A Christmas Festival (Linn)

Eine Auswahl an populären Melodien haben das Royal Scottish National Orchestra und sein Junior Chorus für die diesjährige Weihnachtssaison zusammengestellt. Mit diesem Weihnachtsprogramm gestalten die Musiker und die jungen Sänger in verschiedenen schottischen Städten zwölf ebenso festliche wie fröhliche Konzerte, die beim Publikum sehr beliebt sind. Im RNSO Junior Chorus singen 400 (!) Kinder und Jugendliche vom siebenten bis zum 18. Lebensjahr. Entsprechend bunt sind die Programme der Konzerte, die buchstäblich für die ganze Familie etwas bieten sollen. So erklingen altbekannte Evergreens wie Jingle Bells oder der Schneewalzer neben modernen Melodien; die Arrangements sind charmant bis pathetisch. Die Weihnachtskonzerte des RNSO, die zu den Highlights im schottischen Adventskalender zählen, dirigiert und moderiert seit mehr als 25 Jahren Chorleiter Christopher Bell. 

Freitag, 15. Dezember 2017

Schwesterhochfünf - Adventslieder (Rondeau)

Schwesterhochfünf nennt sich ein Ensemble, das tatsächlich aus fünf Schwestern besteht: Monika, Agnes, Franziska, Maria und Cordula Tschuschke singen schon von Kindesbeinen an gemeinsam. Ihre musikalische Ausbildung begannen sie an der Mädchenkantorei am Bamberger Dom. Mittlerweile sind sie erwachsen; sie haben erfolgreich an diversen Wettbewerben teilgenommen, und ihr Quintett auch in Meisterkursen weiterentwickelt. 
Auf ihrer dritten CD präsentieren sie ihre ganz persönliche Adventslieder-Auswahl. Das ist auch ein wenig mit Nostalgie und mit Kindheits- erinnerungen verknüpft, wie Franziska Tschuschke im Beiheft schreibt: „In unserem Wohnzimmer hing ein großer, schlichter Adventskranz. Dort kamen wir jeden Abend vor dem Schlafengehen als Familie zusammen zum Adventskranzsingen. Der Raum blieb dunkel, nur die Kerzen am Kranz gaben ihr warmes Licht und warfen immer andere, wundersame Schatten an die Decke. (..) Nun haben wir beschlossen, diese uns so liebe Erinnerung festzuhalten und alle Lieder von damals mit unseren Hörern zu teilen.“ 
Und weil Chorsätze für fünf Frauenstimmen selten sind, haben die Schwestern eigens für diese CD etliche davon bei Komponisten in Auftrag gegeben. So sind die traditionellen Melodien oftmals in ziemlich moderne Klänge eingebettet. Die Tschuschkes singen blitzsauber und perfekt aufeinander abgestimmt; der Gesang der Schwestern ist anrührend und innig. 
Und bei Nun komm der Heiden Heiland – jede Strophe erklingt in einem anderen Arrangement, von Michael Praetorius über Johann Sebastian Bach bis hin zu Hugo Distler und Uwe Henkhaus – sowie Wie soll ich dich empfangen im Traditionssatz von Johann Crüger kommt Hans Tschuschke zum Quintett hinzu. Der Bruder singt den Bass, und die Schwestern freuen sich, dadurch auch Sätze alter Meister vortragen zu können. 
Die Adventszeit, so Franziska Tschuschke, „beginnt mit einem geheimnisvollen Schimmern einer einzelnen Kerze und endet mit warmem, raumfüllenden Glanz. So hat auch jedes Adventslied seine ganz eigene Schattierung und Leuchtkraft.“ Mit dieser CD bringen die fünf singenden Schwestern ein wenig von diesem Leuchten auch zu ihrem Publikum.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

O Holy Night - A Merton Christmas (Delphian)

Eines der schönsten Weihnachts- alben dieses Jahres legt uns der Chor des Oxforder Merton College auf den Gabentisch. Dieser gemischte Chor, der von Benjamin Nicholas geleitet wird, gestaltet während des Studien- jahres die Gottesdienste in der Kapelle des Colleges, das zu den ältesten der Oxford University gehört. In den Ferien widmen sich die Chorister anderen Projekten, wie Konzertreisen oder aber CD-Auf- nahmen. 
Weihnachtslieder singen sie offenbar leidenschaftlich gern; auf diesem Album erklingen traditionelle Carols neben Werken zeitgenössischer Komponisten. So beginnt die CD mit All bells in paradise und Shepherd's Pipe Carol von John Rutter. Bekannte Melodien stehen neben neuer Musik. Zu hören sind unter anderem Kompositionen von Bob Chilcott, etliche Arrangements von David Willcocks oder das mittlerweile berühmte O magnum mysterium von Morten Lauridsen. 
Der Chor des Merton College ist vorzüglich; er wirkt bei dieser Einspielung mit dem Oxford Philharmonic Orchestra zusammen, und die jungen Chorsänger singen so souverän, als wären sie Profis. Eine hinreißende Aufnahme – festlich, stimmungsvoll, ja, und auch ein wenig pathetisch. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für alle, die Christmas Carols und britisches Flair lieben. 

Dienstag, 5. Dezember 2017

O sanctissima (Genuin)

Wie klingt Weihnachten, rings um den Erdball? Der MDR Rundfunk- chor vereint Sängerinnen und Sänger aus zehn Ländern – und ist somit das perfekte Ensemble, um die Vielfalt an Traditionen zu erkunden, die weltweit mit dem Fest verbunden sind. Auf dieser CD lädt der MDR Rundfunkchor nun bereits zum zweiten Male dazu ein, Schätze aus vielen Regionen zu entdecken. 
27 Weihnachtslieder haben die Profis aus Leipzig unter Leitung von Philipp Ahmann eingespielt. Darunter sind Klassiker, wie Macht hoch die Tür, allerdings in einem modernen Satz von Graham Buckland, Ich steh an deiner Krippen hier in dem bekannten Choralsatz von Johann Sebastian Bach aus dem Weihnachtsoratorium, oder Es kommt ein Schiff geladen in einem Chorsatz von Max Reger. Es erklingen aber auch Lieder aus Russland, Frankreich, England, Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark, Italien, Armenien, Venezuela, von den Bermudas, aus den USA, Japan und sogar, in Ersteinspielung, ein Lied aus Korea, das extra für diese CD entstanden ist. 
Im Beiheft berichten Chorsänger, was sie an den einzelnen Liedern begeistert. Und auch der Zuhörer wird begeistert sein, denn die Leipziger musizieren auf höchstem Niveau. Mit dieser CD bestätigt der MDR Rundfunkchor einmal mehr seinen hohen Rang als eines der besten professionellen Ensembles Europas. 

Samstag, 24. Dezember 2016

Euch ist ein Kindlein heut geborn (Carus)

„Wer sich die Musik erkiest, hat ein himmlisch Werk gewonnen; denn ihr erster Ursprung ist von dem Himmel selbst genommen, weil die lieben Engelein selber Musikanten sein“, reimte einst Martin Luther. Fünf Lieder des Reformators für die Adventszeit und das Weihnachtsfest sind auf dieser CD zu hören – in Bearbeitungen, die von den ersten Kantoren in der Reformationszeit selbst oder aber von der nachfolgen- den Musikergeneration geschaffen worden sind. 
Das Musterbeispiel eines evange- lisch-lutherischen Kantors war ohne Zweifel Johann Walter (1496 bis 1570). Er hatte in Leipzig studiert, und ging nach Torgau, um dort als Sänger und Komponist in der ernestinischen Hofkapelle zu wirken. Nach dem Tode seines Dienstherren, Kurfürst Friedrich der Weise, wurden die Hofsänger aber nicht weiter beschäftigt. Walter blieb dennoch in Torgau; 1526 gründete er die Stadtkantorei, um, ganz im Sinne Luthers, die neue Kirchenmusik aufführen zu können. Dazu kam 1530 noch ein Schulkanto- rat, in dem der Nachwuchs ausgebildet wurde. Damit schuf Johann Walter ein Vorbild, das in vielen anderen Städten kopiert wurde und Generationen von Kantoren prägte; nicht zuletzt durch sein Geystliches GesangkBuch- leyn wurde er quasi zum Urkantor der Reformation. 
Auf dieser CD ist er ebenso vertreten wie viele seiner Kollegen. Denn die Hamburger Ratsmusik unter Leitung von Simone Eckert stellt gemeinsam mit den Sopranistinnen Veronika Winter und Ina Siedlaczek und Tenor Jan Kobow die ausgewählten Lieder jeweils in sehr vielen verschiedenen Versionen vor. Jede Strophe wird anders gestaltet; es erklingen Werke der unterschiedlichsten Komponisten, in verschiedensten Besetzungen vor- getragen, vom schlichten Kantionalsatz bis hin zu komplexen mehrstim- migen Versionen, teilweise auch reinen Instrumentalsätzen. Das alles wird sehr klangschön vorgetragen; wer sich für die Anfänge der evangelischen Kirchenmusik interessiert, der sollte sich diese CD unbedingt anhören. Und auch sonst ist sie ein würdiger Auftakt zum Lutherjahr. 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Ein Wintermärchen - Weihnachtslieder aus Deutschland (Deutsche Grammophon)

Traditionelle deutsche Weihnachts- lieder hat Christoph Israel für diese CD in ein modernes Gewand gekleidet. „Die Vorweihnachtszeit artet leider meistens in Hektik und Stress aus. Die Musik soll dazu ein Kontrapunkt sein“, kommentiert der Max-Raabe-Pianist und Komponist. „Sie soll helfen, sich wieder auf den Ursprung dieses Festes zu besinnen, das ja etwas Feierliches, Fröhliches hat. Vielleicht haben deshalb schon manche gesagt, es klinge ein bisschen nach Märchen. Oder nach Film.“ 
Die ebenso einfalls- wie farbenreichen Arrangements, die Christoph Israel für diese CD geschaffen hat, interpretiert das renommierte Filmorchester Babelsberg. Als Gastmusiker tragen auch Flötist Andreas Blau, Geigerin Meesun Hong-Coleman und  Oboist Albrecht Mayer mit dazu bei, den altvertrauten Melodien zu neuem Glanz zu verhelfen. Die Musiker polieren Klassiker auf wie Ihr Kinderlein kommet, Stille Nacht oder Leise rieselt der Schnee – und lassen sie wieder verführerisch-vorweihnachtlich funkeln. 
Einige wenige Lieder werden auch gesungen, wobei Thomas Quasthoff bei Süßer die Glocken nie klingen sein Debüt als Basso Profondo wagt. Sehr witzig. Zu hören sind zudem Cassandra Steen, Max Raabe und Gregor Meyle – mein persönlicher Favorit ist allerdings Morgen Kinder wird’s was geben mit Katharina Thalbach, die lustvoll daherbrabbelt, summt und brummelt, wie ein übermütiger Kobold. Einfach köstlich! 

Dienstag, 22. Dezember 2015

Holy Night - Heilige Nacht (Coviello Classics)

Deutsche, englische und ameri- kanische Weihnachtslieder präsentiert das Ensemble Vokalzeit auf seiner neuen CD. Dabei setzt das Herrenquartett auf Lieder, die auch literarischen Ansprüchen genügen können – und hat ihnen zudem moderne Arrangements maßge- schneidert. Da erklingt das populäre O Holy Night, komponiert von Adolphe Adam als Cantique de Noël, neben Weihnachtsliedern von Peter Cornelius, und das bekannte Have yourself a merry little Christmas, in der Sinatra-Textversion, neben Es ist ein Ros' entsprungen, in einem Vokalzeit-eigenen Satz, und Egbert Hum- perdincks Weihnachtslieder neben Markt und Straßen steh'n verlassen von Arnold Mendelssohn. Bei einigen wenigen Liedern, so auch bei diesem, haben Holger Marks und Markus Schuck, Tenor, Michael Timm und Oliver Gawlik, Bass, und Philip Mayers, Klavier, die Besetzung um die Altistin Judith Simonis erweitert. Gesungen wird gekonnt – was nicht überrascht, schließlich wurde das Ensemble durch Mitglieder des Rund- funkchors Berlin gegründet. Und auch wenn die Herren musikalischen Späßen offenbar sehr zugeneigt sind, ist dieses Album insgesamt eher ruhig und besinnlich. 

Montag, 21. Dezember 2015

Cornelius: Complete Lieder 4 (Naxos)

Peter Cornelius (1824 bis 1874) entstammte einer Künstlerfamilie. Seine Eltern waren Schauspieler, und zunächst sah es auch ganz danach aus, als wollte der Sohn ihrem Vorbild folgen: Schon mit 19 Jahren wurde er in Mainz zum Hofschau- spieler ernannt. Doch nach dem Tode seines Vaters studierte Cornelius, unterstützt von seinem Onkel, einem berühmten Maler, in Berlin Musik. Er stand Liszt nahe, und verbrachte etliche Jahre in Weimar, wo Corne- lius unter anderem (katholische) Kirchenmusik und als Kritiker für diverse Musikzeitschriften schrieb. 1858 gab es allerdings einen Eklat bei der Premiere seiner Oper Der Barbier von Bagdad: Liszt dirigierte – und Liszts Gegner störten die Aufführung. 
Cornelius ging daraufhin nach Wien. Dort setzte er sich für die Musik Wagners ein, der ihn schließlich 1864 nach München rief, wo König Ludwig II. dem Musiker einen Ehrensold zukommen ließ. 1867 wurde Cornelius Dozent an der neugegründeten Musikhochschule, und zudem ein glücklicher Familienvater. Bei einem Besuch in Mainz 1874 starb der Komponist an Diabetes; sein Grab befindet sich auf dem Mainzer Haupt- friedhof. In Mainz, im Peter-Cornelius-Archiv der Stadtbibliothek, befindet sich auch die größte Sammlung von Werken des Künstlers. 
Cornelius sah sich selbst als „Dichterkomponist“. Er schuf mehr als 700 Gedichte, er übersetzte, schrieb Libretti und publizierte in Zeitschriften. In seinem musikalischen Werk dominierte die Vokalmusik; neben Kirchen- musik schrieb er vor allem Lieder, wobei er viele seiner eigenen Texte vertonte. Und auch wenn er Liszt und Wagner persönlich nahestand, so ist sein künstlerisches Schaffen doch von einer ganz erstaunlichen Unab- hängigkeit und Originalität geprägt. 
Dass Peter Cornelius, zumal als Liedkomponist, mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, zeigt nun das Label Naxos mit einer Gesamteinspielung der Lieder des Komponisten durch erstklassige Interpreten. Empfohlen sei hier, passend zur Jahreszeit, die Folge vier, unter anderem mit den Neun Geistlichen Liedern op. 2 „Vater unser“ sowie den Weihnachtsliedern op. 8. Tenor Markus Schäfer zeigt sich als ein exzellenter Liedersänger; auch Christina Landshamer begeistert mit ihrem schönen Sopran, aber man wünscht sich von der Sängerin eine bessere Textverständlichkeit. Matthias Veit beeindruckt als ausgezeichneter Klavierbegleiter; er hat allerdings bei Cornelius' Liedern auch einen dankbaren Part. Unbedingt anhören! 

Vom Himmel hoch... (Audite)

Vor der Bescherung Hausmusik – und zum Auspacken der Geschenke UKW: Das Radio lieferte in den 50er Jahren festliche Klänge zum Weihnachtsfest. Und weil diese Sendungen wirklich jeder hörte, waren sich auch große Stars nicht zu schade, in die Rund- funkstudios zu gehen und dort ganz schlicht Weihnachtslieder zu singen. In den Archiven des RIAS spürte das Label Audite Aufnahmen aus jener Zeit mit bedeutenden Sängern auf. Zu hören sind unter anderem Erna Berger, Elisabeth Grümmer, Walther Ludwig, der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Josephine Varga oder Annelies Westen. Die Arrangements stammen von ebenso namhaften Komponisten, wie Gotthold Frotscher, Hans Chemin-Petit oder Rudolf Kühn. Vom Hendel-Quartett über das Lautenspiel von Gerhard Tucholski sowie die Orgel bis hin zum kompletten Studioorchester wurde auch bei der Begleitung eine breite Palette an Klang- farben aufgeboten.